Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gemessen, part. pass.

gemessen, part. pass.
zu messen, mehrfach in adjectivischem gebrauch.
1)
zugemessen, mit genauem masze zugetheilt, daher auch für genau, knapp u. ähnl.:
daʒ korn ist uns gemeʒʒen.
pass. K. 12, 51;
sündic lîp vergeʒʒen (gedankenlos),
dir sint diu jâr gemeʒʒen.
Walther 77, 33;
wann eim sein narung an ein kerbholz geschnitten ist und mit eim cirkel ausgemessen, dasz er blosz zu leben hat und sich des galgens erwert (als dieb) .. das heiszt ein gemessen narung, ein galgenwehre. S. Frank spr. 1, 37ᵇ; wer über sein gemessen theil trachtet, der richt nichts aus. Lehman flor. 1, 22. vergl. den gegensatz ungemessen, immensus, mhd. ungemeʒʒen. s. auch wolgemessen, vollgemessen.
2)
genau abgemessen (vergl.gemäsz 1. 2): eine grosze, wiewohl gemessene und von gott umschrenkte macht, die der satan bei den angefochtenen hat. Scriver seel. 2, 405; die zeit ... nahet ohne menschliche verhinderung oder beförderung mit gemessenen schritten heran. Möser phant. 2, 104; die liebe ... wenn sie sich auf das behutsamste und gemessenste ausdrücken will. Lessing 7, 67;
dasz mit dem scherz es wie mit wunden ist,
die niemals nach so ganz gemesznem masz
und reinlich abgezogenem gewicht geschlagen werden.
Göthe 14, 117 (epilog zu den vögeln);
er (der edelmann) ist eine öffentliche person, und ... je gehaltner und gemessener sein ganzes wesen ist, desto vollkommener ist er. 19, 152 (lehrj. 5, 3); der gemessene gang des verses. Voss zeitm. 170; der gemessene schritt, das taktartige des alexandriners. Göthe 24, 142. auch gemessene worte, ins versmasz gefaszt (s. dazu gemäsz n. 4), von einem sonett:
so hast du lange nicht, bewegtes herz,
dich in gemesznen worten ausgesprochen!
Göthe 9, 292 (nat. t. 2, 4).
3)
auch gemessener befehl u. ä., in kurzen knappen worten: und doch haben wir gemessene ordre euch in der güte zu überreden oder ... in den thurn zu werfen. Göthe 8, 121. 42, 157. 196; mein kammermädchen hatte ihre gemessene ordre. Tieck 6, 93, zugleich wol so, dasz sie dem ausführenden keinen spielraum läszt.
4)
angemessen, entsprechend, wie sonst gemäsz:
es ist kein edler stein,
der ihr am mindsten auch nur kan gemessen sein.
Opitz 2, 35.
5)
auch als adv. (vgl. gemessentlich):
ehre das gesetz der zeiten
und der monde heilgen gang,
welche still gemessen schreiten
in melodischem gesang.
Schiller das eleus. fest;
indem er im gesetzbuche selbst die priester gemessenst anwies, sich aller willkürlichen auslegungen ... zu enthalten. Wieland (1824) 17, 248, gewöhnlich aufs gemessenste.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3282, Z. 5.

messe, f.

messe, f.
missa; nundinae.
1)
ahd. missa, messa, alts. missa, fries. missa, ags. mässa, altnord. messa, die nach einführung des christenthums in allen germanischen landen übernommene lateinische bezeichnung des haupttheils vom christlichen gottesdienste, der erneuten unblutigen opferung Christi seitens des priesters, und der dabei vorgenommenen handlungen, lesungen, gebete und gesänge. das lat. wort, im 4. jahrh. aufgekommen, hatte sich bekanntlich aus den worten des diakonen gebildet, mit denen die zur abendmahlsfeier noch nicht berechtigten aus der kirche entfernt wurden: ite, missa est (scil. concio); im 16. jahrh. und auch noch später fand eine andere herleitung aus dem hebräischen beifall: quidam hebræum nomen esse putarunt, ex deut. 16, 10, ubi vox missah, quae oblationem significat, reperitur. Schmid lex. eccles. minus (1712) 2, 115; denn das wörtlin messe, so von den aposteln hergenomen scheinet, heiszt auf ebreisch so viel, als einen zins oder frondienst, wie ein bawer oder lehenman, seinem herrn seine mesz, das ist, seinen gebürlichen zins oder dienst bringet, oder seinem fürsten frönet, .. also haben sie hie auch geredt, ich wil zur messe gehen, oder messe hören, als solten sie sagen, ich wil gott seinen zins geben, oder frönen. Luther 6, 33ᵇ. Die messe wird genannt neben predigt, mette, vesper: weder messe noch predigt besuchen;
ze mettîn und ze misse,
dâ ich dîn dienst wesse,
dâ verrieten si mich.
Milstätter sündenklage in Haupts zeitschr. 20, 266, 366;
dort naht der alte ritter mit der gattin,
die keinen tag das heilge grab versäumen,
und keine vesper, keine messe.
Tieck Octav. 179;
sie heiszt von Christus selbst eingesetzt:
eʒ ist umbe misse alsô gewant:
si machete unser hêrre selber der heilant
mit sîme heilegen sinne,
und machete ouch dâr inne
sînen hêren lîchenamen und sîn vil heilegeʒ pluot.
Haupts zeitschr. 1, 272, 79;
und wird darum, wie andere gnadenmittel der kirche, titelhaft heilig genannt: heilega messa sô ni êrêta sô ih be rehtemen scolta. Müllenhoff u. Scherer 74ᵇ, 9; that ik .. thena hêlagon sunnundag endi thia hêlagun missa ne fîriôda endi ne êrôda sô ik scolda. 72, 19; so wir in die kilchen tretten da wir die heiligen messe son hœren und sehen. Wackernagel pred. nr. 41, 11, s. 69; in der schrift abgekürzt nur h.: am sonntag kanst du kein h. mesz hören, du besti. Abr. a S. Clara Judas 1, 22;
die sünderin vergasz den leib des herrn,
wenn sie nur deine lippen rühren durfte,
selbst in der heilgen messe sah ich dich.
Tieck Octavian 99;
unterschieden ist stille messe: dar nah vahet man die stillen messe an. Wackernagel pred. nr. 41, 147, s. 73; hohe messe (missa solemnis): in drei tagen ist hohe messe in der Lorenzokirche. Schiller Fiesko 3, 5; singende und lesende messe: item so habent wir die werklüte .. für uns und unser nachkommen uffgesetzet und geordnet zu haben funf vigilien und funf seelmessen, und zu jeder singender mesz drei lesender messen. Mone anz. 5, 497 (statuten der Straszburger steinmetzen von 1498); als man die ander singend mesz im chor anfing, da gingen sie inn das münster uff den letner. Brant narrensch. 199ᵇ Zarncke; mit zwei gesungen messen. d. städtechron. 1, 370, 5; ewige messe, jährliche messe: ich mein ir solten im ein ewig mesz halten und die verschreiben. Pauli schimpf u. ernst 85;
hier ist das felsenriff, drauf Tell aus der barke gesprungen;
sieh! ein ewiges mal hebet dem kühnen sich hier:
nicht die kapelle dort, wo sie jährliche messen ihm singen,
nein, des mannes gestalt.
Uhland ged. 111;
deutsche messe im gegensatz zur lateinischen: wo die messe solt künftig deudsch gehalten werden, da Christus gnade zu gebe. Luther 3, 271ᵃ; deudsche messe und ordnung gottesdiensts. 276ᵇ; die messe geht an, ist aus, wird eingeläutet, gesungen, gesagt, gesprochen, gelesen, gehalten, celebriert: ein halb stund nach sybnen leit man mit allen glocken zusammen zur mesz. Brant narrensch. 199ᵃ Zarncke; Petrus der zwelfpote besas nôch unsers herren martel den priesterstuͦl in den osterlanden 4 jor und sang do sin erste messe. d. städtechron. 8, 15, 18; (der papst) Virgilius ... satte uf, daʒ man die messen sol sprechen gen der sunnen ufgang (respiciens orientem). 20, 20; oder lieszest zwölf kirchen bauen, darin ein priester lese und sünge an einer ewigen messe bis an jüngsten tag. Mathes. Sar. 63ᵇ; man sol bald ein mesz lesen. Abr. a S. Clara Judas 2, 277; er sucht in dem buch die mesz auf (um sie zu lesen). 345; ich will messen lesen lassen, den irrenden geist in seine heimath zu senden. Schiller räuber 4, 5;
si giengen zuo dem münster,   dâ man die messe sanc.
Nib. 594, 3;
ein pfaff in einem dörflein klein
mesz halten wolt, und war allein.
L. Sandrub kurzweil (1618) 58;
zu morgens als er (der meszpfaffe) celebriert
sein mesz.
111;
die messe geht nun an. gebet, gesang und chor
geräth erbärmlich schlecht.
Hagedorn 2, 149;
eine messe hörte man sagen.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 267;
eine messe verlangen, besuchen, sehen, hören, ihr beiwohnen: der küchenmeister sal teglich frue in die kirche gehen, ein messe sehen. Michelsen Mainzer hof 19; es ist mit der mesz dahin kommen, dasz dieselben so wenig leut besuchen. L. Sandrub kurzweil 59; dise fraw gehet niemal ausz der kirchen, es seie dann, sie habe bei einem jeden altar ein mesz gehört. Abr. a S. Clara Judas 2, 49; dasz gleich dazumahlen ein vornehmer cavalier in die kirchen kommen, welcher gar bald und schleunig ein h. mesz verlangt. 345;
ein messe hete wir vernomen,
ê daʒ die ritter wâren komen.
U. v. Lichtenstein 455, 25;
der pfaff, da die mesz hett ein endt,
den meszner fragen thet behend,
wie viel personen gwesen wern,
die der mesz beigewohnt zu ehrn?
L. Sandrub kurzweil 59;
die heilge messe hört ich gern,
doch liegt mir krank der sohn.
Schiller gang nach d. eisenhammer v. 131;
bei der messe beten, dienen, die messe bedienen (vgl. auch messediener), dienst der messe: nach vollbrachtem gottsdienst ruft obbenannter fromme seelsorger die drei bawrentöcher zu sich, ob sie bei der h. mesz haben gebett? Abr. a S. Clara Judas 2, 412; doch ob ain newer priester den priestern im pfarrhof und vicarien, auch kirchenmaistern, schulmaistern, organisten, turnern und andern, die im auf die zeit der ersten vesper und mesz dienten und handreichten, thun wöllte wie inn ordnung und gewonheite von alter herkomen ist. Nürnb. pol.-ordn. 85;
kein chorgehülfe war erschienen,
die messe kundig zu bedienen.
Schiller gang nach d. eisenhammer v. 152;
bereitet hurtig die gefäsze,
geheiliget zum dienst der messe.
160;
die messe versäumen; weil er gott forderist vor augen gehabt, die heilige mesz an keinem tag auszgelassen. Abr. a S. Clara Judas 1, 67;
wie soll man siegen,
wenn man die predigt schwänzt und die mesz,
nichts thut, als in den weinhäusern liegen?
Schiller Wallensteins lager, 8. auftr.
2)
messe, die zur messe componierte kirchenmusik: die bedeutsamkeit und grösze seiner lyrik treibt ihn (J. S. Bach) dann über das gebiet der cantate hinaus zur wirklich dramatischen form. die messe — deren Bach fünf schrieb .. — ist eine solche noch nicht, und Bach behandelt sie auch noch im sinne und geiste seiner cantaten, denen er einzelne sätze direct entlehnt, um sie in den messen zu verwenden. Reiszmann geschichte der deutschen musik (1881) s. 348; Beethovens messe in c-dur.
3)
messe, kirchlicher feiertag im allgemeinen, an welchem messe gehalten ward: tô thero missa sanctae crucis. Freckenhorster heberolle 249;
zer heilegen kriuzes messe,
sô die wilden eber sint
ze jagene zîtic und der wint
daʒ loub beginnet rêren.
Partenopier 324 Bartsch;
weitere belege bei Schm. 1, 1667 Fromm.; vergl. auchkirchmesse, ↗lichtmesse.
4)
messe, der ursprünglich an einem solchen kirchlichen feiertage in der nähe der kirche abgehaltene markt; in dieser bedeutung bereits im frühen 14. jahrh. bezeugt: ein clûder wollin in der messe (zu Frankfurt) daʒ gibt ein helbeling, und ûʒewendig der messe gibt iʒ nicht (nichts). Böhmer cod. dipl. 505 (von 1329); in der messe tzu Franckfurt. weisth. 1, 502 (Maingegend, von 1338); eʒ sol ouch nieman hie zuͦ Spire, er si gast oder burger, an dem sunnentage oder an allen gebannen virtagen nihtzit veil haben, denne daʒ man essen unde drinken mag, .. uʒgenomen an unser vrowen dag der messe (s. oben 3), als sie geborn wart und an dem kirwihetage, unde die wile die messe wert ane geverde mag man wol veile haben waʒ man wil unde niht anders. anz. des germ. mus. 1856 sp. 202; und seit mindestens dem 15. jahrh. ziemlich allgemein verbreitet: nundinae messen Dief. 385ᵇ; nondinae, mesz, jarmarkt Alberus hh 1ᵇ; die mäsz, jaarmarkt, nundinae, mercatus, forum nundinarium Maaler 281ᶜ; niederl. misse, solennitas, solennia, et nundinae, mercatus solennis Kilian (in Altbaiern dafür dult, in der Oberpfalz kirchtag, vergl. th. 2, 1510. 5, 827 u. Schm. 1, 1668 Fromm.); zunächst in éinem sinne mit markt: da hielt man markt oder messz. Frank weltb. 227ᵃ; die drei Leipziger märke und messen. der stadt Leipzig ordnungen 1701 s. 242; doch erlangt nach und nach messe einen unterschied von markt und bezeichnet das gröszere und wichtigere: anstatt dasz jeder andere, der nach irdischen waaren strebt, sie sich in den verschiedenen himmelsgegenden, oder wohl gar auf der messe und dem jahrmarkt anschaffen kann. Göthe 20, 243; in diesen tagen, .. als eben der hauptmarkt sich versammelte, den man gar wohl eine messe nennen konnte. 15, 300; ich reite niemals gern durch markt und messe. 307. es heiszt eine gute, schlechte messe; eine messe beziehen, bauen; auf der messe sein, auf der messe kaufen, verkaufen; während der messe, in der messe u. ähnl. (vergl. die ähnlichen redensarten bei markt oben sp. 1645 fg): wiewohl vor diesem gerichte ein jeder, er sei wes standes er wolle, in- und auszer den messen, ... klage zu erheben befugt. der stadt Leipz. ordn. (1701) s. 34; von dem groszen vortheil, welchen die handwerker in groszen städten dadurch erlangen, dasz sie gleichsam eine tägliche messe vor der thür haben. Möser patr. phant. 1, 189; da sie gleich im wirthshause viel personen antrafen, welche in einer benachbarten stadt auf der messe gewesen. Chr. Weise erzn. 107 Braune; es waren, wie in messen zu geschehen pflegt, viel fremde leute in dem gasthofe beisammen. 119; auf die gemeinen märkt oder mässen ziehen, mercatus concelebrare. Maaler 281ᶜ; die messe bauen, ut mercator ad nundinas proficisci Frisch 1, 660ᵃ;
denn so ich jetzt hingeben söl
mein wahr beide tuch und das öl,
so gült es mir nit halbe sumb;
bisz ubr ein monat die mesz kumb,
so kan ich als mit raht verkaufen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 126, 297;
ich sol ein mesz zu Leon (Lyon) bawen
mit ander mein geferten allen.
3, 72, 70;
auf der messe, da zieht es, da stürmt es hinan
zum circus, zum glatten, geebneten plan.
Freiligrath dicht. 1, 37;
unter den messen in Deutschland werden besonders die zu Frankfurt und Leipzig hervorgehoben: eben um die zeit da wir die allergröste wolthaten betrachten sollen, welche dem menschlichen geschlecht begegnet sind, ist der zahlungstermin in der Frankfurter mesz. Schuppius 65; wann ander leut in der kirchen sitzen und singen, Christ ist erstanden, ... so bleibest du zu hausz und packest ein, und machst dich bereit zu der reise nach der Leipziger messe zu. 66; mithin hatte sich die zeit genähert, darinn ich meiner geschäften halber in die Leipziger Michaeli mesz räisen muste. Simpl. 4, 74 Kurz; wann du .. das allerheiligste altaropfer und amt nicht höher achtest, als die Frankfurter mesz, allwo kein andere wandlung, als die handlung ist. Abr. a S. Clara Judas 2, 455; Razmann. wo führt dich das wetter her, mein theurer kollega? Spiegelb. siedend warm von der messe zu Leipzig. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 253 (räuber, trauersp. 2, 7);
sind holkische jäger; die silbernen tressen
holten sie sich nicht auf den Leipziger messen.
Wallensteins lager, 5. auftr.;
auch als märkte für buchhändler: einnemmen der herbstmesz 1562 zuͦ Frankfort. rechnungsbuch der Froben und Episcopius s. 46; wenn niemand nichts schreiben wollte, als was er verstünde, so würde gewisz die hälfe von den gelehrten werken wegfallen, welche alle messen an das licht treten. Rabener sat. 1, 65; ich bin oft gefragt worden, woher es komme, dasz der alternden welt, in deren gedächtnis sich doch die ältesten werke von tausend messen her, die eines Plato, Cicero, sogar Sanchuniathons erhalten, gleichwol die allerneuesten, z. b. die ritterromane von den letzten messen ... entfallen. J. Paul Qu. Fixl. 10.
5)
messe, in freierem sinne; von dem menschenzuflusz bei einem altrömischen landtag: jene menge des volks, welche .. zum landtag ... ging, ward nicht allein von neugierde oder vom verkehr der messe gelockt. Niebuhr 2, 33; von dem drängen eines haufens beim feste:
Faust. heisz ich mir das doch eine messe!
Meph. der ganze strudel strebt nach oben;
du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
Göthe 12, 214.
6)
messe, das auf der messe gekaufte, meszeinkauf: madame Daveson, die dich grüszen läszt, hat gestern unsere messe gemacht, und hoffentlich sollst du alles nach verlangen finden. Lessing 12, 544; was von der messe als geschenk mitgebracht wird: jemanden eine messe schenken, kaufen. Adelung; einem eine messe kaufen, in nundinis emere alicui aliquid Frisch 1, 660ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11,12 (1883,1884), Bd. VI (1885), Sp. 2110, Z. 67.

messe, mess, f., n.

messe, mess, f. n.
metallgemisch aus kupfer und zink. als fem. ein lehnwort der hüttenwerke, aus dem lat. massa (vgl. dazu masse 1, sp. 1708) herübergenommen, zunächst von einem aus der schmelzung hervorgegangenen metallklumpen im allgemeinen, von bestimmtem umfang und gewicht, so messe îsens, vergl. Lexer mhd. handwb. 1, 2121;
si (die seelen in der hölle) begunde harte switzen,
und nach dem sweiʒe brinnen,
vil schiere zerinnen,
alsô daʒ îsen denne tuot,
sô iʒ gêt durch die gluot.
dô diu menige der sêle sus zeflôʒ,
man warf si ûf einen aneboʒ ...
der sêle wol hundert
ze einer mässe man dâ sluoc.
Hahns ged. des 12. jahrh. 54, 22;
dann aber auch eine bestimmte metallmischung bezeichnend, und als stoffname neutrum geworden:
ir anker wâren   von îsen niht geslagen,
von glocken spîse gegoʒʒen,   sô wir hœren sagen.
mit spânischem messe   wâren si gebunden,
daʒ den guoten helden   die magnêten niht geschaden kunden.
Gudrun 1109;
später, bis es durch messing (s. d.) gänzlich verdrängt wird, nur noch in der form mess, auch möss, ferner mesch und mösch: auricalcum mess, messz, mesch, mösch Dief. 61ᶜ; das mess klingt und dönt, und ist dem gold geleich. Meister Ingold das goldene spiel 8, 1 Schröder; wirt aber gold vermüscht mit mesz oder kupfer und silber vermenget mit zyn oder blei, so spricht man es sei verwüstet oder gemindert. Keisersberg pred. 62ᵃ; das du wol hie hast aufzusehen, dasz du die rechten baryllen des geistes aufsetzest, und nit mesz für gold einnemest. S. Frank sprichw. 2, 164ᵃ; mösch oder kupfer, mössz, aes coronarium, aurichalcum, orichalcum Maaler 293ᵇ;
von mess gegossen roren frei (am brunnen).
Brant narrensch. ⅭⅩⅩⅠⅠ, 49 Zarncke;
jetzt noch schwäbisch mess und möss messing Schmid 383; alem. mösch, messing, möschig was von messing ist. Stalder 2, 215. vergl.mösch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2114, Z. 4.

messen, adj.

messen, adj.
von messing; mhd. messîn, welche form sich bis ins 16. jahrh. hält: auricalcum ein messin sporn Dief. nov. gloss. 43ᵃ (der schreiber denkt an calcar); dasz davon ein sprichwort ist entstanden, und zu Nürnberg ob der raththür in messin buͦchstaben gossen. S. Frank sprichw. 2, 165ᵇ; die drit zeit des menschen und der welt das was messin, das was noch pöser, wan da stuͦnd auf list, falschait, unwarhait, krieg und unfrid, und als das erin geschmeid dönt, also beschirmten sich die menschen mit worten und stuͦnden auf die gericht. Meister Ingold gold. spiel 7, 11 Schröder; mit einem eisenen oder mässinen beschläg. Sebiz feldb. 473; oder zu messein wird: zwue grosze messein sprutzen. Tucher baumeisterb. 132, 31; gewöhnlicher aber als messen auftritt: zwu grosz messen sprutzen in einem lideren sacke. 133, 9; zwue grosz sprutzen messen. 137, 10; also befalh man denselben 2 zaichen, domit man aufdrucket die pollicken (geleitszettel), und dieselben zeichen waren messen und vergult. d. städtechron. 2, 325, 24; it. vier messen scheppele. it. zehin messen luchter. it. echte (acht) messen kesselchin. inventar Elsen von Holczhusen von 1410 im Frankfurter archiv; it. vj heller umb eczwaʒ messen drats. it. viij ß viij heller umb xx messen leffil, ye einen umb iiij heller. ebenda; liesz ime der herzog viertausent gülden in ainem messenn beck für tragen. Wilw. v. Schaumb. 27; darnach nim ich ein rechten winkelhaken, er sei messen oder hülzen. Dürer befest. P 2; anfänglich soll ein jeder eine messene oder hölzerne spritze einkaufen. Breslauer feuerordnung von 1636, s. 1;
auch kundt ich nit gnug sehen mir
desz neuen schönen messen brunnen,
den sie neulich gebaut jetzunnen (zu Augsburg) ..
drauf steht keiserlich majestat,
der dise stadt erbauet hat,
von messing, so grosz als ein man.
J. Ayrer 103ᶜ (521, 33 Keller).
messen auch als subst., wie messing: bergwerk von silber, golt, zin, blei, messen, kupfer. Schade sat. 2, 56, 15; in der form messin:
und wan ich schon abwächslen wolt,
tauscht ich kaum messin für schlecht gold.
Fischart flöhhatz 2004.
vergl. messingen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2115, Z. 8.

messen, verb.

messen, verb.
messe halten, messe lesen: denn so sie etwas guts thun wöllen, messen sie (die mönche) gemeinlich. Fischart bienk. 264ᵃ; ist das opfer Christi am kreuz nur einmal geschehen, so messen und opfern die pfaffen immer eins über das andere. corp. constit. Brandenb. - Culmb. 1, 5 (baireutische kirchenagende, vergl. Schm. 1, 1668 Fromm.);
und war fast umb die frühmeszzeit,
umb fünf, ein gute stundt vor tag,
wie man sie da zu messen pflag.
B. Waldis Esop 3, 98, 76.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2115, Z. 49.

messen, verb.

messen, verb.
metiri.
I.
abkunft und form.
1)
messen ist ein gemeingermanisches wort: goth. mitan; altnord. meta, schwed. mäta, dänisch mundartlich mäde; ags. metan, engl. mete; fries. meta; alts. metan, nd. nl. meten; ahd. meʒan, mhd. meʒʒen. von urverwandten wörtern, die das wort als einen alten europäischen besitz darthun, weist das lat. griech. eine reihe auf: griech. μέδιμνος scheffel, μέδω schalte, walte, μέδομαι, μήδομαι ermesse, bedenke, sorge, lat. modus, modius, mit weiterbildungen wie modestus, moderare; und solche lassen uns messen als ein altes hauswort sehen, welches einmal das zutheilen bestimmter mengen des zum leben und zur kleidung notwendigen an die glieder eines haushalts bedeutet haben musz, wie denn auch goth. mitaþs und mitadjô ein getreidemasz, ags. fries. mete, alts. meti die speise, nahrung, ahd. meʒʒi und meiʒi dapes bezeichnet, und wie das griech. μέδω mit μέδων, μεδέων obwalter, berater, herscher den begriff des obseins und schaltens aus der obliegenheit eines hausvaters, seinem gesinde das ihm zukommende zuzumessen, augenscheinlich hervorgebildet hat; zu μέδων stellt sich wieder ein als oskisch überliefertes medix mit der variante meddix (stamm med-dic): meddix (medix) apud Oscos nomen magistratus est. Festus (mit beleg aus Ennius). es ist daher in messen die bedeutung des zumessens und hinreichens (unten II, 1—3) die älteste, auf grund deren andere (II, 4—12) zur entfaltung gelangen.
2)
die conjugation ist die starke bis heute geblieben. der form der 1. sg. präs. mhd. miʒʒe entspricht noch in oberdeutschen mundarten, namentlich dem alemannischen ich misz, während dem bairischen schon i mesz eigen ist (Schm. 1, 1669 Fromm.). die 2. sg. missest, mhd. miʒʒest, wird kein in der sprache sorgfältiger zu miszt verkürzen, obschon die rede des gewöhnlichen lebens diese form nicht selten hören läszt und schon Steinbach 2, 52 du miszt einzig aufführt, die 3. sg., heute gewöhnlich zu miszt zusammengedrängt, lautete im 16. und 17. jahrh. misset: er misset gleich alle jre genge. spr. Sal. 5, 21; er misset. Schottel 590; und noch später in gehobener rede:
deinen willen, deine fehle
wägt und misset die gerechte
linde Adrastea dort.
Herder z. litt. u. kunst 6, 188;
bei Spee messet:
wer messet ihn (den vögeln) den athem zu?
trutzn. (1654) 89;
für die imperativform misz erscheint mesz (vergl. ähnliches bei geben th. 4¹, 1668, bei nehmen th. 7, 522): Hänsel noch ein glas brandtewein, und mesz christlich. der junge Göthe 2, 242.
II.
bedeutung.
1)
messen, nach masz zutheilen, zumessen.
a)
so bei versorgung und verkauf, etwas messen, einem etwas messen:
thie disgi, thie thâr stuantun,   thâr sie thô munizôtun,
thie stuala ouh, thâr sie sâʒun,   inti ouh iro kouf mâzun,
thaʒ uuarf er allaʒ sâr in houf.
Otfrid 2, 11, 14;
ouch sol man den burgern ir korn daʒ si koufent dâ heim in ir hûse meʒʒen, ân aleine den die brôt vaile habent, den sol man daʒ korn meʒʒen ûf dem kornmarkt. Meraner stadtrecht in Haupts zeitschr. 6, 415; und er mas sechs mas gersten, und legts auf sie. Ruth 3, 15; mässen oder zumässen, admetiri Maaler 281ᶜ; kernen mässen, frumentum metiri. ebenda; und so vereinzelt noch heute, in der haushaltung: komm auf den futterboden, wir wollen hafer messen. Immermann Münchh. 1, 133, vergl. dazu: dann ging er mit dem knechte auf den futterboden, um den hafer für die pferde ihm zuzumessen. 144.
b)
mit näherer ausführung: mit welcherlei masz jr messet, wird man euch wider messen, und man wird noch zugeben euch, die jr dis höret. Marc. 4, 24; wie goth.: in þizaiei mitaþ mitiþ, mitada izvis jah biaukada izvis þaim galaubjandam; denn mit dem masz, damit du missest, soll dir wieder mit gemessen werden. Luther tischr. 1, 37 Förstemann; meinst du, dasz der grosze gott mit zweierlei masz miszt? dasselbe gesetz ist gegeben für den könig, wie für den landsknecht. Freytag ahnen 4, 428; mit adverbien der art, wobei dann der acc. des gemessenen auch blosz verstanden wird: reichlich, knapp messen; einem gut, schlecht messen; mesz christlich. Göthe (s. die stelle oben I, 2); wegen den schnitzen und andern früchten, die man gehäuft miszt. Hebel 2, 217.
c)
in bildlicher rede der neueren dichtersprache:
lebt wohl! behaltet eure feste, ..
wo politik die worte miszt,
und wohlstand kaum erlaubt zu lächeln.
Gotter 1, 448;
mit dativ der person:
die ungebundne hand der obersten gewalt
miszt uns den lebensweg mit einer kurzen ruthe.
Günther 643;
Themis selber führt den reigen,
und mit dem gerechten stab
miszt sie jedem seine rechte.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 296;
weder ungebühr noch böses
mutet man dir zu!
arbeit nur wird dir gemessen.
Voss 4, 259.
2)
messen, in der älteren sprache danach in freierem sinne, wie zutheilen, geben schlechthin, von der vorstellung des zumessens ausgehend.
a)
besonders gern von schlägen: darumb erhuͦb sich groszer zank im sale, also das mancher streich des tags gemessen wardt. Aimon bog. p;
zesamne si aber sprungen, gestriten wart dô baʒ.
schilde und helme erklungen, die starken slege er maʒ.
Alpharts tod 296, 2;
ûf Ecken wart gemeʒʒen
ein alsô ungefüeger slac,
daʒ er kam von den sinnen
und vor im ûf der erde gelac.
Ecken ausfahrt 127, 6;
Chuonzen waʒ ein straich gemessen,
daʒ er tanzens hiet vergessen.
ring 9ᵇ, 35;
in demselben sinne auch es einem messen:
wolst du mir meinen hanen fressen,
und mirs dazu mit feüsten messen?
H. Sachs fastn. sp. 2, 103, 278;
oder blosz einem messen:
wir wölln euch messen und gleich thon
wie jr wolt messen Gibeon.
ged. 3, 1, 30ᵃ;
ain andre dort zu mittag as;
und als der filzfloh jr hart mas (sie peinigte),
fuhr sie hinein mit schmutzig händen.
Fischart flöhhatz 1342;
eins einem messen, von dem zudictiren einer körperstrafe: also undersagt man jm sunst mit ruchen und streflichen worten, er solt sich hinfürbas huͤten, sunst wolt man jm eins mit dem andren messen (zu der dann verdienten auch noch die früher verdiente strafe zumessen). Wickram rollw. 168, 18 Kurz.
b)
von speise und trank, einem messen, einem hinreichen, zubringen:
swelch diener ouch den becher miʒʒet
daʒ er im rinnet über die hant
und im begiuʒet sîn gewant,
des dienstes ist ein teil ze vil.
K. v. Haslau jüngling 574;
o kelner, misz im eben
des besten safts der reben!
Uhland volksl. 601;
meinstu ich hab dein schon vergessen?
ich will dir jetzund besser messen,
und bring dir jetzund dissen (becher) dran.
Grobian. II 1ᵃ (v. 1893);
speise messen, auch im sinne von sich reichen, essen: als sich oft begibt daʒ der man nicht alwegen einerlei speise messen mag und zuͦ zeiten was neües begern ist. Steinhöwel decam. 435, 17 Keller.
c)
von andern dingen, vertheilen, austheilen:
unsers lebens ganzer wandel steht im lernen und vergessen;
das vergessen nur und lernen, wird gar selten recht gemessen:
was vergessen solte bleiben, wollen wir am liebsten wissen,
was gelernet solte werden, wollen wir am liebsten missen.
Logau 2, 161, 12;
sie haben den flachs gehechlet und haben im eben gethon, als man thuͦt mit einer kunkelat, die man meisterlich wil anlegen, so nimpt man die lengsten volkomesten und hübsten löck und risten flachs, die legt man uszwendig umbher, und inwendig hinin miszt man die kleinen kurzen löck die nit als hübsch sind. Keisersberg bilg. 51ᶜ; lob, lohn, strafe messen:
dô wart im lop und êre schîn,
der manger im bôt unde maʒ.
troj. krieg 3105;
und tuͦst sein ganz vergessen,
auch deines herzen lieb messen
ainen andern gesellen.
Hätzlerin 2, 8, 98;
der sol zehen jar von der erden essen.
die puosz thar ich im nicht kürzer messen.
fastn. sp. 307, 26;
eine lehre messen, ertheilen, eine bitte messen, thun, anbringen:
und als er vor in gesaʒ
und im dî gotis lêre maʒ.
Jeroschin 17294;
auch soltu nit vergessen
unser du reine meid,
dein pit für uns thu messen,
dir wirt doch nichts verseid,
gegen deim kindt so klare.
Hildebrand volksl. 82, 21.
d)
auch in bezug auf ein urtheil, einem etwas zu lob, zu tadel messen, zurechnen, zutheilen, wie auf der andern seite etwas zu lob, zu tadel gereicht: wil mir als einer jungfrawen nicht gebüren, einen jungen ritter zu laden, dieweil ich vatter und mutter losz bin, es würd mirs auch der ritter zu groszer schand messen. b. d. l. 252ᵇ; dasselb masze man dem ritter zu groszen ehren und vernunft. 287ᵈ;
ob ich mich iendert thuon vergessen,
dasz sült ir mir nit zu übel messen.
fastn. sp. 409, 1;
jedoch kanst mirs nicht ubel messen.
Fischart dicht. 2, 217, 65 Kurz;
auch blosz einem übel messen:
ir sült mir zu übel nit messen;
ob ich gen euch mich wurd vergessen,
dasz solt ir one zorn han.
fastn. sp. 405, 4;
etwas arg messen:
bitt, wölst das so arg nit messen.
H. Sachs 3, 1, 56ᵈ;
auch ähnlich: soll ihm gemessen werden, als wer ehr nüchtern gewesen. Reutter v. Speir kriegsordn. 15; mit welcher fügung sich dann wieder die bedeutung unten 5 berührt.
3)
auch wenn messen in der älteren sprache soviel wie zielen ausdrückt, geht es von der vorstellung des zutheilens und zumessens aus:
und Cupido ir son zu allem mole
der misset mein nun selten
mit seiner feurin oder gulden strale.
Haupts zeitschr. 6, 36, 25;
bildlich von geschichten, die auf einen zielen, gewendet werden:
darumb so wart auch sider
ain mär auf mich gemessen.
ebenda 54, 123;
von bestrebungen die weiter 'zielen':
das (Würtemberger land) han sie gahr inn und besessen,
aus jeren geschlecht han vögt gemacht,
gnadiger fürst hand eben acht,
das sie nit weiter thon messen.
Hildebrand volksl. 182, 11,
was eben auch wieder in den begriff unten 5 verläuft.
4)
gewöhnlicher heiszt messen seit alter zeit blosz nach masz eine länge, einen umfang oder inhalt bestimmen, messend feststellen, ohne nächste rücksicht auf einen empfangenden: messen, nach der zal des haufen, metiri, messen nach der leng und zal, mensurare, messen mit der elen, ulnare. voc. inc. theut. n 7ᵃ; des messens handel ist eine fleche. Reymers landrechnen (1583) D 3ᵃ; untersuchen, wie oft ein bestimmtes quantum in einem andern erhalten ist, heiszt dieses quantum messen (wenn es stetig) oder es zählen (wenn es nicht stetig ist). Schiller hist.-krit. ausg. 10, 187.
a)
ohne object: füret er mich her aus zum thor gegen morgen, und mas von dem selbigen allenthalben herumb. gegen morgen, mas er fünfhundert ruten lang, und gegen mitternacht, mas er auch fünfhundert ruten lang. Hes. 42, 15—17;
feste mauern will sie (Minerva) gründen,
jedem schutz und schirm zu sein ...
messend führet sie die kette
um des hügels grünen saum.
Schiller das eleus. fest.
b)
mit ähnlichen begriffen, solchen der zahl- oder gewichtsbestimmung, verbunden: der sand am meer, den man weder messen noch zelen kan. Hos. 1, 10;
das har ist uns gezählt, die lebensläng gemessen.
Rompler 32;
ihr, die ihr messet und ergründet,
was erd und himmel in sich hält.
Drollinger 13;
der nie das haus verliesz, wenn sich der himmel schwärzte,
der seine schritte masz, der seine bissen wog.
Gotter 1, 315;
(die weisheit) auf deren schal er nationen
gegen nationen masz und wog.
Blumauer 1, 162.
c)
mit sächlichem object, getreide, frucht, ein stück tuch, ein feld, eine mauer messen; ein feld messen, agrum metiri. Stieler 1282; frucht messen, metiri fruges, die tiefe des meeres messen, altitudinem maris explorare bolide. ebenda; die erde messen, terram metiri. Steinbach 2, 52; er miszt das kleid, vestem metitur. ebenda; den stadtgraben messen, fossam urbis dimetiri. ebenda; den umlauf der sterne messen, ambitum siderum commetiri. ebenda; das wasser messen; die tiefe des sees messen (vergl. mythol. 564, den see messen zieht unheil nach sich); ein man hatte eine messchnur in der hand. und ich sprach, wo gehestu hin? er aber sprach zu mir, das ich Jerusalem messe, und sehe, wie lang und weit sie sein solle. Sacharja 2, 2;
das ganze weltall ist
ein uferloses meer, das kein erschaffner miszt.
Wieland 1. suppl.-bd. s. 140;
messen als obrigkeitliches amt (vergl.messer): daʒ die wînmeʒʒer .. ze lône nemen sullent von einer ürn wînes, swâ sie die meʒʒent in der stat, niur vier Berner. Meraner stadtrecht bei Haupt 6, 421; messer, wieviel sie haber und geträidig zu messen befugt. der stadt Leipzig ordnungen (1701) im register (im text vermessen); messen mit prädicativem adjectiv: darnach füret er mich zum thor gegen mitternacht, das mas er gleich so gros, wie die andern. Hes. 40, 35; mit adverbien der art: etwas genau, flüchtig, ungefähr messen;
er, der vom erdenball die platten pole wuszte,
eh ein Maupertuis sie glücklich messen muszte.
Lessing 1, 177;
als kinderspiel den halm messen, vergl. 4², sp. 239, nr. 6; in ungenauer rede ein masz voll messen, es messend füllen: dieses maasz messen sie auf solche art vier mahl voll, und schütten iedes absonderlich auf den tisch. rockenphilos. 3, 181.
d)
mit instrumentalem beisatze: das tuch mit der elle, das getreide mit dem scheffel messen; von einem ieglîchen vaʒʒe daʒ si (die weinmesser) mit waʒʒer meʒʒent sullent si nemen ze lôn niur einen zweinziger. Meraner stadtrecht bei Haupt 6, 421; wer misset die wasser mit der faust, und fasset den himel mit der spannen? Jes. 40, 12; der ander zimert holz, und missets mit der schnur. 44, 12; auf einer maure mit einer bleischnur gemessen. Amos 7, 7; mehr als ein mal hatte er die eiche mit den augen gemessen, wovon er sodann völliger herr sein würde. Möser patr. phant. 4, 316;
nun pflügt er (der spukende bösewicht) als ein feuermann
auf seines nachbars flur,
und miszt das feld, hinab hinan,
mit einer glühnden schnur.
Hölty 187 Halm;
in scherzhafter rede: der ist mehr dann einmal darbei gewesen, wann man einander das maul mit würsten gemessen hat. Garg. 80ᵃ; das instrument als subject gesetzt: das senkblei miszt die tiefe des meeres;
gleich einem senkblei scheint der blick des kolkes tiefsten grund zu messen.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 282;
etwas durch etwas messen:
braucht er so viel verstand, als wenn aus kleinen reisen
des schwanzsterns Dörfel uns will seine laufbahn weisen,
wenn er aus einem stück aufs ganze richtig schlieszt,
und durch den einen bug die ganze krümmung miszt?
Lessing 1, 177;
mit beisätzen der vergleichung: etwas an etwas anderem messen; er miszt seine eigene leibeslänge an der seines bruders; er miszt seine tuche nach der elle, nach dem meter; gip zu iegelicher venie ein almuͦsen und ein cherzen gemeʒʒen nah dem mitteristemo vingere diner zeswen hant. anz. des germ. mus. 1879, sp. 257 (zu zauberischem zwecke, um die seele eines verstorbenen freundes erscheinen zu lassen; vergl. unter f).
e)
auch von zeit und dauer wird messen gesagt (vergl. zeitmesser, zeitmessung): instrumente die zeit zu messen;
der hellste serafin fühlt, dasz er endlich ist,
ob seine dauer gleich kein lauf der sterne miszt.
Wieland 1. suppl.-bd. s. 120;
wer miszt die ewigkeit?
ebenda;
und neuer selbst stärke und grad einer sache, wobei aber das instrument die wahl des ausdrucks bestimmt hat, welches solchen grad durch ein längenmasz anzeigt: die wärme messen; die milch messen, den spiritus messen, ihren gehalt bestimmen (verschieden von c). vergl. dazu unter messer 2.
f)
mit persönlichem object: einen messen, nach länge oder umfang seines körpers; die rekruten werden gemessen, bevor man sie einkleidet; er hatte sich messen lassen; in krankheiten wurde der kranke gemessen, und aus dem verhältnisse des maszes die krankheit bestimmt: im Liegnitzischen .. miszt die messerin (gewöhnlich eine alte frau) den schwindsüchtigen mit einem faden vom scheitel zur sohle und an den ausgespreizten armen von einer handspitze zur andern. findet sich die länge vom kopf bis zum hacken kürzer als die der arme, so ist eine auszehrung da u. s. w. J. Grimm mythol. 1117, woselbst weitere alte belege; die dritte gab vor, er (ein plötzlich krank gewordener) hätte das masz verlohren, er müste sich auf das neue messen lassen. Chr. Weise erzn. 178 Braune; auch sonst diente zu zauber solches messen einer person mit einem dacht (schnur), vergl. Schm. 1, 484 Fromm.; vergl. auch das biblische: und er (der prophet Elia) mas sich uber dem kinde drei mal, und rief den herrn an, und sprach, herr mein gott, las die seele dieses kindes wider zu jm komen. 1 kön. 17, 21.
5)
dieses messen (nr. 4) nun auch in manigfach freierem sinne, von einem geistigen überschlagen, ermessen, erkennen und bestimmen nach stärke und ausdehnung: der körperliche sinn lernt nichts: .. aber die seele durch den sinn lernt messen, vergleichen, geistig empfinden. Herder z. phil. 4, 223;
an ir schœne hât got niht vergeʒʒen:
ist eʒ reht, als ich eʒ hân gemeʒʒen,
sô hât si einen rôten rosen geʒʒen.
minnes. 1, 64ᵇ Hagen;
wer kan sein grosze wunder begreifen? wer kan sein grosze macht messen? Sir. 18, 3; aber jedem relativen unterschied musz etwas positives zum grunde liegen, das aber nur unendliche augen rein abwiegen, die die ganze reihe der unübersehlichen stufen messen. J. Paul Kampanerthal 39;
wer miszt den donner deiner macht?
Hagedorn 1, 5;
kein endlicher miszt ihrer freuden kette,
wer nicht den kelch der liebe trank!
Hölty 201 Halm;
nur da, wo die vernunft mit ihren blöszen
nicht hinreicht, fängt das reich des glaubens an.
doch wer hat des verstandes arm gemessen,
und wer bestimmt, wie weit er reichen kann?
Blumauer 1, 8;
wag in das heiligthum (das herz) nicht tiefer einzuschauen,
das seine tugenden und seine fehler miszt!
Gotter 1, 145;
will ich mich in deine arme schmiegen
zu dem süszen traurigen vergnügen,
welches nie des weltlings seele masz.
Seume ged. 50;
einen messen, nach seinen eigenschaften abschätzen: gegen wen messet jr mich, dem ich gleich sein solle? Jes. 40, 5; mit prädicativem adjectiv:
der knecht so wie der herr vom haus
ziehen sich täglich an und aus,
sie mögen sich hoch oder niedrig messen:
müssen wachen, schlafen, trinken und essen.
Göthe 3, 176;
inwendig lernt kein mensch sein innerstes
erkennen; denn er miszt nach eignem masz
sich bald zu klein und leider oft zu grosz.
9, 152;
mit instrumentalen beisätzen, die das bildliche des ausdrucks besonders scharf zeichnen: mit einem masze, mit einem maszstabe messen, unterschieden von oben 1, b; ich wil messen mit dem maasz, damit ich mir hinfüro meine diener wieder wolte messen lassen. Schuppius 356; auch hier wieder thorheit, eine einzige ägyptische tugend aus dem lande, der zeit und dem knabenalter des menschlichen geistes herauszureiszen und mit dem maszstabe einer andern zeit zu messen! Herder zur phil. 3, 47; etwas auf etwas messen:
kraft dieser lehre,   die stets zur ehre
der menschheit ist,   bestimmt und miszt
ein casuist   auf seiner elle
die sündenfälle   ohn alle fahr.
Blumauer 1, 211;
etwas bei etwas messen: wann die alten gedechten, das sie jung gewesen und eins andern sünde bei den ihren wolten messen (e gli altrui difetti colli loro misurare), und ihr bei eins andern bedenken. Bocc. (1535) 33ᵇ; etwas nach etwas messen: nach zwei vorfällen alles zu messen und abzuthun. Herder z. phil. 3, 107; wir menschen richten blosz die auszenseite der that; wir messen nach den folgen allein. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 66; so höchst erfreulich sie (die Nibelungen) sind, wenn man sich in ihren kreis recht einbürgert und alles vertraulich und dankbar aufnimmt, so wunderlich erscheinen sie, wenn man sie nach einem maszstabe miszt, den man niemals bei ihnen anschlagen sollte. Göthe 6, 112;
(der kaiser) beschleuszt, der menschen werth nie weiter zu vergessen,
und lernt der länder heil nicht nach den siegen messen.
Hagedorn 2, 14;
weil er kein Orpheus ist,
des kunst (acc.) die billigkeit (nom.) nach seinen zeiten miszt.
Lessing 1, 180;
wenn er den rang des priesters nach den stufen masz,
und ihn, weil er am tabernakel sasz,
für einen gott ansah.
Blumauer 1, 177;
der, wie einst gott, die menschen nach dem werke,
nicht nach dem glauben miszt.
188;
an etwas messen:
ich fühle keine zeit; denn sie ist hin,
an deren wachsthum ich die jahre masz.
Göthe 9, 322;
und die vernunft wird als messend bezeichnet: seiner geliebten baukunst gleich, worin mehr, als in den andern künsten, schönheit und messende vernunft zusammengränzen. J. Paul Tit. 1, 158.
6)
ein alter bildlicher ausdruck ist auch einen weg messen, ihn von anfang bis zu ende durchlaufen: ags.
fêrdon forđ þonon   fêđe-lâstum
ferhđum fägne,   fold-weg mæton,
cûđe stræte.
Beowulf 1634;
mhd. dâ von maneger muoʒ hin abe den wec zer helle meʒʒen.
minnes. 2, 276ᵇ Hagen;
nhd. darumb er .. das drittmal den weg messen muste. Kirchhof wendunm. 224ᵇ; es spart euch ohnehin auch die mühe den weg zwei mal zu messen. Bürger 288ᵃ; der mörder des Clavigo würde die Pyrenäen nicht zurück messen. Göthe 10, 76; mit drei schritten mesz ich dein grab (überschreite es in seiner ganzen ausdehnung), o du! der du ehe so grosz warst! 16, 171;
ich kenne den weg auch: sehr oft hab ich gemessen
den grünen Helicon, bin oben auf gesessen.
Opitz 2, 166;
doch wägs noch éinmal, eh zu gefahrvoll dir
der herold tönet. war es nicht ich, die schon
mit der am Thermopyl die bahn masz?
und mit der hohen der sieben hügel?
Klopstock 1, 102;
Eloa sieht die empörer,
wie sie, erhoben über die wolken, der wandelnden erde,
in weitkreisendem schwunge die höheren wölbungen messen.
4, 108 (Mess. 8, 121);
nicht lebendig mehr
zurücke messen werdet ihr das heilge meer.
Schiller jungfrau 2, 7;
in weiterer bildlichkeit:
(der jüngling) wählt, der leidenschaften bahn zu messen,
zu seinem führer — übermuth.
Gotter 1, 173;
wer miszt, wie du, der leidenschaften sphäre? (zu einer schauspielerin gesagt).
340.
in derber rede heiszt es den dreck messen, von einem der weithin einen kotigen weg zu gehen hat oder auch fallend in den kot sinkt; vergl. mhd.
des wirtes ritter niht gesaʒ,
al vallende er den acker maʒ.
Parz. 174, 30;
das bild verändert: und schmeiszt mich mit einem hämlschen mordzug ... vom pferd herunter, dasz ich mich, lang wie ich bin, in den koth messe. H. v. Kleist werke 4, 15.
7)
einen mit den augen, mit blicken messen, einen genau und prüfend von oben bis unten betrachten: don Antonio masz mich mit seinen stieren augen, fragte mich mit seinem hämischen lächeln: wer seid ihr, sennor? Klinger 4, 81; die knaben stehen erschrocken von ferne; sie miszt sie mit wilden blicken. Gotter 2, 505; Karlos geht etliche mal mit starkem schritte auf und nieder, alsdann stellt er sich vor die prinzessin und miszt sie scharf mit den augen. Schiller hist.-krit. ausg. 5, 175 (dom Karlos 2, 9); Tell miszt ihn mit den augen:
ihr seid kein mönch! wer seid ihr?
Tell 5, 2;
anders eines blicke messen, prüfend verfolgen:
alle welt umher vergasz ich,
denn du ruhtest mir zur seite;
deine schönen blicke masz ich.
Platen 90.
8)
messen auch nach masz vorschreiben und die schranke feststellen: wer hat zuvor gemessen, wie hohe der himel, wie breit die erden, wie tief das meer sein solte? Sir. 1, 3;
er miszt den sternen ihre bahn.
Gellert 2, 116;
wer miszt dem winde seinen lauf?
wer heiszt die himmel regnen?
145;
der wenig zeit habende braucht die wendung meine zeit ist gemessen, in der ausdehnung beschränkt;
versäumt die zeit nicht, die gemessen ist!
Göthe 9, 61;
vergl. das part. gemessen unten 12, b.
9)
messen, nach masz formen, anmessen, von kleidern:
rîche sælde, âne allen haʒ,
gap diz kleit, diu zuht eʒ maʒ,
kiusche sneit baʒ unde baʒ.
minnes. 2, 139ᵇ Hagen;
sun, beʒʒer ist gemeʒʒen zwir
danne verhowen âne sin.
Winsbeke 25, 1;
und sonst von gegenständen:
mir wird sein mein sark gemessen
eh dein lob ich kan vergessen.
Logau 1, 182, 69;
wann der brauch wie zuzutrinken, also wäre, zuzuessen,
mein ich, dasz man mehren leichen würde müssen särke messen.
2, 137, 95;
so auch verse messen, nach einem bestimmten versmasz bilden: auʒ der selben geschrift macht man gemeʒʒen rede, die wir vers haiʒen, daʒ sint walzær oder kêrær (übersetzung von versus), wan man muoʒ die red hin und her welzen und kêren, ê man si nâch künsten mag gemeʒʒen. Megenberg 430, 29;
so hast du lange nicht, bewegtes herz,
dich in gemessnen worten ausgesprochen! (in versen).
Göthe 9, 292;
vergl. ahd.:
sie (Griechen und Römer) duent iʒ filu suaʒi   joh meʒent sie thie fuaʒî,
thie lengî joh thie kurtî,   theiʒ gilustlîchaʒ uurti.
Otfrid 1, 1, 21;
in einem derben scherze: und dürfte jhrer keiner wieder solche meine befreihung murren, er hätte dann gewolt, dasz jhm der prügel were über die achseln gemessen worden. Phil. Lugd. 6, 54, was auch wieder an 2, a erinnert.
10)
sich messen, prüfend sich schätzen, ein masz seiner eigenschaften feststellen, mit übergang in den sinn des sich vorziehens: denn wir thüren uns nicht unter die rechen oder zelen, so sich selbs loben. aber dieweil sie sich bei sich selbs messen, und halten allein von sich selbs, verstehen sie nichts. 2 Cor. 10, 12, goth. ak eis in sis silbam sik silbans mitandans jah gadômjandans sik silbans du sis silbam ni fraþjand, griech. ἀλλὰ αὐτοὶ ἐν ἑαυτοῖς ἑαυτοὺς μετροῦντες καὶ συγκρίνοντες ἑαυτοὺς ἑαυτοῖς οὐ συνιοῦσιν; und dann sich gegen einen, mit, an einem messen, solche messung und feststellung vornehmen um das verhältnis zu einem andern zu erfahren: sie halten es für sicherer, euch ohne thätlichkeiten blos zu schrecken, als sich gegen euch zu messen. Heilmann Thucyd. 620;
demütig miszt sich, mit beschämtem angesicht,
an deiner heldengrösze meine weiblichkeit.
Platen 165;
gern mit dem nebensinne des gleichstellens, wenn nicht des überragens: ihr habt eine schöne stimme ... aber warum singet ihr so traurige lieder? ich kann mich zwar nicht mit euch messen; aber was ich singe, musz fröhlich sein. Hauff Lichtenstein 1, 40;
gleich den riesen, wähnen sie vermessen
schon dir nah, mit dir vertraut zu sein,
wollen sich mit deiner grösze messen,
ach! und sind — für diese welt zu klein.
Blumauer 1, 228;
denn mit göttern
soll sich nicht messen
irgend ein mensch.
Göthe 2, 84;
ich höre staunend die gewalt des mundes,
der mir von je so unheilbringend war —
wie werd ich mich, ein ungelehrtes weib,
mit so kunstfertgem redner messen können!
Schiller M. Stuart 1, 7;
frei bin ich
wie ihr geboren, und ich messe mich
mit euch in jeder ritterlichen tugend.
Tell 3, 3;
auch von persönlich aufgefasztem dinge: seine ehemaligen landsleute ... behaupteten, dasz er dort nicht zufrieden sei, ja nicht zufrieden sein könne, weil sich ein ort wie Lingen mit Frankfurt keineswegs messen könne. Göthe 24, 116; sich messen an etwas, von der bewältigung eines hindernden dinges:
jener fusz, der an der klippe
sich mit gemsenfreche masz.
Göthe 1, 133;
eine transitive fügung steht der reflexiven zunächst:
Fullus sol mit seinem feinde, wie man sagt, den degen messen,
spricht: er hätte diese kunst vor gelernt und jetzt vergessen.
Logau 2, 237, 167.
11)
messen intransitiv, ein masz haben oder halten: dieser mann miszt sechs fusz; ein hund, der von der schnauze bis zur schwanzspitze zwei meter masz; der gröszte unter allen vögeln, die fliegen können, ist der kondur .. dieser miszt mit ausgespannten flügeln 16 fusz. Hebel 2, 113.
12)
das part. prät. gemessen in mehrfacher anwendung.
a)
nach messen 4, mit näher bestimmenden adverbien: ein reichlich gemessener haufen; das ist ein schlecht gemessener scheffel, ein schlicht oder gehäuft gemessenes masz; ein karg gemessener zeitraum;
dasz mit dem scherz es wie mit wunden ist,
die niemals nach so ganz gemesznem masz
und reinlich abgezogenem gewicht geschlagen werden.
Göthe 14, 117;
welche adverbien auch mit dem part. verbunden erscheinen:
forschend überschaut dein blick
eine groszgemeszne weite.
Göthe 1, 52;
und ich empfing denn auch, wie sichs gebührte,
mein wohlgemesznes theil davon.
12, 154.
b)
nach messen 8, nach masz vorgeschrieben und beschränkt; von dingen: planet und sandkorn haben ihren gemessenen plaz in der schöpfung, auch dein sohn hat den seinen. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 326 (räuber, trauersp. 5, 6);
die stunden, tag und nacht, und aller jare hauf,
des mons gemeszner schein, der schnellen sonnen lauf.
Rompler 9;
das mühlenrad, das träg die schaufeln dreht,
klappt langsam fort mit gleich gemesznen schlägen.
Salis 93.
c)
namentlich auch, näher an das letztere beispiel angeschlossen, von tritt und schritt, von wandel, weg und pfad in seiner abgrenzung: die zeit, wo der eine frei, der andre aber bezahlt ist, nahet ohne menschliche verhinderung und beförderung mit gemessenen schritten heran. Möser patr. phant. 2, 103; ihr (der natur) tritt ist gemessen, ihre ausnahmen selten, ihre gesetze unwandelbar. Göthe 50, 4;
vom berge stürzt der ungeheure strom,
wühlt sich sein bette selbst und bricht sich bahn,
nicht des gemesznen pfades achtet er,
den ihm die klugheit vorbedächtig baut.
Schiller braut von Mess. v. 1556;
(er) rafft sich auf und schreitet
mehr im lauf, als im gemesznen wandel
steile felsenwege fröhlich abwärts.
Platen 324.
d)
von gebot, befehl oder auftrag, der nicht überschritten werden darf: was sich dann uber ihre gemessene instruction und befehl zuträgt. Kirchhof mil. disc. 205; er hatte freunde daselbst, denen ich besonders empfohlen wurde, mit dem gemessensten auftrag, mich in einer gänzlichen unwissenheit über meinen ursprung zu lassen. Wieland 2, 82; (sie waren) nicht etwann von ihren obern mit gemessenen verhaltungsbefehlen abgeschickt. Wieland 8, 186;
die wache vor dem thor bekommt
gemessene befehle.
Schiller hist.-krit. ausg. 3, 172;
hier sprechen edle männer, nach gesetzen,
und krieger lauschen auf gemesznes wort.
Göthe 9, 370.
e)
adverbial, in bezug auf allerlei verfahren: indem er im gesetzbuche selbst die priester gemessenst anwies, sich aller willkührlichen auslegungen .. gänzlich zu enthalten. Wieland 7, 283;
und wenn sie richtig fühlt und weise spricht,
so fehlt noch viel, dasz sie gemessen handle.
Göthe 9, 286;
es waren die gestalten jener welt,
die sich lebendig, rastlos, ungeheuer,
um einen groszen, einzig klugen mann
gemessen dreht und ihren lauf vollendet.
135;
ehre das gesetz der zeiten
und der monde heilgen gang,
welche still gemessen schreiten
im melodischen gesang.
Schiller das eleus. fest.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2115, Z. 59.

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Zitationshilfe
„messen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/messen>, abgerufen am 24.11.2020.

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