mine f
Fundstelle: Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2235, Z. 28
sprenggrube, erzgrube. ein romanisches wort: ital. span. portug. mina, prov. mina, mena, franz. mine, wallon. meinn schacht, erzgrube (von lat. minare, roman. menare führen, betreiben, vergl. Diez wb. d. rom. spr. 1, 277; etymologischer zusammenhang mit miene gesichtszug ist nicht sicher, s. oben sp. 2172). in der bedeutung der erzgrube ist es bereits früh mittellateinisch nachweisbar: mina plumbi Du Cange von Henschel 4, 410ᵃ (9. jh.); als wort der belagerungskunst scheint es mittellat. nicht bezeugt, wol aber begegnet das verbum minare, cuniculos facere, mit minarii, fossores cunicularii, minator und minor fossor cunicularius (ebenda 411ᵇ. 412ᵃ. 422ᵇ), so dasz wol auch an der mittellat. existenz von mina für cuniculus nicht zu zweifeln ist. von den deutschen sprachen nimmt es zufrühest das niederl. auf, in beiden bedeutungen: mijne, mijn-kuyl, mine, fodina, cuniculus, mijne van goud, aurifodina, mijne van silver, argentifodina, mijne, ondergravinghe, cuniculus, meatus subterraneus, suffossus, vulgo mina Kilian; und das niederrheinische wenigstens im sinne von erzgrube: mine (plur.), goltaderen l. minen Dief. 362ᵃ (gemma gemm., Cöln 1507); seit dem 17. jahrh. ist es bei uns allgemein eingebürgert, gewöhnlicher in der bedeutung der sprenggrube, als in der des erzschachtes, in welcher es namentlich in die eigentlich bergmännische sprache nicht übergeht. der unterschied der schreibung gegen miene sp. 2172 hat sich erst seit dem 18. jahrh. ergeben; Steinbach schreibt auch miene, subfossio, cuniculus 2, 62.
1)
mine, militärisch, bei belagerungen, unterirdischer gang für sprengungen und seine füllung. in diesem sinne war es zumal der französischen kriegssprache des 16. jahrh. geläufig, und kam als eins der 'kriegswörter, so in unser muttersprach nicht eigentlich mit einem wort zu geben sein, dieweil meistestheil die gebräuchlichsten wörter im heutigen kriegswesen aus lateinischen, französischen und niederländischen wörtern gezogen und angemeldet werden', zu uns, anfangs mit verdeutschung: mine, etwas so undergraben ist. Wallhausen kriegsmanual (Frankfurt 1616), epitome nomenclaturae militaris C 2ᵃ; bald aber als eingebürgertes lehnwort: wann ihr viel munition und rüstung habt, so last machen minen gegen die örter, da die arbeit ewerer feinde fortgehet. Wallhausen frantzoische kriegszkunst (Hanau 1617) s. 97; indem sie dieselbigen (feinde) durch eine minen lassen springen. 110; wann der feindt einnimpt den grundt eweres grabens, müst jr haben bedeckte wegen, und viel minen, so unter der contreescarpe respondieren. 111, nur theilweise noch durch den druck als fremdwort hervorgehoben; und so verzeichnen es später die wörterbücher unter deutschem sprachgute, mit reichlichen wendungen: die mine, plur. die minen, cuniculi, suffossiones, sinuosi suffossionum maeandri. Stieler 1278; eine mine graben, cuniculum agere, terram suffodere; eine mine springen lassen, cuniculo ignem applicare, pulvere nitrato subjecto cuniculos in aërem raptare. die minen tuhn das ihrige, cuniculi ex voto aëre ascendunt. die mine hat nichts getahn, cuniculus incassum diruptus est. ebd.; eine mine entdecken, hostilem cuniculum detegere, difflare. mit einer mine dargegen kommen, cuniculum adverso cuniculo excipere. 1278; eine mine unter etwas hintreiben, cuniculum agere. der mine feuer geben, sie springen lassen, ignem admovere cuniculo. durch eine mine auffliegen, pulvere pyrio cuniculi in aerem ferri. Frisch 1, 664ᵃ; die mine ist zurück geschlagen, effectus cuniculi fuit contrarius. eine mine auslüften, pulveris pondus e cuniculo hostis eximere. 664ᵇ; bei den minen sollen die sprengkammern also gesetzt und zugerichtet werden, dasz das pulver weder ausz- noch einwarts, sondern über sich schlage, und also eine genugsame brech zum sturm mache. Böckler kriegsschule (1668) 761; der eingang der minen, welcher krumm geführet wird, ist besser als wann man mit einer geraden lini hinein gehet. ebenda; man hat die minen lange zeit nur nach gutdünken geladen. Quincys kriegskunst deutsch von Jäger (1745) 516; es wird nöthig sein, hier auch etwas von dem unterschied der minen anzuführen, und zu zeigen, was eine einfache, doppelte, in der gestalt eines T gemachte, und eine 3fache treffelmine sei. 530; wie es nur eines geringen zündkrauts bedarf, um eine gewaltige mine zu entschleudern. Göthe 26, 230.
2)
bildliche anwendung von mine in diesem sinne seit dem vorigen jahrh. nach franz. vorbilde (decouvrir la mine, faire jouer quelque secrete mine u. ähnl. Littré 2, 565ᶜ): man muszte also noch eine andere mine springen lassen, durch die mir, wenn ich einmahl aus Athen vertrieben wäre, alle hoffnung, jemahls wieder zurück zu kommen, abgeschnitten würde. Wieland 2, 122; so hat er doch alle fähigkeiten, minen anzulegen, kabalen entgegen zu arbeiten, und für sich und seine freunde im trüben zu fischen. Gotter 3, 19; wehren sie sich, so gut sie können. ich lasz alle minen springen (lady zu Ferdinand). Schiller kab. u. liebe 2, 3; dasz ich mit seinem freunde rede, der nun wider mich arbeitet, und die minen leicht entkräften kann, die er selbst gegraben hat. Göthe 8, 62; unglücklicher weise erbat man sich eine allgemeine stille. also auch schwatzen sollte ich nicht mehr und die töne thaten mir in den zähnen weh. war es nun ein wunder, dasz endlich der kleinste funke die mine zündete? 23, 88;
dies alter und dies plätzchen war
das rechte, wo am liebsten seine mine
der gott der liebe springen läszt.
Bürger 105ᵇ;
dein lebenszelt steht auf einer geladenen mine und rings umher halten die stunden offne geschosse auf dich. J. Paul Tit. 3, 6.
3)
mine, erzgrube: mine, fodina, grube, erzgrube. Schottel 1364; mine, fodina est, unde metallum effoditur, alias eine zeche. Stieler 1278, mit den zusammensetzungen goldmine, bergmine, erzmine; minen, ist so viel als gruben, gold-, silber-, kupfer- und eisengruben. mineral - lex. (1743) 386ᵇ; ihre (der Niederländer) goldgrube war über der erde, aber sie war unerschöpflicher und reicher, als alle minen in seinem (Philipps) Amerika. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 60; bildlich: er (der weltweise) spaziere frei: in desto mehreren gegenden wird er bekannt, an desto mehreren orten kann er früchte suchen, hie und da minen eröffnen — hie und da die wünschelruthe versuchen. Herder z. litt. 1, 198.
Zitationshilfe
„mine“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mine>, abgerufen am 13.12.2018.

Weitere Informationen …