Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

merkzeichen, n.

merkzeichen, n.
zeichen durch das man etwas merkt oder erkennt: kennzeichen sive merkzeichen, nota, character Stieler 2610; merkzeichen nota Steinbach 2, 1076; merkzeichen signum, notaculum Frisch 1, 659ᵇ; so kan ein engel kein mesz halten, dieweil er den priesterlichen character, das ist, das pfaffitetisch merkzeichen noch brandmal nit hat. nun stehet aber ausztrucklich geschriben, das niemands kaufen noch verkaufen mag, er führe dann den character und das merkzeichen, oder je den namen der bestien. Fischart bienk. 136ᵇ; was woltestu ... diesen oder jenen examiniren und heimlich fangen, wo oder in welchem wirtshause er logiret gewesen, was diese oder jene stadt vor ein sonderliches ken- und merkzeichen, wo man in die stadt gienge? Schuppius 547; dem ärmsten landmann, der ein kind begräbt, ist es eine art von trost, ein schwaches hölzernes kreuz auf das grab zu stellen, es mit einem kranze zu zieren, um wenigstens das andenken so lange zu erhalten als der schmerz währt, wenn auch ein solches merkzeichen, wie die trauer selbst, durch die zeit aufgehoben wird. Göthe 17, 202; das lesen (des hebräischen) ohne diese punkte und striche sei eine sehr schwere aufgabe, und könne nur von gelehrten und den geübtesten geleistet werden. ich muszte mich also bequemen auch diese kleinen merkzeichen kennen zu lernen. 24, 201; ein flinker und wohl unterrichteter lohnbediente .. jagte mich durch alle straszen, durch so viel paläste und kirchen, dasz ich kaum in meinem Volkmann anzeichnen konnte, wo ich gewesen war, und wer weisz ob ich mich künftig bei diesen merkzeichen aller der sachen erinnere. 27, 162; und so verbrachte ich den ganzen tag, indessen Kniep nicht säumte uns die genausten umrisse zuzueignen. wie froh war ich von dieser seite ganz unbesorgt zu sein und für die erinnerung so sichere merkzeichen zu gewinnen. 28, 14; mit näherer bestimmung durch einen abhängigen satz: was ist doch das alter ohne frömmigkeit? anders nichts, als ein besser merkzeichen, das uns die rache des allerhöchst-getröhnten desto füglicher treffen könne. Butschky Patm. 453; so wäre es ein merkzeichen, dasz der heil. Antonius sein gebet erhöret hätte. irrgarten 52; wahrer und echter regeln des dichtens sind nur etliche wenige; und die haben denn sichre und gewisse merkzeichen, an denen sie gleich erkennen mag, wer augen im kopfe hat. Klopstock 12, 78; es gibt geheimnisse in der natur, merkzeichen, die die verborgne blutschuld offenbaren und heimlich verscharrt unrecht zum tageslicht hervor ziehn. Fr. Müller 3, 317; man findet nirgends einen biedern, rechtschaffnen mann, ohne ein merkzeichen, das ihm die leute von der gegenseite angehängt haben .. und jene klugen leute rufen durch das merkzeichen ihren gesellen zu: trau ihm nicht, er ist ein pedant! ein reformator! ein beekler! ein moralischer schwärmer! Klinger 11, 42; es gibt mancherlei denkmale und merkzeichen, die uns entfernte und abgeschiedene näher bringen. keins ist von der bedeutung des bildes. Göthe 17, 213; so werde ich auf ihren schreib-, näh- und theetischen, an ihren negligees und festkleidern gar manches merkzeichen finden, woran ich meine reiseerzählung knüpfen kann. 21, 106; es kann nun aber das unbegränzt gesehene verrückt werden, ohne dasz uns die wirkung bemerklich wird. verrückt sich hingegen das begränzt gesehene, so haben wir merkzeichen, dasz eine verrückung geschieht. 52, 90; mit genitiv: er bricht di gesäzze der natur, wil das merkzeichen der göttlichen majestät, so ihnen ist eingegeben, auskrazzen. Butschky kanzl. 828; also sage ich nun, das di worte, so man aus der weltweisen sriften zusammenträgt, kein gewisses merkzeichen eines tapferen gemüthes sein. 842; ich wil nit sagen, dasz das übrige heulen und weinen ein weibliches gebrechen; und das übrige lachen ein kenn- und merkzeichen seie der thor- und narrheit. Schuppius 420; dieses merkzeichen der abkunft derselben (ein halsgeschmeide). Wieland 3, 254;
der schönheit maasz und mark, der majestät merkzaichen.
Weckherlin 669;
ewrer schönheit sigs-merkzaichen.
730.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2108, Z. 28.

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Zitationshilfe
„merkzeichen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/merkzeichen>, abgerufen am 24.10.2021.

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