Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

mundart, f.

mundart f
art des mundes, art zu sprechen; übersetzung des griech.-lat. dialectus (dialectos eine eigenschaft der sprach, oder eigne weisz zuͦ reden. Dasyp.), die im 17. jahrh. bereits gewöhnlich ist, und von der sprechart sowol eines einzelnen als eines standes oder einer landschaft gebraucht wird, und zwar in bezug auf den klang der worte: ich gedenke nur etwas weniges vom reimenmasze; einmal, dasz die endungen der reime zusammen stimmen, nur nach unserer mundart wo sie geschrieben; denn, wie es vielleicht frembden dannenher nicht füglich lauten möchte, wie wir die selblautenden buchstaben auszsprechen, also würde es auch in unsren ohren übel klingen, zu reden wie die frembden reden, also, dasz es nur nöthig scheinet, im reime sich desz einheimischen auszspruches zu gebrauchen. Logau 1, vorrede s. 1; das i. mit e. in liegen, siegen und dergleichen, ist uns zu unsrer mundart nicht beschwerlich, und wird unzerzogen auszgesprochen. 3, s. 4; ich bin zwar ein gebohrner Savoyard, habe aber nunmehro schon seit etliche 40 jahren, da ich mich 8 jahr lang auf deutschen universitäten aufgehalten, .. die deutsche sprache nach meiner mundart ziemlich sprechen lernen. cav. im irrg. 141; er meinte, er säh nicht wie ein schiffer aus, und hätte auch ihre mundart nicht. H. L. Wagner der wohlthät. unbek. 29; er sieht ja aber nichts weniger als einem schiffmann ähnlich, auch hat er die mundart dieser art leute nicht. 38; in bezug auf wortschatz und wahl der worte: unter denen (wissenschaften) also stehet die grammatic oben an .. maszen sie uns ja dazu dienet, dasz wir die gemeine wie auch die besondere poetische mundart der sprachen nicht nur genau kennen als auch recht darnach schreiben lernen. Günther vorrede 3; ich will ihm gesellschaft leisten und (in des ungenannten mundart gesprochen) noch einmahl hof und land belustigen. Claudius 8, 154; die wissenschaftliche bedeutung, die auf die in den einzelnen landschaften geltenden unterschiede der lebendigen volkssprache gegenüber einer allgemeinen, haupt- oder schriftsprache zielt, ist schon bei Schottel vorhanden, ist vielleicht die älteste des deutschen wortes: alle in unserer teutschen sprache verhandene dialecti oder mundarten. hauptspr. 152; die niederteutsche oder niedersächsische sprache hat hinwieder mancherlei dialectos oder mundarten, als die holländische, brabandische, friesländische, braunschweigische, hollsteinische, mekelburgische, pommersche, etc. die hochteutsche sprache hat nicht weniger jhre unterschiedene mundarten und dialectos, als: die meisznische, thüringische, hessische, fränkische u. s. w. ebenda; sie wird in engerem oder weiterem sinne genommen: die oberdeutsche mundart, sofern sie sich von der niederdeutschen unterscheidet. Adelung; das verhältnis zwischen unsrer schriftsprache und den unter dem volke lebendigen gemeinen mundarten. J. Grimm gramm. 1³, 23; verläuft auch in nicht sprachwissenschaftlichen darstellungen in die bedeutung der sprache überhaupt: da er sich dem geistlichen stande gewidmet hatte, so wendete er hierbei seinen fleisz auf die mundart, in welcher die bücher aufgesetzt sind, die alle menschliche schriften an alter, wie an heiligkeit übertreffen. Kästner verm. schr. 1, 55; er hatte mir alle freude an der ganzen sprache, an der französischen literatur, selbst an dem schönen und köstlichen ausdruck edler seelen in dieser mundart verdorben; mich schaudert, wenn ich ein französisches wort höre! Göthe 19, 240;
Nastes führte die Karen, ein volk barbarischer mundart.
Il. 2, 867.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2683, Z. 65.
Zitationshilfe
„mundart“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mundart>, abgerufen am 20.02.2020.

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