Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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nicht

nicht,
das negative icht (th. 4², 2633 ff.). vergl. nichte, nichten, nichts, nichtsen, nichtsnicht.
Herkunft und formen.
1)
die ursprüngliche form des wortes ist zweifach, je nachdem wicht (wesen, ding) mit nie (ahd. nêo d. i. ni-êo, nicht je) oder mit einfachem ni, ne (en) zusammengesetzt ist; so ist auch ital. niente, franz. néant, prov. neien, nien aus lat. ens, entis (wesen, ding) mit vorgefügtem ne oder nec gebildet. Diez⁴ 223.
a)
ahd. nêowiht (ni-êo-wiht, nicht irgend ein ding, einem goth. ni aiv vaiht entsprechend) mit den nebenformen und verkürzungen nëowiht, nëowëht, niowiht, niuwiht, niawiht, niewiht, niewëht, niewet, nëoht, nieht, niet; altmhd. niuwëht, niewëht, newëht, niuwet, nuiwet, nieuht, niuht, neuht, niehet, nieht, niet; mhd. die gewöhnliche form niht, ohne guttural nit, geschwächt net; md. nûwit, nûwet, nûit, nût, nichit, nicht, niet, nît, nit; ndrh. neiht, neit (s. gramm. 3, 68. Lexer 2, 83. Weinh. mhd. gr. § 476); alts. nêowiht, niowiht; mnd. niuwet, niwet, niet, nicht, nd. niet; altfries. nâwet, naut, nat, neufries. naet; ags. nâwiht, nôwiht, nâwuht, nâuht, nâht, nôwuht, nôht; engl. nought nichts, not nicht.
b)
ahd. niwiht, nëwiht, niwëht (goth. nicht componiert ni vaiht n. und ni vaiht f., nicht ein din, nicht etwas); mhd. niwiht, niwëht (woraus auch die oben angeführten verkürzten formen nieht, niht, niet, nit entstehen können), durch umstellung von ni (ne): inwiht, enwiht, entwiht (s. entwicht th. 3, 657), entstellt einwiht (Lexer 2, 97. Weinh. mhd. gr. § 476).
2)
nhd. ist die schon mhd. gewöhnliche form niht in der md. schreibung nicht verblieben, doch gibt es ältere und mundartliche nebenformen (s. die beispiele bei A und B): allgemein ober- und mitteldeutsch nit (baier.-österr. nit oder geschwächt net, nöt. Schm.² 1, 1718. 1769. Lexer kärnt. wb. 147. Schöpf 467. Weinhold bair. gr. § 255; nit, net fränkisch, z. b. Rückerts ged. 3, 120 f.; westerw. nitt, nött Schmidt 125; nit, net, nöt auch in schwäb.-alem. gegenden neben nüt, besonders in der adverbialen bedeutung Weinh. alem. gr. § 322, nit, nid Tobler 338ᵃ, nitt Seiler 222ᵃ. 225ᵇ; kurh. nit, net Vilmar 281); oberpfälz. niet Schm.² 1, 1718; im obern Innthale nuicht, nuit Schöpf 467; die form neut nichts (aus neuwet, neuht) kommt ober- und mitteldeutsch vor; nüt, nütt (neben neut) und nasaliert nünt, nünd ist schwäb.-alem. (Weinh. § 322. Schmid 404. Stalder 2, 245. 247. Tobler 338ᵃ. 339ᵃ. Seiler 225ᵇ).
3)
über das nd. und hessische naut, nichts (aus nûwet, nût) ist schon th. 1, 1044 gehandelt worden; s. auch Weigand 1, 105 f. Vilmar 281.
4)
durch abfall des auslautenden t entsteht die form nich, nicht (Weinh. al. gr. § 177, bair. gr. § 143. Bocc. 119, 30. Logau 1, 10, 49. Gryphius lustsp. 260, 263, 290, 291 und oft neben nicht; Weinh. schles. wb. 64ᵇ. Albrecht Leipz. mundart 176ᵃ), besonders in nd., plattdeutschen mundarten, s. Richey 174. Danneil 146, daneben nig brem. wb. 3, 237ᵇ, blosz nig Dähnert 328ᵇ. Schütze 3, 2.
Bedeutung und gebrauch.
A.
nicht n., als pronominalsubstantiv, nicht irgend ein ding, nicht etwas, wofür nun der als nominativ aufgefaszte genetiv nichts (s. dasselbe) gebraucht wird; doch hat sich nebenbei bis ins 17. jahrh. und noch jetzt in ober- und mitteld. mundarten das alte nicht (nit, nüt, neut, naut) in seiner substantivischen bedeutung erhalten, die auch im dativ nichte (nichten) noch hervortritt (s. 4): nit, nihil Aventin. 1, 449, 16; neut, nihilum Dasyp. K 8ᵃ; baier.-österr. nicht Schm.² 1, 1718. cimbr. wb. 150ᵃ. Lexer kärnt. wb. 197. Schöpf 467; basl. nitt, nütt Seiler 225ᵇ; nasaliert nünt, nünd Stalder 2, 245. Tobler 339ᵃ.
1)
allein stehend als subject oder object.
a)
subject: mhd.
got was unmugelich niht.
Milstäter genesis 2, 33;
den gap man swaʒ si wolden, daʒ in niht gebrast.
Nib. 709, 3;
diu trügevreude ist ein niht.
Iwein 4413;
nhd. nicht: gegen welche ehre aller welt ehre ein lauter nicht ist. Luther 5, 216ᵇ; da wird nicht aus. br. 2, 249; das ihr ding alles nicht ist. Frank sprichw. 1, 146ᵃ; damit im aber nicht auff seiner heimfahrt begegnet. Wickram rollw. 14, 10 K.;
da wird sonst nicht aus.
Hayneccius H. Pfriem 305;
nit: so nit daran gelegen. Aventin. 4, 896, 19; und wird als dann (im sommer) nit hitziger sein als das fewr. Fischart groszm. 31 (nichts hitziger in der ersten bearbeitung s. 5 des neudruckes); nüt, neut:
und on mich ist gar nüt gemacht.
Brant narrensch. 22, 23;
nüt gitigers lebt uf aller erden.
N. Manuel vom papst 1710;
die weil es nüt dann (nichts als) falscheit ist.
Schade sat. u. pasqu. 1, 43, 180;
da wirt neut uszgericht.
3, 182, 18;
nützlichers kan neut sein
weder saltz und der sonnenschein.
Bock speiskammer 31;
nasaliert nünt: es läge nünt dauran, was si dätend. Baumann quellen 1, 499.
b)
object: mhd.
mîne schœne swester sult ir niht verdagen.
Nib. 503, 1;
daʒ ich von iu niht hân vernomen.
Iwein 5508;
der knappe erwarp dâ niht wan haʒ.
Parz. 204, 13;
nhd. nicht: der ist den amptlewten ... nicht schuldig. U. Stromer 29, 33; dasz sie nicht mochten erlangen. Meisterlin 166, 8;
davon ir juden haltet nicht.
fastn. sp. 1, 10, 10;
du solt eim andern stelen nicht,
auff niemand falsches zeugen icht.
Luther 8, 362ᵃ;
wie sawer er sich stelt,
thut er uns doch nicht.
364ᵇ;
ich kan im nicht thun. 4, 151ᵇ; ohn arbeit will er ihm nicht geben. briefe 2, 601; da aber die taube nicht fand, da ir fusz rugen kund. 1 Mos. 8, 9; das sie mit Socrate wissen und erkennen, das sie nicht wissen. Frank sprichw. 1, 146ᵃ; das man niendert nicht an ihm zum krieg dichtig findet. kriegbüchl. d. frides 71; so wirst du niendert nicht sehen. 75 (vergl. B, VI, 1):
ich kan dir nicht verhaͤlen,
die warheit muͦsz ich dir erzelen.
Fischart flöhh. 47 neudr.;
hat was es soll und weisz vom tode nicht.
Tscherning ged. frühl. 127;
von übelthaten weiszt du nicht.
P. Gerhard 15, 3;
vom trauern hältst du nicht.
32, 6;
wer nicht hat, soll auch überdisz,
was er noch hat verliehren.
Günther 33;
nit: daʒ si in zwain monaten wider den von Padaw nit tuͦn solten. städtechron. 4, 78, 8; und finde nit (nihil reperi). Steinhöwel Es. 210; der ist darum niemants nit schuldig. Carolina art. 139; der jung kaiser ... liesz sich nit merken. Aventin. 1047, 29; uberkum ich nit dan (nichts als) ir wapfen. Eulensp. 90;
gerad als het sonst niemand nüt.
Waldis Es. 1, 11, 4;
nüt, neut:
dan er ist uns ganz schuldig nüt.
Brant narrensch. 57, 30;
wenig habermel hand wir, zwei brot, sust nüt.
N. Manuel Barbali 2;
der nüt denn elend und jamer hat.
228;
sie fragtend nach den dingen nüt.
937;
ich thuͦ doch nemen nüt. Eulensp. 4; es kan vor disem pfifflen niemand nochdann nut hören. Zimm. chron. 3, 182, 34; ich wurde nüdt lärnen. Th. Platter 13; er lernet vil und thet selbst nüt. Schade sat. 3, 4, 5;
die weil die gschrift darvan nüt seit.
1, 41, 124;
meinen, es wisz nieman neut dan sie. Keisersb. narrensch. 83ᵃ;
aber sie werden schaffen neut.
Schade sat. 1, 24, 169 (vom j. 1521);
mit all deim kriegsvolk schaffstu neut,
du habst dann fromb geschickt hauptleut.
Fronsperger kriegsb. 1, 186ᵃ;
dan on sein hilff vermagst du neut.
Helber syllab. büchlein 38, 10 Roethe.
2)
mit einem abhängigen theilungsgenetiv ('wirkt das verbum den genetiv, so ist niht blosze negation, nhd. nicht, wirkt ihn das niht, so bedeutet es nihil, nhd. nichts' gramm. 4, 728); mhd.
im heten mîne hêrren solher leide niht getân.
Nib. 120, 4;
wir wânden daʒ vrou Kriemhilt guotes niht möhte hân.
1306, 3;
niht wildes mîde sînen schuʒ.
Walther 18, 26;
nhd. nicht: daʒ ihm seiner sach und fürnemen nicht wolt fürgên. städtechron. 2, 126, 7; er gab im der beut nicht. 262, 25;
man nimbt euch eures geltes nicht.
fastn. sp. 449, 33;
du solt mir sein nicht entgeen. Bocc. 513, 6; wo ir des nicht tun meint. 518, 3; das er seines geltes nit gehabt het. 538, 27; da er sein nicht erkennet. 597, 8; so man der anzeigung (indiciorum) ... nicht gehaben mag, so soll man erfarung haben. Carolina art. 25; ich kenne ewer nicht. Luc. 13, 25 (s. weitere beispiele th. 5, 539, 5, a); so solte ihres gebeines nicht davon kommen. Pierot 3, 55; die katze laszt ires mausens nicht. Agricola sprichw. nr. 131 überschrift;
was bringt er news?   besonders nicht.
Hayneccius H. Pfriem 631;
er habe nicht willens sich zu verehlichen. Widmann Fausts leben 114; hier ist meines bleibens nicht (s. th. 2, 95);
sie hatten die nacht vergebens gefischet,
hatten der speise nicht.
Klopstock Mess. 19, 311;
allein sie wollten nicht kommen!
wollten des liebenden nicht.
427;
nit: des tet si nit durch ires laides willen. städtechron. 4, 63, 2; und wenn der prütgom der prut nit junkfrow vindt, so lat ers sin muter wissen. Schiltberger reisen 143; dorften sie irer veint doch nit angreifen. Wilw. v. Schaumb. 22; das er der stat .. nit schedigen mochte. 36; dieweil der anklager gemelter bürgschaft nit gehaben mag. Carolina art. 14; dasz er der verdachten missethat nit gethan haben kundt. 47; jemandt ... der seiner sinn nit hett. 179 (aber in der überschrift: die ... ire sinn nit haben); er siecht ir (der götter) nit, wais nit, ob si sein oder nit. Aventin. 4, 360, 8; ich sich (sehe) ir nit. Schmelzl Samuel u. Saul 389; es were im übel gangen, seins gebeins nit davon kommen. Frank sprichw. 1, 41ᵃ;
der seel mag man mir hie nit nemen.
H. Sachs 1, 388, 15;
wöllst meiner tochter tödten nit.
5, 250ᵇ;
ich zürns nit, es ist gar umbsust.
N. Manuel Barbali 571;
nüt: man kund nüt so seltzems dings .. feil bringen. Eulenspiegel 25;
(die) nüt anders tuͦnt dann vil komplieren (hinbringen).
Murner narrenbeschw. 12, 68.
in den wenigsten der angegebenen beispiele ist die substantivische bedeutung noch fühlbar, sie erlischt ganz und geht in die adverbiale über, sobald aus dem theilungsgenetiv ein nun vom verb abhängiger accusativ oder nominativ geworden ist. s. B.
3)
wie nichts, vor einem comparativ mit desto: nüt dest lenger. teufels netz 12933; nicht desta weniger. Alberus wider Jörg Witzeln F 8ᵇ; nicht desto weniger was euch befohlen, zu thun, das thut. buch d. liebe 217ᶜ. 222ᵈ; nicht des weniger. Fischart bienenk. 71ᵇ; nicht des minder. Garg. 30ᵃ.
4)
der alte instrumental nihtiu oder dativ nichte hat sich in präpositionaler fügung noch als nichte (nicht) oder nichten erhalten.
a)
nichte.
α)
auf nichte, mhd. ûf nihtiu, ûf nihte, auf nichts: und haben auch mit namen in den aid genomen, daʒ wirs uf dhain ander sach noch uf nihtiu anders setzen wellen. städtechron. 4, 159, 6 (vom j. 1363); die lerneten sunst nichts, .. gaben sich auf nicht nit (var. auf nichte ohne nit). Aventin. 4, 291, 27; auff nicht, das dem glück underworffen, bochen. Agricola sprichw. 211ᵃ.
β)
aus nichte, mhd. ûʒ nihtiu, ûʒ nihte, aus nichts: darumb das er (der wille) ausz nüt gemacht ist. Keisersberg schif der penit. 36ᵃ; der halben hat gott alle ding aus nichte gemacht (ex nihilo cuncta fecit). Alpinus Vergil. 3ᵇ; der uns aus dreck und aus nichte gemacht hat. Luther 8, 51ᵇ; und (Christus) leuchtet nicht aus nichte, sondern er leuchtet und scheinet aus des vaters klarheit selbs. 6, 543ᵃ; bis ihm gott ausz dem staub und seinem nicht wieder ruͦfft. kriegb. des frides 140.
γ)
bei nihte, mhd. bî nihtiu, bî nihte, alem. bî niute, beniute, mit nichten, durchaus nicht:
wissend, das kain hailiger man
bi nüti trait gefärwts an.
teufels netz 13087;
und (soll) benicht nach eren streben.
meister Altschwert 5, 12.
δ)
in nichte, in nichts: die fraw .. furcht den man in nichte. A. v. Eybe 15ᵇ; suecht sein aignen nutz in nichte (var. nichten, nichts). Aventin. 4, 531, 26; sein gar in nichte (var. in nichten) abgewichen von der evangelischen ler. 895, 25.
ε)
mit nihte, mhd. mit nihtiu, mit nihte, mit nichts, durchaus nicht, keineswegs:
wan wir mit nihte mugen ertragen
den groszen gwalt furter von in.
fastn. sp. 18, 3;
aber das volck wegert sich zu gehorchen der stimme Samuel, und sprachen, mit nichte, sondern es sol ein könig uber uns sein. 1 Sam. 8, 19; du (Bethlehem) bist mit nichte (οὐδαμῶς, nequaquam) die kleinste unter den fürsten. Matth. 2, 6; ich rede aber hie mit nichte von den alten stifften. Luther 1, 308ᵃ; am feiertag ... zu spilen (soll) mit nichte gestattet werden. weisth. 6, 177 (vom j. 1588);
auff blosse wort mit nichte traw.
H. Sachs 2, 278, 32;
ir wert mit nichte darvon sterben.
1, 36, 4;
und disz ists eben, das mit nichte
euch all zu hefftig wimmern läszt.
Fleming 348 (256 L.);
ob die warheit finster wird, findet sich das licht mit nichte.
Logau 1, 6, 8;
laster sterben auch mit nichte.
3, 2, 74;
mit nicht:
darum er mit nicht wüt
gegen uns, als er vor het tan.
Teuerdank 16, 48;
vil frummer fal (dasz viele fromme wiederum gefallen sind) mit nicht vergisz,
und von dir selbst nichts guͦts vermisz.
Schwarzenberg 111ᵇ;
derhalben kan auch mit nicht
sich gott befehlen, wenn er ficht.
Ringwald laut. wahrh. (1597) 23;
dasz er sich meiner plagen
mit nicht erfreuen kann.
P. Gerhard 180 Göd.
ζ)
von nichte, mhd. von nihtiu, von nihte, von, aus nichts: das du himel und ertreich bekennest .. und merk, wie das von nichte geschaffen ist. der heiligen leben (1472) 115ᵃ; wann einer von nichte wirt erhaben. Renner (1549) 12.
η)
zu nichte, zu nicht, mhd. zuo nihtiu, ze nihte, zu nichts:
die farw ist ze nüti guot.
teufels netz 12930;
es ist zu nicht (εἰς οὐδέν, ad nihilum) hinfort nütze. Matth. 5, 13;
sie halfen mir zu nicht.
Wieland der neue Amadis (1794) 17, 27;
zu nichte werden, zu nichte gehen, vernichtet werden, zu grunde gehn, unwirksam werden, verderben: zu nichte (nicht) werden: das der alte mensche solde zu nicht werden. theol. deutsch 28; zuͦ neut werden, abolescere Dasyp. K 8ᵃ; die himel werden ... nicht vergehen und zu nichte werden, sondern vernewet. Luther 3, 20ᵇ; wie werden sie so plötzlich zu nichte. ps. 73, 19; ire herrligkeit ist zu nicht worden. 4 Mos. 21, 30; auf das nicht das creutz Christi zu nicht werde (κενωθῇ, evacuetur). 1 Cor. 1, 17; das mein meistern ist zu nichte worden. tischr. 27ᵃ; kein mensch kann gott sehen und leben, er musz allweg vor disem anblick und in ihm selbs vergehen, verschwinden und zu nichte werden. Frank de vanit. 123ᵃ; fürwar das armut itzund sehr wird unterdrückt, das manch arm mann mit weib und kind nun zu nichte werden. Waissel chron. 155ᵇ; das es (das ei) nicht auff die erden falle und also zu nicht werde. Kirchhof wendunm. 198ᵇ; o ihr höllischen geister zerreist mich doch alsbald, dasz ich gantz und gar zu nicht werde. Schuppius 323;
o wie plötzlich wird zu nichte,
was nicht ein starker arm erhält.
Drollinger 35;
und dasz man selbst zu nichte würde, wenn erhabene gegenstände uns nicht erhüben. Göthe 27, 137;
es wird mein schönstes glück zu nichte.
12, 35;
zu nichte, zunichte gehen (vergl. gehen II, 16, f): alsdann musz unsere bemühung sein, dasz wir entwerden und zunichte gehen. Bodmer Milton 42;
und wohlbedächtig warf sie in die flammen
das schöngeschriebne buch, es ging zunichte.
Göthe 5, 36;
sollte auch noch so viel wahn zu nichte gehen. Kant 2, 16; unsere erkenntnisse gingen unter dieser voraussetzung zu nichte. 17;
o weh! nun ists mit mir armen vorbei,
nun geh ich zu nichte.
W. Wackernagel zeitged. 23;
zu nichte machen, zu grunde richten, unwirksam machen, vernichten, zu schanden machen, verderben:
und setzt allain sein zuͦversicht,
das gott mach all sein feind zuͦ nicht.
Schwarzenberg 153ᵇ;
der die zeichen der warsager zu nichte machet. Jos. 44, 25; hindere und mache ihre bösen anschläge zu nicht. Schuppius 683; die weil wir ihm (dem feinde) den dritten theil so vil volks zu nichte gemacht. Simplic. 2, 115, 16 var.;
wer machte gottes zweck und unser glück zu nichte.
Haller ursprung des übels 3, 2;
doch ihr erbärmliches gesichte
.. macht reiz und lust zu nichte.
Lessing 1, 6;
diesz alles (die eroberung Trojas)
macht ich zu nichte, ich ein einziges leben?
Schiller 6, 223;
ihr habt vieles zu nichte gemacht! Göthe 8, 62; zu nichte richten:
das englisch angesichte,
das ihn zu liebesqual schier richtet gar zu nichte.
D. v. d. Werder Ariost 1, 81, 6.
b)
nichten, entstanden aus dem durch nachfolgendes niht verstärkten mhd. nihte (nihte niht; noch bei H. Sachs 12, 231, 29 nichte nicht), das schon mhd. zu (mit) nihten verkürzt wird (Lexer 2, 84); mit nichten z. b. ist also entstanden aus mit nichte nicht (mitnichtennicht, nequaquam. voc. 1482 v 6ᵃ, mit nichten nit Dief. 379ᵃ; mit nichte nit Teuerdank 14, 59; mit nichten nicht. Luther tischr. 7ᵇ; mit nichte nicht. Aventin. 4, 803, 29; mit nicht nit. 291, 27; mit nichten nit. Schmelzl verl. sohn 8ᵃ; mit nichten nicht. P. Gerhard 14, 4); und ebenso in nichten aus in nichte nicht u. s. w.; die bedeutung wie bei a.
α)
an nichten:
und das es gentzlich fehl an nichten.
H. Sachs 6, 141, 22.
β)
auf nichten: auch saczt Sixtus der bapst auff, das man auff ainem stain mesz solt han und sunst auff nichten. städtechron. 4, 289, 12 (daʒ man die messe solte singen uf eim steinin alter und nüt uf eime hulzinne. Closener 18, 4).
γ)
aus nichten: seid ihr ... aus nichten gemacht. Luther br. 3, 357;
ich lob dich schöpffer der natur,
und wunder mich der creatur,
die du ausz nichten hast gebilt.
Schwarzenberg 121ᵃ;
schau den menschen, der aus nichten
erd und himmel schaffen thät.
Spee trutzn. 182 Balke;
aus nichten wird nichts.
Herder lit. 11, 153.
δ)
bei nichten: und von da mag sy (die liebe) bei nichten gescheiden. Tauler (1508) 19ᵃ; und soll bei nichten nachlassen allso lang, bisz das er etwas besunder gnaden oder hilff erlanget. Keisersberg pred. (1510) 20ᵃ.
ε)
für nichten: die dise wort für nichten schätzen. Keisersb. granatapfel 6ᵃ; disz land hat an im selbs für nichten wein (durchaus keinen wein), ist aber ringsweisz mit wein umbzeunet, den man ihn an allen orten zuͦfuͤret. Frank weltb. 53ᵃ.
ζ)
in nichten Aventin. 4, 531, 26 und 895, 26 var.; es kundt kein ordnung hie sein in nichten. Widmann Regensb. chron. 123, 21; die sich in nichten furchten. A. v. Eybe 47ᵇ; in nichten verziehen. erklär. des landfriedens von 1521; die in nichten wie all andere sect eins seind. Frank weltb. 112ᵃ; wie nun got in nichten und doch in allen dingen ist. lob des torechten worts 161; die kein masz in nichten wissen. Agricola sprichw. 89ᵇ.
η)
mit nichten, auch mitnichten (schon mhd. mit nihten aus mit nihte niht). die volle form mit nichte (nichten) nicht s. oben b: wann er sich seines glücks mit nichten überhub. Schöfferlin Liv. 51ᵃ; das man mit nichten Hannibal basz aus Italien bringen mög, dann so er hört und merkt, das sein eigen vaterland in nöten ist. 172ᵇ; aber seine mutter antwortete und sprach, mit nichten (οὐχί, nequaquam, goth. nê), sondern er sol Johannes heiszen. Luc. 1, 60; mit nichten will ich meinen eidt fälschen. Aimon O 1; das geschicht mit nichten. Wickram rollw. 67ᵇ; doch mit nichten der meinung, einigen ruhm damit zu suchen. Götz v. Berl. 4; solches widersprach ich mit nichten. Kirchhof wendunm. 398ᵇ; unnütz geschrai .. sollen die belägerten gegen dem feindt mit nichten treiben. milit. disc. 35; hier wolten sich land und städte mit nichten eingeben (fügen). Schütz Preuszen 144; das mag mit nichten geschehen. buch d. liebe 225ᵈ;
dem man mit gar nichten wehren kan.
Greff Lazarus B 7;
so zürnten wir in mit nichten.
H. Sachs 1, 420, 31;
das ist zu leiden uns mit nichten.
6, 130, 26;
dasz ich die sachen, itzt berührt,
mit nichten hab hinaus geführt.
Ringwald tr. Eck. E 7ᵇ;
der lieblichkeit des frewdenreichen
worts mit nichten zu vergleichen.
Weckherlin 77;
der wird mit nichten stumm.
530;
diese musz man mir mit nichten
als ein alte magd berüchten.
Logau 1, 3, 49;
mein fasten ..
vermag so viel bei gott mit nichten.
1, 9, 53;
Marinelli. wenn sie mich sogar auffordern! Odoardo. o mit nichten, mit nichten. Lessing 2, 181 (Em. Galotti 5, 5);
mensch ist er mit nichten, ist thier!
Klopstock 7, 337;
denn vortrefflichkeit hat falkenauge und adlerflug, und ist mit nichten ein schmetterling. 12, 43; tempelraub ists zwar eben nicht, wenn einer den andern ausschreibt, weil so manche bücher mit nichten tempel sind. 82; ists aber mit nichten gemein, sondern mächtig und grosz irsal, was der mann hat aufbracht. 106;
ich tadele freilich mitnichten,
dasz man den toten beweine.
Voss Od. (1781) 4, 195;
ich verkündige dir ...,
dasz ich mitnichten gerne verweile.
377;
mitnichten gewährt ihm solches Kronion.
Il. 2, 419;
allein dein band aus freuden
behagt mit nichten mir.
Bürger (1778) 184;
denn die natur läszt sich mit nichten zwingen.
Herder ged. 1, 329;
edelknabe. ruhst du in meinen armen aus?
müllerin. mit nichten!
Göthe 1, 206;
Iphig. mein schicksal ist an deines fest gebunden.
Orest. mit nichten.
9, 51 (Iphig. 3, 1);
sie trat so scharf und so sicher zwischen die eier hinein .., dasz man jeden augenblick dachte, sie müsse eins zertreten .. mit nichten! sie berührte keines. 18, 182; wird das genie .. die wunden, die es sich geschlagen, selbst heilen? mit nichten, versetzte der andere. 191 (mitnichten 270);
Brigella. ein saubrer einfall! ...
Truffaldin. mit nichten, freund! das ist ein prächtiger exzellenter einfall!
Schiller 13, 367 (Turandot 2, 1);
mit nichten, mit nichten,
ich will den grusz selber ausrichten.
Kotzebue dram. sp. 2, 263;
Elise. wäre es ihnen nicht einerlei, wenn wir von etwas anderm sprächen? Blumenau. einerlei? mit nichten. 3, 210.
θ)
um nichten, um nichts, umsonst, vergebens: warumb wölt ir mich umbsunst und umb nichten so jämerlichen martern und tödten? Bocc. nr. 11 p. 18ᵃ; aber sy bittens auch umb nütten. Keisersberg pred. (1510) 13ᵈ.
ι)
von nichten: aber da ist seine gottliche mechtigkeit, mit deren er alle ding von nüten geschaffen hat. Keisersberg seelenp. 175ᵃ.
κ)
zu nichten, mhd. zuo nihten, ze nihten: der boshaftig ist gefüret zu nichten (ad nihilum deductus est) in seinem angesicht. bibel von 1483 266, ps. 14, 4; das die vigili und besingnisz zuͦ nichten nutz seien. Frank chron. 400ᵃ; zu nichten werden: demnach würd Rom zu nichten. Schöfferlin Liv. 36ᵃ; kumpt es darzu, das ain hebraisch wort verwechselt und sarmatisch, behemsch oder hungerisch oder gar zu nuten wird (de verbis hebraicis facta esse sarmatica imo nullius gentis). Reuchlin augensp. 16ᵇ; zu nichten fallen: denn wenn gott sein wesenliche gegenwärtigkeit davon anzüg (entzöge), so fielen alle ding widerumb zu nüten, als sie nut seind gewesen, ee das sie geschöpft wurdent. Keisersberg seelenpar. 4ᵇ; zu nichten machen: und hiegegen er zu nichten gemacht, als ein böszwicht, der er auch ist. Amadis 385 K.; Johannes der zehende macht alle handlungen Stephani zu nichten. Fischart bienenk. 214ᵃ; wer kan das was gemacht ist zu nichten machen? Schuppius 746;
der grösten siege glanz macht ein affect zu nichten.
Haller 78 var.
5)
über die bildliche verstärkung von nicht s. B, V.
B.
nicht als verneinungspartikel (besonders als verbalnegation), ist identisch mit dem pronominalsubstantiv nicht, das ahd. und mhd. zur verstärkung der übergeordneten negation ni, ne, en gebraucht wurde, wobei die substantivische natur desselben noch oft durch einen beigesetzten theilungsgenetiv sich zeigt (mhd. ich enweiʒ niht, ich enweiʒ es niht); aber schon seit dem 12. jahrh. beginnt die dem verb vorangehende einfache negation ne, en zu schwinden, so dasz nun die verneinung durch das nachfolgende, anfänglich nur verstärkende niht allein ausgedrückt wird (gramm. 3, 712. kl. schriften 1, 342), dessen ursprünglicher substantivischer charakter im nhd. allein schon dadurch eingebüszt wurde, dasz an die stelle des von niht abhängigen genetivs ein nominativ oder accusativ getreten d. h. der casus von niht auf das dazu gehörige substantiv übergegangen und dieses nun statt des niht in die abhängigkeit des verbs gekommen ist: aus mhd. des ensol niht geschehen, des enkan er niht wird zunächst durch ausfall des en: des sol niht geschehen, des kan er niht und nhd. das soll nicht geschehen, das kann er nicht. mit dem ende des 15. und im beginn des 16. jahrh. verlieren sich die letzten spuren der einfachen negation ne, en (th. 3, 445 f.) und nicht musz eine zeitlang für die begriffe non (ne) und nihil ausreichen, bis das bedürfnis in der schriftsprache den unterschied zwischen nicht und nichts festgesetzt hatte (gramm. 3, 67. 772). im folgenden kann der gebrauch des fast auf jeder seite mehrfach vorkommenden wortes nur der hauptsache nach mit einer auswahl von beispielen erörtert, aber unmöglich in erschöpfender weise behandelt werden; das würde die aufgabe einer eigenen umfassenden untersuchung und syntaktischen monographie sein. vgl. die auch für nicht wichtige abhandlung von Dittmar 'über die altd. negation ne in abhängigen sätzen' (im ergänzungsbande zur zeitschrift für deutsche philologie 183—318).
I.
einfaches oder durch ein adverb verstärktes nicht als verbalnegation, die in der regel (vergl. unten 4 und 5) im hauptsatze nach und im nebensatze vor dem zeitworte (oder hilfszeitworte) steht, von demselben aber durch einschub anderer satztheile auch getrennt sein kann.
1)
nicht sein, nicht werden, wobei die negation aber auch auf das subject oder prädicat bezogen werden kann, vergl. II, 1: mhd.
daʒ ist niht rehtiu minne.
Walther 22, 5;
und bistû niht ein zage.
Iwein 562;
her Îwein ist niht wîse.
2502;
nhd. es ist nicht gut, das der mensch allein sei. 1 Mos. 2, 18; in einem lande, das nicht sein ist. 15, 12; roṣz und meuler, die nicht verständig sind. ps. 32, 9;
auf erden werden wir nit satt.
Schwarzenberg 148ᵇ;
sprang er zu mir und war nit faul.
H. Sachs 1, 419, 6;
berauschte sind nicht stille.
Logau 2, 4, 46;
Bibulus ist gar nicht stolz.
1, 2, 3;
der morgen ist nicht weit.
S. Dach 277 Öst.;
werd ich im tode todt nicht sein.
183;
die doch seine mutter nicht ist.
Klopstock Mess. 4, 900;
wir wurden darüber nicht ungeduldig. Felsenburg 1, 285; ich bin nicht in abrede, dasz. Lessing 4, 103; das ist nicht gut. Göthe 18, 5; es ist nicht wahrscheinlich. 270; blasen ist nicht flöten. 49, 24;
er ist der freigeborne vogel nicht.
107;
das ist nicht undank, was die noth gebeut.
9, 74 (Tasso 4, 4);
ich bin nicht krank.   ich habe kraft zu stehn.
Schiller 12, 348 (Wallenst. tod 4, 9);
wir sind nicht ihre hunde.
12, 43 (Wallenst. lager 11).
2)
bei andern intransitiven oder absolut gebrauchten transitiven, z. b.: sie mainten nicht, das. Aventin. 4, 179, 15; si kummen in chor nit. 518, 29; wems nit gefelt. 519, 18; die bösen tage gefallen mir nicht. pred. Sal. 12, 1; sihe, der mond scheinet noch nicht. Hiob 25, 5; wer wol schlafft, sündiget nicht, derhalben laszt uns ... schlaffen, das wir nicht sündigen. Garg. 170ᵇ;
und käme an sin predig nit.
N. Manuel Barbali 962;
die finken, die im lentz nicht singen.
Logau 1, 7, 95;
gesetzt dasz auch die erde bricht,
so weicht doch dieser felsen nicht.
Günther 6;
die aufgelösten fahnen
o könig! flattern nicht.
Pietsch 103;
das in die ewigkeiten denket,
das stirbet nicht.
Drollinger 12;
der schöne frühling lacht ihm nicht.
Hölty 187 Halm;
er hat für mich nicht gebetet.
Klopstock Mess. 12, 564;
das hemd musz er haben, da rastet er nicht.
Göthe 1, 230;
o weh der lüge! sie befreiet nicht,
wie jedes andre wahrgesprochne wort.
9, 63 (Iphig. 4, 1);
dasz die achsen nicht knirren
und die räder nicht girren.
13, 14;
ich träume nicht, ich wähne nicht. 16, 181; ich schaudre nicht. 189;
sie (fackel) leuchtet nicht, sie kann nur zünden.
Schiller 11, 318;
wir geben nicht nach und marschiren nicht.
12, 48 (Wallenst. lager 11);
die sterne lügen nicht.
288 (Wallenst. tod 3, 9).
3)
bei transitiven oder reflexiven, z. b.:
so kenn ich erst euch juden nicht.
fastn. sp. 27, 35;
du verspottest mich nit. Steinhöwel Es. 125; das vermochten sie aber nicht. Wilw. v. Schaumb. 54; sie kenneten ihn nicht. Hiob 2, 12; das kan mein magt nit. Eulensp. 14; wers nit greift, enpfindt nichts. Aventin. 4, 519, 10; es haben die ersten christen breuch gehabt, die wir ietzo nit haben; so haben wir ietzo vil, die die alten nit gehabt haben. 896, 26; darfst haspeln neut das garn das ich dir spinne. Garg. 90ᵃ; ich gloub, ich hab mich huͤt nüt gesägnet. Th. Platter 17; gold, silber hab ich nicht. Eyering (1601) 1, 112;
man nimmet gut und gibt nicht gut.
Logau 1, 2, 11;
ein wucher bringet nicht gefärde,
den wirthe treiben mit der erde.
1, 4, 15;
ich frisz dich nicht. Simplic. 1, 58, 15; ich werde es mein tage nicht vergessen. Weise erzn. 171 neudruck; ob sie gleich dasselbe nicht nachthun, was andern angenehm ist. 194;
du erndtest was du nicht gesät.
Günther 32;
den auszflusz ewig-milder liebe
gewährst du den verkehrten nicht.
Drollinger 32;
und wer die tugend haszt, der kennt die tugend nicht.
Haller die falschh. menschl. tugend 213;
weil der mensch zum glück den überflusz nicht zählte.
die alpen 29;
ich glaube es nicht. Rabener (1755) 1, 25; ich glaube nicht, dasz. 105; ich getraue mich nicht. Lessing 7, 27; wenn ich nicht gelernt hätte, fremde schätze bescheiden zu borgen. 418; es gab sich nicht, .. und machte sich nicht. Wieland 19, 121; damit sich nicht leute ausnehmen, die der ausnahme unwürdig sind. Klopstock 12, 265; das rechtfertigt uns nicht. 301;
Lazarus hört mich nicht, mich hören der bach und das grab nicht.
Mess. 17, 573;
auf dem saale fand ich nicht das mädchen,
fand das mädchen nicht in ihrer stube.
Göthe 2, 105;
wenn ich, liebe Lili, dich nicht liebte.
1, 87;
und setzet ihr nicht das leben ein.
Schiller 11, 213;
wer des herren joch nicht trägt.
282;
den des südens steppen nicht bezwangen.
Platen 1, 123;
nicht wollen, können, mögen, dürfen, sollen, müssen, besonders mit einem davon abhängigen infinitiv oder nachsatz: mhd.
wil dû danne niht verzagen.
Iwein 592;
nhd. und kan das widerpringen nicht.
fastn. sp. 9, 17;
so darf man ihn nicht tödten. spr. Sal. 23, 13 (s. dürfen th. 3, 1722 ff.); fürchtet euch nicht fur denen, die den leib tödten und die seele nicht mögen tödten. Matth. 10, 28; und das land mochts nicht ertragen, das sie bei einander woneten. 1 Mos. 13, 6; sie kan uns doch ja nicht schande nachsagen. 1 Mos. 28, 23; er wolt nit abziehen. Aventin. 4, 288, 26;
an dir will ich verzagen nicht.
H. Sachs 1, 156, 34;
warheit wolt ir nicht leiden.
Wackernagel kirchenl. 5, 163;
wer arm mich nicht kann leiden.
Logau 1, 3, 37;
es wil sich gar nicht schicken.
Gryphius lustsp. 411 Palm;
ich will nicht, dasz der wolken triefen
mein dürres feld zu oft erquickt.
Drollinger 31;
ich will und kann es nicht bergen, dasz. Lessing 7, 457; sie müssen (dürfen) sie nicht sprechen. m. Sara 1, 9; zornig musz ich durchaus nicht werden. 2, 1; ich musz nicht vergessen. Wieland 6, 66; dárf die sache nicht genannt werden: gut! so wird von selbst der name auch nicht genannt werden. Herder krit. w. 2, 103; sie musz nicht vergessen werden. 184;
muszt nicht wiederstreben dem schicksal,
aber muszt es auch nicht fliehen.
Göthe 2, 299;
sollen die menschen nicht denken und dichten.
2, 307;
vieles reizt mich hier, ich wills nicht läugnen.
Schiller 12, 133 (Piccol. 3, 4);
ich soll dich heut nicht fassen, nicht verstehn.
188 (Piccol. 5, 1);
Max! du kannst mich nicht verlassen.
310 (Wallenst. tod 3, 18);
auch dieser Illo, dieser Terzky dürfen
nicht leben, wenn der herzog fällt.
339 (4, 6);
(ich) mag ihren namen nicht auf meinen lippen tragen.
Mendelssohn psalmen 16, 14;
wünschen nicht, wir sollen wagen.
Platen 2, 64;
ebenso nicht lassen, nicht thun, nicht brauchen u. a.:
lange leben läszt nicht lieben.
Logau 1, 7, 73;
thät uns der Friedländer nicht formiren?
Schiller 12, 44 (Wallenst. lager 11);
von dem himmel fällt ihm sein lustig loos,
brauchts nicht mit müh zu erstreben.
12, 58;
du brauchst es (wort) nicht zu sagen.
Rückert 2, 483;
die nicht zu sterben, brauchen auch zu zeugen nicht.
1, 78;
das brauchst du nicht zu loben. Freytag ahnen 6, 349.
4)
gegen die regel wird nicht besonders in der ältern sprache zur hervorhebung der verbalnegation auch im hauptsatze vor das zeitwort gesetzt, doch nur in der 1. person sing. präs. (vergl. 6);
nit mag ich wissen, was d' schuld ist.
H. R. Manuel bildersprüche 1, 9;
nicht begehr ich dasz ausz geilheit.
Ayrer 1446, 26;
nicht gläub ich, dasz die letzte noth
mir gröszre quaal kan machen.
Fleming 524;
besonders nicht weisz ich neben und statt ich weisz nicht, wofür Meusebach auf eine anfrage J. Grimms (jan. 1834) zahlreiche nachweise gegeben hat (s. Wendeler Meusebachs briefwechsel mit J. und W. Grimm nr. 85 u. 92), z. b.:
nicht weis ich, was ich drinnen hatt zu suchen.
Rebhun Susanna 2, 257;
nicht weis ich, was sie gsaget han.
3, 256;
nit weisz ich, was dir ist beschehen.
H. R. Manuel weinspiel 516;
nicht weisz ich, wie im wer zu thund.
H. Sachs 9, 108, 21;
nicht weisz ich, wie es nausz wird gehn.
Ayrer 34, 21;
nicht weisz ich, was drausz werden wird.
322, 20 u. o.;
nicht weisz ich was ich soll
mit deinen eltern thun.
Opitz lob des kriegesg. 23;
nicht weisz ich, ob es aus mitleiden oder fürwitz geschahe. Simplic. 1, 917, 28. vereinzelt auch in der 3. person plur.:
denn sie nicht wissen was sie thun
jetzt deinem lieben sohne.
Leisentrit 1, 94.
5)
beim imperative wird nicht dem zeitworte nachgesetzt (gramm. 3, 741); mhd.
frouwe, zürne niht (aus enzürne niht),
daʒ der kamph von mir geschiht.
Parz. 694, 3;
nhd. nur einige beispiele:
schweigt ein weil und redt nit vil.
fastn. sp. 351, 9;
muͦter, zürnend nüt an mich!
N. Manuel Barbali 137;
fürcht dich nicht, denn ich bin mit dir. 1 Mos. 26, 24; las mich nicht und thu nicht von mir die hand ab. ps. 27, 9; verlasz mich nicht .. sei nicht ferne von mir. 38, 22;
für uns auch in versuchung nit!
H. Sachs 1, 68, 6;
und tödte dieses kindlein nit!
6, 125, 15;
der hab gedult und murr nur nicht!
Ringwald laut. warh. (1597) 28;
darumb du christ verschluck dich nicht.
105;
o thuts und vergest unser nit!
Ayrer 101, 2;
schilt auf die zucht der herren nicht!
S. Dach 191 Öst.;
triff das hertz und fehle nicht!
724;
eifert ob dem kleinen diebstahl nicht!
Gryphius lustsp. 413 Palm;
still und verstört mich nicht.
431;
häuffe nicht kummer und schmerz. Geszner 1, 57; sei auf deinen flug nicht so stolz! Lessing 1, 165; sorgen sie nicht! 251;
erinnre mich nicht an das leben!
Klopstock Mess. 10, 469;
zürne mir darum nicht, ehrwürdige göttin!
Voss Od. 5, 215;
kümmre dich nicht .. um einen führer des schiffes!
10, 505;
mit gott im himmel hadre nicht!
Bürger (1778) 96;
ich bitt dich, verrath mich nit! d. j. Göthe 2, 119; spotte nicht! werke 18, 65; o schaudre nicht! 12, 166; vergeszt mein nicht, wie ich euer nicht vergesse. 8, 17;
sie sagen
immer: vergisz mein nicht! immer: vergisz nur nicht mein!
1, 394;
und der mensch versuche die götter nicht!
Schiller 11, 223;
o! thu es nicht! thu's nicht!
12, 240 (Wallenst. tod 2, 2);
nur zum verräther werde nicht!
242;
bleib da, pfäfflerin, fürcht dich nit.
39 (Wallenst. lager 8);
vergesse mich, o schätzchen, nit!
F. Müller 1, 267;
das glück, es liegt so weit, so weit,
o hasche nicht darnach!
Platen 1, 96;
schlage nicht dich selbst in fesseln!
Rückert 2, 445;
vereinzelt tritt auch hier zu hervorhebung der negation die partikel nicht vor das verb (vergl. 5):
nicht gesell dich zuo gewalt.
Steinhöwel Es. 86;
da folg im nach, den weg nit lasz!
Murner narrenbeschw. 4, 64;
nicht esset es! Garg. 237ᵇ; nicht meinet, sprach der gast, dasz. Philander 1, 18; o, nicht meinet, dasz solchs zu eurem .. heil geschehen. 1, 41;
nicht rühr an (nach noli me tangere)!
Lessing 2, 317 (Nathan 4, 6);
besonders vor einem den imperativ vertretenden conjunctiv:
nicht streb ein dumpfer glaube
zum himmel, wie zum raube.
Voss ged. 3, 162;
nicht reiche der geist in die weite.
Göthe 1, 222;
nicht hoffe, wer des drachen zähne sät,
erfreuliches zu ernten.
Schiller 12, 236 (Wallensteins tod 1, 7).
6)
in directen fragesätzen gebraucht Notker ein dem lat. non-ne entsprechendes ne na, wovon ersteres vor dem zeitworte und letzteres am schlusse des fragsatzes steht: ne weist du na? Boeth. 91, wozu aber noch ein das ne verstärkendes niht treten kann: ne mag tie rîchen nieht hungeren noch tursten na? 122 (gramm. 3, 755), mhd. enmag die rîchen niht hungeren noh dursten? nach ausfall des en ist also das blosze, dem verb nachgesetzte nicht übrig geblieben, durch dessen fragende betonung das lat. nonne (goth. niu) ausgedrückt wird, z. b.: kenstu mich nit? Wilw. v. Schaumb. 66; warestu nicht zornig herr? Habac. 4, 8;
fürchtest du dich denn nit vor der hell?
H. Sachs 1, 60, 29;
seind nicht all ärzt selber gestorben?
465, 7;
ist nicht Porca, wie man sagt,
eine magd?   und trägt ein kind?
schau, wie arg die leute sind!
ist sie dann nicht kindermagd?
Logau 1, 7, 45;
lässest du nicht fort und fort
uns begräbnislieder singen?
S. Dach 137 Öst.;
wie aber! weint sie nicht?
Günther 319;
kannst du dich nicht an deinen jägern rächen?
Lessing 1, 124;
ihr seid doch wohl nicht krank gewesen?
2, 222;
faszt und erhält er nicht
dich, mich, sich selbst?
Göthe 12, 130;
ists morgen früh nicht zeit genung?
238;
willst du nicht das lämmlein hüten?
Schiller 11, 402;
sehn wir nicht aus, wie aus einem spahn?
stehn wir nicht gegen den feind geschlossen?
12, 47 (Wallenst. lager 11);
sie wissens nicht?   ihr herz sagts ihnen nicht?
317 (Wallenst. tod 3, 21);
kränkt es, holde, dich nicht?
Rückert 1, 91;
warum nicht (vergl. 8, b, β): warum bin ich nicht gestorben von mitternacht an! Hiob 3, 11; warum sagst du mir nicht auf einmahl, was ich zu thun .. habe? Gryph. lustsp. 479 Palm; warum besuchtest du gestern den tempel nicht? Wieland 27, 158;
warum schmeiszen sie uns nicht aus dem land?
Schiller 12, 45 (Wallenst. lager 11);
wo aber ist sie?   warum kommt sie nicht?
134 (Piccol. 3, 3);
er ist nicht heiter, warum ist ers nicht?
138 (3, 4).
7)
die verbalnegation nicht steht elliptisch, so dasz das entsprechende verb ergänzt werden musz:
ein ieder lobet meinen spruch, nur alte mägde nicht.
Logau 2, 1, 26;
die ruh fällt in den mittelpunct, bei Lupa aber nicht.
2, 4, 45;
wir hatten nacht, er aber nicht.
Gleim kriegsl. 2, 13 neudr.;
was zur armee gehört und nicht.
Schiller 12, 27 (Wallenst. lager 6);
kein mensch darf wissen, auch ihr vater nicht,
der gar nicht!
134 (Piccol. 3, 3);
wo nicht, wenn das vorausgehende nicht der fall ist: diese gedanken hat der bapst und alle philosophi, bin ich from, so habe ich einen gnedigen gott, wo nicht, so ist kein gott. Luther tischr. 64ᵃ;
und kümmts, so ist es gut; wo nicht, was liegt mir dran?
Logau 1, 3, 37;
sieh zu, ob dir das schlittenfahren von statten geht, wo nicht, so bleib wieder zu hause. Weise erzn. 190 neudruck;
wenn du noch mehr zu reden hast, so sprich:
wo nicht, so schweig und unterbrich mich nicht.
Göthe 9, 161 (Tasso 2, 3).
a)
imperativisch: nicht zu hoch! Logau 1, 1, 62 überschrift; nicht so geschwind! Göthe 1, 193. 18, 5;
still!   still!   nicht weiter!
Schiller 12, 341 (Wallenst. tod 4, 7);
nur nicht so hitzig!
Wieland Gandalin 7, 311.
b)
fragend.
α)
nicht wahr (aus ist es nicht wahr)? oder bloszes nicht? mit erwartung einer bejahenden antwort:
nicht wahr?   die einsamkeit ist nicht auf ewig schön.
Hagedorn 2, 37;
nun so haben sie gewisz andre ursachen dazu gehabt, als unwillen wider mich. nicht wahr? Lessing 12, 435; nicht wahr? nun glauben sie mich ertappt zu haben! 8, 132; 'jetzt aber, liebe schwägerin!' — nicht wahr, jetzt 'lieb', dasz sie mich los sind. Göthe 21, 172; ich wette, sie haben dich kommen lassen, .. nicht wahr? Wieland 19, 222; haare und republiken! nicht wahr, das gilt uns gleichviel? Schiller 3, 104 (Fiesko 3, 10); nicht wahr, du bekanntest nur, weil ich zu heftig fragte? 485 (kabale 5, 2); schmeckts? nicht wahr, es ist ein abstand von meinem tisch und des majors? Lenz 41, 25 Sauer;
ich kann euch auch wohl vater nennen; nicht?
Lessing 2, 214 (Nathan 1, 5);
das nehmliche gilt von den christen.   nicht?
279 (3, 7);
so ist ja der brief fertig. nicht? 3, 320; die können ja auch ein testament heiszen. nicht? 10, 40; (das) hätte doch erst müssen anderwärts aus der geschichte erwiesen werden ... nicht? 10, 69;
es wäre doch recht artig ..,
wenn in das grosze spiel wir auch zuweilen
die zarten hände mischen könnten — nicht?
Göthe 9, 128 (Tasso 1, 3).
β)
warum nicht? weshalb nicht? oder bloszes nicht? als aufklärung wünschende oder verwunderung ausdrückende frage auf eine vorhergehende verneinung:
geh naus .. doch rührs nicht an.
warum denn nicht?
weils sticht.
Rückert 1, 414;
ich habe nicht um dich gebeten! rief einer von den fröschen ... nicht? sagte die wasserschlange. Lessing 1, 147; Valer. mir ist nicht lächerlich. Lisette. nicht? 240;
Wallenst. und Isolan?
Terzky. den hast du ja verschickt.
Wallenst. ich?
Terzky. nicht?   du hast ihn nicht verschickt?
Schiller 12, 282 (Wallenst. tod 3, 6);
auch führst du ... eine sonderbare wirthschaft, zu welcher ich eben nicht passen würde. nicht? nicht? rief sie mit wildem ausdruck. Immermann epig. (1865) 2, 134.
c)
als verneinende, zurückweisende, abwehrende antwort:
und wer ist alt zu nennen?
nicht der viel jahre zehlt.
S. Dach 869 Öst.;
W. so laszt mich los. A. nicht, bis alle hoffnung verloren ist. Göthe 8, 73; auch nicht: 'nun was soll ich denn? ich will hörner auf deine stirne pflanzen ..' auch nicht gütiger vater. Lessing 1, 149; 'ich wünschte nicht, dasz ...' ich auch nicht. Wieland 19, 104. im einzelnen:
α)
statt der antwortenden negation nein (gramm. 3, 765): mhd.
er sprach 'niht.   in (prîs) sol ze rehte hân
mîn frouwe.'
Parz. 87, 10;
'zwâre er tuot!'   er sprach 'niht.'
Wigal. 139, 36;
'ich sitze ûf dem schamel wol,
wan es mich genüegen sol'
sprach er mit guoten witzen.
'niht, dû solt her sitzen
zuo mir an die sîten mîn.'
der gute Gerhard 884;
nhd. E. ich glaub, sie ermorden es auch mit andern. H. nit. denn wie söllten sie das ermorden wöllen, das sie nit glauben etwas sein. Hutten 5, 245; nicht ich, ich nicht wie nein ich (sp. 589): 'sie verstehen mich doch, was ich fragen will?' nicht ich, frau Salabanda! Wieland 19, 101; 'die (thaler) will er in den schmutzigen alten mantelsack schnüren?' ich nicht, ich will weder packen noch schnüren. Engel L. Stark 119;
Tasso. du nennest uns unbändig, roh, gefühllos?
prinzessin. nicht das!
Göthe 9, 142 (Tasso 2, 1);
gar nicht, gewisz nicht als verstärktes nein: M. hält der herr seinen Musca vor so ungeschickt? G. gar nicht. Gryphius lustsp. 471 Palm; glauben sie wohl, dasz je ein römischer jüngling sich so und darum das leben genommen? gewisz nicht. Lessing 12, 420; können sie das? können sie geschehne sachen ungeschehen machen? 'das nicht, wahrhaftig nicht.' H. L. Wagner 325, 20 Sauer. die nicht ganz bestimmte, zweifelhafte antwort nein wird umschrieben durch nicht, dasz: haben sie nie von einem solchen lande gehört? nicht, dasz ich mich erinnerte. Wieland 19, 106;
'die gegend ..
ist also wohl nur wenig stunden
von hier entfernt?' nicht dasz ich wüszte, sprach
der junge fürst, vielleicht sinds tausend stunden.
Oberon 10, 34.
β)
als ausruf der verneinung, zurückweisung:
die dorfmaus sprach: nein, nein! mir nicht!
Waldis Es. 1, 9, 69;
mir nicht! dasz ich solte machen,
dasz gott meiner müsse lachen.
Logau 1, 7, 62;
nicht doch! doch nicht! (s. th. 2, 1206): nicht doch! so ein groszes air hat herr Cramer gewisz nicht affectiren wollen. Lessing 6, 225; nicht doch! tröstete ihn der alte. Engel L. Stark 30; nicht doch! geben sollen sie nichts. 80. 96; 'ja, sie denken auf herrn Radegast!' doch nicht, herr Ribezahl! 'doch nicht? warum doch nicht? ist an dem mann was auszusetzen?' Hermes Soph. (1776) 6, 140; nicht doch, gnädige frau. Göthe 8, 59; L. himmel! ein rebell kämpft mein Fiesko? A. nicht doch Signora. Schiller 3, 141 (Fiesko 5, 5);
doch dir geziemt es nicht, in solchem spiel
die hand zu haben.   nicht doch! meiner feinheit
bleibt alles überlassen.
12, 132 (Piccol. 3, 2);
o, nicht doch! H. Heine 9, 28; warum nicht gar! s. theil 4¹, 1329.
γ)
verstärkt durch wiederholung, nicht nicht, nit nit: der cardinal sprach: was die welt anfahet, da wil der münch der ander sein. der münch sprach: nit nit! der cardinal sprach: warum nit. er antwurt: er wil nit der ander, er will allweg der erste sein. Keisersberg emeis (1517) 21ᵇ;
nit, nit, schwigend allesand bi lib!
N. Manuel Barbali 1631;
liesz michs mädle nachts ins stüble,
schrie nit gleich immer nit! nit!
Rückert 3, 120;
nit, nit, sagte Vreneli, versündige dich nicht! Gotthelf Uli d. pächter (1859) 316. 317;
Nathan. nun kommt nur, kommt!
tempelherr. wohin?
nein! — mit in euer haus? — das nicht! das nicht!
Lessing 2, 289 (Nathan 3, 9).
II.
einfaches oder verstärktes nicht dient zur verneinung eines nicht verbalen begriffes, vor dem es in der regel stehen musz.
1)
vor (auch nach) dem objecte, subjecte oder prädicate (vgl. I, 1), wobei nicht oft die stelle von kein vertritt (s. th. 5, 492): die teutschen knecht hatten nicht dienst. Wilw. v. Schaumb. 163; nicht zweifel, nicht wunder (sein), kein zweifel, kein wunder sein: wie nicht zweifel die Italiener .. werden solche glosslin bringen. Luther br. 5, 256;
nicht wunder wer, das ich vergieng.
H. Sachs 4, 384, 24;
nicht wunder, dasz so gern an männern weiber liegen;
die ribbe mag sich frei zu ihrer licke fügen.
Logau 1, 6, 71;
ich habe deine tochter nicht jungfrau funden. 5 Mos. 22, 17; was nit geld tregt. Aventin. 4, 8, 29; hatt oft nit holtz (gleich darauf kein holtz) in zuͦ heitzen. Th. Platter 37;
dan wa nicht ist speisz,
da seind auch nicht mäusz.
Fischart groszm. 24 neudr.;
nicht eines liebt den todt.
Opitz lob des kriegesg. 409;
nicht der verlust und fall der eignen unterthanen
erkaufft dir fremdes volk.
Pietsch 103;
nicht dein schmelzender zauberhall
lockt, melodische nachtigall,
mich ins blühende dunkel.
Voss ged. 5, 116;
wenn ich nicht einsicht, nicht erfahrung, nicht beredsamkeit genug habe. Gellert 5, 87; nicht jeder, der den pinsel in die hand nimmt ..., ist ein mahler. Lessing 7, 418; nicht jeder, dem man prägnantes überliefert, wird productiv. Göthe 49, 46;
nicht zukünftiges nur verkündet Bakis.
1, 379;
nicht hasz und rache schärfen ihren dolch.
9, 56 (Tasso 2, 3);
du hier? nicht du bists, den ich hier gesucht.
Schiller 12, 307 (Wallenst. tod 3, 18);
nicht das kleinste liebeszeichen gabst du mir.
Platen 2, 65;
nachgesetzt: das .. wäre so gar schwärlich nicht. Abr. a S. Clara auf, auf ihr christen 61, 19 Sauer; dumm ist das mädchen nicht. Hermes Soph. (1776) 1, 637;
er ist, wofern mich alles nicht
an ihm betrügt, der mann sein leben dran zu setzen.
Wieland Oberon 11, 18.
mit gegenüberstellung und hervorhebung eines gegensatzes: mhd.
eʒ ist ein engel und niht ein wîp.
Iwein 1690;
ich was ein tôre und niht ein man.
Parz. 269, 24;
sînen gast sach er dort halden,
den jungen, nicht den alden.
43, 14;
diu maget trûrec, niht gemeit
ân urloup vome ringe reit.
318, 25;
nhd. ich bin christ und nit ein heid.
N. Manuel Barbali 403;
der same ist die schlang und nicht wir. Widmann Fausts leben 204 K.; es scheinet, du seist auf der hohen schule gelehret, nicht ich. Gryphius lustsp. 455 Palm;
ein alt gesetz, nicht ich, gebietet dir.
Göthe 9, 83 (Iphig. 5, 3);
du lästerst, du entweihest diesen ort,
nicht ich.
9, 158 (Tasso 2, 3);
es sind nicht Schweden,
die kaiserlichen sinds, die eingedrungen.
Schiller 12, 390 (Wallenst. tod 5, 9);
nicht als weib,
als heldin will ich sie behandelt sehn.
350 (4, 9);
nicht ihr habt ihn gemordet! andre thatens.
412 (M. Stuart 1, 4);
du muszt nicht esel schelten,
was sich dir gibt für pferd.
Rückert 2, 414;
nachgesetzt:
du hättest auf den kern nur erstlich kommen sollen,
denn den, die schale nicht, hat Lydas loben wollen!
Lessing 1, 129;
möcht ich doch nicht gern
den bruder nicht, Antonio nicht sprechen,
eh ich gefaszter bin.
Göthe 9, 170 (Tasso 3, 1);
der ort nicht, sein verhängnisz tödtet ihn.
Schiller 12, 338 (Wallenst. tod 4, 6);
dein weg ist krumm, er ist der meine nicht.
262 (2, 7).
2)
vor einem andern casus (ohne oder mit präposition): die warheit ist nit iedermans kauf. Aventin. 4, 8, 23;
der nicht auf eidern lieget.
Haller die alpen 20;
nicht im wehen der abendluft
wandl ich.
Voss ged. 5, 116;
sie lieszen nicht mit müh
zur kleinsten gunst sich zwingen.
Bürger (1778) 54;
gemüth, das die natur
nicht jedem grosz verlieh, wie sie nicht jedem
die reihe groszer ahnherrn geben konnte.
Göthe 9, 157 (Tasso 2, 3);
die götter rächen
der väter missethat nicht an dem sohn.
9, 33 (2, 1);
weil ich nicht bei ihr bin.
Schiller 1, 306;
wohl nicht ums ganze erdenrund
möcht ich ...
des nachts mehr in den spiegel schauen.
1, 275;
wir auch nicht auf der strasze gefunden sind.
12, 30 (Wallenst. lager 7);
o nicht um diese thuts mir leid.
339 (Wallenst. tod 4, 6);
nicht eures gelds bedarfs.
162 (Piccol. 4, 4);
nicht von munde zu mund und nicht von aug zu auge
darf die liebe den drang ihrer gefühle gestehn.
Platen 1, 179;
nicht mit menschen muszt du dich vergleichen,
wenn du willst gottähnliches erreichen.
Rückert 2, 418;
mit hervorhebung eines gegensatzes:
man liebet für sich selbst und nicht für seine väter.
Haller die alpen 130;
wir stritten, nicht mit ross und mann,
mit felsen stritten wir.
Gleim kriegsl. 7, 33 neudruck;
er ist nicht bei mir, bei den andern.
Rückert 2, 482.
3)
vor einem adjectiv, possessivum oder particip (vergl. I, 2. II, 1), z. b.:
wenn dir die säck nicht vol heim komen.
H. Sachs 9, 452, 7;
mein noch nicht altes leben.
Weckherlin 207;
wir strecken
arme betend empor, aber nicht schuldlos.
Göthe 1, 359;
so mach es nur nicht fein.
2, 307;
macht mich dieser glanz nicht blind.
9, 147 (Tasso 2, 1);
nicht jung genug, vor götzen mich zu neigen.
9, 157 (2, 3);
du brauchst nicht deutlicher zu sein.
9, 155 (2, 3);
diese .. nicht entnervte hand.
Wieland Oberon 1, 72;
und der soll mir nicht lebend hier vom platze.
Schiller 12, 250 (Wallenst. tod 2, 3);
nicht ungestraft sollt ihr mich höhnen.
257 (2, 6);
und im taumel, was ich that, nicht wissend.
Rückert 2, 146;
ich bin es auch nicht allein, dem die auslegung .. kein genüge leistet. Lessing 7, 169. nachgesetzt: sie ist so empfindlich nicht. Liscov 226; nein, mein herz ist so verderbt nicht. Göthe 16, 54; es ist auch so gewisz nicht. Gellert 5, 93; mit einem gegensatze: weil er ihn sonst bei seinen und nicht seinen, alten und nicht alten fabeln brauchen zu können, sich alle mühe würde gegeben haben. Lessing 9, 59;
(ich kann) in solchen sachen nur dem eignen licht,
nicht fremdem folgen.
Schiller 12, 181 (Piccol. 5, 1).
4)
vor einem adverb.
a)
nicht leicht, nicht lange, nicht weit, nicht wol, nicht ganz, nicht gern, nicht oft, nicht viel u. s. w.: sein opfer sahe er nicht gnediglich an. 1 Mos. 4, 5; ich bin je und je nicht wol beredt gewesen. 2 Mos. 4, 10; du hasts vielleicht nicht gern. Hiob 4, 2; man hört die warheit nit gern. Aventin. 4, 274, 26; und machet nit kurz ein end mit im. 951, 6;
nun stimpt zusam! macht es nit lang!
H. Sachs 3, 24, 32;
ich rüstet mich, verzog nit lang.
Fischart flöhh. 477 neudr.;
das Eva nicht viel schlieff die nacht.
1156;
wer geld zu zehlen hat, der schläft nicht leichtlich ein.
Logau 3, 2, 72;
kenne vor und trau nicht bald!
1, 1, 37;
tritt jetzt von uns nicht fern!
S. Dach 312 Öst.;
alles was er im anfang nicht recht gemacht. Simpl. 1, 128, 3; er achte .. nicht viel auf die predigten. Widmann Fausts leben 114 K.; es ist dem nicht also. Gryphius lustsp. 563 Palm;
dein wesen wird nicht ganz zerstört.
Drollinger 24;
war es nicht genug, dasz. Lessing 3, 275; seine entschuldigung ist nicht weit herzuholen. 4, 104; es ist nicht gleichviel, ob. 7, 356; sie können mir es nicht oft genug schreiben, dasz sie mich lieben. 12, 318; wir sehen nicht genug, wie wir es machen sollen. Klopstock 12, 165;
aber nicht lange,
ach, nicht lang, und sie sterben.
Mess. 5, 233;
nicht zu tief in das glas geguckt!
Voss ged. 5, 247;
lieb' und wein wolt ich entsagen,
deren doch ein froher mann
nicht gar leicht entrathen kann.
Bürger (1778) 28;
sonst pfleg ich auch nicht leicht vor einem ding zu zittern.
Wieland Oberon 1, 69;
er war nicht lange fortgegangen.
1, 17;
das alles ist nicht leicht thunlich. Hermes Soph. (1776) 1, 49; Wilhelm konnte sie nicht genug ansehen. Göthe 18, 155; es ist nicht immer nöthig, dasz das wahre sich verkörpere. 49, 23; nicht überall wo wasser ist sind frösche. 44;
er trifft mich zwar, doch trifft er mich nicht tief.
9, 107 (Tasso 1, 1);
pfui doch! umarme
nicht so unsanft Saturnius.
Schiller 1, 330;
zerreiszen soll das band der alten liebe,
nicht sanft sich lösen.
12, 322 (Wallenst. tod 3, 23);
nein! nicht ganz ist sie entflohen,
nein! wir sind nicht ganz getrennt.
11, 202;
trinke nur nicht tropfenweise!
Platen 1, 103;
ihm hat den schleier nicht umsonst gestickt die nacht,
und nicht umsonst der tag die zelter angeschirret.
2, 54;
der du anklopfst gar nicht leise.
Rückert 2, 126;
mein freund, das läszt nicht schön;
wozu das glatte schmeicheln!
145;
nachgesetzt (d. h. der stellung zum verb entsprechend):
so thut er solchs vergebens nicht.
Eyering (1601) 2, 39;
das klingt so unrecht nicht. Lessing 7, 356; er gefällt mir so übel nicht. Klemm der grüne hut (1767) 44, 14 neudruck;
thu es nicht,
jetzt nicht.
Schiller 12, 316 (Wallenst. tod 3, 20).
b)
vor einem adverbialen comparativ.
α)
nicht besser, nicht früher (ehe, eher), nicht leichter, nicht weiter, nicht länger (th. 6, 162 f.) u. s. w.:
nicht leichter mans auszreutten mag.
H. Sachs 1, 119, 24;
wer nicht eh stirbt, als er stirbt,
der vertirbt, wann er vertirbt.
Logau 1, 6, 16;
nicht eher, als. Lessing 12, 329; damit er nur nicht eher umwendete. Göthe 19, 91; schade, dasz es mir nicht früher eingefallen ist. 18, 15; nicht glücklicher ging es mir .. 24, 188; wir wollen euch .. nicht weiter aufhalten. Klopstock 12, 172;
fragt mich jetzt nicht weiter.
Schiller 12, 261 (Wallenst. tod 2, 6);
es gieng mein fusz nicht weiter.
Rückert 2, 214.
β)
nicht mehr (th. 6, 1882): doch beschlieff er sie nicht mehr. 1 Mos. 38, 26;
es wolln ietzund nicht mehr ausz helden götter werden.
Logau 1, 2, 37;
die sonne wird dich nicht mehr stechen.
S. Dach 112 Öst.;
nein, mich nicht mehr umarmt!
Gryphius lustsp. 430 Palm;
du ganze schöne natur! für mich ... nicht mehr schön! Geszner 1, 230;
sie fürchtet der mutter drohen nicht mehr.
Göthe 1, 214;
zurück! du rettest den freund nicht mehr.
Schiller 11, 288;
wir legen uns
nicht mehr zu bette.
12, 180 (Piccol. 5, 1);
nicht werth mehr bin ich dieses degens.
260 (Wallenst. tod 2, 6);
ja, dann ist
nicht rettung mehr für ihn.
329 (4, 2);
nicht mehr das gold und silber will ich preisen.
Rückert 2, 13.
γ)
nicht weniger, nicht minder, z. b.:
der gottsförchtig wirt nit minder
sehen seiner kindskinder.
N. Manuel Barbali 472;
er hat nicht minder von nöthen. Gryphius lustsp. 481 Palm; das leiden eines verbrechers ist nicht weniger tragisch ergötzend, als das leiden des tugendhaften. Schiller 10, 10; unser mitleid wird nicht weniger geschwächt, wenn. 25;
nicht minder kräftig schlug
der alte zu mit seinem schweren hebel.
Wieland Oberon 2, 5.
III.
nicht in correlativen verbindungen.
1)
nicht — nur, nicht — sondern bei gegenüberstellung und hervorhebung eines gegensatzes.
a)
nicht — nur:
nicht reden, die der witz gebieret,
nicht dichterklagen fang ich an;
nur seufzer.
Haller 159 Hirzel;
nicht ihr geist ist sterblich .., der leib nur
wird zur erde.
Klopstock Mess. 5, 210.
b)
nicht — sondern (mhd. niht — sunder wb. 2², 739ᵃ): nit du sunder er den man getöt hab. Bocc. 639, 27 K.; er hat nicht got lieb, sunder sich selber. Keisersb. seelenpar. 4ᵃ; so er doch von Christo sagt, das er sei aufferstanden, nicht vom schlaff, sondern von den todten. Luther 6, 229ᵇ; sie haben nicht dich sondern mich verworfen. 1 kön. 8, 7; nicht ich (gebiete), sondern der herr. tischr. (1567) 63ᵇ; dasz man den baum nicht an der blühe, sondern an den früchten erkennen solle. Sleidanus historien 30ᵇ;
auch spricht Christus, er sei nit kommen
auf erd den gerechten und frommen,
sondern den sündern.
H. Sachs 6, 378, 1;
das glück ist nicht deren, die es verdienen, sondern denen es bescheret ist. Butschky Patm. 45; er bessert und bauet also nicht, sondern er reiszet nieder. Liscov 769; auch ist nicht verzweiflung sondern vielmehr leichtsinn mein fehler. Lessing 12, 499; nicht, um diesen gelehrten männern zu widersprechen; nicht, um die fehler zu vertheidigen ... sondern. 7, 68; nicht der ins dorf hineingehende sondern der hinausgehende erhält etwas. Göthe 17, 73;
nicht die sänger sind des zu beschuldigen, sondern allein Zeus.
Voss Od. 1, 348.
nicht weil — sondern weil: nicht weil. sie eben sehr begierig darauf sein müssen, sondern weil ich sehr begierig bin, je eher je lieber von ihnen zu hören. Lessing 12, 232.
2)
nicht allein, nicht blosz, nicht nur — sondern auch; nicht nur — als, nicht sowol — als auch, wenn ein gedanke durch einen andern nicht nur an umfang erweitert, sondern auch (manchmal durch den gegensatz) gesteigert werden soll.
a)
nicht allein — sondern auch (oder bloszes sondern), aber auch, ja auch (vergl. th. 1, 217): denn ich bin bereit, nicht allein mich zu binden lassen, sondern auch zu sterben zu Jerusalem. apostelg. 21, 13; nicht allein aber sind sie faul, sondern auch schwetzig und furwitzig. 1 Tim. 5, 13; nicht alleine das thun, sondern auch das wollen. 2 Cor. 8, 10; Koresch ist nit allein im anfang seines reichs, sonder die ganze zeit seiner verwaltung wunderparlich erschinen. Aventin. 4, 297, 3; das man in ir püeberei nit allain übersiecht, sunder ir auch hilft. 519, 17; er jaget die philosophos nit ausz der statt allein, sonder auch ausz dem landt. Frank chron. 26ᵃ; dann man hielte mich nicht allein vor einen kundschafter und spionen, sondern auch gar vor einen, der hexen könte. Simpl. 1, 321, 28; Christus hat nicht allein für die menschen gelitten, sondern auch für alle creaturen. Widmann Fausts leben 204 K.;
da du nicht allein Liborens nahmens-fest,
besondern auch sie selbst uns wieder schauen läst.
Hofmannswaldau 2, 29;
diese erklärung verband mir nicht allein die gemüther zu noch mehrerm vorschube, sondern ich hatte auch .. Lohenstein Armin. 1, 647ᵇ; weil nun dieses nicht allein bei handels- und meszgeschäften stattfand sondern auch wenn hohe personen in kriegs- und friedenszeiten ... sich heranbegaben. Göthe 24, 31; nicht allein durch die kriegerischen zustände .., sondern auch durch das bürgerliche leben selbst ... 230. nicht allein — aber auch (oder bloszes aber): nit allein sind sie schedlich irer selen, aber sie sind auch schedlich got. Keisersberg bilg. 160ᵇ; nit allain würt der mensch leben im brot, aber in aim iegklichen wort ... gottes. 159ᵃ. nicht allein — ja auch: weil in Indien ... die brüder nicht allein den söhnen in der reichsfolge, ja auch den töchtern in gemeiner erbschaft vorgiengen. Lohenstein Armin. 1, 657ᵃ. — auch bloszes nicht allein: nit allein ist er der allerweisest, er ist die unumbreiszlich weiszheit. nit allein ist er der aller barmhertzigest, er ist die unumbreiszlich barmhertzigkeit. Keisersberg pred. L 3ᵃ;
dies sagt er nicht allein, dies lügt er meisterlich.
Lessing 1, 27;
nicht in die arme allein, ich will mich ihnen in den schoosz werfen. 249. nicht allein nicht — sondern auch (nicht): dieweil wir unsern heiligen glauben .. nit allain nit halten, sonder auch gar im herzen verlaugnen. Aventin. 4, 59, 7; sie habens mit der heut bezallen müessen, das sie den waren Messiam .. nit allain nit annemen haben wellen, sunder auch an ein creutz gehengt. 831, 14; da er sah .. dasz er nit allein nit aufstundt, sonder auch sich von dem ort nit beweget. Dietenberger Esther 5, 9; nicht allein kennet gott solche .. metzen nicht, sondern er straffet sie auch. Albertinus narrenhatz 106.
b)
nicht blosz — sondern auch (th. 2, 149): äuszere zweckmäszigkeit ist nützlichkeit, bei deren beurtheilung wir nicht blos des gegenstandes, sondern auch des begriffs von seinem gebrauche bedürfen. Schiller 10, 50. nicht blosz — sondern: sie (porträtmaler) sollen nicht blos darstellen, wie sie einen menschen hassen, sondern wie jeder ihn hassen würde. Göthe 17, 214. nicht blosz — auch:
nicht blosz der stolz des menschen füllt den raum
mit geistern, mit geheimniszvollen kräften,
auch für ein liebend herz ist die gemeine
natur zu eng.
Schiller 12, 141 (Piccol. 3, 4);
nicht rosen blosz, auch dornen hat der himmel.
142.
c)
nicht nur — sondern auch (als auch): nit nur zuͦ Zürich, sunder ouch zuͦ Soloturen. Th. Platter 37;
der euch nicht nur den leib bekehrt
besondern auch den geist.
Hofmannswaldau 4, 254;
die gantze heilsordnung, die er nicht nur als ein christ, sondern auch als ein poet .. wissen musz. vorrede zu Günthers ged. b 4ᵃ; wie sie in den hertzen der gläubigen nicht nur eine brünstige andacht, sondern auch viele andere heilige affecten erwecke. b 7ᵇ; er hatte nun die freude, nicht nur etwa einen flügel, sondern mehrere in seiner wohnung aufgestellt zu sehen. Göthe 24, 191. nicht nur nicht — sondern: wobei der lateinische dichter seinem übersetzer nicht nur nicht vorgearbeitet, sondern sehr oft entgegen gearbeitet hat. Schiller 6, 345. nicht nur — als auch: dasz wir die gemeine .. mundart der sprachen nicht nur genau kennen, als auch recht darnach schreiben lernen. vorrede zu Günthers ged. a 3ᵃ. b 2ᵃ. nicht nur — als: nicht nur im ganzen, als in theilen. a 3ᵃ.
d)
nicht sowol — als auch wie nicht nur — sondern auch: sich überessen .. ist nicht so wohl sündlich als auch unhöflich und ungesund. anm. zum Simpl. 1, 81. nicht sowohl — als (vielmehr) nicht gerade, wenigerals: nicht sowohl in diesen blättern, als vielmehr anderwärts. vorrede zu Günthers ged. b 2ᵇ; wie sie (geschichte) sich in dem romane nicht sowohl schlieszt, als verlieret. Lessing 7, 39; die heiden bestraften die cristen nicht sowol wegen ihrer religion, als wegen der übertretung der gesetze. 11, 74; P. das wäre ja wohl noch schwerer zu widerlegen als jenes. S. nicht sowohl schwerer als unmöglich. Stolberg 18, 123. in der ältern sprache nicht als gar — als: bisz sicher, das es (grosze kunst und clare verstentnisz) nit als gar ausz krafft ires studierens, als ires bettens erlangt ist. Keisersberg irrig schaf 19ᵇ; auch nicht so viel — als: diesz unterlassen viel nicht so viel ausz unfleisz, als einem abscheuen. Schuppius 739.
3)
nicht — nicht, nicht — noch, noch — nicht, nequeneque, weder das eine noch das andere.
a)
nicht — nicht:
dasz von dem stamm nicht zweig, nicht wurtzel uberbleib.
Gryphius 1, 560;
nicht der trompeten wildes blasen,
nicht eines sieges schädlichs rasen ...
nein, mich rührt eine reine wonne.
Haller 167 Hirzel;
doch gab er dem thal nicht,
nicht dem berg unsterbliche seelen.
Klopstock Mess. 5, 177;
so stehn wir da
und wissen nicht vorwärts nicht zurücke.
Siegfr. v. Lindenb. 2, 118;
weiber bleiben, wie sie sind;
ihre neugier auszurotten,
hilft nicht predigen, nicht spotten.
Gotter 1, 56;
und ich .. soll nicht schuldlos, soll
nicht ehrenvoll vergehn.
Göthe 9, 33 (Iphig. 2, 1);
mich schrecken
nicht Babingtons, nicht Tichburns blutge häupter.
Schiller 12, 427 (M. Stuart 6, 1);
mich rettet nicht gewalt, nicht list.
ebenda.
nicht — nicht — nicht:
nicht kann ich dir mein vaterland,
nicht mein geschlecht, nicht meinen namen sagen.
Schulze Cäcil. 3, 29.
b)
nicht — noch: wann sy hetten nit ruͦder noch schalten. Tristr. 175, 17 Pfaff; ir sollend nit sorgfaltig sein euwer seelen was ir essent, noch euwerm leichnam wo mitt ir werd bekleidet. Keisersberg seelenparad. 35ᵃ; du solt nicht rachgirig sein, noch zorn halten gegen die kinder deines volks. 3 Mos. 19, 18; du solt nit wucher von im nemen noch ubersatz. 25, 36; und da er sahe .., das er nicht aufstund, noch sich fur im beweget. Esther 5, 9; die welt will gott nicht fur gott halten .. noch den teufel fur einen teufel achten. tischr. (1567) 64ᵇ; weise leuthe sollen ihren feinden nicht trauen, noch sich zu ihnen gesellen. Lokmans fab. 5;
Christus ist unser meister und lerer,
nit heiden noch die teufelbeschwerer.
N. Manuel Barbali 459;
du solt ... nicht
ein fürstliche person ...
noch einiges geschöpf erklingen (besingen).
Weckherlin 298;
wecket dich der silberne reif
des dezembers, o du zärtling, nicht auf?
noch die gestirne des krystallnen sees?
Klopstock 1, 196;
doch entbehrst du das freundlicher wort des geliebten nicht;
nicht stromfall, noch den schlag
der geflüchteten wolke.
2, 92;
begehr des andern hütte nicht,
noch seiner jugend weib!
7, 309;
weil tugend nicht, noch geistesgabe
den eigensinn des schicksals rührt.
Gotter 1, 5;
dir, gott, wird nicht gedienet,
noch wird dein zorn gesühnet.
Voss ged. 3, 163;
nicht weniger noch mehr als billig ist.
Göthe 9, 128 (Tasso 1, 4);
es ziemt der hohe ton, die rasche gluth
nicht dir zu mir, noch dir an diesem ort.
156 (2, 3);
nicht ihrem guten willen ...
noch seiner neigung dank ich dieses amt.
Schiller 12, 233 (Wallenst. tod 1, 7);
nicht offenbar noch heimlich solls dem mord
gelingen, euer leben anzutasten.
426 (M. Stuart 1, 6);
ihr gebt euch für des czaren Iwans sohn;
nicht wahrlich euer anstand widerspricht
noch eure rede diesem stolzen anspruch.
14, 2, 439 (Demetrius 1, 83).
IV.
verstärktes nicht (vgl. V und VI, 1).
1)
durchaus nicht th. 2, 1584, eben nicht 3, 11, freilich nicht 4¹, 117, gewiss nicht (Lessing 7, 323. 336), ganz nicht 4¹, 1301 f., gar nicht 1321, ja nicht 4², 2197, nicht im geringsten (Lessing 3, 211, im geringsten nicht 7, 323. 353), nicht im mindesten (Göthe 12, 129. 18, 59), sicher nicht, wahrlich nicht (Lessing 2, 245. 10, 224), platterdings, schlechterdings nicht u. a.
2)
das ausschlieszende nur nicht wurde früher auch im sinne von ne quidem, nicht einmal gebraucht: er hat deinem bruder nur nicht ein buch kauffen .. wollen. Butschky kanzlei 473; beispiele aus den älteren ausgaben von Wielands schriften bei Heynatz 2, 291 f.
V.
bildliche verstärkung von nicht durch einen positiven, aber etwas geringfügiges bedeutenden ausdruck (gramm. 3, 728 ff. Zingerle über die bildliche negation bei den mhd. dichtern. sitzungsbericht der Wiener acad. der wissensch. 39, 414—477), besonders mhd. beliebt, aber auch nhd. noch verwendet zur umschreibung von durchaus nichts, gar nichts und durchaus nicht, gar nicht.
1)
mhd. z. b.:
wandeʒ half niht ein bast.
Eneit 177, 29;
daʒ hulfe niht ein blat.
Walther 103, 36;
und fürhte iuch alle niht ein strô.
Tristan 8873;
nu fürhte
ich dîne stange unde dich
niht eine halbe bône.
15995;
dîn rede hilfet niht ein ei.
Konrad troj. krieg 2024;
nû frumt uns leider niht ein hâr
unser riuwe und dîn klage.
armer Heinrich 500.
2)
nhd. nicht eine bohne (theil 2, 225), nicht ein haar (4², 19 f.), nicht einen tropfen, nicht einen pfifferling (s. dasselbe), nicht einen schusz pulver, nicht einen deut, nicht einen heller, nicht eine silbe, nicht ein jota u. dergl.: es gilt uns nit umb ein haar zu schaffen. Keisersberg seelenpar. 152ᵇ; das befinden wir nit einen tropfen. ebenda; ich geb dir nit ein bon darumb. bilgersch. 57ᵈ; der künig von Frankreich .. gäb nit ein schnipf umb den kaiser. Aventin. 4, 485, 20; sie sagen lauter ungereimte märe von solchen dingen, wissen nit ein schwitz drum. 813, 13; sie widerrueften nit ain eugel. 882, 29;
sein unglück schmertzt in nit ein meuttel (eine schlechte kupfermünze).
H. Sachs 7, 152, 34;
ich gib euch nicht ein kü-miltz.
9, 26, 8;
nach dir frag ich nicht umb ein har.
Ayrer 1090, 28;
nichts bleibt im grab, nicht ein haar
vermag der tod zu stehlen.
S. Dach 333 Öst.;
um dieses höchste gut gäb ich nicht eine bohne.
Wieland 4, 59;
ich gäbe
für meinen theil darum nicht eine hohle nusz.
9, 222;
nicht ein bischen haben sie mich lieb. Börne 2, 142 (vergl. th. 2, 50).
VI.
nicht neben andern verneinungen dient
1)
wie im griech. zur verstärkung der negation (gramm. 3, 726 f.), worüber schon bei kein (th. 5, 461 ff.) ausführlich gehandelt und kein — nicht mit zahlreichen beispielen belegt ist, so dasz hier nur der anschaulichkeit wegen einige neue angeführt werden: wo aber keine liebe nicht ist, da wird auch kein glaube sein. Luther 6, 63ᵃ; si sahen zue, halfen kaim nit. Aventin. 4, 296, 10;
kain buͦchstab gät davon nit ab.
Schwarzenberg 157ᵈ;
der himel kein gemüt nit tregt.
H. Sachs 3, 19, 30;
der gesunde bedörf keins artztes nicht.
6, 378, 4;
(ich) hat kein vertrag gehalten nicht.
Hayneccius H. Pfriem 496;
ja keine vernunft gilt alhier nicht.
947;
darinn kein zierde manglet nicht.
Fischart flöhhatz 68 neudruck;
nimpt keiner nicht ein rechten todt.
1214;
dem sonst kein licht nicht gleichet.
P. Gerhard 119 Göd.;
ich habe von dir leiden müssen, was ich hiebevor von keiner gräflichen dame nicht gelitten hätte. Schuppius 514;
(wenn man) kein andres wort nicht hört.
Günther 40;
ein trunken hertze weisz von keiner lügen nicht.
417;
was uns ein Plato göttlich lehret,
braucht keines Hurons beifall nicht.
Drollinger 25;
und verschont fast keinen nicht.
Hagedorn 2, 15;
keine neigung nicht. Klopstock Mess. 16, 277; keine laute nicht. 17, 666; keine hülfe nicht. 19, 566; keine rache nicht. 19, 1022; reisz dir deshalb kein haar nicht aus. Claudius 1, 136; nein keine post nehme ich nicht. Lenz 1, 308;
will denn kein zufall nicht sich über mich erbarmen!
Göthe 7, 73.
nein — nicht s. nein sp. 596; nicht nicht:
an dich, min bruder, ist min bitt,
nit wellest an mich zürnen nit.
Ruef Adam u. Heva 2288.
nichts nicht (s. auch nichtsnicht): das einen weisen menschen nichts von übung der weisheit abzuwenden nicht vermag. Butschky kanzl. 243; nichts gutes war es freilich nicht. Lessing 1, 234; nichts kostbarers wüszte ich in der that nicht. 2, 446. — nie nicht: sie finden ietzo mer dan nie nit. Aventin. 4, 519, 8; meiner strengigkeit hat mich je zuweilen gerewet, meiner gütigkeit aber nie nicht. Zinkgref apophth. 43;
dieweil sein angesicht
zuvor, wie auch hernach so rot nie wurde nicht.
D. v. d. Werder Ariost 1, 66, 4;
goldener traum, du, den ich nie nicht erfüllt seh.
Klopstock 1, 219;
aber nun sang sie (die nachtigall) auch .. wie sie nie nicht geflötet.
2, 181.
niemals nicht:
sie (poesie) greiffet niemahls nicht in eines richters beil.
Günther 404;
in ihren bezirken
ist sie (sonne) niemals nicht auf und niemals untergegangen.
Klopstock Mess. (1748) 1, 620;
gott ist uns nah, ist niemals nicht
von seinem volk geschieden.
werke 7, 221;
o, wüszt' ers niemals nicht!
Merck fab. u. erz. (briefe 1, ⅩⅬⅠ).
niemand nicht:
wem niemand nicht gefällt.
Logau 1, 1, 32;
das disputirt ihm niemand nicht.
Schiller 12, 50 (Wallenst. lager 11).
niendert nicht (vgl. A, 1, b): wie dasz er nyndert auch nicht predige, denn wo und was ihm gott heise. Melanchthon 1, 533; nindert zu wanken nicht. Melissus ps. H 4ᵃ. — nimmer nicht:
tichter sind gemeinlich arm; arm ist aber nimmer nicht,
wer ihm selbsten geld und gut .. und hoheit ticht.
Logau 2, zugabe 171.
Auch dreifache negation kommt früher vor:
es macht kein wolf kein lemlin nit.
Brant narrensch. 49, 20;
es sei kainer darumb kain ketzer nit. Aventin. 4, 803, 26; kain gelt macht kain schalk nit frum. 27; der mag ganz wol aim fürsten ... vil gröszer gnad mittailen dan ninder kaim cartheuser nit. 805, 9 u. o.; kein mordstück ist mir nie nicht in gedanken gekommen. Lohenstein Agripp. 4, 278.
2)
nach lateinischer art dient nicht zur aufhebung der negation, so dasz ein bejahender satz entsteht, der aber weniger ausdrückt als eine directe bejahung: er ist nicht ungeschickt, der vorwurf ist nicht ungerecht, das geschah nicht ohne sorgfalt u. dergl., worin das gegentheil nicht so bestimmt behauptet wird wie in: er ist geschickt, der vorwurf ist gerecht, das geschah mit sorgfalt, z. b. nit an (ohne) grosz verderben des römischen nams und reichs. Aventin. 4, 1033, 34; nicht also unbesinnet und ohne rath. Amadis 143 K.; nicht ungleich gehet es mit uns christen. Abr. a S. Clara auf, auf ihr christen 40, 2 Sauer; also scheinet nit unmüglich. 40, 13; nicht gar unangenehm. 40, 33; nicht viel ungleiche beschaffenheit hat es mit dem erbfeind. 42, 26;
nur hat die fröhlichkeit bisweilen wenig stunden
dem unverdrosznen volk nicht ohne müh entwunden.
Haller die alpen 100;
ich halte nicht für unnöthig, meinen lesern zu sagen. Gellert 5, 16; die nicht unbedenkliche rolle. Klinger betrachtungen 1, 112; nicht so ganz unerfahren. Wieland 27, 189; nicht ohne sich zu entsetzen. 19, 120; nicht ohne rückhalt. Göthe 9, 56; nicht ohne bewegung. 18, 125; nicht ohne sorgfalt. 21, 47; nicht ohne nachtheil. Schiller 4, 141; nicht ohne ekel. 4, 67; nicht ohne ehrgeiz. 13, 26; nicht abgeneigt. 27; nicht ohne schmerz. Platen 1, 93; ich will nicht unbemerkt lassen. J. Paul Hesp. 1, 193; die hoffnung ist nicht ungereimt. Freytag ahnen 5, 225.
VII.
das sogenannte pleonastische nicht (s. Heynatz 2, 291. Keller antibarbarus 182 ff.), das nun mit der doppelten verneinung (VI, 1) durch die schule verdrängt und nur noch bei ausrufungen (4) gebräuchlich ist.
1)
in einem nebensatze (statt dessen auch ein infinitiv mit zu) mit einer verneinenden, zweifelnden, verbietenden, verhindernden, warnenden u. dergl. aussage, deren wirkung durch das folgende nicht hervorgehoben werden soll, wie es in ähnlichen fällen auch durch das griech. μὴ, das lat. und franz. ne (quin) geschieht. vergl. Dittmar a. a. o. 299 ff.: mhd.
ich hete wol behüetet ... daʒ,
daʒ ich niht vermeldet hête sînen lîp.
Nib. 1051, 4 B C;
die eʒ verdagten, daʒ si mirʒ niht ensagten.
klage 624;
dar umbe lieʒ er daʒ,
daʒ er niht wolde minnen.
Gudrun 6, 2;
ich wil des haben rât,
daʒ der küene Hartmuot bî mir niht enstât.
769, 2;
daʒ ichʒ ie undervienc,
daʒ iuwer ende niht ergienc.
Iwein⁴ 3148;
vil lützel doch des gebrast,
daʒ im niht sam geschach.
4689;
ja verbôt ich iu an den lîp,
daʒ ir niht ensoldet sprechen.
Erec² 3240;
nhd. der da hindert .., das das evangelium nicht geprediget werde. Luther 5, 414ᵇ; si werten den Römern, das si über das wasser .. nit kunten noch mochten. Aventin. 4, 1037, 22 (si werten dem römischen volk das überkommen. 1038, 3); ach behüte mich gott, dasz von meinetwegen nicht ein so gewaltiger .. mann sterbe. Amadis 156 K.; ich zweiffele nicht, dasz ir mir nicht mehr mit freundlichen willen und liebe geneigt, denn andern. 163; uberhebt mich dessen, dasz ich meinen vettern ... nicht ein verräther schelte. 186; und hiemit verbiet ich dir und deinen gesellen, nicht lenger in meinem land zuverharren. ebenda; wenig fehlet, dasz sie ine nicht in selbigen fuszstapfen umbrachten. 334; der könig liesz .. bei tods pein verbieten, dasz sie nicht mehr weinen .. solten. 344; die sich dennocht nicht freyen möcht, dasz sie nicht erfür und versuchet ..., so die jungkfrauwen zu frauwen macht. 362; dürft oder wolt ir mir widersprechen, dasz ich mich nicht zum könig mache und erhebe? 373 u. öfter, mit nachahmung der französischen redeweise, deren einflusz wol auch im häufigen gebrauche dieses nicht während des vorigen jahrhunderts zu bemerken ist: so kann es nicht fehlen, dasz ihre nachahmungen nicht in vielen stücken übereinstimmen sollten. Lessing 6, 421; es fehlt nicht viel, dasz ich nicht wie Ovid die kunstrichter .. um schonung anflehen möchte. 12, 174; es konnte niemals fehlen .., dasz der lord nicht seine gründe .. wiederholte. Göthe 17, 338; hier konnte es freilich nicht fehlen, dasz nicht öfters vier oder fünf lateinische hexameter in eine ganze stanze ausgesponnen .. wurden. Schiller 6, 345;
wie wenig fehlt, dasz dich
nicht herzensangst der sinne gar beraubet!
6, 154 (Iphig. in Aulis 1, 1)
(s. fehlen th. 3, 1427 'die weglassung des nicht ist deutscher'); zu vermeiden, dasz diesz nicht der hauptton würde. Herder krit. w. 1, 31; niemand leugnet, dasz sie nicht auch mit hülfe des smirgels .. hätten gearbeitet werden können. Lessing 8, 98; nun will ich zwar nicht leugnen, dasz an diesen büchern nicht manches zu verbessern sein sollte. 12, 16; so wird es doch selbst nicht in abrede sein, dasz sich nicht noch weitere (beispiele) anführen lassen. 8, 137;
ich zweifle nicht, dasz die verletzte scham
den zorn nicht ins gesicht getrieben.
1, 117;
wer zweifelt, Nathan, dasz ihr nicht
die ehrlichkeit, die groszmuth selber seid?
2, 193 (Nathan 1, 1);
ich zweifle nicht, dasz sie ihr versprechen nicht würde gehalten haben. 3, 20; sie zweifelten daher um so weniger, dasz das volk nun nach dem tode des Tarquinius ihn (Servius Tullius) nicht eben so gern auch als könig sehn würde. Becker weltg. 2, 369; so lange ich nicht sehe, dasz man eins der vornehmsten gebote .. nicht besser beobachtet. Lessing 12, 13; was könnte sie also hindern, nicht lieber bessere .. witterung abwarten zu wollen! 12, 287; wenn er im stande ist zu verhindern, dasz nicht auch wider seinen willen copien davon genommen werden. 11, 180; was hindert mich, dasz ich nicht eine der grünen schnuren ergreife und sie .. eurem rücken anmesse! Göthe 24, 97; ich verhinderte, dasz die truppen ... sich dem castell nicht zu nahe wagten. 34, 101; dadurch verhinderte ich, dasz ihnen dieser fensterladen nicht sogleich ins gesicht fiel. Schiller 4, 227;
verhüt es gott, dasz ich nicht hülfe brauche.
14, 340 (Tell 3, 3);
der himmel verhüte nur, dasz der schwätzer nicht ebenfalls in jenem thale verweilt. Tieck nov. 4, 107; bewahre dich gott, dasz du darüber nicht lachest. Göthe Werther (1774) 69; sie konnte sich nicht erwehren, dasz er nicht ihren schuh küszte. werke 17, 130; nehmen sie sich in acht, dasz sie sich nicht verlieben. 16, 26; man kann sich nicht genug in acht nehmen, aus versuchen nicht zu geschwind zu folgern. 50, 15;
der vater zwar verbots.
doch was verbot er? das geheimnisz nicht
unzeitig zu entdecken.
9, 296 (nat. tochter 2, 5);
die sorge nenn ich edel, die mich warnt,
den könig ...
nicht tückisch zu betriegen.
9, 74 (Iphig. 4, 4);
schon warnt mich was, dasz ich dabei nicht bleibe.
12, 66;
wo er Dankmars stimme nicht hören konnte, ohne nicht aufzustehn und ihn an der schwelle zu begrüszen. Gutzkow ritter (4. aufl.) 8, 172. ohne dasz nicht: und haben .. darüber auch von jenen uns gescheiden, on das wir gegenander nicht (wie die papisten) drumb verfolgen und morden wöllen. Luther 6, 19ᵃ; der gemeine soldat kann nicht verurtheilet werden, ohne dasz nicht zwei seiner kameraden mit zu gerichte kommen. Möser 1, 293; wie wird sie (die einbildungskraft) einzelne verse, bilder .. lieder ertragen, ohne dasz sie sie nicht auch zu einem ganzen dichte? Herder lieder der liebe 69. — bis nicht nach verneinendem vordersatze wird th. 2, 44 als gallicismus getadelt.
2)
ebenso (wie ne im lat. und franz.) nach einem ausdrucke der besorgnis und furcht: ich besorge mich, das ir nicht .. mit blindheit geschlagen seiet. Luther 4, 378ᵃ; ich fürchte aber, das nicht .. eure sinne verrücket werden. 2 Cor. 11, 3; ausz forcht, dasz nicht jemandt der Oriana hiezwischen was leids zufüget. Amadis 358 K.;
Clavimund. was furcht ists?
Lysis. dasz hier nicht bocksfüsze möchten sein,
dasz nicht in jenem wald ein alt verliebt satyr,
erhitzt auf ihre blick, sie, wenn sie fern von mir,
unzüchtig überfall.
Gryphius lustsp. 354 Palm;
aus furcht, dasz es der hofmann nicht seinen vetter wissen lasse. 449.
3)
analog der französischen ausdrucksweise (und wol beeinfluszt von derselben) steht nicht in einem correlativischen nebensatze nach einem comparativ des hauptsatzes zur stärkern hervorhebung der ungleichheit (wie bei kein statt ein th. 5, 468 f.; vgl. nie IV, 2): welche (hilfe) stattlicher und besser ist denn wir nicht vermeinet haben. Amadis 142 K.; wehre dich nun besser denn du nicht gethan. 185; welcher .. lenger, denn er nicht verhofft, verharret. 178; ich fande aber die rechnung viel richtiger, als ich nicht gewollt hette. Laz. de Tormes 49; der mann lebet ärger bei seinen 50 jahren, als er nicht that, da er 30 war. Gryphius lustsp. 517 Palm; verfahrung von besserer und gesunderer vernunft als nicht die, so er bisher .. gebraucht. Butschky Patm. 202; gleich wie ein krummer oder sonst gebrechlicher mensch dennoch ansehnlicher ist, als nicht ein lebloser leichnam. 208; das der ander besser gethan als nicht der erste. 240; der frei-brif der natur, mit welchem das frauenzimmer mehr begnadiget worden als nicht die männer. 304 u. oft; und eben deshalb findet man es (das werk) schlechter, als es nicht ist. Winkelmann 3, 4; das volk würde an jenem (Shakespeare) weit mehr geschmack gefunden haben, als es an diesen (Corneille und Racine) nicht finden kann. Lessing 6, 42; dasz miszverständnisse und trägheit vielleicht mehr irrungen in der welt machen als list und bosheit nicht thun. d. j. Göthe 3, 235 (das nicht thun ist später weggelassen, werke 16, 9); wir schweben .. in einer gröszern gefahr, als ihr alle nicht seht. werke 10, 86; gar oft bringt uns .. ein augenblicklicher anlasz mehr freude als der entschiedenste vorsatz nicht gewähren kann. 24, 311; ich gewann in wenigen stunden einen deutlichern begriff von dem ... zustande Carlsbades, als ich in vielen jahren vorher mir nicht hatte zueignen können. 32, 183; denn er ist ein goldschmied, sehr fleiszig bei seiner kunst .., die ihm mehr einbringt, als die musik nicht thun würde. 34, 61; das ist sogar unendlich wahrer, als ihr es selbst nicht empfindet. 36, 15; so hätten wir einen weit vollständigeren und methodischeren beitrag zu unserm gegenwärtigen zweck, als er uns durch beantwortung tausend Baconischer fragen nicht hätte werden können. 53, 159; um diese vorstellung anschaulicher zu machen und ihr einen allgemeinern beifall zu erwerben, als sie vielleicht gegenwärtig nicht erwarten kann. 58, 80;
und leichter wäre sie (die gunst der frauen) dir zu entbehren,
als sie es jenem guten mann nicht ist.
9, 187 (Tasso 3, 4);
wir müssen
das werk in diesen nächsten tagen weiter fördern,
als es in jahren nicht gedieh.
Schiller 12, 131 (Piccol. 3, 1);
doch habe ich immer sagen hören, dasz gebehrdenspäher und geschichtenträger mehr übel auf dieser welt gestiftet, als gift und dolch in mörders hand nicht gekonnt. 5, 2, 4 var. (don Carlos 1, 1); ich habe zu meiner gesundheit weit besseres vertrauen als ich seit langer zeit nicht hatte. an Körner 3, 130.
4)
bei ausrufungen und fragen, die den sinn eines ausrufs der verwunderung haben, vertritt das auch heute noch gebräuchliche pleonastische nicht die stelle eines verstärkenden doch und ist wol aus einer doppelten form der fragestellung, die in eine verschmolzen wurde, zu erklären: aus wie viel thut die einbildung? und thut die einbildung nicht viel? entsteht wie viel die einbildung nicht thut! (Keller antib. 182);
wie lange soll ich nicht (var. noch) der schalckheit deckel sein?
Gryphius trauersp. 447 Palm;
was reichthumb nicht komme von embsiger sorg des viehs (zu welchem reichthume doch eine gute wartung des viehs führen könne). Schuppius 736; ach bin ich nicht ein narr gewesen, ach hätte ich meinen eltern gefolgt. Weise erzn. 42 neudruck; wie sinnreich spottet er nicht über die weiszheit des kaisers Justinianus? Liscov 156; wie artig stehet dem herrn prof. nicht der angenommene eifer. 157; wie werden sie sich nicht freuen, wenn. 186; o! was lernet man nicht in der stadt! Cronegk 1, 29; was das nicht für ein geschwätz ist! 83; wie vernünftig redet sie nicht! 86; wie schwer ist es nicht, bei einem solchen zufalle standhaft zu sein! 117; was das nun nicht für ein närrischer einfall ist. 119 u. oft; in was für geschwätz versinkt er nicht! Lessing 6, 97; wie oft werde ich nicht von den wolken verdunkelt! 6, 55; was hatten sie nicht zu thun! Klopstock 12, 418; was die einbildung nicht thut! Wieland 11, 190; was man nicht mit diesen Abderiten reden musz, um sich die zeit von ihnen vertreiben zu lassen! 19, 114;
was wollt' ich nicht drum geben!
Oberon 4, 5;
wie munter war er nicht!
Gleim kriegsl. 2, 28 neudruck;
was hab ich nicht gedacht! was hab ich nicht gefühlt! ...
wie anders ist mirs nicht? wie heller seit der zeit?
Göthe 7, 75 (die mitschuldigen 2, 5);
was die neugier nicht thut!
40, 233;
o Lotte, was erinnert mich nicht an dich. 16, 188; was waren die Deutschen nicht in meiner einbildung, was konnten sie nicht sein! 19, 97;
was ihr nicht alles wiszt!
Schiller 12, 19 (Wallenst. lager 4);
was man nicht alles für leute kennt!
22 (5);
was hab ich neues nicht und unerhörtes
in dieser kurzen gegenwart gesehn!
139 (Piccol. 3, 4);
was hab ich nicht getragen und gelitten
in dieser ehe unglücksvollem bund.
273 (Wallenst. tod 3, 3);
was doch der mensch nicht wagt für den gewinn!
15, 2, 488;
wenn sie nur wüszten, was ich nicht alles schon gethan, um. Kinkel erz. 179.
VIII.
composita mit nicht kommen mhd. erst auf in der sprache der mystiker (du solt got minnen als er ist: ein nihtgot, ein nihtgeist, ein nihtpersône, ein nihtbilde. Eckard 320, 28) und haben sich nhd. unendlich vermehrt; im folgenden soll davon nur eine auswahl gegeben werden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 690, Z. 50.

nicht, m., n.

nicht, m. n.
das zinkweisz, die zinkblume, auch weiszer galmei, galmeiflug genannt (th. 4¹, 1201), ein weiszes zinkoxyd, das in den messinghütten gewonnen wird. man unterscheidet weiszen und grauen nicht Zedler 10, 216. 11, 644. 20, 1223. 24, 511. Chemnitzer bergm. wb. 368ᵇ. Jacobsson 3, 138ᵇ. Schedel waarenlex. 2, 99ᵃ (s. augennicht, graunicht, hüttennicht, weisznicht). das sprichwort nicht ist in die augen gut (s. augennicht und nichts 2) kennt schon Luther (Wander 3, 1016), sonst erscheint das wort zuerst bei Lonicerus (1578): das nicht, die auszgelöschte äsche von den metallen, sodann bei Mathesius Sar. als nucht, nücht: wie weisz graw nucht, welches die gelerten onichitin und die Deutschen nichts nennen, so den augen gut ist. 109ᵃ; mit nücht und roter silber glet. 109ᵇ. aller wahrscheinlichkeit nach entlehnt aus griech. lat. onychitis, doch schon früh mit dem deutschen nicht identificiert, weshalb sich ebenfalls bei Lonicerus die lat. benennung nihili, nihil, nil gebildet hat (Weigand 2, 218). s. nichts 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 712, Z. 13.

nucht, nücht

nucht, nücht,
s. nicht sp. 712.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 967, Z. 46.

nücht

nücht,
s. nüchtern I, 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 967, Z. 47.

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Zitationshilfe
„nücht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%BCcht>, abgerufen am 20.09.2021.

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