Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mischmasch, m. und n., ablautspielende substantivbildung

mischmasch, m. und n. ablautspielende substantivbildung
zu mischen, seit dem 17. jahrh. häufig, gewöhnlich masc.: der mischmasch, confusio, turbamentum Stieler 1279; der mischmasch, mixtura, farrago, confusio Steinbach 2, 30; nur ausnahmsweise neutr., so bei Frisch dict. des passagers (1730) 2, 391: mischmasch, n., quodlibet, micmac, brouillement, garimathias; zunächst auf die sprache und das mengen derselben mit fremdwörtern bezogen: ein jedes land befleisziget sich, seine sprache rein und lauter zu erhalten, aber die armen und albern Teutschen nur ... achten nicht hoch, auch ihre herrliche sprach zu verlieren, indeme sie nicht allein selbige nicht lauter und rein fortpflanzen, sondern auch mit allem fleisz fremder wörter und gramanzens (ihres bedenkens noch zur zierde) sich bedienen, und solches also durchgehend fast in allen ständen findet sich dergleichen mischmasch. Simpl. 4, 462 Kurz; dem bisherigen gelehrten mischmasche entgegen, der eine pest unserer sprache ist. Richey patriot, 3. jahr (1729), s. 470; mischmasch einer sprache, cinnus ex utroque sermone mistus Serz 100ᵇ; oder auf ungeordnetes oder nicht gewähltes vortragen seiner gedanken: ich wagte es aber, näher hinzugehen, und hörte einen mischmasch von altären, von zierden des vaterlandes, von wundern seiner zeit, von nachwelt, von unsterblichkeit, und von hundert schönen sachen. Rabener sat. 2, 247; ja, wenn ich mich nur ausdrücken könnte, wie ihr. aber ich spreche einen verteufelten mischmach, halb wie weltleute und gelehrte und halb wie die marktweiber. Göthe 36, 129;
was hat mich beweget,
dasz ich was rechtes dir ietzund nicht liefern kan?
allein du nimmst auch wohl den mischmasch von mir an.
Günther 406;
dein mischmasch ist ein blat,
das seines gleichen nicht an der erfindung hat.
417;
er sagte: königinn, was Melson itzo spricht,
das redte der gesandte nicht.
wer wird, sprach Melson drauf, den mischmasch wissen wollen? (den der gesandte geredet hat).
Hagedorn 2, 154;
in weiterer anwendung auf allerhand durcheinander gemischtes und geworfenes; die nähere bestimmung im genitiv: hat man wohl sein tage einen tollern mischmasch der gedanken gesehen. Pierot 1, 107; unter einem in alle mögliche formen gegossenen mischmasch unƀestimmter und nicht selten willkührlicher begriffe. Wieland 2, 199; ein mischmasch verschiedener naturen. Möser verm. schr. 1, 107; seinen glauben an sympathie und an einen mischmasch wahrer und erträumter wunderkräfte der natur. Göthe 45, 175; oder durch die präp. von vermittelt: und macht davon einen rechten mischmasch von gedanken. Baron untersuchung des instruments der lauten (1727) s. 24; ein mischmasch von hochmuth und einfalt. westph. Rob. 262; ich mache einen mischmasch von prose und versen, von historischen begebenheiten, von sinnreichen einfällen, von sittenlehre und belustigung. Lessing 3, 145; diesen mischmasch von pedanterie und grillen zu lesen. 12, 173; dieser methodische mischmasch von miszgestalteten und buntscheckigen ideen. Wieland 12, 11; es bringt einen ekelhaften mischmasch von zusammengestoppelten beobachtungen und halbvernunftelnden principien zum vorschein. Kant 4, 30; wer weisz was für ein mischmasch von unkluger kopfbrecherei. 10, 18; mischmasch von groszem geiste und elendem tropfe. Hamann 1, 357;
es ist die ganze kirchengeschichte
mischmasch von irrthum und gewalt.
Göthe 56, 108.
der vorläufer dieses mischmasch ist ein interjectionelles misch mesch bei Fischart: gehets per misch mesch drein. groszm. 15 (im franz. ce .. sera passé au grand tamis à tort et à travers); das auch als subst. neutr. erscheint: mitler weil trug man jhm frischen wein auf, da soff er meh als vor nie darauf. herr Kundlob Arbeitsam beredet solchs mischmesche, und zeigt jm an, wie es gar ein bösz .. wesen sei, gleich auf das schlafen die zung netzen und schleifen. Garg. 170ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2254, Z. 62.

mischmascher, m.

mischmascher, m.
der mischmasch macht, turbator. Stieler 1279; als mischmäscher: solche sprachverkätzerung ist anzeigung genug der untrew, die du deinem vatterland erweisest. deine ehrliche vorfahren sind keine solche mischmäscher gewesen, wie jhr fast mit einander jetzt seit. Philander 2 (1643), 119.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2255, Z. 55.

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Zitationshilfe
„mischmascher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mischmascher>, abgerufen am 29.01.2022.

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