Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

närricht, narricht, narrecht, narret, adj. und adv.

närricht, narricht, narrecht, narret, adj. und adv.
thöricht, närrisch, verkehrt, unklug, wunderlich, possenhaft u. dgl., wie närrisch; narrecht, stultus Dasyp. (1556) K 7ᵃ; narret, amens Diefenb. nov. gl. 20ᵇ; nun veraltet, doch in bair.-schwäb. mundart als narret, närret noch fortlebend, s. Schmeller 1, 1753 Fromm. Lexer kärnt. wb. 196. Schöpf 461. Hintner 178. Schmid schwäb. wb. 401.
1)
adjectiv.
a)
von lebenden wesen: mhd.
daʒn tuot er niht durh argen list,
wan daʒ er alsô narreht (var. narrest, narrisch, nerrisch,
nerrig, dôrecht) ist.
Freidank 140, 18;
nhd. des ist zuͦ wundern nit dar an,
das narren narrecht kinder han.
Brant narrensch. 6, 48;
dorumb sint wir grosz narreht doren.
85, 11;
vil narrechter ist, der verduͦt
mit üppikeit und lichtem muͦt
das so im got hat geben hein.
3, 5;
wäger das dich ein wyser stroff,
dann dich anlach ein narrecht schoff.
54, 25;
narrete unvernünfftige menschen. Keisersberg pred. (1510) 29ᵇ; der straus ist ein so nerrichter vogel. Luther 3, 75ᵇ; ein nerrichter (var. nerrischer) son ist seines vaters trawren und betrübnis seiner mutter, die in geborn hat. spr. Sal. 17, 25; die fünf narrichten jungfrauen. Aventin. 1, 184, 9; die überreden den narreten (var. narrechten, thörichten) gmain man wes si nur wellen. 4, 311, 13; und seindt noch vil narrechter dann die christen an ihrer fasnacht. Frank weltb. 151ᵃ; ein narrachter deutscher bischof. Zimmer. chron. 4, 48, 5; ein narrichter, narrechter Deutsche. 3, 536, 36. 537, 11; wo so vil arzet, so wurt vilmals dem aller narrichtisten und unerfarenesten gevolgt. 3, 582, 27; o du unseliger thor wie bistu so narrot. Steinhöwel Es. (1555) 82; und steht uns zu, dasz wir ewern narrechten kopf straffen. Amadis 274 K.; aus narrechten guten kindischen kindern werden weise leut. Agricola sprichw. 146ᵃ; er were narrechter dann der narr, dieweil er ihm glaubte. Bebel facet. (1589) 9ᵃ; ein gar torechtiger, einfaltiger mensch, der gantz narrecht und kindisch was. Wickram rollw. 166, 17; wenn liegen ein orden wer, so wölt ich lengst apt sein worden, wenn ich schon noch als narret wer. Schade sat. 3, 215, 5; so offt an bellete mich diesz hoffärtige und närrichste (sic) thierlein. Schuppius 770, vgl. närrigst unter närrig;
wie kompts, dasz du so nerricht bist,
wilt thun dasz dir unmüglich ist.
E. Alberus 123ᵇ.
b)
von sachen und abstractionen:
durch din narreht fantasieren.
Brant narrensch. 28, 28.
was kan man narrechters oder törlichers lesen. Reuchlin augensp. 11ᵇ; da nu solche hohe treffliche ding mir so gar nerricht und lecherlich waren, ward der trefflich man zornig. Luther 1, 394ᵇ; also gehet gottes werck imerdar, das es nerricht ist anzusehen. 4, 50ᵃ; das ist nerricht und beide wider die schrift und natur gefragt. 5, 380ᵃ; wir wöllen hie geschweigen der unzelichen kindischen ceremonien und nerrichten gottesdienst. 6, 472ᵃ; und sol in die narrete weisheit nicht schaden. 8, 289ᵇ; und was kan doch nerrichter geschehen, denn so ein narre wil eins klugen mans werck thun? 6, 140ᵇ; dasz ir euch des narreten lebens nit lasset verdrieszen. Schade sat. 2, 99, 18 (v. j. 1521); narrete läppereien. Aventin. 4, 442, 13; wann einer die wilden narreten gebaͤrd der vollen im für die augen stellet. Frank laster der trunkenh. fol. 2; narrichte und leichtfertige satzungen. Melanchth. von der bapstler gewalt, übers. v. Dietherich (1541) 6; es haben die pauren .. ein so narrechte urthl geben. Zimmer. chron. 2, 360, 29; von des bischofs .. narrechten handlungen. 4, 44, 14; ettlich mal reuwet ihn seines narrechten beschehenen unterstehens. Amadis 315 K.; nach disem narrächten anschlag. Kirchhof wendunm. 217ᵃ; als ob es narret ding were. Baumann quellen 1, 160.
2)
adverb: das er sich so nerricht dazu stellet. Luther 6, 277ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 387, Z. 24.

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Zitationshilfe
„närricht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%A4rricht>, abgerufen am 20.09.2021.

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