Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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merk, m.

merk, m.
sium latifolium, wassereppich; eine wasserpflanze in mehreren arten: merk, mörk Nemnich 4, 1312; apium merk, mirk Dief. 40ᵇ; berula wassermerk 72ᵃ; selinum merk l. espe 525ᵃ; eigentlich niederdeutsche form des namens, der auch ags. als merici, merec, merecmint sich findet, im ältern hd. aber merrich und märgel lautet (Dief. 40ᵇ; pastinaca merhern, marhel 416ᵃ), und mit möhre (s. d.) zusammenhängt; doch erscheint merk auch im süden: apium eppe vel merk Schm. 1, 1652 Fromm. (14. jahrh.); vgl. auch mark 8, sp. 1633. im wortspiele mit dem imperativ des verbums merken, s. den reimspruch unter melde, sp. 1991.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2092, Z. 57.

merk, n.

merk, n.
merkzeichen; mnd. merk zeichen Schiller-Lübben 3, 75ᵃ; merk, merkzeichen, nota, signum Schottel 1363 (als masc., aber wol durch druckfehler; vergl. jedoch die zusammensetzung augenmerk, th. 1, 809 oben); die eigentlich oberdeutsche form dafür ist march, mark sp. 1633 (daneben gemerk, s. d.), doch reicht merk in der älteren schriftsprache selbst über Mitteldeutschland hinaus: merk, meta, vulg. zil, quod est signum aut terminus alicuius rei. merk, vulg. zeichen, da bei man etwas merkt, signum. voc. inc. theut. n 5ᵇ; ein jeglicher handwerker soll sein gewöhnlich merk haben und damit, was er gearbeitet oder gemacht hat, zeichnen, damit man sehen kan, wer die arbeit oder das werk gemacht habe. Waissel chron. (1559) 106ᵃ; man saget, dasz der maulbeerbaum seine blätter nicht herfür stosze, alldieweil noch kälte vorhanden sei, daher auch etliche leut ihr merk abnemmen, ob noch kälte zu gewarten sei oder nicht. Tabernaemont. kräuterb. 1391; unter vielen so genannten sieglen oder merken in erzt, will ich nur eines anführen. Winkelmann 2, 67;
das abgeredte merk und zeichen gibt er flugs.
D. v. d. Werder Ariost 5, 46, 7;
gleich wie der alte bund den juden von den heiden
durch ein besonders merk des leibes müssen scheiden.
Opitz Hugo Grotius' wahrheit s. 387;
doch ist der augen blitz
das rechte wunderwerk, der gottheit merk und sitz.
v. Haugwitz Soliman 1, 64;
sieh an der mauer dort das merk:
nicht, lieb, du kannst den strich gewahren?
dort hemmte sein zerstörungswerk
der alte Rhein vor sechzig jahren!
Freiligrath dicht. 3, 80;
merk auch der punct wo zweierlei zusammenstöszt und sich merkbar von einander unterscheidet: die vierte (maus) wirt, wenn sie zu dem merk oder ort der andern kompt, auch zu einem starken haarwachs. Uffenbach neues rossb. (1603) 1, 209; endlich als kleinstes masz: in Mitteldeutschland es ist um ein merkchen kleiner; schütte noch um ein merkchen mehr ins glas; wie im dän. kjende gebraucht wird: det er en kjende for langt, eine kleinigkeit zu grosz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2092, Z. 68.

merke, f.

merke, f.
nebenform zum fem. marke 1, sp. 1636; in der bedeutung grenzzeichen, grenze: das holz an der kilchstaig ob dem weg ist ain recht gmain merk .. item der Schwarzenbach ist ain recht gmain merk. weisth. 5, 155 (St. Gallen, von 1466); in der bedeutung abzeichen, kennzeichen: furter sucht der quartiermeister ein gut schön hausz .. zu des obersten losament, dem obersten leutenampt ... zeichnet diese losamenter alle mit seiner merk. Kirchhof mil. disc. 122; auch mittelniederd. merke, zeichen, merkzeichen, bezeichnung einer grenze Schiller-Lübben 3, 75ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2093, Z. 48.

merke, f.

merke, f.
ziel, absicht: ich hatte eine gute merke, zu ihrer (der deutschen kokarde) ablegung zu rathen. Varnhagen tageb. 6, 384. es ist das mhd. häufige fem. merke (Lexer 1, 2112), das wol noch landschaftlich lebt, mehr angewendet als beachtet und aufgezeichnet; vom Westerwald wird die redensart zu merk nehmen beigebracht. Kehrein 278.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2093, Z. 58.

merken, verb.

merken, verb.
notare, animadvertere, memoria tenere.
1)
als ableitung von mark sp. 1633 erscheint, neben dem in marken (sp. 1637) fortlebenden ahd. alts. markôn gimarkôn, ags. mearcian, auch ahd. merkan, merchan animadvertere mit gamerchan notare, pimerchan designare (pimarhtun designaverunt Steinmeyer-Sievers 2, 255, 69), weiter ausgebreitet in mhd. merken, wo auch die ursprüngliche bedeutung: mit einem zeichen versehen, kenntlich machen, sichtbar zu der heutigen mehrfachen sich entfaltet, mnd. merken, nl. merken neben marken, signare, notare, insignire Kilian; eine form mirken mit tonerhöhung ist mitteldeutschen quellen eigen: considerare merken, mirken Dief. 144ᵃ; das prät. lautet ahd. marhta, mhd. neben merkete marhte und marcte, eine form, die noch im 17. jahrh. nicht ausgestorben ist: daʒ marhte man dobi. d. städtechron. 8, 139, 2; welche aber schwach und zweivelhaftig sind, das sich dieselben nicht viel unterwinden des christlichen wesens und bekennens, auf das sie nicht in jren worten gemarkt, angegriffen, und als denn zum verleugnen sich dringen lassen. Luther 3, 401ᵃ; da kam er zur malzeit, asz und trank zwar, aber sehr wenig, welchs ich unter allen am tisch allein markte. Bugenhagen ebenda 403ᵇ; er hat gesehen, das pfalzgraf Ruprecht stolz und reich, dazu küne war .. widerumb hat er gemarkt, dasz Maximilian ein erbar, aufrichtig gemüt hatte. tischr. 199ᵃ; die anderen guͦten gesellen markten disz an jm. Wickram rollw. 69, 26 Kurz; er markt von stundan wol, wen er vor jm hatt. 180, 13;
so freundlich aber er die helden hier empfinge,
dasz man wol markt, dasz es jhm recht von herzen gienge.
D. v. d. Werder Ariost 15, 74, 6;
starke präteritalformen haben sich in niederdeutschen mundarten ergeben: in der Altmark merken, prät. murk, part. murken und murkt Danneil 136ᵇ; in Westfalen merken, part. merket und morken Woeste 174ᵃ. in Leipzig wird, wie in Berlin, das part. gemorken für gemerkt scherzhaft gebraucht. Albrecht 56. 121ᵃ.
2)
merken, mit einem zeichen versehen:
dô wart Hildebolten ouch ein riz
durch den rüʒʒel sîn an diser stunde:
iemer muoʒ er haben dank, der imʒ sô meisterlîchen meʒʒen kunde
von den ôren zuo der nasenspiz.
daʒ ir hundert sô gemerket wæren,
daʒ man si erkande durch ir spot!
minnes. 3, 225ᵇ Hagen;
wan wir si gerne ... uszzaichnen wolten mit zaichen uff ir gewand ze machen, umbe daʒ man si füro für juden erkennen mocht, nachdem und si an vil enden und in menigen landen, alʒ wir vernemen, gemerket und uszbezaichnet sind. d. städtechron. 5, 375, 11 (Augsburg, von 1432); aber etliche die auch mit giengen, wolten das loch merken und zeichnen (ἐπισημήνασθαι septuag.), sie kundtens aber nicht finden. 2 Macc. 2, 6; das eichstättische blumenbuch stellt uns eine aquilegiam stellatam vor, mit weiszen, von kleinen häufigen schwarzen tüpflein gemerkte blumen. Hohberg 1, 670ᵃ; ihre (die äginetischen) gefäsze ... waren mit einem wilden widder gemerket. Winkelmann 6, 14;
spil ist mein höchste freud auf erd,
das mir doch oft den beutel leert,
wiewol ich kan die würfel knüpfen,
die kartenbletter merken und krüpfen.
H. Sachs 5, 357ᶜ;
mir gilt es sehen auf die hend.
ich kan gar schwind die würfel knüpfn,
die kartenbletter merkn und krüpfn.
dessen fastn. sp. 1, 59, 181;
im bair. schaf merken, schafe zeichnen, mit der redensart: das gêt um wies schâfmerken, von geschäften, die leicht und kurz nach einander abgethan werden. Schm. 1, 1651 Fromm.
3)
merken, sich etwas schriftlich anzeichnen, für das gedächtnis bezeichnen, notieren: am 19. novembris aber ein graussam wetter mit plizen, donnern, staindlen. dy wetter sein darumb gemerkt, das ein selzam wunder diser zeit im jar ist. d. städtechron. 15, 54, 25; sobald ich auf meinem zimmer war, merkte ich mir in meiner schreibtafel den tag und die stunde, wo das geschehen war. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 199. vgl. anmerken, bemerken, vermerken, vormerken und merktafel.
4)
merken, durch kennzeichen inne werden, erkennen: merken oder auf das gespor kommen, conjecturam accipere Maaler 288ᵈ; die bedeutung wird wol auch durch zusammenstellung mit sinnverwandten verben kräftiger hervorgehoben: und ward sein leib durch aus so kalt, das kein farb, kein blut, kein fülen, kein stim, kein zeichen des lebens, sondern allein der tod an jm zu sehen und merken war. Bugenhagen bei Luther 3, 401ᵇ; auf das man sehe und erkenne, und merke und verstehe zugleich, das des herrn hand habe solchs gethan. Jes. 41, 20; als vil und ich mag merken und verston, quantum animi mei conjectura colligere possum. Maaler 288ᵈ;
o mein freundt, erst merk ich und spür,
das unser freundtschaft hat ein loch.
H. Sachs fastn. sp. 3, 63, 234;
und es steht merken
a)
mit sächlichem accusativ:
wand ir geist was ze merken swach
die grôʒen êre und daʒ gemach.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3522;
sô kan si wol gebâren,
sam si niht merke ir trügenheit.
K. v. Würzburg troj. krieg 2495;
da nu Jhesus markte jre schalkheit. Matth. 22, 18; er aber merket jre heuchelei. Marc. 12, 15; da aber Jhesus jre gedanken merkte. Luc. 5, 22; er aber merket jre liste. 20, 23; und die jr nahe seid, merket meine sterke. Jes. 33, 13; ein stork unter dem himel weis seine zeit, ein dorteltaube, kranich und schwalbe merken jre zeit, wenn sie widerkomen sollen. Jer. 8, 7; aber was er thun wil, das sihet niemand, und das wetter, so furhanden ist, merkt kein mensch. Sir. 16, 19; wie die zunge das wiltpret kostet, also merkt ein verstendig herz die falschen wort. 36, 21; solches merkte ich gleich. Simpl. 1, 170 Kurz; er merkt die falschheit, observat dolum. Steinbach 2, 50; dasz von allen bisher an die verlaghandlungen eingeschickten mit muthmaszungen gefüllten brieffelleisen keines mäuse merkte. J. Paul Tit. 1, 69; uns in der stadt aber vergeht der winter, fast ohne dasz wir ihn merken. Freytag handschr. 1, 214;
dasz sie all merken dein fürnemen.
Grobian. G 2ᵃ (v. 1656);
oder meinst ich sei nicht so kluͦg,
dasz ich wol merk dein abenthewr?
M 4ᵇ (v. 3139);
(sie) meint es wer der teufel do,
schrei jhrem mann zu mordio,
der mann gelaufen kam so baldt,
und als er merkt der sachen gstalt,
hielt er den münchen auf im grimm.
L. Sandrub kurzweil (1618) 90;
was witzig ist und klug,
merkt bald den anstrich und betrug.
P. Melissus bei Opitz 1624 163;
kein auge, ohr, verstand ist so blind, taub und grob
so nicht das lob
des höchsten werks, worts, gnad kan sehen, hören, merken.
Weckherlin 74;
es hat gott durch sein wort disz runde haus gebauet,
und was man drinnen merkt, und was man auszen schauet.
Logau 1, 66, 66;
merkst du nicht des satans list?
P. Gerhard 136, 5;
ihr (hände) fühlt den puls, ihr merkt die schnellen brände.
Günther 936;
man reibt ihr schlaf und puls, kein leben ist zu merken.
Gellert 1, 57;
in den begriff des körperlichen sehens verlaufend:
dort merk ich schon den raum, worauf wir uns versprochen,
dort blickt der altan vor, auf dem wir sechzig wochen
die wächter hinders licht geführt.
Günther 185;
in wolken staubes
seh ich nur die waffen schimmern,
hier ein drängen, dort ein rennen,
welche von den unsern fliehen,
und die sonne blendet, dasz wir
merken keine unterschiede.
Tieck Octavian 349;
es, etwas, nichts merken: also nam David den spies und den wasserbecher, zun heubten Saul, und gieng hin, und war niemand, der es sahe, noch merket. 1 Sam. 26, 12; wer ist weise, der dis verstehe, und klug, der dis merke? Hos. 14, 10; man merket es, man sahe es, advertebatur. Maaler 288ᵈ; er merkte es bald, festine hoc odorabatur. Steinbach 2, 50; man merkts handgreiflich, apparet atque extat. ebenda; wie er dann zuvor auch etwas gemerkt. Simpl. 1, 183 Kurz; sie sind ein gefährliches mädchen, das merke ich. Gellert 3, 273; geht ihr zu den hinterthoren hinaus, dasz Dorias spionen nichts merken. Schiller Fiesko 2, 18; wer dem vogel die eier wieder unterlegen kann, sagte jetzt der Frieder, ohne dasz es der vogel merkt! Hebel 2, 110; der hund winselt und heult, zerrt den andern metzger am rock, und der metzger merkt auch etwas. 168; im spätjahr 1813 erfuhren wir Brassenheimer von dem krieg in Sachsen auch lange nichts anders, als lauter liebes und gutes, wer nämlich französisch gesinnt war, und niemand hatte, bei thurmstrafe, das herz etwas anderes zu wissen, ... ausgenommen ein lustiger kumpan, der spielmann in der untern gasse hats gemerkt. 3, 61; der herr amtmann hat zum glück nichts gemerkt. 62; dieser darf auch kein wörtchen davon merken. Hauff Lichtenstein 1, 52;
ich sah
gar oft nach ihm, wenn ich nach einem andern
zu sehen schien; er merkt es nicht, er sollt
es auch nicht merken.
Göthe 10, 295;
auch ohne object, wo mehr ein geistiges verstehen, als ein blosz sinnliches inne werden oder erkennen, hervortritt:
sie lieszen sich also in gnaden herab
durch blicke seinen muth zu stärken,
denen, aus furcht er möchte nicht merken,
man alle mögliche klarheit gab.
Wieland 21, 31;
also mama; da merkte die magd, und rasch mit gelächter
ging sie die treppe hinab, zu beschleunigen wasser und leuchtung.
Voss Luise 3, 2, 635.
b)
mit persönlichem accusativ, einen merken, eines inne werden, seine anwesenheit erkennen, spüren: eine mücke hat sich einsmahls auf das horn eines ochsen gesetzet, und vermeinet, sie würde dem ochsen wol mit ihrem leibe etwas beschwehrlich fallen, saget derwegen, lieber ochse, wenn ich dich etwa zu sehr drücke, so sage mirs, so wil ich hinweg fliehen. der ochse antwortet: ach du, ich habe dich nicht eines gemerket, und weisz nicht auf welch horn du dich gesetzet. Lokmans fabeln 13;
flieh nur! flieh nur, meine liebe,
dasz dich Zeus nicht merke!
Schiller Semele v. 312;
mich merkt kein aug, und alle blicke winken
auf meine stolze hälfte nur.
die berühmte frau v. 36;
da merkt ihn wol Menelaos.
Voss Odyss. 4, 116;
wie mhd.: sô wirt (durch einen zauberring) sô rehte wilde
den liuten iuwer bilde,
daʒ iuch kein ouge merket.
K. v. Würzburg troj. krieg 9217.
c)
in anderm sinne mit solchem accusativ, wenn er auf den innern menschen geht; einen merken, eines gedanken oder absicht inne werden, verstehen: darumb merk mich eben, wesz ich auf diszmal gesinnet bin. Wickram rollw. 95, 28 Kurz; dieweil jr die frag an mich gethan habt, wil ich meinen raht darzu geben. darumb merkt mich recht, unser sohn Claudius ist einer kleinen stärk, derhalben er zu keim groben handel zu gebrauchen ist. b. d. liebe 7ᵇ; doch, ich merke dich. Wieland 1, 168; o schalk, ich merke dich! Klinger 1, 226; einem einzigen kind mag man doch auch nicht vor seinem glück sein. sie werden mich je doch wohl merken, herr sekertare? Schiller kab. u. liebe 1, 2;
junkfraw, so merkt mich eben!
Uhland volksl. 11;
so merkt mich, liebe junkfraw mein:
ir mögend wol die mittelst bluͦm im krenzlein sein!
ebenda;
o Alexander merk mich recht,
wann aller welt bist du ein knecht.
Schwarzenberg 117ᵃ;
weich, unterricht hast du genug.
du merkst mich wol, bist anders klug.
H. Sachs fastn. sp. 3, 9, 252;
Thoas. die priesterin vernimmt sie (die götter) wohl allein?
Iphig. vor allen andern merke sie der fürst.
Göthe 9, 23.
d)
mit abhängigem satze: an dem andern tage, also er sich übel gehuͦp und wol merkete das er sterben muͦste. d. städtechron. 8, 312, 10; und Saul sahe und merket, das der herr mit David war. 1 Sam. 18, 28; da aber David merket, das Saul böses uber jn gedacht. 23, 9; da erwachet Pharao, und merkt, das ein traum war. 1 Mos. 41, 7; so merke ich, das jr nicht kundschaffer, sondern redlich seid. 42, 34; wenn sie (die bäume) jtzt ausschlahen, so sehet jrs an jnen, und merket das jtzt der sommer nahe ist. Luc. 21, 30; da Jhesus nu merket, das sie komen würden, und jn haschen. Joh. 6, 15; dann ich konte leichtlich merken, dasz männiglich den ernstlichen willen gottes wüste; ich merkte aber hingegen keinen ernst, denselben zu vollbringen. Simpl. 1, 81 Kurz; ich merkte aber gleich, dasz es meines herrn fourierschützen waren. 129; ich merke, dasz es dir schon wehe thut. Gellert 3, 78; man merkt, dasz alles eitel ist und eine kurze vorbereitung. Freytag handschr. 1, 139;
ich merk das du mir gutes ganst.
H. Sachs fastn. sp. 1, 104, 163;
o gott Apolo, erst merk ich,
das du gar hast betrogen mich.
3, 50, 107;
man merkt es gar zu bald, dasz du ihm günstig bist.
Gellert 3, 364;
(eine fee) die über dem hohen geschäfte, den geist sich aufzuklären,
nicht merkte, dasz ihr, trotz seinem hohen flug,
in laeva parte mamillae so gut wie andern was schlug.
Wieland 5, 67 (n. Amadis 14, 9);
du könntest merken, dasz du lästig bist.
Schiller braut von Messina v. 1709;
da rief der könig Israel allen eltesten des lands, und sprach, merkt und sehet, wie böse ers furnimpt. 1 kön. 20, 7; wer kan merken, wie oft er feilet? verzeihe mir die verborgen feile. ps. 19, 13;
da sie merkt, wie sie ward verspott.
Grobian. H 3ᵃ (v. 2025);
bis dasz ich gieng ins heiligtum
und merkte, wie du, unser ruhm,
die bösen führst zu ende.
P. Gerhard 192, 55;
ich merke, wie der neid
auf diesen letzten satz sein geiles feuer speit.
Günther 755;
weiszestu die zeit, wenn die gemsen auf den felsen geberen? oder hastu gemerkt, wenn die hirsschen schwanger gehen? Hiob 39, 1; ich merke schon, in Italien wächst mein strick nicht. Schiller Fiesko 4, 9; dasz sie leicht merken konnte, ich müsse mehr von ihr wissen. Wieland 27, 251;
ich merk, dw pist vast meines pluez (bluts)
und gleichst mir vast in allen sachen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 16, 112;
o Apolo, du hoher gott,
ich merk, du treibst ausz mir den spot.
3, 46, 164;
ich merk, dw pist von edlem stamen.
hürn. Seufrid 22, 607 Götze;
wodurch der liebste merkt
sein thun sei wol gethan, und seine thurst gestärkt.
Logau 2, 14.
solchen fügungen zunächst stehen formeln merk ich, wie ich merke, als zwischenschiebungen: nun hauptmann, wo stickst du? was ists? du willst noch länger hier bleiben, merk ich? Schiller räuber 4, 3;
unser sudwind hat die stärke
von den seufzern meiner angst,
die du, Phillis, wie ich merke,
noch mit fleisz von mir verlangst.
Günther 293.
e)
dafür mit inf. oder particip: nu sie ... geistlicher recht straf so fern von ihrem toben sein merken. Luther br. 2, 373; niemand anders, als der, welcher sich getroffen merkt. Rabener sat. 1, 159.
f)
mit instrumentalen beisätzen: durch den glauben merken wir, das die welt durch gottes wort fertig ist. Hebr. 11, 3; daran wil ich merken, ob jr redlich seid, einen ewer brüder lasset bei mir. 1 Mos. 42, 33; an den früchten merket man, wie des baums gewartet ist, also merket man an der rede, wie das herz geschickt ist. Sir. 27, 7; man sihets einem wol an, und ein vernünftiger merkt den man an seinen gebärden. 19, 26; obzwar ich nichts vom lesen und schreiben gewust, so merkte ich doch an seinen augen, dasz ers mit etwas in selbigem buch zu thun hatte. Simpl. 1, 37 Kurz; das du mir hest gesant einen gebogen stap .. bi dem gebogen stabe merke ich, das sich die gewaltigesten künige vor mir biegende werdent. d. städtechron. 8, 307, 7; herr herr, wo bei sol ichs merken, das ichs besitzen werde? 1 Mos. 15, 8; da bei solt jr merken, das mich der herr gesand hat, das ich alle diese werk thet. 4 Mos. 16, 28; da bei merke ich, das du gefallen an mir hast, das mein feind uber mich nicht jauchzen wird. ps. 41, 11; ich habe es gleich aus den zwei oder drei ersten blicken gemerkt, dasz es ihr unmöglich sein würde, mich nicht zu lieben. Gellert 3, 304; sie wurde nicht eher kalt als bis er hitzig wurde; dieses merkte sie daraus, wenn er wie Sokrates stumm wurde. J. Paul uns. loge 1, 114;
bî den rôsen er wol mac ..
merken, wâ mirʒ houbet lac.
Walther 40, 9;
ir herrn, hie mügt ir merken pei,
wie selzam (selten) die war freuntschaft sei.
H. Sachs fastn. sp. 2, 24, 361;
doch sih allzeit ganz sawr darzuͦ,
dasz jederman wol merken thuͦ
an deinem krumb gemachten maul,
das du zur arbeit seist zu faul.
Grobian. G 2ᵇ (v. 1693);
ich kan die angst an farb und sprache merken.
Günther 327;
oder mit localen (vergl. dazu auch abmerken th. 1, 78): da Jhesus aber bei sich selbs merket, das seine jünger darüber murreten. Joh. 6, 61; und da sie die (die kühe) hinein gefressen hatten, merket mans nicht an jnen, das sie die gefressen hatten. 1 Mos. 41, 21; welcher sein vermügen ohne noth angreift, und in einer ungewissen sache verthut, und nicht ehe nachlässet, bisz alles drauf gangen ist, ja es auch nicht einst an sich merken wil. Lokmans fab. 26; merkt Verrina keine veränderung an seinem freunde? Schiller Fiesko 5, 15.
g)
häufig ist in der älteren sprache sich merken lassen, ich lasse mich merken, lasse meine anwesenheit oder meine thätigkeit spüren, erkennen: sich lassen merken, mit weisz und gepärd anzeigen, prae se ferre, jacere significationes, querimoniam jacere Maaler 288ᵈ; wenn man das auge drückt, so gehen threnen heraus, und wenn man einem das herz trifft, so leszt er sich merken. Sir. 22, 23; den meerraubern, die sich etliche mal merken lieszen und minen machten, uns anzugreifen. Simpl. 2, 214 Kurz; auch von sachbegriffen: wo sich die hoffnung des eignen nutzens merken lässet. Butschky Patm. 315; auch mit dem nebensinne des ungehörigen, etwa wie sich mausig machen: der liebe gott wolde das dennoch anders schicken, den die capitelherren liszen sich zu sehre merken. Spittendorff 204 Opel;
und ob sich jemandt merken liesz,
dich etwas thon und schaffen hiesz,
der doch nicht wer dein herr im hausz.
Grobian. G 2ᵃ (v. 1672);
mit erklärenden beisätzen: dasz er sich noch merken lässet, als wollt er das heilig wort noch nit aufheben. Luther br. 2, 168; zuletzt e. w. wollten sich auch merken lassen, als die liebhaber des evangelii. 396; du lest dich heute merken, das dirs nicht gelegen ist an den heubtleuten und knechten. 2 Sam. 19, 6; lasz dich merken, was du für ein verstand habist, explica atque excute intelligentiam tuam. Maaler 288ᵈ; so reuwet mich, dasz ich mich je gegen dir meiner liebe halb hab lassen merken. b. d. liebe 235ᵈ; ihre maj. aber lieszen sich offentlich merken, dasz sie einen schlechten gefallen darab hätte. Schuppius 567;
Mars läst sich als ein ketzer merken,
er hält nicht viel von guten werken.
Logau 1, 72, 87;
namentlich auch mit genitiv des grundes oder der ursache: ich liesz mich dessen nicht merken, dasz ichs verstünde. b. d. liebe 194ᵈ; vor niemandt sich desz lassen merken. 288ᵇ; doch liesz ichs mich nicht merken. Simpl. 1, 129 Kurz;
jedoch last euch diser geschicht
vorhin keim menschen merken nicht.
H. Sachs 3, 1, 94ᵈ.
h)
anders und jünger etwas merken lassen: er läszt eine frömmigkeit von sich merken, prae se fert pietatem. Steinbach 2, 50; sein vorhaben merken lassen, notam consilii sui dare. ebenda; er läszt es nicht merken, dasz ihn verdreuszt, se moleste ferre dissimulat. ebenda; den zorn nicht merken lassen, iram dissimulatione tegere. ebenda; dieser arme aber behielte sein gemühte unverändert, und liesz nicht merken, dasz der schade ihm zu herzen gieng. pers. rosenth. 5, 17; läszt Biondello nicht deutlich genug merken, dasz seine anhänglichkeit an den prinzen persönlich sei? Schiller hist.-krit. ausg. 4, 330;
was Günther fühlt, das weisz sein herz,
ich lasz es kaum die hälfte merken.
Günther 307;
will einer merken lassen,
dasz er mit gott es hält,
so musz er keck erfassen
die arge böse welt.
Uhland ged. 41.
i)
mit doppeltem accusativ, einen etwas merken lassen, bewirken dasz einer etwas inne wird: ein gewisser instinkt ... warnte ihn, seine liebe tante nichts von der gemachten entdeckung merken zu lassen. Wieland 11, 20; ich lasse mich nichts merken, premo gaudium meum. Serz 99ᵇ, hier auf innerliche freudige stimmung bezogen; aber ebenso anders: lassen sie sich nichts gegen sie merken, sie möchte sonst denken, ich wollte eine feindschaft anrichten. Gellert 3, 39; als es mit meiner baarschaft zu ende ging, liesz ich sie es merken. Göthe 23, 81; hingegen von diesen geselligen scherzen, leidenschaftlichen dichtungen, durft ich ihn nichts merken lassen. 48, 165; ich habe dir noch nicht gesagt, dasz der ehrliche mann .. mich doch hin und wieder nicht undeutlich merken liesz, er sei überzeugt .. Klinger 9, 211;
wie mich
die dame merken lassen, will sie lieber
errathen, als beschrieben sein.
Schiller don Carlos 2, 4.
k)
mit dativ der person, einem etwas merken lassen: wenn wir ihm merken lassen, dasz wir die absicht haben, ihn zu bestechen. Rabener sat. 3, 52; man liesz es ihnen dadurch merken, dasz man sie zu schriften oder zu erfindungen aufforderte. Klopstock 12, 415; ohne ihm, bis es zeit wäre, das geringste von seinem vorhaben merken zu lassen. Wieland 7, 112; ohne ihr merken zu lassen, dasz ich mehr von ihrer geschichte wisse. 27, 250; wo bin ich? wo war ich? was hab ich merken lassen? wem hab ichs merken lassen? Schiller kab. u. liebe 4, 7; nun liesz mein gedachter gesell einem der secretarien des herrn Peter Ludwig merken, dasz er .. wohl wisse und sich verbürgen könne, dasz ich ein vermögen von achtzig tausend ducaten besitze. Göthe 34, 305; ein misbehagen, welches man dem verfasser merken liesz. 26, 107. schweizerisch dafür es aim zmerke gê einem bedeuten. Seiler 206ᵃ.
l)
sich etwas merken lassen, mit dem acc. des reflexivums: ich fürchtete mich so sehr als die andern, liesz mich es aber nur weniger merken. Göthe 34, 189; oder dem dativ: lasz dir gegen Zeineb nichts von der einfältigen historie merken. Wieland 8, 265; ohne mir meine krankheit merken zu lassen. Lessing 12, 353; doch liesz ich mir nichts merken. Göthe 24, 285; oder mit der form, die beide casus vertritt: wir lassen uns nichts merken; er liesz sich sein erstaunen zu sehr merken;
gevatterinn, um Jesus Christ!
laszt euch nicht merken, was ihr nun wiszt.
Chamisso in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1690.
m)
endlich etwas läszt sich merken, kann gemerkt, erkannt werden:
o freund, es hätte längst sich merken lassen,
dasz eifersucht an seinem herzen pickt.
Uhland ged. 441.
5)
merken, zu der bedeutung acht geben, auf etwas achten, es beachten, sinn und gedanken auf etwas richten, erhöht.
a)
mit sächlichem accusativ: daʒ eina ist abo hie ze merchene, daʒ daʒ êrera vers horet ad primitivam ecclesiam de Judaeis collectam. Williram 49, 2 Seemüller;
wîlen dô ich was ein kneht,
und mich dîn ene Helmbreht,
der mîn vater was genant,
hin ze hove hete gesant
mit kæse und mit eier, ..
dô nam ich der ritter war
und markte jr geverte gar.
Helmbrecht 920;
der do merket den wind, der seet nicht, und der do merket die wolken, der schneidt nimmer. bibel 1483 309ᵇ (qui observat ventum, non seminet. pred. 11, 4); sie wissen des herrn gedanken nicht, und merken seinen ratschlag nicht. Luther Micha 4, 12; sehet an die exempel der alten, und merket sie. Sirach 2, 11; merkt doch einmal diese verzwickte consequenz, diesen possierlichen schlusz von der nachbarschaft der leiber auf die harmonie der geister. Schiller räuber 1, 1; lasz uns das licht suchen, ich bitte. die aufgewiegelten sinne könnten den gefährlichen wink dieser finsternis merken. Fiesko 4, 12;
wie das sie denn nit lieber merken
dein stim, du löbliche warheit?
H. Sachs fastn. sp. 2, 137, 212.
b)
derselbe ist unterdrückt: hören und lernen kann jedes kind; merken und rathen müssen meine schüler. Göthe 14, 136; in der aufforderung merke!, die an die bedeutung unten 6 rührt: merk und höre zu Israel, heute dieses tages bistu ein volk worden des herrn deines gottes. 5 Mos. 27, 9;
nu hör und merk, lieber knecht,
du pist mir ie gewesen recht.
fastn. sp. 475, 3;
so sitzt du wartent, treg und faul,
bisz dir ein pratens bun fleugt ins maul.
du wirst nit reich, merk und erfars.
H. Sachs fastn. sp. 1, 87, 161;
ich bin dein,   du bist mein,
nichts soll uns widerstreben
im leben,   merk eben!
Hoffmann gesellschaftslieder 82;
den weg will ich euch nennen, merket wohl!
Schiller Tell 5, 2;
mit persönlichem dativ:
klaget
als eine buhlerin sie an! sie soll
des todes sterben, ohne rettung, sie
und der infant soll sterben — aber, merkt euch!
kann sie sich reinigen, ihr selbst!
don Carlos 3, 4;
laszt phantasie, mit allen ihren chören,
vernunft, verstand, empfindung, leidenschaft,
doch, merkt euch wohl! nicht ohne narrheit hören.
Göthe 12, 11;
in der formel wohl gemerkt, auch verbunden geschrieben wohlgemerkt: ich leugne nicht, dasz ein schöner mund, der sich ein wenig spöttisch verziehet, nicht selten um so viel schöner ist. aber, wohl gemerkt, ein wenig. Lessing 2, 118; si omnes consentiunt ego non dissentio. wohlgemerkt, ohne komma. Schiller räuber 1, 2;
wenn ich mit mäszigem gewinn
die mühle kaufen kann,
mit schiff, geschirr und vieh und feld,
doch, wohl gemerkt, ums halbe geld.
J. Fr. Kind gedichte.
c)
mit abhängigem satze: allein merke, das du das blut nicht essest, denn das blut ist die seele. 5 Mos. 12, 23;
setz auch das kraut und fleisch hinzu,
und merk, baldt der schultheis thu blasen,
das du küe und sew ausz thust lasen.
H. Sachs fastn. sp. 3, 87, 39;
so merket denn, dasz dieses leben
auf eine lange zukunft zielt.
Drollinger 23;
ir weiber Lamech höret meine rede, und merkt was ich sage. 1 Mos. 4, 23; so merke nun und sihe, was du thust. 1 Sam. 25, 17; wenn du unter den unweisen bist, so merke was die zeit leiden wil. Sir. 27, 13; merke was ich sage (νόει ἃ λέγω). 2 Tim. 2, 6; wenn du sitzest und issest mit einem herrn, so merke, wen du fur dir hast. spr. Sal. 23, 11;
merkt auf, merkt himmel, erde,
und du, o meeresgrund,
was ich jetzt singen werde.
P. Gerhard 278, 1;
dort, wo der zeiten eigensinn
die brücke des Trajans zertrümmert,
dort wirf die augen vor dir hin,
dort merke, was so schwärmt und schimmert.
Günther 124;
doch merken sie, was ich itzt sagen werde.
Gellert 1, 21;
wir wollen merken, wie die sache verläuft;
nû merket, wie er die sîne bat!
livländ. chron. 1756;
das alterthum hat viel exempel
verliebter lust und seltner treu;
bemüh dich drum und liesz und merke,
wie zärtlich dich ihr beispiel stärke.
Günther 313;
lobe dich ieman dir ze hage,
sô merke ob er wâr sage,
und gloube im niht baʒ denne dir.
Cato 156;
nun merk obs (das treten mit den beinen) dir nicht löblich ist,
so es auch thuͦt ein organist?
Grobian. B 4ᵃ (v. 454);
merk, ob du auch ein ämptlin hast,
so uberheb dich dessen fast.
S 4ᵇ (v. 4775);
nur merke, fehlt gewalt, so brauche rath und list.
Günther 629;
den abhängigen satz begleitet ein accusativ (oben a):
secht an, und merket eben
die vöglin ohne ruh,
wie sie ihr kurzes leben
mit lieben bringen zu.
P. Denaisius bei Opitz 1624 169;
mit instrumentalen oder localen beisätzen:
als bald sie dann vom disch auf stehn,
so thuͦ die thür auf, lasz sie gehn.
darbei soltu auch merken eben,
wann sie ein guͦte nacht hond geben,
dem herren oder vatter dein,
so pack dich weg, und schleich dahin.
Grobian. J 4ᵃ (v. 2359);
ain statt di stund in groszer wehr,
als sj verlegt das römisch hör.
ain maister darin ward verkert,
der vil der bürger kinder lert.
dj fürt er in der feinde zelt,
hofft das jm groszer lon nit felt.
der römisch hauptman darausz merkt,
wj er der Römer tugent sterkt.
und binden liesz er disen schalk,
mit ruͦten streichen seinen palk.
Schwarzenberg 113ᵃ;
umher merken, ringsum acht geben:
und an dem ufer merkt ich scharf umher,
wo sich ein vortheil aufthät zum entspringen.
Schiller Tell 4, 1.
d)
häufig merken auf .. (vergl. aufmerken th. 1, 691): hore doch Hiob meine rede, und merke auf alle meine wort. Hiob 33, 1; bis das ich gieng in das heiligthum gottes, und merket auf jr ende. ps. 73, 17; ich aber merke auf deine zeugnis. 119, 95; das ist des klugen weisheit, das er auf seinen weg merkt. spr. Sal. 14, 8; böse leute merken nicht aufs recht, die aber nach dem herrn fragen, merken auf alles. 28, 5; alleine die anfechtung leret aufs wort merken. Jes. 28, 19; o das du auf meine gebot merktest. 48, 18; auf ein vogel merken, etwas künftigs ze sagen, auspicare avem. Maaler 288ᵈ; auf einsi red merken, einem losen, sermoni alicujus vacare, sermonem alicujus captare. ebenda; etwar auf fleiszig merken, ein guͦt aufsähen haben, intendi animo in rem aliquam. ebenda; merkest du auf diese listigen reden! Cronegk 1, 99; in stetem kampf mit dem ocean und den mündungen reiszender flüsse .. hatte dieses volk (die Niederländer) frühzeitig gelernt, auf die natur um sich her zu merken. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 34; so muszte er selbst, der altvater und patriarch, gerade wie sein jüngster mitbewerber, auf den augenblick merken, nach neuer gunst haschen. Göthe 26, 60; in solchen ausgeweinten, ausgeleerten, ausgenüchterten stunden ergreift den menschen eine wilde gleichgültigkeit und zugleich schärft sich in ihm eine art von gedankenlosem merken auf die unbedeutendsten dinge. Immermann Münchh. 4, 52;
doch seine bosheit nicht, nur sichre that
soll ihn verdammen. merkt auf seinen weg!
Freytag dram. werke 2, 182;
darauf merken: und wenn der herr mit Manasse und seinem volk reden lies, merkten sie nichts drauf. 2 chron. 33, 10; merke nur darauf, was sie sich für mühe geben, mich zu überreden, zu tische zu gehen. Cronegk 1, 99; wo bin ich? du Daniel? was hab ich gesagt? merke nicht drauf! Schiller räuber 5, 1;
hab ich nur gelt, darauf merk du,
man neigt mir, greifet an den hut.
H. Sachs fastn. sp. 1, 91, 310;
auf einen merken: höret jr weisen meine rede, und jr verstendigen merkt auf mich. Hiob 34, 2; auf einen fleiszig merken und losen was er thuͦye oder sag, attendere alicui. Maaler 288ᵈ; aber man wird hier boshaft, so wie eitel, ohne zu wissen wann, jenes, weil man zu sehr auf andere, dieses, weil man zu sehr auf sich merken musz. J. Paul Hesp. 2, 53; es geschieht nicht zum ersten mal, dasz der rath ursache hat, auf ihn zu merken. diesmal hat er der kirche ärgernis gegeben. Freytag ahnen 4, 25; der inf. substantivisch:
(die zunge musz) schaffen, dasz sich bückt
für einer dame der, auf den, wann er nur blickt,
sonst tausend cavalliers genaues merken geben.
Logau 2, 14.
e)
bei den meistersängern war merken das achten auf die kunstmäszigkeit des gesanges (vergl. dazu merker 1 a. e.):
die sanc wol künnend prîsen,
die merken ûf zal unde maʒ.
Kolmarer liederhandschr. nr. 18, 11;
ir merker, merkent alle glîch an diser schar.
61, 33.
6)
endlich merken, ins gedächtnis fassen, im gedächtnis behalten, der vorigen bedeutung eng angeschlossen, in manchen fällen in sie übergehend.
a)
etwas, einen merken:
sîner rede nam si war
unde marhte si ouch gar:
si enkam von ir herzen nie.
a. Heinrich 468;
den troum marhte er rehte:
dem bischof Humbrehte,
der Mâstrichte pflac in den tagen,
dem îlte er den troum sagen.
Servatius 2165;
wenn er sich denn leget, so merk den ort da er sich hin leget, und kom und decke auf zu seinen füszen. Ruth 3, 4; das du mügest ... merken den pfad zu seinem hause. Hiob 38, 20; sehet an die exempel der alten, und merket sie. Sir. 2, 10; höre gern gottes wort, und merke die gute sprüche der weisheit. 6, 35; so dergleichen mehr (hörte ich), dasz ich nicht alles merken noch verstehen können. Simpl. 1, 25 Kurz; aber endlichen habe ich der thür meines gartens diesen reimen angeschrieben, welchen ich zu merken nachkömblingen befehle. Schuppius 761; stand nicht auf den kanzelparnass der alte senior Astmann, der ihn so oft geprügelt hatte, weil er bei ihm das griechische aus einer lateinisch edierten grammatik schöpfen muszte, die er nicht exponieren, obwol merken konnte? J. Paul Qu. Fixlein 70; ermahnte ihn, wenn er ausgehe, sein haus zu merken. Hauff Lichtenstein 1, 36;
doch dasz ich nicht treib vil geschwetz,
so merk von mir ein kurze letz.
Grobian. B 3ᵃ (v. 394);
und wenn sie nun zusammen sich gesellen,
nach der verwandtschaft endlich angereiht;
so merkt sie wohl, damit in künftgen fällen
ihr sie erkennet.
Göthe 11, 321;
sich etwas merken: merke dir meine worte; merken sie sich doch diesen charakter. Gellert 3, 269; merken sie sich doch die regel, dasz niemand weniger klug ist, als der, der sich einbildet, klüger als alle andre zu sein. 389;
wie gut
versteht es Karl, die zimmer sich zu merken,
wo damen ohne zeugen sind.
Schiller don Carlos 2, 8;
das merken, es merken, sich das merken: dem gehorche und merke du dirs. Hiob 5, 27; merket doch das, die jr gottes vergesset. ps. 50, 22; merke es wohl, tene memoria. Steinbach 2, 50; ich will mirs merken, memoriae mandabo. ebenda; ich hab mirs gemerkt, wo er hinschlich. Schiller räuber 4, 5; was gesagt werden musz, besorge ich allein, ohne associé. merken sie sich das. Freytag handschr. 1, 178; in Süddeutschland als redensart: merks, Marx!, so schweizerisch Seiler 206ᵃ;
das merkt euch, frauen, auch besonders.
Günther bei Steinbach 2, 50;
o merk es doch, noch unschuldsvolle jugend!
ich bitte dich, o merk es dir!
Gellert 1, 165;
mit folgendem satze: ich will mir merken, was er sagt; merke: es gibt unthaten, über welche kein gras wächst. Hebel 2, 105;
Fabius. wie hast denn dein grosz gut gewunnen?
Marcus Crassus. also merk: als zu Rom verbrunnen
viel heuser, die Silla zerstöret, ..
da kauft ich des ein groszen teil.
H. Sachs fastn. sp. 3, 49, 270;
merke, was die weisheit spricht:
thue recht, und zittre nicht!
Stolberg 1, 86.
b)
einem etwas merken, im übelen sinne, es zu künftiger vergeltung im gedächtnisse behalten, es einem nachtragen:
er sol ouch dich sô vil niht mêr
in botschaft senden zuo mir her ..
ich fürhte des, man merke eʒ mir,
daʒ ich sô vil gerede mit dir.
frauendienst 396, 1;
jetzt noch tirolisch: einem etwas merken, ihm eine beleidigung u. dergl. übelnehmen, bis sich gelegenheit zur vergeltung bietet. Schöpf 435.
c)
merken mit genitiv der sache:
hört und merkt der rechten mär,
warumb ich sei komen her.
fastn. sp. 404, 1;
wer langer leer nit merken kan,
nem dise kurze predig an.
Schwarzenberg 147ᵇ.
d)
merken auch intransitiv, wenn nur die fähigkeit im gedächtnisse zu behalten, ausgedrückt wird: er merkt gut, er merkt schlecht; gut merken, meminisse memoriter Serz 99ᵇ.
e)
etwas merkt sich, wird im gedächtnisse behalten: das merkt sich leicht; verse merken sich besser als prosa; lange sätze lassen sich schwer merken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2093, Z. 71.

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s t u v w x y z -
meieran messerzucken
Zitationshilfe
„merken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/merken>, abgerufen am 06.12.2021.

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