messe, mess f. n
Fundstelle: Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2114, Z. 4
metallgemisch aus kupfer und zink. als fem. ein lehnwort der hüttenwerke, aus dem lat. massa (vgl. dazu masse 1, sp. 1708) herübergenommen, zunächst von einem aus der schmelzung hervorgegangenen metallklumpen im allgemeinen, von bestimmtem umfang und gewicht, so messe îsens, vergl. Lexer mhd. handwb. 1, 2121;
si (die seelen in der hölle) begunde harte switzen,
und nach dem sweiʒe brinnen,
vil schiere zerinnen,
alsô daʒ îsen denne tuot,
sô iʒ gêt durch die gluot.
dô diu menige der sêle sus zeflôʒ,
man warf si ûf einen aneboʒ ...
der sêle wol hundert
ze einer mässe man dâ sluoc.
Hahns ged. des 12. jahrh. 54, 22;
dann aber auch eine bestimmte metallmischung bezeichnend, und als stoffname neutrum geworden:
ir anker wâren   von îsen niht geslagen,
von glocken spîse gegoʒʒen,   sô wir hœren sagen.
mit spânischem messe   wâren si gebunden,
daʒ den guoten helden   die magnêten niht geschaden kunden.
Gudrun 1109;
später, bis es durch messing (s. d.) gänzlich verdrängt wird, nur noch in der form mess, auch möss, ferner mesch und mösch: auricalcum mess, messz, mesch, mösch Dief. 61ᶜ; das mess klingt und dönt, und ist dem gold geleich. Meister Ingold das goldene spiel 8, 1 Schröder; wirt aber gold vermüscht mit mesz oder kupfer und silber vermenget mit zyn oder blei, so spricht man es sei verwüstet oder gemindert. Keisersberg pred. 62ᵃ; das du wol hie hast aufzusehen, dasz du die rechten baryllen des geistes aufsetzest, und nit mesz für gold einnemest. S. Frank sprichw. 2, 164ᵃ; mösch oder kupfer, mössz, aes coronarium, aurichalcum, orichalcum Maaler 293ᵇ;
von mess gegossen roren frei (am brunnen).
Brant narrensch. ⅭⅩⅩⅠⅠ, 49 Zarncke;
jetzt noch schwäbisch mess und möss messing Schmid 383; alem. mösch, messing, möschig was von messing ist. Stalder 2, 215. vergl.mösch.
messe f
Fundstelle: Lfg. 11,12 (1883,1884), Bd. VI (1885), Sp. 2110, Z. 67
missa; nundinae.
1)
ahd. missa, messa, alts. missa, fries. missa, ags. mässa, altnord. messa, die nach einführung des christenthums in allen germanischen landen übernommene lateinische bezeichnung des haupttheils vom christlichen gottesdienste, der erneuten unblutigen opferung Christi seitens des priesters, und der dabei vorgenommenen handlungen, lesungen, gebete und gesänge. das lat. wort, im 4. jahrh. aufgekommen, hatte sich bekanntlich aus den worten des diakonen gebildet, mit denen die zur abendmahlsfeier noch nicht berechtigten aus der kirche entfernt wurden: ite, missa est (scil. concio); im 16. jahrh. und auch noch später fand eine andere herleitung aus dem hebräischen beifall: quidam hebræum nomen esse putarunt, ex deut. 16, 10, ubi vox missah, quae oblationem significat, reperitur. Schmid lex. eccles. minus (1712) 2, 115; denn das wörtlin messe, so von den aposteln hergenomen scheinet, heiszt auf ebreisch so viel, als einen zins oder frondienst, wie ein bawer oder lehenman, seinem herrn seine mesz, das ist, seinen gebürlichen zins oder dienst bringet, oder seinem fürsten frönet, .. also haben sie hie auch geredt, ich wil zur messe gehen, oder messe hören, als solten sie sagen, ich wil gott seinen zins geben, oder frönen. Luther 6, 33ᵇ. Die messe wird genannt neben predigt, mette, vesper: weder messe noch predigt besuchen;
ze mettîn und ze misse,
dâ ich dîn dienst wesse,
dâ verrieten si mich.
Milstätter sündenklage in Haupts zeitschr. 20, 266, 366;
dort naht der alte ritter mit der gattin,
die keinen tag das heilge grab versäumen,
und keine vesper, keine messe.
Tieck Octav. 179;
sie heiszt von Christus selbst eingesetzt:
eʒ ist umbe misse alsô gewant:
si machete unser hêrre selber der heilant
mit sîme heilegen sinne,
und machete ouch dâr inne
sînen hêren lîchenamen und sîn vil heilegeʒ pluot.
Haupts zeitschr. 1, 272, 79;
und wird darum, wie andere gnadenmittel der kirche, titelhaft heilig genannt: heilega messa sô ni êrêta sô ih be rehtemen scolta. Müllenhoff u. Scherer 74ᵇ, 9; that ik .. thena hêlagon sunnundag endi thia hêlagun missa ne fîriôda endi ne êrôda sô ik scolda. 72, 19; so wir in die kilchen tretten da wir die heiligen messe son hœren und sehen. Wackernagel pred. nr. 41, 11, s. 69; in der schrift abgekürzt nur h.: am sonntag kanst du kein h. mesz hören, du besti. Abr. a S. Clara Judas 1, 22;
die sünderin vergasz den leib des herrn,
wenn sie nur deine lippen rühren durfte,
selbst in der heilgen messe sah ich dich.
Tieck Octavian 99;
unterschieden ist stille messe: dar nah vahet man die stillen messe an. Wackernagel pred. nr. 41, 147, s. 73; hohe messe (missa solemnis): in drei tagen ist hohe messe in der Lorenzokirche. Schiller Fiesko 3, 5; singende und lesende messe: item so habent wir die werklüte .. für uns und unser nachkommen uffgesetzet und geordnet zu haben funf vigilien und funf seelmessen, und zu jeder singender mesz drei lesender messen. Mone anz. 5, 497 (statuten der Straszburger steinmetzen von 1498); als man die ander singend mesz im chor anfing, da gingen sie inn das münster uff den letner. Brant narrensch. 199ᵇ Zarncke; mit zwei gesungen messen. d. städtechron. 1, 370, 5; ewige messe, jährliche messe: ich mein ir solten im ein ewig mesz halten und die verschreiben. Pauli schimpf u. ernst 85;
hier ist das felsenriff, drauf Tell aus der barke gesprungen;
sieh! ein ewiges mal hebet dem kühnen sich hier:
nicht die kapelle dort, wo sie jährliche messen ihm singen,
nein, des mannes gestalt.
Uhland ged. 111;
deutsche messe im gegensatz zur lateinischen: wo die messe solt künftig deudsch gehalten werden, da Christus gnade zu gebe. Luther 3, 271ᵃ; deudsche messe und ordnung gottesdiensts. 276ᵇ; die messe geht an, ist aus, wird eingeläutet, gesungen, gesagt, gesprochen, gelesen, gehalten, celebriert: ein halb stund nach sybnen leit man mit allen glocken zusammen zur mesz. Brant narrensch. 199ᵃ Zarncke; Petrus der zwelfpote besas nôch unsers herren martel den priesterstuͦl in den osterlanden 4 jor und sang do sin erste messe. d. städtechron. 8, 15, 18; (der papst) Virgilius ... satte uf, daʒ man die messen sol sprechen gen der sunnen ufgang (respiciens orientem). 20, 20; oder lieszest zwölf kirchen bauen, darin ein priester lese und sünge an einer ewigen messe bis an jüngsten tag. Mathes. Sar. 63ᵇ; man sol bald ein mesz lesen. Abr. a S. Clara Judas 2, 277; er sucht in dem buch die mesz auf (um sie zu lesen). 345; ich will messen lesen lassen, den irrenden geist in seine heimath zu senden. Schiller räuber 4, 5;
si giengen zuo dem münster,   dâ man die messe sanc.
Nib. 594, 3;
ein pfaff in einem dörflein klein
mesz halten wolt, und war allein.
L. Sandrub kurzweil (1618) 58;
zu morgens als er (der meszpfaffe) celebriert
sein mesz.
111;
die messe geht nun an. gebet, gesang und chor
geräth erbärmlich schlecht.
Hagedorn 2, 149;
eine messe hörte man sagen.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 267;
eine messe verlangen, besuchen, sehen, hören, ihr beiwohnen: der küchenmeister sal teglich frue in die kirche gehen, ein messe sehen. Michelsen Mainzer hof 19; es ist mit der mesz dahin kommen, dasz dieselben so wenig leut besuchen. L. Sandrub kurzweil 59; dise fraw gehet niemal ausz der kirchen, es seie dann, sie habe bei einem jeden altar ein mesz gehört. Abr. a S. Clara Judas 2, 49; dasz gleich dazumahlen ein vornehmer cavalier in die kirchen kommen, welcher gar bald und schleunig ein h. mesz verlangt. 345;
ein messe hete wir vernomen,
ê daʒ die ritter wâren komen.
U. v. Lichtenstein 455, 25;
der pfaff, da die mesz hett ein endt,
den meszner fragen thet behend,
wie viel personen gwesen wern,
die der mesz beigewohnt zu ehrn?
L. Sandrub kurzweil 59;
die heilge messe hört ich gern,
doch liegt mir krank der sohn.
Schiller gang nach d. eisenhammer v. 131;
bei der messe beten, dienen, die messe bedienen (vgl. auch messediener), dienst der messe: nach vollbrachtem gottsdienst ruft obbenannter fromme seelsorger die drei bawrentöcher zu sich, ob sie bei der h. mesz haben gebett? Abr. a S. Clara Judas 2, 412; doch ob ain newer priester den priestern im pfarrhof und vicarien, auch kirchenmaistern, schulmaistern, organisten, turnern und andern, die im auf die zeit der ersten vesper und mesz dienten und handreichten, thun wöllte wie inn ordnung und gewonheite von alter herkomen ist. Nürnb. pol.-ordn. 85;
kein chorgehülfe war erschienen,
die messe kundig zu bedienen.
Schiller gang nach d. eisenhammer v. 152;
bereitet hurtig die gefäsze,
geheiliget zum dienst der messe.
160;
die messe versäumen; weil er gott forderist vor augen gehabt, die heilige mesz an keinem tag auszgelassen. Abr. a S. Clara Judas 1, 67;
wie soll man siegen,
wenn man die predigt schwänzt und die mesz,
nichts thut, als in den weinhäusern liegen?
Schiller Wallensteins lager, 8. auftr.
2)
messe, die zur messe componierte kirchenmusik: die bedeutsamkeit und grösze seiner lyrik treibt ihn (J. S. Bach) dann über das gebiet der cantate hinaus zur wirklich dramatischen form. die messe — deren Bach fünf schrieb .. — ist eine solche noch nicht, und Bach behandelt sie auch noch im sinne und geiste seiner cantaten, denen er einzelne sätze direct entlehnt, um sie in den messen zu verwenden. Reiszmann geschichte der deutschen musik (1881) s. 348; Beethovens messe in c-dur.
3)
messe, kirchlicher feiertag im allgemeinen, an welchem messe gehalten ward: tô thero missa sanctae crucis. Freckenhorster heberolle 249;
zer heilegen kriuzes messe,
sô die wilden eber sint
ze jagene zîtic und der wint
daʒ loub beginnet rêren.
Partenopier 324 Bartsch;
weitere belege bei Schm. 1, 1667 Fromm.; vergl. auchkirchmesse, ↗lichtmesse.
4)
messe, der ursprünglich an einem solchen kirchlichen feiertage in der nähe der kirche abgehaltene markt; in dieser bedeutung bereits im frühen 14. jahrh. bezeugt: ein clûder wollin in der messe (zu Frankfurt) daʒ gibt ein helbeling, und ûʒewendig der messe gibt iʒ nicht (nichts). Böhmer cod. dipl. 505 (von 1329); in der messe tzu Franckfurt. weisth. 1, 502 (Maingegend, von 1338); eʒ sol ouch nieman hie zuͦ Spire, er si gast oder burger, an dem sunnentage oder an allen gebannen virtagen nihtzit veil haben, denne daʒ man essen unde drinken mag, .. uʒgenomen an unser vrowen dag der messe (s. oben 3), als sie geborn wart und an dem kirwihetage, unde die wile die messe wert ane geverde mag man wol veile haben waʒ man wil unde niht anders. anz. des germ. mus. 1856 sp. 202; und seit mindestens dem 15. jahrh. ziemlich allgemein verbreitet: nundinae messen Dief. 385ᵇ; nondinae, mesz, jarmarkt Alberus hh 1ᵇ; die mäsz, jaarmarkt, nundinae, mercatus, forum nundinarium Maaler 281ᶜ; niederl. misse, solennitas, solennia, et nundinae, mercatus solennis Kilian (in Altbaiern dafür dult, in der Oberpfalz kirchtag, vergl. th. 2, 1510. 5, 827 u. Schm. 1, 1668 Fromm.); zunächst in éinem sinne mit markt: da hielt man markt oder messz. Frank weltb. 227ᵃ; die drei Leipziger märke und messen. der stadt Leipzig ordnungen 1701 s. 242; doch erlangt nach und nach messe einen unterschied von markt und bezeichnet das gröszere und wichtigere: anstatt dasz jeder andere, der nach irdischen waaren strebt, sie sich in den verschiedenen himmelsgegenden, oder wohl gar auf der messe und dem jahrmarkt anschaffen kann. Göthe 20, 243; in diesen tagen, .. als eben der hauptmarkt sich versammelte, den man gar wohl eine messe nennen konnte. 15, 300; ich reite niemals gern durch markt und messe. 307. es heiszt eine gute, schlechte messe; eine messe beziehen, bauen; auf der messe sein, auf der messe kaufen, verkaufen; während der messe, in der messe u. ähnl. (vergl. die ähnlichen redensarten bei markt oben sp. 1645 fg): wiewohl vor diesem gerichte ein jeder, er sei wes standes er wolle, in- und auszer den messen, ... klage zu erheben befugt. der stadt Leipz. ordn. (1701) s. 34; von dem groszen vortheil, welchen die handwerker in groszen städten dadurch erlangen, dasz sie gleichsam eine tägliche messe vor der thür haben. Möser patr. phant. 1, 189; da sie gleich im wirthshause viel personen antrafen, welche in einer benachbarten stadt auf der messe gewesen. Chr. Weise erzn. 107 Braune; es waren, wie in messen zu geschehen pflegt, viel fremde leute in dem gasthofe beisammen. 119; auf die gemeinen märkt oder mässen ziehen, mercatus concelebrare. Maaler 281ᶜ; die messe bauen, ut mercator ad nundinas proficisci Frisch 1, 660ᵃ;
denn so ich jetzt hingeben söl
mein wahr beide tuch und das öl,
so gült es mir nit halbe sumb;
bisz ubr ein monat die mesz kumb,
so kan ich als mit raht verkaufen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 126, 297;
ich sol ein mesz zu Leon (Lyon) bawen
mit ander mein geferten allen.
3, 72, 70;
auf der messe, da zieht es, da stürmt es hinan
zum circus, zum glatten, geebneten plan.
Freiligrath dicht. 1, 37;
unter den messen in Deutschland werden besonders die zu Frankfurt und Leipzig hervorgehoben: eben um die zeit da wir die allergröste wolthaten betrachten sollen, welche dem menschlichen geschlecht begegnet sind, ist der zahlungstermin in der Frankfurter mesz. Schuppius 65; wann ander leut in der kirchen sitzen und singen, Christ ist erstanden, ... so bleibest du zu hausz und packest ein, und machst dich bereit zu der reise nach der Leipziger messe zu. 66; mithin hatte sich die zeit genähert, darinn ich meiner geschäften halber in die Leipziger Michaeli mesz räisen muste. Simpl. 4, 74 Kurz; wann du .. das allerheiligste altaropfer und amt nicht höher achtest, als die Frankfurter mesz, allwo kein andere wandlung, als die handlung ist. Abr. a S. Clara Judas 2, 455; Razmann. wo führt dich das wetter her, mein theurer kollega? Spiegelb. siedend warm von der messe zu Leipzig. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 253 (räuber, trauersp. 2, 7);
sind holkische jäger; die silbernen tressen
holten sie sich nicht auf den Leipziger messen.
Wallensteins lager, 5. auftr.;
auch als märkte für buchhändler: einnemmen der herbstmesz 1562 zuͦ Frankfort. rechnungsbuch der Froben und Episcopius s. 46; wenn niemand nichts schreiben wollte, als was er verstünde, so würde gewisz die hälfe von den gelehrten werken wegfallen, welche alle messen an das licht treten. Rabener sat. 1, 65; ich bin oft gefragt worden, woher es komme, dasz der alternden welt, in deren gedächtnis sich doch die ältesten werke von tausend messen her, die eines Plato, Cicero, sogar Sanchuniathons erhalten, gleichwol die allerneuesten, z. b. die ritterromane von den letzten messen ... entfallen. J. Paul Qu. Fixl. 10.
5)
messe, in freierem sinne; von dem menschenzuflusz bei einem altrömischen landtag: jene menge des volks, welche .. zum landtag ... ging, ward nicht allein von neugierde oder vom verkehr der messe gelockt. Niebuhr 2, 33; von dem drängen eines haufens beim feste:
Faust. heisz ich mir das doch eine messe!
Meph. der ganze strudel strebt nach oben;
du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
Göthe 12, 214.
6)
messe, das auf der messe gekaufte, meszeinkauf: madame Daveson, die dich grüszen läszt, hat gestern unsere messe gemacht, und hoffentlich sollst du alles nach verlangen finden. Lessing 12, 544; was von der messe als geschenk mitgebracht wird: jemanden eine messe schenken, kaufen. Adelung; einem eine messe kaufen, in nundinis emere alicui aliquid Frisch 1, 660ᵃ.
Zitationshilfe
„messe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/messe>, abgerufen am 18.10.2019.

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