Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meuchler, m.

meuchler, m.
der da meuchelt.
1)
vergl. meucheln 1, der heimtückisch verfährt: meucheler, deceptor Stieler 1253; es ist ein solch rauben und stelen unternander, darnach viel wünderlicher meuchler mit seltzamen practiken hetzen und reizen. Luther 5, 47ᵇ; das man solche schleicher, meuchler und winkelprediger schlecht nicht leiden sol. 261ᵇ; wider den meuchler zu Dresen. 302ᵇ; besessene dückische meuchler, listfüchs, stockmeister. Fischart groszm. 70; ein heimlicher, tückischer, arglistiger meuchler, schleicher und heuchler. Kirchhof wendunm. 371ᵇ; reden lieblich, doch büblich, die meuchler, die heuchler. Schuppius 805;
dich frewen schmaichlerei und lüegen.
gwis ist dein newer freunt ein hewchler,
schmaichler, liebkoser und ein mewchler.
H. Sachs fastn. sp. 2, 18, 186;
drum jagt in aus und volget mir,
den schmaichler, gleisner und den hewchler,
den dückischen, hemischen meuchler.
2, 7, 212;
aber die ubelthäter nichtig,
falsche stolze Hansen und heuchler,
und alle verlogene meuchler,
und in seim land die ubelthäter
rott er ausz.
gedichte 5, 82ᶜ;
die lügner und vertrognen meuchler.
82ᵈ;
kein zungverkeufer, wortgrempler, kauzenstreichler,
kein taschenhirnsam ratsherr und gerichtsmeuchler (komme in das kloster).
Garg. 279ᵇ;
(der) wie ein meichler leut verklagt.
B. Ringwald laut. warh. 246.
2)
meuchler näscher, heimlicher fresser (vergl. meucheln 2): das heiszen winkelzerer, kastenfresser, küchenarznei, meuchler, die sich gern mit den hanen im keller beiszen. Frank sprichw. 2, 10ᵇ; es (das sprichwort) laut auch wider die meuchler, so gern heimlich in die faust in allen winkeln essen, damit sie es allein gar haben, und niemand auch dörfen geben. 112ᵇ; in der formel den meuchler haben, vom geist der näscherei besessen sein (wie den narr haben närrisch sein, vergl. th. 7, sp. 358, nr. 6 und sp. 359): monophagi ... er hat den meuchler. S. Frank sprichw. 2, 10ᵇ;
sie hat den meuchler uber tag,
und laugnet mir als was ich sag.
H. Sachs 1, 511ᵇ;
den meuchler hastu ubertag.
511ᵈ;
o du (eine magd) gar faul und schlüchtisch bist,
das feist du von der suppen frist,
hast den meuchler zu allen zeiten.
dessen fastn. sp. 1, 129, 161.
3)
meuchler aber auch als name einer fieberkrankheit: die mauerraute heiszt auch meichelkraut, dann man es wider das fieber gebraucht, so man meichler nennet. Tabernaem. 1185;
sie haben faul fleisch odern stein,
die husten odern zipperlein,
den meuchler oder trunken zfiel, ..
auch sunst für krankheit was es sei,
dem hilf ich durch mein arzenei.
H. Sachs fastn. sp. 1, 132, 9;
in Appenzell ist mûchler, plur. müchler der furunkel, auch mûchelæsza (-eisze th. 3, 382) genannt. Tobler 325ᵃ.
4)
meuchler meuchelmörder (vgl. meucheln 3), ahd. mûchilâri, s. oben unter meuchel-; sicarius muchiler, mucheler Dief. 532ᵇ; der poetischen neueren sprache vorzugsweise eigen:
unseeliges werkzeug! schwerd, getränkt mit seinem blute;
am heiligen grabmaal uns zum hohn, vom übermuthe
des meuchlers aufgepflanzt!
Gotter 2, 121;
da raunte mir Medea bösen rath
ins ohr, und bösen leumund; leicht getäuscht
hielt ich für einen meuchler meinen sohn.
Stolberg 4, 8;
welcherlei tücke des todes
fand Aigisthos, der meuchler, den stärkeren mann zu ermorden?
Odyss. 3, 250;
ausnahmsweise in schwächerer bedeutung: es sollte in dem schloszhofe eine execution vorgehen, und ein knabe gestäupt werden, der .. wahrscheinlich mit unter den meuchlern (die einen überfallen und geprügelt) gewesen sei. Göthe 18, 299.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2162, Z. 16.

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Zitationshilfe
„meuchler“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meuchler>, abgerufen am 30.11.2021.

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