Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

mischung, f.

mischung f
handlung und erzeugnis des mischens, ahd. miscunga, mhd. mischunge; mixtio mischunge Dief. 364ᵇ.
1)
handlung des mischens: die mischung machen, eine mischung vollziehen; die mischung der arznei ist noch nicht geschehen; die speise, die allein genommen, die gesündeste ist, wird durch die mannichfaltige mischung mit andern zum gifte. Gellert 6, 282; mischung der farben, die zusammensetzung und vereinigung mehrerer farben. Jacobsson 3, 71ᵇ.
2)
das erzeugnis des mischens, die durch das mischen entstandene art: sein (des goldes) natürleich wesen ist ainer gleichen lautern mischung auʒ den elementen. Megenberg 475, 28; alle phiolen der empfindung, himmlische und irdische, will ich eröffnen und eine solche mischung von thränen, einen ergusz so eigenthümlicher art, so heilig zugleich, und üppig, zusammenschütten, dasz jeder mensch .. sagen soll: sie flieszen dem Käthchen von Heilbronn! H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 2, 1;
blumen, gold und menschen selber
sind nur mischung aus dem staube.
Tieck Octavian. s. 26;
mischung, bei den vergoldern, eine composition, die anstatt des ölgrundes gebraucht wird, um darauf zu vergolden. Jacobsson 3, 71ᵇ; beim guszmetall: man findet darinn (in worten des Plinius) den verlust der kunst, in metall zu gieszen, da nichts darinn liegt, als der verlust der kunst, diesem metalle eine gewisse mischung (temperaturam aeris) zu geben. Lessing 11, 162;
auch von schaume rein
musz die mischung sein,
dasz vom reinlichen metalle
rein und voll die stimme schalle.
Schiller glocke v. 46;
mischung, in bezug auf den menschen, dessen leibliche art aus den vier elementen gebildet gedacht wurde (vgl. mischen 2, c), im gegensatz zur einfach geschaffenen seele:
doch nein! du (seele) öffnest deine schätze,
und legst uns überzeügend dar,
dasz keines körpers grundgesätze
und keine mischung dich gebahr.
Drollinger 18;
der mischung bau (der körper) wird leicht zerstücket.
dich (seele) aber hat ein sein beglücket,
das weder stück noch teile kennt.
vergeblich sucht der raub der zeiten
dein einfach wesen zu bestreiten.
19;
nach dieser anschauung, in bezug auf eine gestorbene:
sie war von einem ernsten wesen und einer starken phantasei.
es herrscht in ihren mischungen, am kräftigsten melancholei.
Brockes 6, 576 (vgl. dazu melancholie sp. 1989);
verflüchtigt ist sie, wenn später mischung von charaktereigenschaften und seelischen fähigkeiten gebraucht wird: jedes subject hat eine ihm eigene mischung von fähigkeiten und neigungen, welche sein genie und seinen character ausmachen. Mendelssohn bei Gökingk Nicolais leben 189; was jemanden gefällt .. musz eigenschaften besitzen, die .. der mischung seiner fähigkeiten eine angenehme beschäftigung darbieten. 191; diese seltsame mischung von trotziger entschlossenheit und hofnungsloser ergebung. Gotter 3, 107; diese himmlische mischung von freundlichkeit und strenge, von liebenswürdigkeit und ernst, majestät und milde. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 579; die junge gräfin, die .. überdiesz eine grosze mischung von melancholie in ihrem karakter hatte. 4, 240.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2256, Z. 18.

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