Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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nöthig, nötig, adj.

nöthig, nötig, adj.,
ahd. nôtag, nôteg, mhd. nôtec, nôtic, dann auch mit (unechtem) umlaute nœtic, nœtec; die alte unumgelautete form hat sich noch mundartlich erhalten.
1)
in noth, in die enge gebracht, bedrängt, bezwungen: ahd.
then furiston thera worolti   nôtagan giholôti (dasz er
den fürsten dieser welt bezwungen wegführte).
Otfrid 4, 12, 63;
nothgedrungen, erzwungen: mein nottigs und von ihnen erzwungenes nidderschreiben. Luther br. 2, 338. der begriff der enge und klemme liegt auch noch im cimbr. noateg, genau, accuratamente Schm. 150ᵇ (vergl. noth B, II, 2).
2)
in noth oder bedrängnis befindlich, noth habend und leidend, bedrängt, bedürftig, arm (pauper Dief. 418ᵃ, egenus, indigus Maaler 308ᵃ): ahd. sô ih nôteg wirdo, so sterchest du mih. Notker ps. 137, 3; mhd.
dô trôste er nôtige diet,
die sînes guotes ruochten.
Erec 9981;
sô wolte ich nôtic man verdienen rîchen solt.
Walther 125, 5;
iuch sol erbarmen nôtec her (das bedrängte volk).
Parz. 170, 25;
nhd. (die mönche wollen) tuon als weltliche herren,
... das ir verzerren,
das das closter notig wirt.
teufels netz 4656;
er hat golds und silbers vil ..
so seit ir ain notiger herr.
fastn. sp. 600, 11, vgl. 651, 3;
da ward der frowen gar leid, das sy dem arzt als vil solt geben, wann sy was notig. der heiligen leben (1472) 23ᵃ; ein notiger christen 195ᵇ; wo der stiffter erben verarmet und noͤtig weren, das denselben solch stifftung wider heimfalle je ein gros teil. Luther 2, 260ᵇ; so vil arme noͤtige leut. Frank weltb. 47ᵃ;
wer gern zert und noͤttig ist,
der findet manchen schwinden list.
Renner (1549) 28;
die gassen eng, stinkend und kotig,
das volk mager, hungrig und notig.
H. Sachs 4, 3, 87ᵈ;
dan die wellt ganz und gar arm und notig war. Hug Villinger chron. 205 Roder; das verdrosz graf Ruͦdolfen, dann er was nötig, und was im der bischoff noch etwas schuldig. Tschudi 1, 174; er wuszt auch wol, dasz der abt und convent aber als nötig warend und so vast in schulden stecktind als vor. 1, 203; einen nothig machen, das ist arm und dürftig. Frisch 2, 21ᶜ. — die oberd. mundarten haben das wort mit dieser bedeutung noch aufzuweisen: bair. noudi, noadi, voll noth, armselig (mit verächtlichem nebenbegriffe). Schm.² 1, 1773; kärnt.-tirol. noatik, leidend, kränkelnd Lexer 199. Schöpf 473, mager, hager, besonders vom vieh. Hintner 175; deutsch-ungar. notig, nothleidend Schröer 84ᵇ; schwäb. nöthig, näuthig, arm, hilfsbedürftig. Schmid 408; basl. er isch e nötige ma (nothleidender, pecuniär bedrängter mann). Seiler 223ᵇ; nöthig an, mangel habend an: je nöthiger er an geld ist. Gotthelf erz. 3, 182.
3)
activ, zwang anthuend, drängend, bedrängend: mhd.
swen teglich sorge und nôtig bürgen
âne hilfe .. beginnent würgen.
Renner 22768;
schles. nôtig, drängend, geizig. Weinhold 65ᵇ.
4)
dringlich, eilig, keinen aufschub erleidend, pressant:
der wolt ein nötig bottschafft hon
gen Prag zu keiser Karlen thon.
M. Beheim, Wackernagels leseb. 1005, 15;
darnach und die pauren nottig arbeit auf dem felde haben. Tucher baumeisterb. 92, 26; wir müssen dem nötigsten nachkommen und den unsern allerliebsten Theagenem suchen. buch d. l. 205ᵃ; noͤtige geschäfft, necessitates Maaler 308ᵃ; ein nöthiges geschäfte, negotium urgens Steinbach 2, 142; ich habe einen nöthigen gang, necessitas urget discedere. ebenda, wofür jetzt nothwendig gebraucht wird; schwäb. nöthig, näuthig, voll unruhiger geschäftigkeit. Schmid 408 (vergl. noth A, I, 7, d); elsäsz. nötige tritt, eilige schritte. Frommann 3, 527, 7.
5)
sodann allgemeiner, necessarius und opus.
a)
persönlich: ich bin nöthig eines dinges, ich bin desselben benöthigt, bedürftig: sage mir, welcher were hie der barmherzigkeit am .. nötigsten? ich oder der dieb und mörder? Luther 3, 144ᵇ; weilen er yz (es, genetiv) gor nothig, soll ihms ervolgt werden. Lexer kärnt. wb. 199 (vom j. 1645).
b)
mit der jetzt noch üblichen bedeutung dringend erforderlich, unentbehrlich, unerläszlich, wofür aber auch in denselben fällen nothwendig stehen kann: ein nöttiges und nützes ding. Luther an die radherrn D 1ᵇ; nu ist kein nötiger ding, denn leute ziehen, die nach uns kommen und regieren sollen. briefe 3, 136; nöttige gebot. 3, 6; ein gewisse nöttige regel. Schwarzenberg Cicero de offic. 46ᵇ; nötige unkosten, sumtus necessarii Stieler 1338; nötige vermahnung, admonitio salutaris 1339; reichthum ist das erste und nöthigste bei einer sprache. Leibnitz 1, 469; die allgemeinen und nöthigsten höflichkeiten. Rabener (1755) 2, 126; mit der hier nöthigen kürze. Schiller 8, 414; die nöthigsten ausgaben. Göthe 17, 44;
dem castellan befiehl das nöthigste.
9, 226 (Tasso 5, 1);
nöthige kleider, nöthiges geld, das nöthigste zum leben, etwas für nöthig halten u. s. w.; für nöthig finden. Schiller 3, 132. 5, 2, 359; alle die vielen leute, welche Christen nöthig glaubte. Gotthelf geld u. geist (1859) 13.
entbehrung alles nöthig-, lang gewohnten.
Göthe 9, 339 (10, 75 H.).
nöthig zu: zu wohlfahrt des reichs .. nöthige dinge. Leibnitz 1, 197. — besonders prädicativ in verbindung mit sein und haben in der schriftsprache seit dem 17. jahrh. statt noth sein, noth haben (noth C, I. II) oder von nöthen sein, von nöthen haben (B, II, 6).
α)
nöthig sein: gottes gebot ist allein nötig, das ander ist frei. Luther br. 5, 236; er wolte, so es nötig gewesen, ein creutz durch das römisch reich darmit (mit dem heere) sein gezogen. Kirchhof wendunm. 3, 75 (4, 76) Öst.; es ist also nöthig, opus est Hederich 1709; die rede war nöthig, necessaria erat oratio Steinbach 2, 142; dabei verlangte ich .. geld, so viel nöthig wäre. Göthe 35, 28;
denn alles ist nöthig und nützlich.
40, 239;
noch eine vorsicht scheint mir nöthig (zu sein).
Schiller 5, 2, 359;
ein verständiger rath ist oft weit nöthiger als ein reiches almosen. Gotthelf Uli der pächter (1859) 203; nöthig sein zu (dativ, infinitiv oder nachsatz): welches doch .. zu ausrottung der ketzereien nötig ist. Fischart bienenk. 16ᵃ; worzu ist das nötig? Stieler 1339; es ist eine stärkere besatzung zu diesem lande nöthig. Hederich 1708; was zum leben nöthig ist. Steinbach 2, 142; wenns ja nöthig scheinen möchte (mehr zu erklären). Leibnitz 2, 118; wenn es nöthig ist zu reden, zu schweigen, dasz man schweigt u. s. w.; es ist nicht immer nöthig, dasz das wahre sich verkörpere. Göthe 22, 221; mit dativ der person: du wirst sagen, dasz mir geld nöthig sei. Steinbach; soviel (freiheit) dem knecht zu seiner glückseligkeit nöthig ist. Leibnitz 1, 415; wie nöthig ihm die rechtskunde sei, ward er zeitig gewahr. Göthe 17, 23; sehr nöthig zur nahrung musz der zahn den thieren (narwalen) nicht sein, weil er den weibchen fehlt. Oken 7, 1066.
β)
nöthig haben (franz. avoir besoin) mit genetiv oder accusativ (s. noth, B. C, II und theil 4², 64), wobei das unflectierte nöthig wie andere flexionslose prädicative adjectiva adverbialen charakter gewinnt: hastu unsers herrn gottes nöthig, so suche ihn. pers. baumg. 9, 16; sonst habe ich deiner nicht nöthig. Lokmans fab. 14; ich habe gelt nötig, opus est mihi argento Stieler 1339; die bewegung hat einer immerwährenden ersetzung von drauszen nöthig. Kant 8, 175;
nun habt ihr keines vormunds nöthig.
Lessing 1, 25;
dasz du keiner weitern auslegung mehr nöthig haben kannst. Wieland 32, 469; er hatte meiner nöthig. Klinger 1, 409; gut, du sollsts nöthig haben. Schiller 2, 138; mein stil hat dieser reinigung sehr nöthig. an Körner 1, 388; basl. 's hat's nötig, es ist nothwendig, dasz. Seiler 224ᵃ (sonst halten die oberd. mundarten an noth haben, vonnöthen haben fest); nöthig haben zu (dativ, infinitiv oder nachsatz): ich habe geld zur reise nöthig, ich habe nicht nöthig zu gehorchen, dasz ich gehorche etc. die dinge, darzu wir deiner nöthig haben. Schuppius 36; zu dessen vorstellung die vernunft ganz anderer begriffe nöthig hat. Kant 3, 250; ich hatte aller meiner herzhaftigkeit nöthig, um mich von der wahrheit zu überzeugen. Wieland 30, 355; ich hatte keiner verstellung nöthig, um ihr zu zeigen, dasz. 34, 245; menge von liebe, die sie nöthig hätte um die seinige zu erwidern. 34, 214; dasz sie (die mächtigen) zu ihrem leben .. der philosophie und dichtkunst gar nicht nöthig haben. Klinger 12, 245; wir haben nie nöthiger gehabt, uns genauer zu kennen. Göthe 20, 195; was hat ein christ da nöthig, dasz. J. Paul Hesp. 1, 154; es nöthig haben, etwas sehr nothwendig brauchen: allein er hätte es nicht nöthig gehabt, so peinlich auf diesen augenblick zu denken. Hippel 8, 102; wenn ein gerechter gott im himmel sei, so möchten sie es (das kirchengehn) wirklich nöthig haben. Gotthelf Uli der pächter (1859) 201; oft ironisch: er hat es so nöthig wie der lahme die krücken u. a. bei Wander 3, 1062 f. vergl. nöthig brauchen im folgenden 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 940, Z. 36.

nöthig, adv.

nöthig, adv.
1)
dürftig, ärmlich, knauserig: es wäre vielleicht besser, wenn wir nicht gar so nöthig thäten. Wieland 11, 249 (vergl. nöthig, adj. 2 und 3).
2)
eilends, dringlich: er liesz all sein gewerb ston und lief noͤtig zuͦm husz. Murner Eulensp. 64 (vergl. nöthig, adj. 4).
3)
nothgedrungen, nothwendiger weise: mein vatter war nötig hinweg auff ein dorff gangen. buch der liebe 181ᵈ.
4)
nöthig brauchen, im sinne von nöthig haben (5, b, β):
zum glück für mich, und für den blessen (reitpferd),
brauchst du ihn nöthiger als ich.
Gökingk 1, 207;
zum glück brauche ich seinen beistand so gar nöthig nicht. Schiller 14, 133.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 942, Z. 38.

nöthiglich, adv.

nöthiglich, adv.
necessario, coacte Stieler 1339. Erberg 546ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 944, Z. 18.

nöthig, nötig, adj.

nöthig, nötig, adj.,
ahd. nôtag, nôteg, mhd. nôtec, nôtic, dann auch mit (unechtem) umlaute nœtic, nœtec; die alte unumgelautete form hat sich noch mundartlich erhalten.
1)
in noth, in die enge gebracht, bedrängt, bezwungen: ahd.
then furiston thera worolti   nôtagan giholôti (dasz er
den fürsten dieser welt bezwungen wegführte).
Otfrid 4, 12, 63;
nothgedrungen, erzwungen: mein nottigs und von ihnen erzwungenes nidderschreiben. Luther br. 2, 338. der begriff der enge und klemme liegt auch noch im cimbr. noateg, genau, accuratamente Schm. 150ᵇ (vergl. noth B, II, 2).
2)
in noth oder bedrängnis befindlich, noth habend und leidend, bedrängt, bedürftig, arm (pauper Dief. 418ᵃ, egenus, indigus Maaler 308ᵃ): ahd. sô ih nôteg wirdo, so sterchest du mih. Notker ps. 137, 3; mhd.
dô trôste er nôtige diet,
die sînes guotes ruochten.
Erec 9981;
sô wolte ich nôtic man verdienen rîchen solt.
Walther 125, 5;
iuch sol erbarmen nôtec her (das bedrängte volk).
Parz. 170, 25;
nhd. (die mönche wollen) tuon als weltliche herren,
... das ir verzerren,
das das closter notig wirt.
teufels netz 4656;
er hat golds und silbers vil ..
so seit ir ain notiger herr.
fastn. sp. 600, 11, vgl. 651, 3;
da ward der frowen gar leid, das sy dem arzt als vil solt geben, wann sy was notig. der heiligen leben (1472) 23ᵃ; ein notiger christen 195ᵇ; wo der stiffter erben verarmet und noͤtig weren, das denselben solch stifftung wider heimfalle je ein gros teil. Luther 2, 260ᵇ; so vil arme noͤtige leut. Frank weltb. 47ᵃ;
wer gern zert und noͤttig ist,
der findet manchen schwinden list.
Renner (1549) 28;
die gassen eng, stinkend und kotig,
das volk mager, hungrig und notig.
H. Sachs 4, 3, 87ᵈ;
dan die wellt ganz und gar arm und notig war. Hug Villinger chron. 205 Roder; das verdrosz graf Ruͦdolfen, dann er was nötig, und was im der bischoff noch etwas schuldig. Tschudi 1, 174; er wuszt auch wol, dasz der abt und convent aber als nötig warend und so vast in schulden stecktind als vor. 1, 203; einen nothig machen, das ist arm und dürftig. Frisch 2, 21ᶜ. — die oberd. mundarten haben das wort mit dieser bedeutung noch aufzuweisen: bair. noudi, noadi, voll noth, armselig (mit verächtlichem nebenbegriffe). Schm.² 1, 1773; kärnt.-tirol. noatik, leidend, kränkelnd Lexer 199. Schöpf 473, mager, hager, besonders vom vieh. Hintner 175; deutsch-ungar. notig, nothleidend Schröer 84ᵇ; schwäb. nöthig, näuthig, arm, hilfsbedürftig. Schmid 408; basl. er isch e nötige ma (nothleidender, pecuniär bedrängter mann). Seiler 223ᵇ; nöthig an, mangel habend an: je nöthiger er an geld ist. Gotthelf erz. 3, 182.
3)
activ, zwang anthuend, drängend, bedrängend: mhd.
swen teglich sorge und nôtig bürgen
âne hilfe .. beginnent würgen.
Renner 22768;
schles. nôtig, drängend, geizig. Weinhold 65ᵇ.
4)
dringlich, eilig, keinen aufschub erleidend, pressant:
der wolt ein nötig bottschafft hon
gen Prag zu keiser Karlen thon.
M. Beheim, Wackernagels leseb. 1005, 15;
darnach und die pauren nottig arbeit auf dem felde haben. Tucher baumeisterb. 92, 26; wir müssen dem nötigsten nachkommen und den unsern allerliebsten Theagenem suchen. buch d. l. 205ᵃ; noͤtige geschäfft, necessitates Maaler 308ᵃ; ein nöthiges geschäfte, negotium urgens Steinbach 2, 142; ich habe einen nöthigen gang, necessitas urget discedere. ebenda, wofür jetzt nothwendig gebraucht wird; schwäb. nöthig, näuthig, voll unruhiger geschäftigkeit. Schmid 408 (vergl. noth A, I, 7, d); elsäsz. nötige tritt, eilige schritte. Frommann 3, 527, 7.
5)
sodann allgemeiner, necessarius und opus.
a)
persönlich: ich bin nöthig eines dinges, ich bin desselben benöthigt, bedürftig: sage mir, welcher were hie der barmherzigkeit am .. nötigsten? ich oder der dieb und mörder? Luther 3, 144ᵇ; weilen er yz (es, genetiv) gor nothig, soll ihms ervolgt werden. Lexer kärnt. wb. 199 (vom j. 1645).
b)
mit der jetzt noch üblichen bedeutung dringend erforderlich, unentbehrlich, unerläszlich, wofür aber auch in denselben fällen nothwendig stehen kann: ein nöttiges und nützes ding. Luther an die radherrn D 1ᵇ; nu ist kein nötiger ding, denn leute ziehen, die nach uns kommen und regieren sollen. briefe 3, 136; nöttige gebot. 3, 6; ein gewisse nöttige regel. Schwarzenberg Cicero de offic. 46ᵇ; nötige unkosten, sumtus necessarii Stieler 1338; nötige vermahnung, admonitio salutaris 1339; reichthum ist das erste und nöthigste bei einer sprache. Leibnitz 1, 469; die allgemeinen und nöthigsten höflichkeiten. Rabener (1755) 2, 126; mit der hier nöthigen kürze. Schiller 8, 414; die nöthigsten ausgaben. Göthe 17, 44;
dem castellan befiehl das nöthigste.
9, 226 (Tasso 5, 1);
nöthige kleider, nöthiges geld, das nöthigste zum leben, etwas für nöthig halten u. s. w.; für nöthig finden. Schiller 3, 132. 5, 2, 359; alle die vielen leute, welche Christen nöthig glaubte. Gotthelf geld u. geist (1859) 13.
entbehrung alles nöthig-, lang gewohnten.
Göthe 9, 339 (10, 75 H.).
nöthig zu: zu wohlfahrt des reichs .. nöthige dinge. Leibnitz 1, 197. — besonders prädicativ in verbindung mit sein und haben in der schriftsprache seit dem 17. jahrh. statt noth sein, noth haben (noth C, I. II) oder von nöthen sein, von nöthen haben (B, II, 6).
α)
nöthig sein: gottes gebot ist allein nötig, das ander ist frei. Luther br. 5, 236; er wolte, so es nötig gewesen, ein creutz durch das römisch reich darmit (mit dem heere) sein gezogen. Kirchhof wendunm. 3, 75 (4, 76) Öst.; es ist also nöthig, opus est Hederich 1709; die rede war nöthig, necessaria erat oratio Steinbach 2, 142; dabei verlangte ich .. geld, so viel nöthig wäre. Göthe 35, 28;
denn alles ist nöthig und nützlich.
40, 239;
noch eine vorsicht scheint mir nöthig (zu sein).
Schiller 5, 2, 359;
ein verständiger rath ist oft weit nöthiger als ein reiches almosen. Gotthelf Uli der pächter (1859) 203; nöthig sein zu (dativ, infinitiv oder nachsatz): welches doch .. zu ausrottung der ketzereien nötig ist. Fischart bienenk. 16ᵃ; worzu ist das nötig? Stieler 1339; es ist eine stärkere besatzung zu diesem lande nöthig. Hederich 1708; was zum leben nöthig ist. Steinbach 2, 142; wenns ja nöthig scheinen möchte (mehr zu erklären). Leibnitz 2, 118; wenn es nöthig ist zu reden, zu schweigen, dasz man schweigt u. s. w.; es ist nicht immer nöthig, dasz das wahre sich verkörpere. Göthe 22, 221; mit dativ der person: du wirst sagen, dasz mir geld nöthig sei. Steinbach; soviel (freiheit) dem knecht zu seiner glückseligkeit nöthig ist. Leibnitz 1, 415; wie nöthig ihm die rechtskunde sei, ward er zeitig gewahr. Göthe 17, 23; sehr nöthig zur nahrung musz der zahn den thieren (narwalen) nicht sein, weil er den weibchen fehlt. Oken 7, 1066.
β)
nöthig haben (franz. avoir besoin) mit genetiv oder accusativ (s. noth, B. C, II und theil 4², 64), wobei das unflectierte nöthig wie andere flexionslose prädicative adjectiva adverbialen charakter gewinnt: hastu unsers herrn gottes nöthig, so suche ihn. pers. baumg. 9, 16; sonst habe ich deiner nicht nöthig. Lokmans fab. 14; ich habe gelt nötig, opus est mihi argento Stieler 1339; die bewegung hat einer immerwährenden ersetzung von drauszen nöthig. Kant 8, 175;
nun habt ihr keines vormunds nöthig.
Lessing 1, 25;
dasz du keiner weitern auslegung mehr nöthig haben kannst. Wieland 32, 469; er hatte meiner nöthig. Klinger 1, 409; gut, du sollsts nöthig haben. Schiller 2, 138; mein stil hat dieser reinigung sehr nöthig. an Körner 1, 388; basl. 's hat's nötig, es ist nothwendig, dasz. Seiler 224ᵃ (sonst halten die oberd. mundarten an noth haben, vonnöthen haben fest); nöthig haben zu (dativ, infinitiv oder nachsatz): ich habe geld zur reise nöthig, ich habe nicht nöthig zu gehorchen, dasz ich gehorche etc. die dinge, darzu wir deiner nöthig haben. Schuppius 36; zu dessen vorstellung die vernunft ganz anderer begriffe nöthig hat. Kant 3, 250; ich hatte aller meiner herzhaftigkeit nöthig, um mich von der wahrheit zu überzeugen. Wieland 30, 355; ich hatte keiner verstellung nöthig, um ihr zu zeigen, dasz. 34, 245; menge von liebe, die sie nöthig hätte um die seinige zu erwidern. 34, 214; dasz sie (die mächtigen) zu ihrem leben .. der philosophie und dichtkunst gar nicht nöthig haben. Klinger 12, 245; wir haben nie nöthiger gehabt, uns genauer zu kennen. Göthe 20, 195; was hat ein christ da nöthig, dasz. J. Paul Hesp. 1, 154; es nöthig haben, etwas sehr nothwendig brauchen: allein er hätte es nicht nöthig gehabt, so peinlich auf diesen augenblick zu denken. Hippel 8, 102; wenn ein gerechter gott im himmel sei, so möchten sie es (das kirchengehn) wirklich nöthig haben. Gotthelf Uli der pächter (1859) 201; oft ironisch: er hat es so nöthig wie der lahme die krücken u. a. bei Wander 3, 1062 f. vergl. nöthig brauchen im folgenden 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 940, Z. 36.

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„nötig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%B6tig>, abgerufen am 20.09.2021.

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