menschlich adj. und adv
Fundstelle: Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2083, Z. 1
humanus, humaniter; ahd. mannisclîh, mhd. menneschlîch, menschlîch; humanus menschelich, menschlich, mentschlich, mentschliche, mentszlich, menslich Dief. 281ᵇ; humaniter, humane menschelich, mentschlich, menselich, menschleich, minslic, menseliche ebenda.
1)
den menschen angehörend, ihnen eigen: menschlich, das dem menschen zuͦgehört, humanus Maaler 288ᵇ.
a)
in bezug auf geschlecht und art in körperlichem sinne:
von wîben übels vil beschiet,
und ist beschehen manigvalt,
des alleʒ menschlîch künne engalt.
Boner edelst. 57, 106;
das menschlich geschlächt, humana gens Maaler 288ᵇ; ich sehe eben nicht, womit sich derjenige um das menschliche geschlecht verdient machet, der nach neun und neunzig grundsätzen des rechts der natur den hunderten entdeckt. Kästner verm. schr. 1, 30;
der ehlich standt hat fug und recht,
zu mehren das menschlich geschlecht.
H. Sachs fastn. sp. 1, 56, 76;
(Jupiter) hat mich (die wahrheit) vorlengst vom himel werdt
herab geschicket auf die erdt
zu züchtigen menschlich geschlecht.
2, 133, 94;
gott hat mir geben solch weiszheit ..
vom meer, flüssen und brunnen frischen,
von vögel, thier, würmen und fischen,
von menschlicher natur und art
und was auf erdt geschaffen wart.
3, 6, 165;
die sonn erschrickt; die erde schweigt;
es zagt das menschliche geschlechte.
Hagedorn 1, 5.
b)
von körper und körpertheilen, kräften, aussehen eines einzelnen menschen:
sîn menneschlîch bilde
was anders harte wilde,
er was eim Môre gelîch.
Iwein 424;
Cyrogrates ist ain tier, daʒ menschleich stimm lernt. Megenberg 132, 19; ein brüllender löwe aus dem walde getrieben, der redete mit menschlicher stimme. 4 Esra 11, 38; ein menschliche gestalt haben, humana specie et figura esse. Maaler 288ᵇ; diese wilden hatten eine mehr als menschliche statur (waren gröszer als sonst menschen). Wieland 12, 248; langweilige jahre, unter völkern, die kaum menschliche gestalt haben, zuzubringen. Kästner verm. schr. 1, 24; das wachsthum des menschlichen körpers. Herder z. phil. 4, 83; von der organisation des menschlichen haupts. 154; ein menschliches antlitz. J. Paul Qu. Fixl. vi; dasz auch ein theil der bevölkerung aus menschlichen ruinen besteht. Immermann Münchh. 1, 208;
ein neües wunderwerk ermuntert meinen blick.
ein bild. ein menschlich bild! der schöpfung meisterstück.
Drollinger 75.
c)
von seinen inneren eigenschaften, seinem herzen, denken, fühlen u. s. w.: das tichten des menschlichen herzen ist böse von jugent auf. 1 Mos. 8, 21; es ist noch nie keine weiszagung aus menschlichem willen erfur bracht. 2 Petr. 1, 21; alle natur, der thier und der vogel, und der schlangen und der meerwunder, werden gezemet, und sint gezemet von der menschlichen natur. Jac. 3, 7; menschliche art und natur, menschliche pflicht und neigung, so ein mensch von natur zuͦ einem anderen hat, humanitas. Maaler 288ᵇ; menschlicher weisz, wie ein mensch ze thuͦn gewon ist, humanitus. ebenda; keine tugend, kein trieb ist im menschlichen herzen, von dem sich nicht hie und da ein analogon in der thierwelt fände. Herder z. phil. 4, 123; das fürstliche schelmenstück drückt wohl die goldwaage menschlicher sünden entzwei. Schiller Fiesko 5, 16; laszt uns gehn, aus dem land, wo menschen und menschlich gefühl naus geflohen ist. Klinger Otto 19, 2; könnte sich nichts unversehens ereignen, so herrschete entweder die menschliche klugheit über alle begebenheiten, oder wenn es ihr mislänge, hätte sie nur sich selbst anzuklagen. Kästner verm. schr. 1, 6; sich allen prophezeiungen menschlicher weisheit entziehen. 14;
die allerschönsten gärtn hab ich,
die in meim herzn erfreüen mich,
dann sie tragn vil blumen und frucht,
die menschlichs gmüt zu sehen sucht.
J. Ayrer 436ᵇ (1784, 5 Keller);
der so überflüssig labt
und mit so manchem gut begabt
das menschliche gemüte.
P. Gerhard 240, 42;
wie die stände
sich bieten sollten mehr die hände,
könig, narr, staatsrath die cultur
verbessern menschlicher natur.
Tieck Octav. 374.
d)
von einrichtungen, zuständen, thaten, leben, wandel der menschen: daʒ ist sein êrsteʒ menschleicheʒ werch. Megenberg 41, 23; er (der nachtrabe) lebt von mensleicher unsauberkait. 208, 25; daʒ diu slang menschleicheu wort sprach. 270, 33; sie halten auch das menschlich leben fur einen scherz, und menschlichen wandel fur einen jarmarkt. weish. Sal. 15, 12; seid unterthan aller menschlichen ordnung. 1 Petr. 2, 13; bei menschlichen angelegenheiten. Kästner verm. schr. 1, 16; das vorurtheil will ich jetzo bestreiten, als ob die philosophie uns der menschlichen gesellschaft unnütz mache. 30; würdige mitglieder der menschlichen gesellschaft zu sein. 31; die bücher, ... die alle menschliche schriften an alter, wie an heiligkeit übertreffen. 55; der menschliche zustand ist so hoch in leiden und freuden gesetzt, dasz gar nicht berechnet werden kann, was ein paar gatten einander schuldig werden. Göthe 17, 107; und dir, .. der du an menschlichen dingen so herzlichen antheil nimmst. 18, 54; ewige dauer erhöhter menschlicher zustände. 45, 331; sproszt, ihr dämonischen kräfte, die die menschliche satzung sonst auszujäten bemüht war! H. v. Kleist Käthchen von Heilbronn 1, 1; aber auf der andern seite ists eben trefflich, dasz gerade hier das gesetz sich menschlich wiederholt, welchem zufolge im reiche der thiere die verfolgtesten und furchtsamsten, z. b. fische und hasen, die fruchtbarsten sind, so dasz sich eben so im menschlichen reiche die unterthanen mehr vermehren als die oberherrn. J. Paul leb. Fibels 41; wegen der stille des orts und vielleicht auch wegen seiner dem menschlichen alter ähnlichen physiognomie. Immermann Münchh. 1, 208;
ich, Apolo, steig ab vom himel,
zu schawen das menschlich gewimel.
H. Sachs fastn. sp. 3, 41, 2;
keiner vom andern sich menschlich gewalt lasz trennen.
Zinkgref bei Opitz 1624 223;
er (Zeus) ist obmann menschlicher kriege.
Bürger 213ᵇ;
wo, tief zwischen ranken
der wildnis versteckt,
kein menschliches wanken
den träumenden weckt.
Matthisson ged. (1794) 77.
e)
menschlich sein, zum menschengeschlechte gehören:
ein kalb scherzt, gumpt und springt, das messer eh es fühlet,
ein mensch denkt nie an den, der stündlich auf jhn zielet:
der wolf nimmt was jhm kümmt, ist feind für wild und vieh,
was mensch und menschlich ist, ist frei für menschen nie.
Logau 1, 108, 53
(vergl. dazu auch menschliches mensch sp. 2034); und das neutrum substantivisch, etwas menschliches, ein menschliches wesen, ein mensch:
er sammelt kraft, die höhe zu ersteigen,
dort hofft er seine mühe bald belohnt.
nun, spricht er zu sich selbst, nun musz sich zeigen,
ob etwas menschlichs in der nähe wohnt!
Göthe 13, 178;
zwar toben uns (bergleuten) tief, wo nichts menschliches wallt,
die wasser mit feindlichem ringen.
Korner 2, 87.
2)
menschlich, im gegensatz zu göttlich: heb dich satan von mir, du bist mir ergerlich, denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Matth. 16, 23; ich thu euch aber kund, lieben brüder, das das evangelium, das von mir geprediget ist, nicht menschlich ist, denn ich hab es von keinem menschen empfangen, noch gelernet, sondern durch die offenbarung Jhesu Christi. Gal. 1, 11; dasz ich gottes gnad erlangen und behalten möchte, als ich gesucht hab menschliche gnad. Schuppius 132; anstatt die filosofie mit Cicero als die wissenschaft der göttlichen und menschlichen dinge zu definieren. Wieland 29, 139; die neue religion bekannte einen obersten gott, nicht so königlich gedacht wie Zeus, aber menschlicher; denn er ist vater eines geheimnisvollen sohnes. Göthe 43, 399; Christus hat göttliche und menschliche natur, ist göttlicher natur, aber menschlich geboren; dieses göttlich menschliche wesen (Christus). Göthe 43, 399;
die maget werde,
die du ze muoter hâst erkorn,
von der du menschlîch wurde geborn.
Wackernagel kirchenl. 2, 382 (nr. 529, 1);
im gegensatz zu teuflisch: das ist nicht die weisheit, die von oben her ab kompt, sondern jrdisch, menschlich und teufelisch. Jac. 3, 15; wo auch die bedeutung 9 unten einspielt: kein menschliches mittel liesz ich unversucht — ich musz zu einem teuflischen schreiten. Schiller kab. u. liebe 2, 7.
3)
menschlich, mit hervorhebung der schranken und der unzulänglichkeit der menschennatur: so wir denn göttlichs geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die gottheit sei gleich den gülden, silbern, steinern bilden, durch menschliche gedanken gemacht. ap. gesch. 17, 29; und mein wort und meine predigt war nicht in vernünftigen reden menschlicher weisheit, sondern in beweisung des geists und der kraft. 1 Cor. 2, 4; hab ich menschlicher meinung zu Epheso mit den wilden thieren gefochten? 15, 32; ich wil nach menschlicher weise reden. Gal. 3, 15; wenn der arzt ... zu euch spricht: menschliche hülfe ist umsonst! Schiller räuber 5, 1; da musz mich eben ein zarter seufzer im nebenzimmer an die menschliche schwachheit erinnern. Arnim Hollins liebeleben s. 33 Minor; was ihr hartnäckig begehret, das wurde nach menschlichem erkennen für alle zeiten vereitelt. Freytag ahnen 4, 437; nach menschlicher berechnung wird der kranke in diesen tagen sterben; nach menschlichen begriffen zu reden u. ähnl.;
einen kreis,
den menschlicher verstand nicht zu ermessen weis.
Brockes 2, 197;
adverbial: ich mus menschlich davon reden, umb der schwacheit willen ewers fleisches. Röm. 6, 19;
es ist menschlich zwischen uns beeden
in warheit anders nicht zu reden,
dann jhr majestat sterb die tag.
J. Ayrer 143ᵃ (716, 15 Keller);
in formeln, wie menschlich irren, fehlen, straucheln, gleiten:
ich habe menschlich, jugendlich gefehlt,
die macht verführte mich.
Schiller M. Stuart 3, 4;
sprichwörtlich irren ist menschlich; es ist menschlich, es begegnet dem menschen, humanum est. Maaler 288ᵇ;
weil irren menschlich ist, kümmt klärlich an den tag,
dasz weiber man nur auch für menschen rechnen mag:
es irrte Grunnia zum tügen menschlich nu,
sie sollte gehn zum mann und gieng zum knechte zu.
Logau 1, 106, 46;
wen straft kein selbstbetrug? wie menschlich ists zu gleiten?
Hagedorn 1, 97.
4)
diese bedeutung auch in der formel menschlich und möglich, wofür jetzt menschenmöglich (s. d.): ich solt ihm nur sagen, wasz ich gern hett, und wasz ich dörft, wär es menschlich und müglich, so wolt er sich nit spahren, und wolts überkommen. Götz von Berl. 76; doch will ich hierin alles das muglich und menschlich ze thun nit underlassen. Schertlin br. 80; so viel müglich und menschlich. M. Neander vom sel. absterben s. 6; so viel nur immer menschlich und müglich war, vollenbracht Cincinnatus. Kirchhof wendunm. 79ᵇ; es soll ein jedere mutter, so viel immer menschlich und müglich, ihr kind selber tränken (säugen). Colerus hausapothek (1640) 354; ein kopf so mit ander leut augen sieht, dem ists nicht menschlich noch müglich, sich für betrug zu behüten. Lehmann floril. 1, 463; was nur menschlich und möglich ist, quantum homines possunt. Steinbach 2, 46; auch mensch- und möglich: dieser tuht hier so viel ihm immer mensch- und müglich ist, noch dennoch kann er in der weiten welt kein weib bekommen. Göring liebesmeyenblühmlein (1654) 105; mensch- und möglich. irrg. d. liebe 62; daher menschliche möglichkeit: auch sogar des allerkleinesten kindes bestes nach meiner menschlichen möglichkeit zu befördern. Felsenb. 4, 236; es ist aber keine menschliche möglichkeit im november schon zu euch zu kommen. Wieland in Mercks briefs. 2, 107. vergl. auch menschmöglich.
5)
menschlich, mit hinblick auf das gebrechliche und sterbliche des menschen:
menschliches wesen
was ists? gewesen.
in einer stunde
geht es zu grunde.
P. Gerhard 294, 61;
man musz menschliche zufälle ertragen, humana ferenda sunt. Steinbach 2, 46;
wie wenn, als (wie es) menschlich ist, sie längst vorhin gestorben!
A. Gryphius (1698) 1, 131;
ich halte warlich nicht, dasz dieser wütrig wuste,
dasz er auch menschlich war, und dasz er sterben muste.
Rachel satyr. ged. (1667) s. 69.
6)
so wird das straucheln, fallen, unglück, der tod des menschen als etwas menschliches bezeichnet: er (der schauspieler) musz überall mit dem dichter denken; er musz da, wo dem dichter etwas menschliches wiederfahren ist, für ihn denken. Lessing 7, 4; seine markgrafschaft hatte er (Friedrich von Baden), ehe er in den krieg zog, seinem sohne abgetreten, um sie durch diesen kunstgriff der rache des kaisers zu entziehen, wenn das glück etwas menschliches über ihn verhängen sollte. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 111;
landsmann, tröstet ihr
mein weib, wenn mir was menschliches begegnet (Tell zum hirten).
Tell 1, 1;
den dichtern auch
begegnet jezuweilen etwas menschliches.
Platen 281;
etwas menschliches kann aber auch sinnliche schwäche, sinnlichkeit bedeuten:
gesetzt, sie fühlt bei dem gemählde schon
was menschliches: so dient es ihr zur lehre.
Wieland 17, 15 (Idris 1, 8).
7)
der mensch selbst wird danach menschlich genannt, vergl. untermensch 8, d sp. 2026; schon mhd.:
des müge wir wol der megde jehen,
die got lîphaft ze himel nam,
dar menschlîch mensche nie bekam.
minnes. 2, 175ᵇ Hagen;
sein fühlen ist menschlich, wenn er sich hinreiszen läszt; im spiel mit der folgenden bedeutung (8):
Antonio. allein gestehe, wenn ein wackrer mann
mit heiszer stirn von saurer arbeit kommt,
und spät am abend in ersehnten schatten
zu neuer mühe auszuruhen denkt,
und findet dann von einem müsziggänger
den schatten breit besessen, soll er nicht
auch etwas menschlichs in dem busen fühlen?
Leonore. wenn er recht menschlich ist, so wird er auch
den schatten gern mit einem manne theilen,
der ihm die ruhe süsz, die arbeit leicht
durch ein gespräch, durch holde töne macht.
Göthe 9, 185.
8)
menschlich, von dem, was allen menschen gemeinsam im gehobenen denk- und empfindungsleben hervortritt und was von gesellschaftlichen bezügen abgesehen ihre eigenartigkeit ausmacht, vergl. dazu mensch 8, e sp. 2027: ich bin ein mensch, nichts menschlichs ich von mir fremd schetze. Terent. deutsch (1499) 69ᵇ, nach
homo sum, humani nihil a me alienum puto.
Heautont. 1, 1, 25;
und der gröszte derer, die weiber gebaren, der gröszte,
weil er der menschlichste war.
Klopstock 5, 354 (Mess. 15, 617);
mit besonderer beziehung auf vernunft und überlegung, in der formel menschlich leben: aber da ein mensch lebt nach vernunft, das heiszet menschlich gelebt. Keisersberg pred. 62ᵃ; welches allermeist menschlich, das ist vernünftiglich lebt, das ist alleredelst. seelenpar. 5ᵃ; o mensch, du solt menschlich leben, dem bösen wird got nach geben. Steinhöwel Esop (1569) 22; im gegensatz zum thierischen:
gott gab uns die vernunft, dadurch uns zu regiren;
wir brauchen die vernunft, dadurch uns zu verführen:
ein mensch hat zwar vernunft, lebt aber wie ein vich,
ein vich hat nicht vernunft, lebt menschlich gegen sich.
Logau 1, 135, 83;
mit betonung des empfindungslebens: menschlich heiszt uns die schilderung eines affects, nicht weil sie darstellt, was ein einzelner mensch wirklich so empfunden, sondern was alle menschen ohne unterschied mit empfinden müssen. Schiller hist.-krit. ausg. 6, 336; es heiszt ein menschliches gefühl, interesse, ein menschlicher zug, blick u. s. w.: überhaupt hat das gebirgsleben etwas menschlicheres als das leben auf dem flachen lande. Göthe 21, 20; das gespräch verlor sich indesz .. in die vergangene zeit, und es fehlte nicht an bejahrten personen, welche jener vor der gegenwärtigen den vorzug gaben, wenigstens in absicht auf ein gewisses menschliches interesse und einer leidenschaftlichen theilnahme, welche dabei vorgewaltet. 24, 307; sie wuszten auch einen schönen menschlichen zug dieser hohen personen zu erzählen, die wir so eben in dem gröszten prunk vorbeiziehen gesehn. 309; so müssen sie mich ansehen, in dem blick liegt doch etwas menschliches. Freytag dram. werke 1, 365;
auf diesen berg ist er gestiegen,
auf diesem stand er tausend mahl;
das stillste menschlichste vergnügen
stand bei ihm, sah mit ihm ins thal!
Gleim 2, 226;
und freundlich hoff ich unter holdem schutz
ein menschlich finden in willkommner stunde.
Freytag dram. werke 1, 127;
menschlich sein:
der schönheit wollen wir uns freun,
und bei der schönen gaben fülle
nicht menschen nur, auch menschlich sein.
Voss 4, 262;
als subst. neutr. das menschliche, was das wesen des wahren menschen ausmacht:
wenn aber nun vom scheine
das herz sich abgekehrt
und nur das echte, reine,
das menschliche begehrt.
Uhland ged. 46;
menschlich adverbial: dasz er (Klopstock) ... in dem hause eines groszen, und auch menschlich (was sein wesen als mensch betrifft) betrachtet, fürtrefflichen staatsmanns eine zeit lang wohl aufgenommen war. Göthe 25, 292; die lust zu leben, zu wirken, menschlich edel und gutthätig, vergnügt zu leben. Herder z. phil. 3, 110;
in die stillere wohnung
wo sich, nah der natur, menschlich der mensch noch erzieht.
Göthe 1, 331;
hat unter dieses purpurmantels prangen
ein hohes, königliches herz geschlagen,
ein herz, erfüllt von heiligem verlangen,
von reger kraft, in weitesten bezirken
belebend, hülfreich, menschlich grosz zu wirken?
Uhland ged. 147.
9)
menschlich, vorzugsweise mitgefühl, schonung, erbarmen eines menschen gegen andere hervorhebend (vergl.mensch 8, e zu ende, sp. 2027); es heiszt ein menschliches gefühl, eine menschliche behandlung u. ähnl.; ein menschliches herz gegen andere haben;
(bei) dem wahn, du tragest ein menschliches herz,
bei deiner Cains-bruderschaft
beschwöre ich dich und nöthige
dich selbst dir eigne hölle zu sein!
Göthe 3, 211;
und zum könige bringt man die wundermär,
der fühlt ein menschliches rühren.
Schiller bürgschaft v. 132;
menschlich sein: das ist nicht menschlich, inhumanum hoc est, omnem humanitatem excedit. Stieler 1240; unter den sachwaltern als den jüngern, sodann unter den richtern als den ältern, verbreitete sich der humanismus, und alles wetteiferte, auch in rechtlichen verhältnissen höchst menschlich zu sein. gefängnisse wurden gebessert, verbrechen entschuldigt, strafen gelindert. Göthe 26, 192;
allerschönste, bist du göttin,
bist du menschlich, so verzeihe.
Tieck Octav. s. 278;
menschlich adverbial: o himmel! strafe menschen menschlich, wenn sie dich reizen. Schiller kab. u. liebe 3, 6;
ihr quält das kind zu sehr ..
das nenn ich menschlich nicht verfahren.
H. v. Kleist Käthchen von Heilbr. 1, 2.
vergl. unmenschlich.
10)
menschlich, was von menschen getragen, erlitten werden kann: ich lies sie ein menschlich joch zihen. Hos. 11, 4; es hat euch noch keine, denn menschliche versuchung betretten. aber gott ist getrew, der euch nicht lesset versuchen, uber ewer vermögen, sondern machet, das die versuchung so ein ende gewinne, das jrs künd ertragen. 1 Cor. 10, 13; auch für menschen annehmbar, menschenwürdig: das sind keine menschlichen zustände mehr; wir gelangen zu einer etwas gröszern hüttenversammlung, die man vielleicht hätte ein dorf nennen dürfen; in einiger entfernung davon auf einem freien hügel stand eine capelle, und es fing schon an wohnlicher und menschlicher auszusehen. Göthe 23, 56.
Zitationshilfe
„menschlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/menschlich>, abgerufen am 13.12.2019.

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