Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mist, m.

mist, m.
stercus, fimus.
1)
goth. maíhstus κοπρία; ags. meohx, meox, mittelengl. mix, jetzt im englischen nur noch in mixen, misthaufen; alts. mist 'rudus' Prudentiusglossen in Haupts zeitschr. 15, 527, 596, also wie müll, schutt; mnl. mest, mist, stercus, fimus, mnd. nnd. mes; althd. mhd. mist. die im gothischen vorliegende, in maíh-stus zu zerlegende form, der sich die ags. zunächst anschlieszt, während die übrigen angeführten ausfall des gutturals erlitten haben, lehrt dasz wir eine zustands- oder thätigkeitsbildung der deutschen wurzel mig, ags. mîgan, altn. mîga, nd. mîgen harnen vor uns haben, der lat. mingere, griech. ὀμιχεῖν entspricht. das geschlecht des wortes schwankt im mhd. ins neutr., vgl. mhd. wb. 2, 1, 191ᵃ;
all uppeclîch geziere
versmêhete (sie) same ein crankeʒ mist
umme iren herren Jhesum Christ.
Elisabeth 1975;
eine form meist (durch mîst hindurch gegangen): weiset das gericht vor ein recht, kein strohe auszuverkaufen oder meist auf der gemarken. weisth. 4, 607 (Rheingegend), ist so ausnahmsweise aufzuweisen wie mist in schwacher flexion: wie ein edles kleinod auf dem misten. Schuppius 142.
2)
mist, menschlicher oder thierischer kot: stercus mist, kat, dreck Dasyp.; wenne er (der leopard) etwaʒ vergiftigeʒ hât geʒʒen, so suocht er menschen mist: wenne er den giʒʒet, sô wirt er gesunt. Megenberg 145, 16; der mäus mist weicht in dem leib gar sêr, dar umb trinkent in die loter mit wein oder mit waʒʒer für erznei. 153, 2; der swalben mist schatt den augen gar sêr wenne er dar ein vellt. 201, 8; sie sind glieder der kirchen, gleich wie speichel, rotz, eiter, schweis, mist, harm .. des leibs glieder sind. Luther 5, 64ᵇ; item wie brot, speis und trank, so wir täglich genieszen, in unserm leibe so in kurzer zeit in fleisch und blut, harn und mist verwandelt wird. tischr. 2, 9 Förstem.; das fell des farren, mit allem fleisch sampt dem kopf, und schenkeln, und das eingeweide, und den mist, das sol er alles hin aus füren auszer dem lager. 3 Mos. 4, 11; den farren mit seinem fell, fleisch und mist. 8, 17; sties jm (das schwert) in seinen bauch, ... das der mist von jm gieng. richt. 3, 22; das sie mit euch jren eigen mist fressen und jren harm saufen. 2 kön. 18, 27; ein apostem oder zeitig geschwär zu reinigen, leget darauf mist von jungen gänslin. Sebiz 92; ein mist, ein bestimmtes stück, wie ein dreck th. 2, 1353 unten:
wiltu, das er werd pald gesunt,
so hab im ainn roszdreck für den munt,
und für di nasen einen mist,
so steet er auf in kurzer frist.
fastn. sp. 686, 23.
3)
auch nur wust, unrat, unflat, namentlich alles in fäulnis übergegangene, daher im mhd. gern von dem verwesenden körper:
daʒ er von erden
dich lie werden,
unde wider werden lât
ze vûlem miste.
minnes. 3, 161, 31 Hagen;
waʒ ist der lîp dan ein mist,
sô in diu sêle gelât?
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2334;
auch nhd.: da werden die erschlagene vom herrn zur selbigen zeit, ligen von einem ende der erden, bis ans ander ende, die werden nicht geklagt, noch aufgehaben, noch begraben werden, sondern müssen auf dem felde ligen, und zu mist werden. Jer. 25, 13; auch sonst faulendes:
wer gesach ie schœner strô?
eʒ füllet gar dem rîchen man
die schiure und ouch die kiste.
swann eʒ gediente daz eʒ sol,
sô wirt eʒ aber ze miste.
minnes. frühl. 23, 36;
nhd. fleuchst hingegen schand und sünden,
wie die tauben stank und mist.
P. Gerhard 77, 36;
ich stand an seinem sterbebette,
es war was besser als von mist,
von halbgefaultem stroh.
Göthe 12, 153.
4)
mist, kot und faulender unrat als dünger: mist, fimus, dicitur stercus animalium. voc. inc. theut. n 8ᵃ; mist oder bauw, fimus, fimum, coenum Maaler 291ᵇ; es heiszt trockner mist, fimus aridus, neuer mist, novus fimus, fruchtbarer mist, fimus fructuosus, dünner mist, fimus liquidus, wohl verwester mist, fimus bene confectus, der mist so noch seine kraft hat, stercus quod vires adhuc solidas habet. Steinbach 2, 64; mist den man auf die guͤter zettet, laetamen. Maaler 291ᵇ; mist anlegen, das erdtrich misten, saturare sola fimo pingui, dick oder dünn mist zetten, oder bauw anlegen, spissius vel rarius stercorare. ebenda; mist führen, fimum vectare, den mist einackern, fimum inarare, den mist breiten, fimum disjicere, den mist streuen, stercus spargere, den mist im herbste ausführen, per auctumnum stercus evehere. Steinbach ä. a. o.; der menschen leichnam sollen ligen, wie der mist auf dem felde, und wie garben hinder dem schnitter. Jer. 9, 22; die kräuter, welche er auf den frühling halten wil, (im dezember) mit mist decken. Sebiz 61; ich habe keinem bauer mist geladen. Chr. Weise erzn. 192 Braune;
ich sol ouch dir ûf dînen wagen
nimmêre mist gevaʒʒen.
Meier Helmbrecht 267.
5)
mist, der düngerhaufen: sterquilinium mist Dief. 552ᵃ; (dumm gewordenes salz) ist weder auf das land, noch in den mist nütze. Luc. 15, 35 (goth. nih du aírþai ni du maíhstu fagr ist, griech. οὔτε εἰς γῆν οὔτε εἰς κοπρίαν); kreüter die gern umb den mist umbhin wachsend, herbae stercorosae Maaler 291ᵇ; der hahn auf dem miste, vergl. unter hahn th. 4², 161;
unsre mädchen, unsre bübchen
spielen künftig auf dem mist!
Göthe 1, 161;
namentlich auch der düngerhaufen auf dem hofe eines bäuerlichen gutes: swaʒ der man bûwet ûf vremdeme gûte, dâ her zins abe gibt, daʒ mûʒ her wol abe brechen, ab her danne vert, und sîne erben nâh sîme tôde, âne den zûn vore und hindene und daʒ hûs und den mist. Sachsensp. 2, 53; und bei der wichtigkeit dieser düngerstätte für die bäuerliche wirtschaft kann mist wol auch ein solches heimwesen selbst bezeichnen: so sol er zwene tagwan tuͦn, ie das er allewegent ze naht da heime mit dem vihe uf sinem mist si. weisth. 1, 366 (Schwarzwald, vor 1341); dann die Spessarter und Vogelsberger bauren lassen sich fürwar so wenig als die Hessen, Sauerländer und Schwarzwälder auf ihrem mist foppen (im eignen heim). Simpl. 1, 47 Kurz;
derhalben traw ich jm (dem bauer) nicht mehr.
er stecket vol dückischer list;
solt mich wol blewen auf seim mist.
er hat mir das jar hart gedrot,
nechst do er mir das hausz verbot (der pfarrer zur bäuerin).
H. Sachs fastn. sp. 3, 125, 48;
deucht jn dann das er fertig ist,
so nehm ern wider auf sein mist.
M. Hayneccius drey newe comoedien (1582) G 3.
6)
mist, in bildern und sprichwörtern.
a)
an mist 2 und 3 angelehnt, als bild für faules, auch für einen faulen ('stinkendfaulen') menschen (vergl. mistfaul):
wann du nun also kropfvol bist,
so sei on sorg und faul als mist.
Grobian. D 3ᵃ (v. 946);
als bild für unwertes, wie dreck th. 2, 1354 nr. 4: Paulus verschmecht reichtum und nent es mist. Keisersberg narrensch. 168ᵃ; er hat geld wie mist, in nummis ambulat. Serz 101ᵃ;
ir (der welt) fröude erlischet als ein kol,
ir beste wunne ist als ein mist.
Winsbecke 58, 4;
secht alles das unter dem himel ist,
dunkt mich in meinem sinn als ein mist.
fastn. sp. 133, 5;
wer gibt das himelrich umb mist,
der ist ein narr, so vil sin ist.
Brant narrensch. 89, 29;
und Julian dernach mit aller bösen list,
vergieng er gleich so wol als wie ein fauler mist.
Opitz Hugo Grotius' wahrh. 370;
dann hilft ihr aufschneiden und groszmachen
so viel, dasz man sie thut auslachen,
werden gerühmet zu der frist
unwerther als ein fauler mist.
Opel u. Cohn 422, 221;
als bild für ekelhaftes, unflätiges: o wol dem magen, in welchen kein arzt seine apothek und mist hat getragen. Mathes. Syrach 2, 128ᵇ;
dann wann es nur nit päpstisch ist,
obs schon sonst ist des teufels mist,
so ists bei euch schön rein.
Opel u. Cohn 143, 16;
herr, ich hab nichts mit dem mist zu schaffen,
aber so viel kann ich euch sagen:
ihr müszt nit mit feuer und schwert drein schlagen,
müszt erst mit eignen augen sehn,
wies drinnen thut im haus hergehn.
Göthe 13, 64;
mancher meint er müsse allen mist ausführen (alles ins reine bringen, sauber machen). Lehmann floril. 1, 100; mist aufrühren, aufwühlen, etwas unflätiges zu tage bringen:
die wähnen, sie sein voll tiefe, sobald sie den mist aufwühlen, den tiefsten,
aufstöbern den kot und dem schändlichsten stets nachjagen in jeder gestaltung.
Platen 316;
ha puh! wie stank der alte mist! (die vorwürfe, die frau Schnips Loth wegen seines früheren lebens macht).
Bürger 48ᵇ;
einen in den mist rennen, elend zu boden werfen (vergl. in den dreck treten, umziehen th. 2, 1355):
'sag auch dein meinung, mach ein ent!'
ja ee man mit dir in mist rennt.
fast. sp. 173, 5;
im miste sitzen lassen:
ein vernünftige tochter kan
gar wol bekommen einen man,
die aber ungerahten ist,
die laszt man sitzen in dem mist.
Birck ehespiegel 89;
sprichwörter: es ist recht, dasz der mist stinke. Simrock sprichw. 378;
wie jeder ist,
so macht er mist.
ebenda;
darumb teufel fare hin, beide mit meiner gerechtigkeit und sünde, habe ich etwas gesündiget, so fris du den mist davon, der sei dein. Luther 5, 501ᵃ;
er (ein mörder) zag ob ieden blat und beb ob seinen thaten,
und fall auf eignen mist, tod, blutig und verrathen.
A. Gryphius (1698) 1, 404.
b)
mit bezug auf mist 4, dünger; sprichwörtlich: die Märker pflegen zu sagen: wo mist, da Christ; wo sich ein wirth auf viel mist zu seinen eckern befleiszet, da gibt Christus seinen segen. Coler. hausb. 198; in anderer form: wo kein mistus ist, ist kein Christus. Simrock sprichw. 378; daher sagen auch die, die vom ackerbaw leren, das des hausherrn fusstapfen müssen den acker fett machen, und kein besser mist den acker zu tüngen sei, denn der von des herrn schuhen fellt, das ist, wo er selbs oft gangen, und getretten hat. Luther 6, 134ᵇ; des herrn auge ist der beste mist auf dem acker. Schottel 1144ᵇ; kein mist düngt besser als den der herr mit den füszen auf den acker trägt. Simrock sprichw. 378;
mist
geht über list.
ebenda;
führe mist
weil du schösser bist.
ebenda;
auch die weiber seind on scham, weinsauferin, .. wann der man ein seidlein will haben, so will die fraw ein masz, noch wunderet uns das kain gelt im land ist, hetschen ymmer mit, hangen hinden an den mannen, das der mist dest belder ausz dem hof komm. S. Frank trunkenheit (1531) F 2ᵃ.
c)
anlehnend an mist 5, düngerhaufe; auf seinen mist scharren, für seinen vortheil gierig sorgen: da niemand den andern wolthut, und jederman nur auf seinen mist scharret. Luther 5, 399ᵃ; sich auf dem miste wälzen:
last nur die schnöde welt sich auf dem miste welzen,
wer in den lastern steckt, der liebt auch koth und grausz.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 299;
auf dem miste liegen, wie etwas als unwert weggeworfenes:
mir drehst du wahrlich keine nasen,
ich sehe alles wie es ist,
meine ehre, die liegt auf dem mist (der mann zu seiner frau).
Tieck Octavian. 205;
mit bezug darauf, dasz mist die bäuerliche heimstätte selbst bezeichnet: in dessen heiszet es: ein jeder bleib auf seinem mist. ped. schulfuchs 84; hier in Berlin, wo nichts alt, nichts öffentlich, nichts allgemein ist, ist es wahrhaftig kein spasz über seinen eignen mist hinauszureichen, worin sich alles so weich und warm behagt. Zelter an Göthe 2, 7;
da sitzt sie auf dem mist:
nimm sie wie sie ist.
Simrock sprichw. 378;
etwas ist nicht auf seinem miste gewachsen, nicht bei ihm selbst, und gleichsam auf seinem acker, entstanden, gehört ihm nicht als eigen: es ist auf seinem miste nicht gewachsen, non jure acquisivit. Steinbach 2, 64; es ist nicht auf seinem mist gewachsen, non domi eius natum est, non in proprio cerebello cusum. Serz 101ᵃ; seine entschuldigungen waren einfälle, die auf seinem miste nicht gewachsen waren. Lessing 1, 231;
diese worte sind nicht alle in Sachsen,
noch auf meinem eignen mist gewachsen,
doch was für samen die fremde bringt,
erzog ich im lande gut gedüngt.
Göthe 2, 267;
das bild aber auch in unmittelbarer anlehnung an die düngerstätte, auf der schwämme wachsen: verzeihet mir also, ihr neuern harmonisten, die ich nur dem namen nach kenne, wenn ich vielleicht gegen euch ungerecht bin, indem ich glaube, dasz ein so seltner pfifferling ganz allein auf meines nachbars miste gewachsen ist. ich wüszte nicht, wo er sonst hätte wachsen können; es wäre denn, dasz auch ihr, letzte erben des harmonischen geistes, miste hättet, die eben so trefliche schwämme hervortrieben. Lessing 10, 87.
d)
mist, im fluche bäuerischer oder niederer personen:
botz mist, botz dreck dort kumbt mein mann.
H. Sachs 3, 3, 76ᵃ;
ei botz mist, das soll nit sein.
dessen fastn. sp. 1, 44, 213;
botz mist, ich hab des krauts vergessen.
3, 88, 62;
Heinz oder Hans Mist als scherzhafter bauernname (vergl. auch mistheinz):
ich haisz Heinz Mist von Poppenreut.
fastn. sp. 109, 6;
den sibenden haiszet man Hanns Mist.
342, 15.
e)
eine im 16. und 17. jahrh. oft gebrauchte redensart nicht mist machen, sich nicht aufhalten, nicht umstände machen, geht wahrscheinlich nicht auf mist 2 zurück, sondern fuszt auf der sorgfältigen und lange dauernden bereitung und pflege des düngers in einem bauernhofe, was mist machen, mist bereiten hiesz: man soll weiters auch gute acht haben, welcher mist der beste sei, dann man soll einen ieden guten mist zu rechter zeit bereiten, und ein ganzes jar über ruhen lassen ... der beste mist unter allen ist der tauben mist: ... darnach ist derjenige, welcher von den eseln gemacht wird. Sebiz 485; es heiszt nicht langen, nicht lange mist machen: allda macht es nicht lang mist, sondern nam seinen weg durch die königliche weinstrasz zu der linken. Garg. 104ᵃ; und machten sich mit dem überigen davon, dann in sölchen handlen (räubereien) ist nit langer mist zuͦ machen. Wickram rollw. 55, 23 Kurz; da nun diese geschicht zergangen war, name Calasiris jm für, nicht lang mist da zu machen mit der Chariclia, derhalben eileten sie der statt Memphi zu. buch der liebe 207ᵇ; aber ich gedachte, da nicht lang mist zu machen, sondern bald wieder unter die kaiserl. zu kommen. Simpl. 1, 434 Kurz; solches alles nam ich zu mir, und nach dem ich gefahr merkte, also dasz ich nit länger mist bei ihm zu machen oder ihn (einen gefallenen) gar auszuziehen getraute, setzte ich mich aufs pferd. 3, 231, 12; ich aber machte auch nicht länger mist daselbsten. 435, 16;
doch wil ich nit lang mist da machen,
wann kemb der pawer zu den sachen,
so schluͤg er mich im feld darnider.
H. Sachs fastn. sp. 2, 112, 239;
thuo uff und mach nit langen mist,
ich schlag dich sust, das dir gelts brist.
trag. Joh. M 1;
gang naher, mach nit langen mist.
R 6;
keinen mist machen:
da dacht ich: hie machstu kain mist,
wa man so gnau mit suchen ist.
Fischart flöhhaz 1589;
nicht viel mist machen: mache nicht viel mists allhier. Philander 1, 389; fiele dann einer, wie gemeiniglich geschahe, und die andere wolten viel mist machen, ihm aufzuhelfen oder sonst zusehen, was da zu thun wäre, so hatte ich geschwind wieder geladen und noch einen niedergelegt. Simpl. 4, 170 Kurz.
7)
mist, name des roten gänsefuszes, chenopodium rubrum, sonst mistmelde. Nemnich.
8)
mist nebel, ein wort des niederdeutschen sprachgebietes: ags. engl. mist, niederd. mist, niederl. mist, miest, nebula, tenuis pluvia, substillum, nebulae, caligines Kilian, erst spät ins nordische als mistr aufgenommen (vgl. Vigfusson 432ᵃ), ist wol nicht dasselbe wort mit dem vorhergehenden, die verschiedenheit des ags. meohx fimus von mist nebula spricht dagegen, und es scheint nicht als ob das letztere mist einen inneren guttural, wie unser mist, verloren hätte; im niederd. ist gleichfalls mes mist und mist nebel von einander abstehend. es findet sich das letztere nur als vereinzelte übernahme aus dem nd. bei uns:
es ist ein schwindelgeist und als ein dicker mist
der disz treibt was bei euch erdenkt ein thalmudist.
Opitz Hugo Grotius' wahrh. s. 391;
wie auch die sonne glänzt die auf den mittag steht,
wordurch der wolken dunst und schwarze mist vergeht.
s. 307,
nach dem niederl.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2263, Z. 10.

misten, verb.

misten, verb.
1)
mist auf den acker führen, düngen; ahd. mistôn: chophinus ist ein chorb, den man brûchet ad servilia opera (ze scalchuuerchen), so man sol mundare, stercorare, terram portare (furbin, mistôn, erda ûʒ tragen). Notker ps. 80, 7; mhd. nhd. fimare misten, nd. messen Dief. 235ᶜ; stercorare, misten, bemisten, l. bawen 551ᵇ; misten oder tüngen, stercorare agros. Maaler 291ᵇ; die weinräben misten, mist oder bauw in die räben legen, ingerere stercus vitibus. ebenda; uberausz wol misten, mist zetten oder anlegen, stercore saturare agrum. ebenda; wann es aber rocken- oder gemischlete fruchtfelder sein, so soll man dieselbigen mitten im winter oder ein wenig darvor misten. Sebiz feldb. 484; der Nil geuszt sich uber gewönliche gestaden ausz, befeuchtigt und macht feiszte ecker und wiesen, als ob sie durch bauw gemistet weren. b. d. liebe 190ᵇ; sobald aber die reben zu treiben beginnen, .. musz man das misten oder düngen anstehen lassen. öcon. lex. 530; aber was will man ohne mist? aufbrechen und nicht misten, macht das land nur magerer. J. Gotthelf schuldenb. 110; der (hafer) braucht keinen mist, im herbst kann man dann das korn desto bräver misten. ebenda. s. bemisten.
2)
misten, mist aus dem stalle schaffen, den stall vom mist reinigen: der mag inn den hof gon bant reinen oder einen stal misten oder ander werk dʒ inn dem hofe zetuͤnd wer. weisth. 4, 118 (Elsasz, von 1354); den stall misten. Pauli schimpf 138ᵇ;
so wart nur fleiszig unser ku
bedes mit streien und mit misten.
H. Sachs fastn. sp. 2, 142, 31;
(ihn hätte) der schlauste für ein bild vom Herkules gehalten,
für ein Herkules in ruh,
als er dem Augias den marmorstall gemistet.
Wieland 22, 112 (Oberon 3, 29);
schweiz. mit dat. des thieres, dessen stall gemistet wird: wenn man der geisz mistet. J. Gotthelf schuldenb. 75. vergl. ausmisten.
3)
misten, von thieren, mist, kot lassen: wer so toll were, das er solchs (fliegen) von der schwalben nicht leiden, sondern jren flug wehren wolt, als sorget er, sie würde jm auf dem heubt nisten und misten. Luther 8, 256ᵃ; als sie fast dahin kamen, mistet das pferd. B. Krüger Hans Clawert (1591) 116; so stehet das ross wieder auf und hebet an zu stallen und zu misten. Pinter pferdschatz (1688) 406; wenn ein pferd nicht misten kan. öcon. lex. 1626; derb auch von menschen: thet es (das kind) nichts, dann dasz es frasz und denn so viel, als sonst vier baurn oder drescher, und sich garstig genug mit um sich misten hielte. Kirchhof wendunm. (1602) 5, 313.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2269, Z. 27.

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„misten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/misten>, abgerufen am 29.01.2022.

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