Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

militär, m., n.

militär, m. n.
aus dem franz. militaire.
1)
als masc. (geschlecht nach mann) dem kriegerstande angehöriger: zeigte sich ein wohlgebildeter mann zu pferde, dessen uniform nicht gerade einen militair ankündigte. Göthe 30, 318; der sohn war im begriff als militär die familiencarriere zu beginnen. Freytag soll u. haben 1, 24; der ältere bruder hatte im niederländischen dienst als militär und diplomat ansehen gewonnen. Karl Mathy s. 289; mit dem fremden plur. militärs, der auch jetzt noch geblieben ist: die wirthstafel ... gab auch ein sinnverwirrendes schauspiel; militärs und angestellte, aller art uniform. Göthe 30, 159.
2)
als neutr. (geschlecht nach volk, kriegsvolk) eine gesamtheit der dem kriegerstande angehörigen: (es wurden) flächen planirt, wo das militair in seiner ganzen pracht und zierlichkeit sich zeigen konnte. Göthe 30, 291; auch wurde bei einiger aufmerksamkeit des militairs der eintritt einer solchen menge gar bald verboten. 301; der ernste schritt des militairs, die ordnung durch nebenhergehende offiziere erhalten, hinderte einen ausbruch (von unruhen). 317;
der herr korporal
ist was für dich, der würdge Holzgebein,
der seinen stock im militär geführt (Marthe zu Eve).
H. v. Kleist zerbr. krug, 6. auftr.;
heute zum militär kommen, unters militär gehen, ins militär eintreten, vom militär entlassen werden, beim militär sein, bleiben.
3)
das heute so völlig eingebürgerte wort ist auf deutschem boden noch nicht alt, am wenigsten in der angegebenen substantiven verwendung, die auch im franz. sich aus dem adj. militaire am spätesten entwickelt; le militaire als homme de guerre und totalité des gens de guerre ist erst seit Voltaire und Rousseau recht aufgekommen, vgl. Littré 2, 560ᵇ. früher denn als einzelwort erscheint militär (auch in fremder schreibung militair, anfangs in lateinischer form militar) in zusammensetzungen, wo es dem franz. adj. militaire entspricht: unter standes- und hohen militar-personen. Quincy kriegskunst deutsch von Jäger (1745) s. 3; militar-justiz, justice militaire. Eggers kriegslex. 2 (1757), 206; im heutigen militair-stande. Möser phant. 3, 183; von den militair-ehen der Engländer. 4, 123; die veränderungen im militairwesen. 3, 188; einem .. ernsten und genauen militärgast. Göthe 24, 133; einsicht in militairangelegenheiten. 30, 44; die hohen militairpersonen. 42; dasz er den militärverdienstorden erhalten habe. 153; u. a. auszerhalb solcher zusammensetzungen ist das adj. militärisch gebildet worden, ohne fremde schreibung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2216, Z. 75.

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Zitationshilfe
„militär“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/milit%C3%A4r>, abgerufen am 29.01.2022.

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