metall n
Fundstelle: Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2142, Z. 16
aus lat. metallum, griech. μέταλλον.
1)
die entlehnung dieses wortes vor dem 13. jahrh. ist nicht wahrscheinlich; in der guten mhd. zeit, wie im ahd. war der fremde ausdruck durch das deutsche wort gesmîde, gasmîdi übersetzt worden, das sich auch später noch hält: daʒ ist nu daʒ sibend stuck des puoches, in dem wir sagen wollen von dem gesmeid (de metallis). wan daʒ ist sibenlai: golt silber gunderfai (electrum) kupfer zin plei und eisen. Megenberg 474, 4; metallum gesmide. voc. opt. 11, 23 s. 24ᵇ; aber wol nach dem vorgange des französischen, wo metal seit dem 12. jahrh. in poetischen wie prosaischen denkmälern häufiger sich zeigt (belege bei Littré 2, 536ᶜ), wenn auch unter anlehnung an die gelehrte lat. form (denn zufrühest heiszt es metalle), erobert es sich seinen platz auch im deutschen, wo es seit anfang des 14. jahrh. nachgewiesen wird, einmal als fem.:
wan mîner zungen lobes hamer
ist weich gen der metalle,
dâ vrouwen lop sich würket abe.
Frauenlob s. 30, 33, 2 Ettmüller
(wenn die lesart sicher und nicht vielmehr gen dem metalle zu lesen ist), sonst als neutr.; im 15. jahrh. darf es als eingebürgert gelten: metallum metalle (von 1414), metal, metail, metael Dief. 359ᵇ; niederl. metael, metallum Kilian; die betonung bleibt eine fremde (metálle, metáll).
2)
metall, als allgemeiner name für bergmännisch gewonnene schmid- und gieszbare körper jeder art: metallum, allerlei erz oder metall Dasyp.; das metall, allerlei erz, das man grabt, als gold, silber, metallum, aes Maaler 289ᵇ; als collectivbezeichnung im sing.: am Schneeberg hat man erst angefangen metall zu suͦchen anno Christi 1470. S. Münster cosmographie (1578) 967; oder im vereinzelnden plural: der bergmeister soll macht und gewalt haben, auf den gebürgen, so ihm befohlen sein, nach bergwerks gebrauch und bergrecht, auf alle metall bergwerk zu verleihen. Löhneys regierkunst 571ᵃ; für ihn (den philosophen) ist der erden schoos von metallen schwanger, und ihre oberfläche an pflanzen fruchtbar. Kästner verm. schriften 1, 35;
und still gewebt durch die felsenwand,
erglänzt das licht der metalle (im bergwerk).
Körner 2, 87;
metall im gegensatz zu stein: ungeheure gebürge, .. innwendig mit allerlei metallen, steinen und mineralien bereichert. Hohberg 1, 76ᵇ;
da legt ein tiefer schacht ein reiches vorrahtshaus,
metall und stein vermischt, in krausen klumpen aus.
Drollinger 82;
und bilder von metallen,
von holz, von stein und thon.
P. Gerhard 281, 125;
gern wird der name auf gold und silber angewendet:
die (gelbe) farb hat auch das köstlich golt,
dem jetzund sind all menschen holt,
das köstlichst under alln metallen.
Grobian. A 3ᵇ (v. 185);
von den edelsten metallen
hält ein reif ihr haupt umzogen.
Freiligrath dicht. 1, 38;
ich wünsche blosz deswegen dieses verrätherische metall (das gold) in meiner gewalt zu haben, um die fehler der götter zu ersetzen. Cronegk 1, 359; und auf das aus ihnen gefertigte, namentlich die gold- oder silbermünze: bedenke doch, was geld ist ... vor sich selbst ist es ein glänzend metall. Chr. Weise erzn. 64 Braune;
drei tage, mehr bedarf es nicht, so steht er
dem Marbod schon am bord der Weser gegenüber
und zahlt, vorn an der pfeile spitzen,
ihm das metall, das er gewagt,
dir als tribut, der trotzge, abzufordern.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 2, 1;
wissenschaftlich kannte man bis ins vorige jahrhundert sechs (gold, silber, kupfer, zinn, eisen, blei) und nach entdeckung des platins, sieben metalle, von denen man die beiden ersten edle, hohe, die andern niedere, unedle nannte; die spätere wissenschaft bereicherte die zahl und unterschied ganzmetalle und halbmetalle, s. d. Auf die altrömische bedeutung von metallum = bergwerk (damnare in metalla, ad metallum, zur bergwerksarbeit verurtheilen) wird witzig angespielt: so sehr ist sogar der gröszte schriftsteller, gleichsam wie jetzt Europa, zu den metallen verurtheilt, wie ein Römerknecht. J. Paul leben Fibels s. 101.
3)
metall bildlich, menschen werden daraus geformt dargestellt: so hatte er doch, so bald er merkte, dasz es um eine heirath zu thun sei, einen beweggrund, der auf leute von seiner art eben so kräftig zu wirken pflegt, als die persönlichen reizungen auf liebhaber von feinerm metall. Wieland 11, 105.
4)
metall, in eingeschränkterem sinne, von der masse, aus der glocken- und erzgieszer ihre stücke bereiten: metallum metal, alse klockenspise Dief. 359ᵇ; metall, nennen die glockengieszer auch das grobe erz, woraus sie glocke und stücke geschützes gieszen. Frisch 1, 661ᵇ; glockengut, glockenspeise, metall, die metallmischung, woraus die glocken und stücke gegossen werden. Jacobsson 2, 120ᵃ; auch zur bereitung anderer dinge: klammern ... welche sonderlich zum marmor von metall genommen wurden; denn das eisen verursachet an demselben rostflecken. Winkelmann 1, 356; münzen, bilder von metall, bronze:
die münzkunst seufzte nächst bei diesem cabinette:
ach! wenn es auch das bild von dem besitzer hätte!
und wünschte dessen schlag in gold und erzt zu sehn.
schweig, sprach die poesie, von silber und metalle!
die zeit friszt auch das gold und bringt den stahl zu falle.
was du im erzte willst, soll auf papier geschehn.
Günther 547;
seine väter standen alle,
aus gegossenem metalle,
schön gewappnet, ohne zahl,
in dem ungeheuren saal.
Stolberg 1, 164;
metall auch das daraus gegossene, zumal kanonen:
das brüllende metall der grausamen canonen
schont nichts.
Logau 1, 188, 91;
wann vom blitz aus schmetternden metallen
ein breit gefildt erbebt, und ganze glieder fallen.
Haller schweiz. ged. 75 (s. 71, 211 Hirzel);
das kriegsgeschrei, das donnernde metall,
der kühne sturm, und der erstiegne wall.
Hagedorn 1, 57;
der buchbeschlag:
verwahre .. das werk, das deinen witz bewährt,
mit buckeln, die kein wurm verzehrt,
mit ewigem metall in spangen und clausuren.
3, 108;
metall auch messing Frisch 1, 661ᵇ; orichalcum metall Dief. 400ᵇ; vergl.metalldreher, ↗metallgold (nach welchem letzteren sich auch ein metallsilber ergeben hat, s. d.); und das daraus gefertigte, eine trompete:
und es hallt in grauser einöd ungebändiget der gesang,
nach der trommel dumpfem tonfall, und dem gellenden des metalls!
Voss 3, 193.
5)
metall wird einem schall, namentlich auch der stimme des menschen beigelegt, wenn sie an den vollen ton des erzes, namentlich der glocke, gemahnt: der sänger hatte viel metall in seiner stimme; das metall einer frauenstimme; sie hat das metall ihrer stimme verloren. vergl. metallreich und metallen.
6)
metall bei den orgelbauern, eine mischung von zinn und blei für die pfeifen: die pfeifen zu dem prinzipal werden aus dem besten metall verfertiget, und hierzu nimmt man etwas über die hälfte zinn, und setzt nach diesem verhältnis blei hinzu. Jacobsson 3, 174ᵇ.
7)
glasmasse oder metall heiszt in den glashütten die bereits in den glashäfen geschmolzene und zum glasblasen tüchtige materie. Jacobsson 2, 107ᵃ.
8)
metall, in der wappenkunde, gold und silber im schild, im gegensatz zur farbe: metallen und farben. J. Weber ars heraldica (1696) s. 36.
Zitationshilfe
„metall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/metall>, abgerufen am 21.04.2018.

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