Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

million, f.

million, f.
summe und zahl von tausend mal tausend. ein wort italiänischen ursprungs, nachher in andere romanische sprachen aufgenommen (span. millon, franz. million): gebildet seit nachweislich dem 13. jahrh. als masc. milione mit dem vergröszernden suffix -one, also grosztausend bezeichnend. ursprünglich eine benannte zahl, und zehn tonnen (dolia) goldes oder schatzes bedeutend, die tonne zu 100000 einheiten der jedesmaligen landesmünze berechnet (vgl. Baltzer in den berichten über die verhandlungen der königl. sächs. gesellsch. der wissensch., math.-phys. classe 1865 s. 2; derselbe im neuen reich 1871 s. 620); und so erscheint es seit dem 15. jahrh. im deutschen, in sprachquellen von gegenden, die dem romanischen sprachgebiet näher oder in beziehung zu ihm sind; anfangs ohne erkennbares grammatisches geschlecht: dieselben unser tochter dir zu geben zu gemahel mit zwelf milion stuck, der ie dreiszigk ein mark lötigs feines goldes tund. d. städtechr. 10, 170, 3 (Nürnberg, 15. jahrh.); und ieglich person, in welchem wesen irs kosten sie da sind, söllen von hundert milion lifergelts von unserm trisolier begabt werden. 11; ligt im nit vil am glauben, aber ein dri milion golts jerlich thet wol in der küchen, oder mer. Schade sat. u. pasqu. 3, 19, 22 (oberrhein., gegen 1520); später deutlich als fem. (das geschlecht nach zahl geändert):
ermunter dich kaiser, ergreife die waffen,
lasz dich doch nicht länger betrügen die pfaffen,
lasz sie nicht so gnädig aus Oesterreich kommen,
weil sie dir entfrömbdet so grausame summen,
wohl über die zwanzig und mehr millionen.
flieg. blatt: päpstl. l'ombre-spiel 1684;
nicht aber als abstractes zahlwort in den zahlreichen rechenbüchern des 16. und 17. jahrh., die eine schwerfällige umschreibung des zahlbegriffes mit tausend festhalten. wie Adam Riese die zahl 86789325178 aussprechen läszt: ist sechs und achzig tausent tausent mal tausent, sibenhundert tausent mal tausent, neun und achzig tausent mal tausent, fünf und zwenzig tausent, ein hundert und acht und sibenzig (bl. A 3ᵃ), so ähnlich im 17. jahrh. z. b. Overheidens rechenkunst (Braunschweig 1650) bl. A 1ᵇ, und im 18. jahrh. noch Serianders kurzer begriff von der rechtschreiberei, briefstellung und rechenkunst (1739), der s. 273 die zahl 6987654 in die worte faszt: sechs tausend mahl tausend, neun hundert und sieben und achtzig tausend, sechs hundert vier und funfzig. zu dieser zeit aber ist doch million als abstracte zahl schon ein allgemeiner ausdruck, den die wörterbücher regelmäszig verzeichnen: million, zahl von zehen mahl hundert tausend. Hederich promptuar. (1729) 1613; die million, decies centena millia, millena millia Steinbach 2, 62; million Frisch 1, 663ᶜ. es steht als bestimmtes zahlwort: eine million menschen; das land hat zwei millionen einwohner; eine million thaler; einen groszen pferch, in welchem viel millionen poeten saszen. Philander 1 (1642), 376; ich selbst und meine unterthanen gewönnen etliche millionen taels dabei. Wieland 6, 167;
(der geist) legt' in einem augenblick
viel tausend millionen meilen
bis an das fix-gestirn zurück.
Brockes 1, 144;
auch mit weglassung eines solchen substantivs, in welchem falle dann in entsprechenden sätzen, unter wahrung der alten bedeutung von million, die im lande geltende münze hinzugedacht wird: der mann besitzt eine million (nämlich thaler, gulden, mark, franken u. s. w.);
ein bettler, der nie eines thalers wehrt
in seinem bettelsack gesehen,
kann weder wehrt noch zahl verstehen,
wenn er von millionen hört.
Brockes 1, 427;
indessen war er doch baron;
und sein verdienst, die million,
liesz sich, zu alles volks entzücken,
in läufern und heiducken blicken.
Gellert 1, 99;
oder als unbestimmtes zahlwort, zur bloszen bezeichnung einer ungeheuern menge, namentlich im plur.: die vergieszung des bluts von millionen menschen. E. v. Kleist (1765) 340; unter millionen menschen wird kein einziger auf einem so leichten wege ein geschickter schneider oder schuster. Möser patr. phant. 2, 172;
(die sonne) schrenkt, mit ewig-hellem schein
hundert tausend millionen
millionen meilen ein.
Brockes 1, 133;
ein unendlich kleid (von glanz), drauf, statt der edelsteinen,
viel tausend tausend sonnen scheinen,
statt perl und gold, viel millionen erden.
197;
vielleicht auch lehrst du mich, dasz tausend millionen,
dasz pflänzgen sonder zahl in einem sämgen wohnen.
Drollinger 69;
wandelst über millionen sternen.
Hölty 63 Halm;
millionen formen, geschlechter, arten und farben,
das ist meine gestalt.
Herder z. phil. 1, 53;
so vieler millionen wesen dank.
H. v. Kleist Amphitryon 2, 5;
bei weglassung des substantivs gern von menschen verstanden:
leben des menschen, ozean, auf welchem
millionen und millionen schifften!
Stolberg 1, 263;
seid umschlungen, millionen!
diesen kusz der ganzen welt!
Schiller an die freude;
million ungewöhnlich zustandsbezeichnungen beigesetzt: millionen qual und elend auf dich, verrätherischer, giftiger lügner! Fr. Müller 2, 187.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2218, Z. 15.

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Zitationshilfe
„million“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/million>, abgerufen am 26.01.2022.

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