mode f
Fundstelle: Lfg. 13 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2435, Z. 18
mos, consuetudo.
1)
das franz. seit dem 15. jahrh. häufig erscheinende fem. mode, dessen unmittelbare ableitung vom lat. masc. modus nicht ohne zweifel steht (man müste denn die geschlechtsänderung durch den einflusz des älteren fem. manière erklären wollen), das zeitgenössische art und brauch im allgemeinen, auch die dem wechselnden geschmack unterworfene art sich zu kleiden ausdrückt, und das bereits im 16. jahrh. als lehnwort im niederländischen aufgenommen ist (mode, modus, ratio, mos, forma Kilian), erscheint vor den zwanziger jahren des 17. jahrh. in deutscher sprache nicht: zu dieser zeit eifern flugblätter mit abbildungen gegen stutzerhafte auswüchse der kleidung bei soldatischen abenteurern, welche die zu dieser zeit tonangebende französische tracht in deutschen landen pflegen, und dieselbe und ihren wandel mit der französischen phrase à la mode (= dans le goût du dernier, vgl. Littré 2, 582ᶜ. 583ᵃ) bezeichnen; unter dieser formel, die auch als à la modo verderbt erscheint, wird das unwesen zuerst gekennzeichnet und verspottet, vgl. das spottgedicht a la modo monsiers von 1628 bei Opel u. Cohn s. 412 ff., andere gleichzeitige bei Falke trachten- u. modewelt 2, 148. 194. costümgeschichte der culturvölker s. 342; der herr, hoffe ich, werde solches .. so was ungereumbts darein sein mag, .. mit dem heütig - gewohnten spruch entscheiden, ob es schon nicht wohl stehe so seye es doch alamode. Philander 2 (1643), 14; als um sich greifendes übel:
a la mode macht mir bang,
weil der Teütschen undergang
in der newen-sucht
seinen anfang sucht.
dann, wasz haben will ein schein,
musz nur a la mode sein.
15;
wird es, indem man zugleich auf das land seines ursprungs anspielt, auch personificiert hingestellt, wie man im 16. jahrh. sich einen hoffartsteufel geschaffen hatte (vgl. th. 4², 1668; kleider-, pluder-, pausz- und krausteufel, schrift von Strausz 1581, vgl. Gödeke 1, 380), und wie später (1675, vergl. ebenda 381) ein alamode-teufel erscheint: zu loben und hoch zu rühmen ist dasz weibsvolk zu Straszburg. so nahe alsz sie den ala mode vor der thüre haben, so wenig achten sie ihn: sie bleiben bei jhrer uhralten tracht, in schurz und belz, in kapp und baurenhut, in ubermither und lybel: und solte es den thörichten ala mode zu todt verdrieszen. Philander 2, 18; wer weis ist, der hab sorg zu seinem beütel, damit ala mode nicht darein komme. 19. es bildet sich sofort zum ausdruck das adjectiv alamodisch, allmodisch (th. 1, 200; ältester beleg von 1629: uber den heuttigen allmodischen, oder, a-lamodischen kleiderteufel von Ellinger, bei Weisz costümkunde 3, 1041), das sich erst später zu modisch umformt, während der formel à la mode sehr bald das substantiv mode im deutschen gebrauche nachfolgt, in der übersetzung nach der mode:
wer und was nicht nach der mode, der und dieses musz sich schämen.
Logau 3, 201, 57;
oder in anderer stellung, auch wol in der form modo, nach dem oben angeführten à la modo: alle tage hat sie ein ander kleid an, kömbt eine neue modo ausz Frankreich, so ist Lyra eine unter den ersten, die es haben. Schuppius 471; der begriff bleibt zunächst auf die tracht beschränkt (vgl. auch kleidermode theil 5, 1081), daher auch mit tracht in enger verbindung:
so bald de van adel eine mode hebben upgebracht,
so moten de börgerinnen na apen sülke dracht.
Lauremberg scherzged. 2, 53;
und in solchem sinne bis heute; es heiszt eine neue mode, die alte mode (vergl. altmodisch), die neueste mode; sich nach der neuesten mode tragen, und dann auch die neueste mode tragen;
idt (das kleid) werd dre maente lank de nyeste mode bliven.
Lauremberg scherzged. 2, 795;
etwas ist in der mode, aus der mode; etwas in die mode bringen; mit seiner kleidung aus der mode kommen; etwas ist die mode: der mann sei ein phantast, ein narr, man sehe es ausz seinen kleidungen. man solte fragen, ob das die mode im jüdischen lande. Schuppius 656; oder ohne artikel etwas ist, wird mode: diese kleidung ist itzo mode, hoc vestium genus hodie in usu est. Steinbach 2, 72; nun bei meiner ehre! dieser anzug musz morgen mode in Genua sein. Schiller Fiesko 3, 10;
wir wissen hier zu land nur unvollkommen,
was in der hölle mod ist, frau Brigitte!
man sagt, gewöhnlich trägt er (der teufel) eignes haar.
H. v. Kleist zerbr. krug, 11. auftr.;
auf die neue, die frühere mode (einen anzug tragen u. ähnl.): zog ich einen ganz schwarzen habit an, auf die vorige mode gemacht. Simpl. 1, 365 Kurz; in der mode sein, mit der kleidung: Ferdinand hatte .. manchen streit mit der mutter, da er dem vater die abgelegten röcke nicht nachtragen, sondern selbst immer in der mode sein wollte. Göthe 15, 179; eine mode mitmachen; gern bleibt die mode persönlich gedacht: die herschaft der mode, die herschende mode; in allem, was zur tracht des frauenzimmers, sowie auch der mannspersonen gehört, herrscht die mode. Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 2184; die mode ist die mutter des luxus, der eitelkeit und üppigkeit. 2185;
sie heiszen herr und grosz, und sind doch unterthan
den lüsten, der gefahr, dem pöbel und der mode.
Günther 584;
männlich stolz gingst du vorbei
an der mode töchtern (modisch gekleideten jungfrauen).
Schiller hist.-krit. ausg. 4, 9;
ihr hochzeitlich gewand, mit moos umbordet und rosen,
welches den lieblichen wuchs nachahmete, zierlich gefaltet,
nicht mit der gaukelnden mod unförmigem wulst um die hüften
aufschwoll.
Voss Luise 3, 1, 226;
der plur. moden in bezug auf den wechsel der tracht: alle moden mitmachen; halten sie ja meine tochter zum gebet an, und lassen sie sie die gottlosen moden in kleidern nicht mitmachen. Gellert 3, 172; oder die einzelnen nach der mode gefertigten dinge: in dieser handlung werden nur die neuesten moden verkauft;
dem waren leinwand, huth und spitzen
und alle moden noch zu schlecht.
Günther 167;
moder naget an dem schönen schleier,
den ein geist bewohnte,
der nur moden, opern, assembleen
und redouten dachte.
Hölty 53 Halm;
mode erweitert seine bedeutung aber bald auch auf den augenblicklichen zeitgeschmack im benehmen und thun der gesellschaft: mode als 'die gewöhnliche und gebräuchliche manier in kleidungen, meublen, kutschen und zimmern, gebäuden, manufacturen, schreib- und red - arten, complimenten, ceremonien und anderem gepränge, gastereien und übrigen lebensarten' bei Nehring 763; wenn diese betrachtungen wahr sind, so ist es leicht, das schicksal des weinerlich komischen vorher zu sagen. die mode hat es eingeführt, und mit der mode wird es vergehen. Lessing 4, 132; wenn kleingeistelei und mode der natur kühnen umrisz beschneiden. Schiller hit.-krit. ausg. 3, 351;
deine (der freude) zauber binden wieder
was der mode schwerd getheilt.
4, 1;
auch hier gern in festen verbindungen: es ist die mode so, ita consuetudo fert. Steinbach 2, 72;
velicht na unsem dode
werd disse arth van rym werden die beste mode.
Lauremberg scherzged. 4, 524;
der mann ward, wie es sich gebühret,
von einer lieben frau regieret ...
das war die mode weit und breit.
Hagedorn 3, 72;
es ist besser ein narr in der mode, als auszer der mode zu sein. Kant 10, 268; hum! ist denn etwa die freiheit in der mode gesunken? Schiller Fiesko 5, 16; eigentlich ... ist es schade, dasz, so viel ich weisz, die tagebücher abgekommen sind. vor zwanzig jahren waren sie stärker in der mode. Göthe 15, 283; ihn (einen satz) nach der neuesten mode mit griechischen namen und antiken bilderchen ausstaffirt. Herder z. litt. 1, 111; wo ich mich nebst der chirurgie ein wenig der ökonomie, blosz aus mode widmete. Klinger 1, 168;
gefährten seines unglücks haben,
mag andern meinethalb ein schlechter trostgrund sein.
ich kann zuweilen mich dran laben,
und bilde, weils die herrn izt an der mode haben,
mir auf mein herz doch auch ein wenig ein.
Gökingk 1, 152.
2)
in Tirol heiszt das fem. modi die mode, modi machen aber ins mittel treten, in eine sache fördernd eingreifen Schöpf 441. die letztere bedeutung ist erinnerung an die thätigkeit der alten kunstschreiber und kopisten, der inhaber der modi scribendi oder formandi, die gegen ausgang des mittelalters für die schreibgeschäfte des bürgerlichen lebens, mahnbriefe, sendschreiben, rechnungen, quittungen, vielfach in anspruch genommen wurden; vergl. unten modist.
Zitationshilfe
„mode“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mode>, abgerufen am 14.10.2019.

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