Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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nätz

nätz,
s. nähtz, netz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 472, Z. 1.

netz

netz,
s. netze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 635, Z. 12.

netz, n.

netz, n.
rete. ein gemeingermanisches wort: goth. nati, ahd. nezi, nezzi, mhd. nezze, netze, alts. net und netti, mnd. nette, nd. net, nette, ags. engl. altn. schwed. altfries. ndl. net. im älteren nhd. wird auch noch die volle form netze gebraucht, von der vereinzelt ein schwacher plural die netzen vorkommt (Wedel hausb. 211. 276. Fleming t. jäger. 107. Colerus 2, 571ᵇ netze und netzen) wie schon im md. gedichte vom glauben 945; genet. sing. netzens Heuslin Gesners vogelb. 157. der im mhd. auch vorkommende plur. netzer (neben netze) ist im nhd. erloschen. Das goth. nati führt mit altn. nôt (groszes netz) auf ein starkes verbum natan nôt zurück (gramm. 2, 64. 3, 784) von einer wurzel nad, die aber kaum mit der dem worte nasz (sp. 421) zu grunde liegenden identisch (wie gramm. 3, 466. Fick² 108. 781 angenommen wird), sondern wol nur eine weiterbildung von wurzel na (nähen, stricken) ist, zu der unser wort von Curtius² 319 geradezu gestellt wird: 'goth. na-ti verhält sich zu ahd. na-ia-n wie lat. rê-te, wahrscheinlich für srê-te zu ser-o.' ganz entschieden aber gehört zu nähen ein anderes netz d. i. nêtz (nähfaden, zwirn), welches, wie ich erst jetzt sehe, schon unter garn (th. 4¹, 1369) besprochen und dessen ableitung von nähen als unmöglich erklärt worden ist wol darum, weil es mit netz (rete) identificiert wird, wogegen schon die nebenform neicze (von neien, nähen) spricht. Dief. 193ᶜ; s. nähtz, nätz (sp. 320) und nähets unter nähet 2 (sp. 299).
Bedeutung und gebrauch.
I.
ein aus weiten maschen bestehendes gestrick. vergl. das synonyme garn th. 4¹, 1365 ff.
1)
dieses gestrick an sich: ausz dem faden ein netz zu machen, das netz zu garn, zum behrn zu formieren. Paracelsus 2, 225ᵇ.
2)
ein fangnetz.
a)
zum fischfang, wie bei garn vermutlich die älteste anwendung (s. garn II, 3): goth. vairpandans nati in marein. Marc. 1, 16; athahid (χαλάσσατε) þô natja izvara du fiskôn. Luc. 5, 4; ahd. sententi irô nezzi in sêo. Tat. 19, 1; rihtenti irô nezi. 19, 3;
sie uuurfun .. thaʒ irô nezzi in then sê.
Otfrid 5, 13, 15;
mhd. daʒ netze quam ze Rôme nie,
mit dem sant Pêter vische vie.
Freidank 152, 16;
den vischen garne setzen
mit garnen und mit netzen.
A. v. Halberstadt 32, 446;
nhd. ein netze, das ins meer geworfen ist. Matth. 13, 47; werfet ewre netze aus, das ir einen zug thut. Luc. 5, 4; bald verlieszen sie (die fischer) ihr netze und folgeten ihm nach. Matth. 4, 20; kanstu das netze füllen mit seiner haut und die fischreusen mit seinem kopf? Hiob 40, 26; das gesegnete netze des apostels Petri. Schuppius 664;
dasz mir die netze rissen
von fischen, die ich fieng.
S. Dach 147 Öst.;
jene fischer, welche am heiligen ostertag in dem Rhein ihre netz ausgeworfen. Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 3, 158; sie sollen das netz rechter hand einwerfen. 500;
einen fischer fand ich ...
der flickte singend die netze.
Schiller 13, 11 (Macbeth 1, 4);
gleiches geschäft (der fischer) erbt stets von dem heutigen tage der nächste:
immer das netz auswerfen, es einziehn; wieder es trocknen
über dem sonnigen kies, dann wieder es werfen und einziehn.
Platen (1847) 2, 210;
er (der fischer) vergiszt das netz zu heben
und zu sehn nach seinem fange.
Lenau (1880) 1, 320;
was strickst du fischer? 'netz dem fisch, dem zagen.'
Rückert 2, 4;
ein fischer warf die netze frei.
1, 73.
s. fischer-, fischnetz, eis-, grund-, schlepp-, setz-, stell-, treib-, trift-, wurfnetz.
b)
zum fange von wild, das jagdnetz, jägergarn, wildgarn (s. garn II, 5): mhd.
mit netzzen unde mit hunden uie er hirʒ unde hinden.
Milstäter genesis 46, 20;
sam der hase so er in dem netze lît.
Erec² 1227;
des ilde er mit nezen
den garten umbe sezen (um den hirsch zu fangen).
Reinh. s. 381, 35;
nhd. nach allem wild ...
mit lauschen, schrecken, garn und netzen
zu jagen, paissen und zu hetzen.
H. Sachs 2, 174, 20;
eb (ob) man hatt die netz umb dhagen
gespannt.
Bechius 28;
ein netz caninichen zu fangen. Ludwig 1322; darnach die jagt ist, darnach müssen auch die netze sein, dan etliche thier sind stark, etliche nicht, etliche springen hoch, etliche nicht. Colerus 2, 571ᵇ; nach Zedler 23, 1993 gehören zur oberjagd die hirsch-, sau-, spiegel- und prellnetze, die kuppel-, reh- und wolfsnetze, zur niederjagd die hasen-, lausch- oder lückennetze, die dachs-, hauben-, biber-, fischotter-, marder- und iltisnetze (vergl. Heppe 278ᵇ);
ein leichtes reh, wenn es das netz durchrissen.
Günther 512;
wollt ihr vielleicht beim jagen
der netze hüter sein?
Jacobi 1, 77.
c)
zum vogelfang, das vogelnetz, vogelgarn (s. garn II, 4): mit einem netz expegatorium, vielleicht bei uns ein überzug genennet, welcher gar grosz ist, werden räbhuͤner, fasanen ... gefangen. Heuslin Gesners vogelb. 540; zu nacht werden die wachteln auch mit netzen, so man wulcken nennet, gefangen. 541; bei dem vogelfang hat man ... hoch-, hang- und ziehnetze, stecke- und klebenetze. Zedler 23, 1993; hohe netze, eine art rebhühnergarn. Frisch 2, 17ᵃ;
wie in dem netz ein vogel sich verstrickt.
S. Dach 386 Öst.;
so fängt man doch dergleichen vögel selten,
und wenn wir hundert netze stellten.
Günther 955;
stellen auf langen hügeln uns (den lerchen) hin unsichtbare netze.
Klopstock 2, 212.
3)
das fangnetz wird wie garn (th. 4¹, 1366) vielfach in menschliche verhältnisse übertragen (vergl. II, 1. 2).
a)
in bezug auf das fischnetz: mit goldenen netzen fischen, mehr zusetzen als gewinnen. Henisch 1107; das heiszt die verkehrte welt, die mit gülden netzen fischet, da die kost gröszer ist denn der gewin. Luther 1, 189ᵇ;
gwinnt man eins (im kriege) so kost es wol drei,
heist wol mit goldnen netzen fischen.
H. Sachs 4, 2, 41ᵈ;
und haben, wie man sagt, mit einem guldinen netz gefischet, mer darbei zugesetzt und verloren, dann erhalten. Zimm. chron. 2, 282, 17; demnach er auch sonst in ander seinen handlungen vilmals pflag mit einem guldinen netz zu fischen. 4, 113, 24; es ist eine gefärliche sache, mit gelde umgehen; und fänget der höllengeist die meisten selen mit güldenen nezzen. Butschky Patm. 113; mit bösen netzen fischen:
das volk drang zu ..,
in einer stund hets gar gelost,
ein gute summa gelts erwischt,
mit bösem netz gar wol gefischt.
Waldis Es. 4, 50, 34;
mit trockenen netzen fischen, den gewinn aus der arbeit anderer ziehen. Wander 3, 1006; das netz auswerfen (nach beute, raub): wo hast du dein netz ausgeworfen? 'ich und B. haben einen kaufladen geplündert.' Schiller 2, 94 (räuber, schausp. 2, 3). vom liebesnetze (vergl. 3, b, ε. II, 2):
wo liebe netz und angel warf,
zog er sich schnell zurück.
Langbein (1854) 1, 251;
Chloe will mit ihren blicken
mich bestricken,
aber sie bestrickt mich nicht!
ihr will ich, gleich schlauen fischen,
wohl entwischen
aus den netzen im gesicht.
Gleim 1, 257.
b)
viel häufiger mit anknüpfung an das wild- und vogelnetz, das dem menschen oder einer beute (wie einem wilde) gestellt wird, in das er fällt, gelockt, gezogen wird.
α)
einem zum netze werden, ihm ein netz stricken, ausbreiten, legen, ausspannen, über ihn ein netz werfen, ziehen, ihn mit einem netze umgarnen, ins netz locken, ziehen u. dgl.: diese völker .. werden euch zum strick und netz und zum geiszel in ewer seiten werden. Jos. 23, 13; wer mit seinem nehesten heuchelt, der breit ein netz zu seinen fusstappen. spr. Sal. 29, 5; du woltest mich aus dem netze ziehen, das sie mir gestellet haben. ps. 31, 5; ir (der heiden) fus ist gefangen im netz, das sie gestellet haben. 9, 16; warumb wiltu denn meine seele in das netze fuͤren, das ich ertödtet werde? 1. Sam. 5, 4; eim ein netz legen. Frank sprichw. 2, 92ᵇ; über einen unrechtfertigen kein netz zu stricken. pers. baumg. 7, 18; über das versäumnisz haben euch die Spanier das netz über die ohren gezogen. Göthe 8, 201;
euch haben sie das netz ums haupt geworfen.
Schiller 14, 345 (Tell 3, 2);
ich seh das netz geworfen über ihn.
12, 91 (Piccol. 1, 5);
werft euch in seinen weg ihr hindernisse,
eine schlinge legt, ein netz um seine füsze.
14, 82 (braut von Messina 3, 1);
ich weisz, dasz sie mir lauernd netze stellen.
12, 473 (M. Stuart 2, 8).
β)
ins netz fallen, im netze hangen, sein: die gottlosen müssen in ir eigen netz fallen. ps. 141, 10; denn er ist mit seinen füszen in strick bracht und wandelt im netze. Hiob 18, 8;
die sich mit lügen decken wöllen
werden in einem strick gefangen,
in irem eignen netz behangen.
Waldis Es. 3, 54, 28;
der edle wird in ihre (der nichtswürdigen) netze fallen. Göthe 8, 165.
γ)
des teufels, des todes netz: mhd.
man sol ûf rîchtuom achten klein,
wan er ist s'tiuvels wetzestein.
sîn netze und sîn vederspil.
Thomasin 8067;
nhd. got helf uns gen im (teufel) gesigen,
ald wir hangend in sinem netz.
teufels netz 41;
darzuo wurdest du gehetzt
in min garn und in min netz.
908;
thue bei zeiten busze, ehe du dich in des teufels netze so versitzest. rockenphilos. 881;
könnt ihr auch entgehn des todes netze?
S. Dach 109 Öst.;
du rettest mich vor jägers strick
und treibst des todes netz zurück.
Gerhard 71, 9 Gödeke.
δ)
von abstractionen, die netzstellend gedacht werden: mhd.
unheiles netze ist al ze breit,
daʒ gnuogen ist gestellet.
Konrad troj. krieg 2364;
wan sie ein jâmers galle
het gar übergangen
und endelîche gevangen
ir vröude in ir netze.
krone 21850;
nhd. hie legt zorn mir tausend netze,
da gewalt und eigensinn.
S. Dach 594 Ost.;
vermeid des aberglaubens netze.
Günther 291;
rings gestellt sind ihre (der gesetze) netze
auf die heiden, auf die sünder.
Göthe 1, 233;
und höllische verrätherei borgte euch ihr unsichtbares netz. 42, 149; das nez, womit uns list und kabale umstrickten. Schiller 3, 519;
gemütumstrickende netze der kunst.
Platen (1847) 2, 247.
ε)
besonders vom liebesnetze, in sehr verschiedenem sinne (vgl. 3, a. II, 2): mhd.
des wart ir frîer muot geleit
in daʒ netze senender nôt.
Konrad troj. krieg 7841;
diu (schöne frau) mac mich âne netze gereichen.
Thomasin 1015;
nhd. und also habe er sich von dem netze des weibes loszgemacht. polit. stockf. 113;
wenn ihre freundlichkeit den männern netze stellt.
Hofmannswaldau 2, 3;
und soll dem Venus-sohn die liebes-jagt gelücken,
musz er aus langem haar ihm netz und sehnen stricken.
63;
hier legt er (Cupido) netz und strick.
145;
(herz,) das sich verwirrt in deiner schönheit netze.
82;
nun .. lauft er ins netze.
Günther 926;
voll edelmuth faszt Nettchen den entschlusz,
... dem mann getreu zu bleiben,
zum wenigsten, bis einst ihr genius
was bessers ihr zu netze würde treiben.
Gökingk 2, 189;
und lockt' ich nicht in diesem kleide,
mit dieser sprache ihn ins netz?
lieder zweier lieb. (1777) 59;
hüpf ich noch um die neze,
die uns Amor gestellt.
Voss ged. 4, 73;
so nahe
hatt' ihm noch nie die lieb ein netz gelegt.
Thümmel werke (1839) 8, 108;
hineingezogen in ihr netz
der schönheit, lägst du da.
Gleim 1, 212;
den mann, den sie begehrt, bald in ihr netz zu ziehen.
Wieland Oberon 11, 23;
doch ein gedanke blosz ..
macht aus dem magischen unsichtbarn netz ihn los.
Idris 5, 47;
glücklich macht die gattin nicht,
die nach siegen trachtet,
männerherzen netze flicht.
Schiller 4, 10;
denn auch dieser wissenschaftliche mann ... war nicht frei von den netzen eines sehr liebenswürdigen frauenzimmers geblieben. Göthe 25, 186; eine priesterin .. vergiszt ihr gelübde, und bemüht sich meiner unerfahrnen jugend netze zu stellen. Wieland 1, 52;
und dann geht so ein freier
wie er nicht alle tag ins netz.
Klelia und Sinibald 3, 301;
wer wagt zu verführen ein männliches herz?
wer legt mir ein netz?
Platen 1, 137;
oder willst du blos mich locken, den du längst im netz gefangen?
2, 67;
ach! ein hirsch mit schwarzen augen
ist mir aus dem netz gegangen.
2, 352;
um zu fangen alle herzen
durch die wangen dieses losen
liegt das krause netz des bartes
als ein veilchen auf den rosen.
356.
blicke waren ein goldenes netz, das von fern mich umstellte.
Rückert 2, 281.
4)
auch sonst vergleichungsweise und bildlich von etwas umschlingendem und fesselndem: ein vater (Laokoon) schlief neben seinen beiden söhnen, sie wurden von schlangen umwunden und streben nun erwachend, sich aus dem lebendigen netze loszureiszen. Göthe 38, 41;
von seinen ländern wie mit einem netz
sind wir umgarnet rings und eingeschlossen.
Schiller 14, 311 (Tell 2, 1);
(bilder) die ich, frisch und farbenreich,
mit des liedes bunten netzen
feszle.
Freiligrath (1870) 1, 136.
5)
ein netzähnliches gestrick oder geflecht.
a)
zum schutz gegen insecten, fliegennetz, mückennetz: mhd.
daʒ netze was vil veste,
gemachet wol ze der wîs,
daʒ mîn vrouwe Iblîs
drunder ligen solde,
swenne si ruowen wolde.
Lanzelet 8514.
b)
ein netzartiger putz eines gewandes: mhd.
von golde und von gesteine was eʒ (gewand) überhangen
mit einem netze rîche.
Gudrun 1683, 4;
durch daʒ rîlîche netze breit,
daʒ löcherehte dûhte,
des phellers varwe lûhte.
Konrad troj. krieg 23560;
daʒ die vasen (die fransen der pferdedecke) solden sîn,
daʒ was ein netze guldîn.
Erec² 7715;
nhd. leichter als das nez der fliegenden bajouten (dominokrägen).
Schiller 1, 234.
c)
wie haarnetz zum zusammenhalten der haare oder als haarputz (mit perlen in den maschen): mhd.
ein netz von berlîn was ir (der zöpfe) dach,
dar durch man si doch plecken sach.
Lichtenstein 172, 15;
von rîchen perlen was
gezieret manec netze,
der schîn vil hârs beslôʒ.
U. v. Türl. Willeh. 152ᵇ;
nhd. durch ihre locken ist ein goldnes netz gestrickt.
Schiller 6, 391;
er streifte meine gepuderten haare unter ein buntes netz. Göthe 24, 86.
d)
netz, ein gestrickter sack, saccus reticulatus Frisch 2, 17ᵃ; obst, gemüse u. dgl. vom markte im netze nach hause tragen; das netz an einer wagendecke zur aufnahme von kleinem reisegepäck: man habe sie (die hüte) nun auf dem kopfe, auf dem schoosze oder oben im netze (des postwagens). Börne 2, 95.
e)
ein rankengeflecht: sich (sieh), wie das kriechend epheu ein grünes nez anmuhtig um den felsen herwebt. Geszner 3, 5;
auch blüht ein gärtchen dort, und eine kleine hütte,
vom grünen netz umrankt, erhebt sich in der mitte.
Schulze Cäcilie 10, 11.
II.
das gewebe der spinnen (der netzspinnen), womit sie fliegen u. dgl. fangen: (die schlafende spinne kehrt) ir antlütz gegen dem netz. Megenberg 295, 22 (vergl. netzlein); welcher jäger hat sie (die spinne) gelehret, wie sie ihr netz ausspannen solle? Simplic. 1, 246, 14 ff.;
da ich (spinne) aufspannen will ein netz
vor einem laden.
Erlach volksl. 2, 96;
wer zeiget ihr (der spinne) der symmetrie gesetze,
nach welchen sie ihr nütz- und zierlich netze
zu ihrer wohn- und nahrung webt?
Brockes 4, 248;
eine wohlbeleibte spinne,
die in dem bethauten netz unterm scheuerbalken nickte.
Götz 2, 76;
eine spinne,
die ihr zerrisznes netz vergiszt,
ein neues webt.
Gökingk 1, 182;
stelle dir (der eintagsfliege) kein netz die spinne!
Rückert 4, 62.
Oft wird das weben und ausspannen des netzes, sowie das sitzen, lauern, fangen und gefangenwerden in demselben vergleichungsweise und bildlich verwendet (vergl. I, 3).
1)
vergleichungsweise: die seele spannt gleichsam alle ihre netze nach allen gegenden aus, um des fanges ... desto sicherer zu sein. Engel 7, 208; ich will mich hier wie die spinne zusammenknäueln, dasz ich aussehe wie ein häuflein argloser staub; und wenn sie im netz sitzt, diese Kunigunde, über sie herfahren. H. v. Kleist Käthch. v. H. 3, 2; wurde nun aber diese (hübsche weberin) durch die neidische Minerva in eine spinne verwandelt, so war es gefährlich, eine schöne frau mit einer spinne, wenn auch nur von ferne verglichen, im mittelpunkte eines ausgebreiteten netzes schweben zu sehen. Göthe 22, 81; Pedrillo wuszte so wenig damit (über eine sache nachzusinnen) umzugehen, dasz er sich endlich in seinen eigenen gedanken wie in einem netze gefangen sah, worin er sich immer desto mehr verwickelte, je mehr er sich bemühte los zu kommen. Wieland 11, 294.
2)
übertragen und bildlich (besonders vom liebesnetze, vergl. I, 3, a. b, ε):
zu gut für eine welt, wo ..
auf jedem tritt die falschheit netze webt.
Gotter 1, 434;
um deine jungen blicke schwebt
ein lächeln, welches bald
dem stutzer goldne netze webt.
Hölty 124 Halm;
wo sich die schöne unschuld zeigen kann,
hab ich das netz der späher ausgebreitet.
Schiller 14, 57 (braut von Messina 2, 2);
sieh! da knüpfen jene losen ...
andre netze, fein und feiner,
dämmrungsfäden, mondenblicke,
nachtviolenduft verwebend.
Göthe 2, 109;
die schwachen werden regieren mit list und der tapfre wird in die netze fallen womit die feigheit die pfade verwebt. 42, 231; auch darf ich dir nicht vorhalten, dasz mir vor dem feinen netz ein wenig bange ist, womit die weise Aspasia dich zu umspinnen sucht. Wieland 33, 190;
dasz uns ein netz umgiebt, von diesem bösewicht
mit höllenlist so fein gesponnen.
Alxinger Doolin 2, 19;
das netz der lüge
.. spinnt um deines auges
ewige klarheit ihre falschen schleier.
Platen (1847) 4, 283.
III.
ein netzartiges, wie ein netz ausgebreitetes oder umschlieszendes gebilde.
1)
anatomisch.
a)
die netzhaut um die eingeweide, omentum, epiploon, altfries. nette, nitte: mhd.
die lebere sneit er sunder abe,
netz unde lumbele schiet er dan.
Trist. 2941;
nhd. das schmalz macht man usz den netzen, die inwendig seind im leib. Keisersberg has im pfeffer d 4ᵃ; das netze uber der lebber. 3 Mos. 9, 19, umb die leber. 3, 4; nimm ein stück netz von einem schaf, röste es in das öl, legs warm auf den bauch. Tabernaem. 1251; netze an den thieren, omentum; netze oder gehenck umb die eingeweid, praeordia; netz oder heutlin, das mitten in dem thier ist, als ein wand, scheidet das hertz und lungen von der leber und miltz, diaphragma, transversum, septum Dasyp. (1556) K 7ᵃ. Maaler 305ᵃ f.; fettes netz um den magen, abomasum Aler 1463ᵇ; netze, das dünne häutlein, mit welchem das gedärmwerk umschlossen. Heppe 278ᵇ; das netz (der leiche) schien wie brandig, doch hatte es den faulen geruch nicht. Schiller 1, 53.
b)
die netzhaut im auge: netz, häutlein im aug, tunica, retina Aler 1463ᵇ;
offen liegen ihm (dem manne) die schätze
der vernunft, der phantasie,
nur das bild auf seinem netze,
nur das nahe kennt er nie.
Schiller 11, 33.
2)
in der geometrie eine gezeichnete, die oberfläche eines geometrischen körpers darstellende figur, die, um den körper gelegt, denselben genau umschlieszt. mathem. lex. 1, 932.
3)
netz- oder gitterförmig gezogene hilfslinien bei einer zeichnung, besonders bei einer perspectivzeichnung oder bei copierung in anderem maszstab. mathem. lex. 1, 932; das gradnetz einer landkarte; ein eisenbahn-, kanalnetz u. dgl.
IV.
ein webernest, s. nest 3, d, aus dem es entstellt ist. Jacobsson 3, 137ᵇ.
V.
ein netze oder garnstern, stella reticulata, sive cancellata (ist mit strichen durchzogen als ein garn, oder netze). Forer Gesners fischbuch 153ᵃ.
VI.
der gelbe gitterfalter, papilio levana Oken 5, 1424; das güldene netz, eine mit gelben strichen netzförmig gezeichnete tutenschnecke, conus textile Nemnich 1, 1198.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 635, Z. 13.

netze, netz, f.

netze, netz, f.,
einem ahd. nazi, mhd. nezze (statt naʒî, neʒʒe, s. nässe sp. 420) entsprechend.
1)
die nässe: es ist ein schlimm jahr, wenn wir viel netz haben; die netz vom wasser. Vilmar kurh. id. 283 (vom j. 1552); so ist kein nätze oder nasse sach zu gebrauchen. Minderer medic. milit. (1620) 102 bei Schm.
2)
kurhess. nasse stelle im felde, pfuhl. Vilmar a. a. o.
3)
der urin: etliche trunken ir eigen netze. düring. chron. 125; netz, bruntze, urina Rädlein 672ᵇ; die kalte netze (der kalte pisz). Colerus hausb. 18; dasz er mit frawen netz, doch die nicht mehr als einen mann bekennet, die augen waschen solte. wiszbad. wiesenbrünnlein 148 (Dief.-Wülcker 780).
4)
das wasser oder der speichel, womit die spinnerinnen den faden netzen (Campe, aus Schlesien), daher schwäb. die netze auch für spinnstube. Birlinger volksth. 2, 431, 389.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 640, Z. 30.

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Zitationshilfe
„nätz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%A4tz>, abgerufen am 20.09.2021.

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