Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

misel, n.

misel, n.
mädchen; ein lieblingswort Göthes in jungen jahren, das er wol aus seiner studentenzeit von Straszburg her mit brachte, denn mîsel ist das elsässische diminutiv zu mûs maus, und dieses, sowie mäuschen und mäuslein werden, nicht ohne allen lüsternen beisinn, auf hübsche junge mädchen gewendet (vgl. sp. 1819. 1820. 1834, Göthe selbst brauchte später mäuschen so, sp. 1820). dasz auch Göthes umgebung misel in dem angegebenen sinne auffaszte, bezeugt eine notiz in Böttigers litt. zuständen: als Göthe mit dem herzoge von Lavater zurückkam, war ihm jedes hübsche mädchen ein müszchen (das schweizerische diminutiv von maus). 1, 222, die doppelt ungenau ist, einmal weil Göthe sich nicht dieser mischform, sondern der rein alemannischen bediente (vergl. schweiz. misli zärtlich für liebes kind Seiler 207ᵇ), und dann, weil er das wort schon vor der Schweizerreise von 1779 gebraucht hat, in den ersten zeiten des Weimarer aufenthalts, mit dem plur. die misels, wie er mädels, maidels schrieb (sp. 1427. 1473) und mit verschiedenen von ihm geschaffenen, oder vielleicht auch aus der Straszburger studentensprache mitgebrachten ableitungen (miselei, miseln, s. nachher): gegen 10 auf Elgersburg gessen. mit miseln gekittert. tageb. vom 7. aug. 1776 (bei Keil vor hundert jahren s. 77); das misel gekapelmeistert. 16. nov. 1776 (s. 91); ich ward noch lustig durch die misels. vom 20. mai 1777 (s. 111); und musz nun inne sizzen und warme kräutermilch im mund haben, und kan nicht auf misels ausgehn, es wird ein verfluchter streich sein, wenn ich mit verzognem gesicht soll die maidels belügen. an frau v. Stein 1², 90; morgen hab ich misels heraufgebeten. sie versichern mir alle dasz sie mich lieb haben, und ich versichere sie, sie seien charmant. 94;
und ach, wenn ich ein misel hätt,
so schwäzzt ich nicht mit baasen.
s. 267.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2257, Z. 24.

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Zitationshilfe
„misel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/misel>, abgerufen am 26.01.2022.

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