Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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nüchterigkeit, nüchterkeit, f.

nüchterigkeit, nüchterkeit, f.,
nd. nochtericheit (Dief. 539ᶜ), was nüchternheit: nüchterigkeit Petr. 15ᵇ; nüchterkeit oder messigkeit oder vast. voc. 1482 x 7ᵃ; nichterkeit Serranus diction. (1539) x 2ᵇ; nüchterkeit, sobrietas, ieiunium Dasyp. L 1ᵃ. Erberg 547ᵇ. Rädlein 679ᵃ. Denzler 214ᵇ. Ludwig 1340 (neben nüchternheit), nüchternkeit (aus nüchternigkeit, mnd. nuchternicheit) neben nüchternheit Stieler 1323, nüchtrenkeit Wackernagel kirchenl. 4, 892, 1; verlassend mich auf hilf des hungers, zimlicher leibsübung, nüchterkeit. Hutten Wackernagel leseb. 3, 233, 10; unermeszliche nuͤchterkeit. Fischart Garg. 20ᵃ; wann man nach nuͤchterkeit schmecket (vgl. nüchteln). 24ᵇ; mit enthaltsamkeit und nüchterkeit umbgürtet. ehz. 531; derwegen ist er der mäszigkeit, nüchterkeit und dem fasten uberausz feindt. Albertinus narrenhatz 215;
auf dasz in ihm steif bleib der tugend starker bund,
der seinen leib und seel erquicket,
so ehret er mit mut und mund
die theure nüchterkeit, die raht und that beglicket.
Weckherlin 424 (82 Göd.);
wi der nicht fastet, die tugend der nichterkeit zu rühmen, der aus mangel hunger leidet; also ist auch der für keusch nicht zu halten, welchem die gelegenheit und nicht der wille böses zu thun ermangelt. Butschky Patm. 73 (44); sich zwingen zu der nichterkeit und dem fasten. 940 (653).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 967, Z. 77.

nüchternheit, f.

nüchternheit, f.,
daneben früher auch nüchterheit. trag. Joh. B 4. Simplic. calend. 144ᶜ, nuͤchterheit, nuchterheit, niechterheit, mnl. nuchterheid Kil. 341ᵃ, nd. nuchternheit, nochternheit Dief. 539ᶜ, alts. enugterheit (s. nüchtern I, 5) Diutiska 2, 229ᵃ, vergl. nüchterigkeit, nüchterkeit.
1)
das nüchternsein nach der eigentlichen und übertragenen bedeutung von nüchtern.
a)
zu nüchtern 2, ieiunium, ieiunitas, inedia Stieler 1323.
b)
zu nüchtern 4, sobrietas Dief. 539ᶜ, sobrietas, abstinentia gemma gemm. z 7ᵈ;
so sönd ir üch in abbruch fassen
mit fasten zuͦ der nüchterheit.
trag. Joh. B 4;
zur nüchterheit (gedr. nüchterzeit) vermahnen. Simplic. calend. 144ᶜ; seine nichternheit bei der taffel. Lohenstein Armin. 2, 296ᵇ;
friede, demuth, nüchternheit sind dir angebohrne gaben.
Günther 867;
(lasz) nie speis und trank dein herz beschweren,
sei ein freund der nüchternheit.
Gellert 2, 105;
seine abneigung vor allen arten der sinnlichen ergetzungen, seine mäszigung, nüchternheit und gute haushaltung. Wieland 2, 257; er sprach bei jeder gelegenheit von den vorzügen der nüchternheit und asz und trank immer dazu wie ein andrer. 308;
der, wenn dem schmerz schier die maschin' erlieget,
durch schlaue nüchternheit den lebensfeind betrieget.
Gotter 1, 283;
in nüchternheit (ohne weingenusz) zu grübeln
macht leib und seele siech.
Voss 5, 122;
die nüchternheit, entfernt von schlemmerei und fasten.
Rückert brahm. 5, 194;
auf der grenze
zwischen dem rausch und der nüchternheit (s. nüchtern 4, a).
Geibel neue ged. (1883) 148;
der rausch, den unmäsziger genusz des weines gibt .., die wehe nüchternheit, die auf einen solchen rausch folgt. Börne 5, 309.
c)
zu nüchtern 5: die nüchternheit einer gegend. Wieland Oberon 8, 22; die nüchternheit der speisen, der suppe u. s. w.;
weil hier frost und nüchternheit
nur gar zu oft den dichtern dräut.
Hagedorn 3, 50;
stunden der nüchternheit. Schiller 3, 462 (kabale 4, 7); da machte die nüchternheit des tags einen rechten abschnitt von dem hymnus der nacht. Bettine tageb. 43;
nie bist du (Sophokles) kühl zur nüchternheit gesunken,
du sprühtest in erhabener verschwendung
der goldnen flammen lichte, dichte funken.
Platen 2, 93;
weil er (der dichter) sich eher jeden fehl verzeiht,
nur nicht gedankenlose nüchternheit.
3, 142;
es ist in leere nüchternheit die ganze welt versunken
und keine zunge redet mehr vom heilgen geiste trunken.
Geibel juniuslieder (1883) 138;
schweigend schritten die freunde aus der gemeinen nüchternheit des lindwurms (des wirtshauses zum lindwurm) auf die strasze. Freytag handschr. 1, 63; bei groszen versammlungen ... kann selten ein rathschlusz mit derjenigen nüchternheit (besonnenheit, ruhe und klarheit) und reife gefaszt werden, wie noch wohl in einem engern zirkel geschieht. Schiller 7, 97; die nüchternheit in diesem punkte, welche die kunstrichter als correctheit anpreisen, ist meistens nur fantasielosigkeit und armuth des geistes. A. W. Schlegel vorles. 1, 291, 36 neudr.; glätte und nüchternheit des stils. Schlosser weltgesch. 2, 460;
von frostger nüchternheit, von grübelnder vernunft,
wie sehn ich mich davon, aus langer weile, weg.
Platen 2, 70;
sie reden irr vom menschenverstande
und sind berauscht von nüchternheit.
Geibel neue ged. (1883) 124.
2)
etwas nüchternes, geistloses, plattes (s. nüchtern 5, b): indem ich mir vergegenwärtigen wollte, wie eine so gränzenlose nüchternheit und plattheit (Blumauers Äneis) doch auch einmal dem tage willkommen und gemäsz hatte sein können. Göthe 32, 177.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 972, Z. 55.

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Zitationshilfe
„nüchterkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%BCchterkeit>, abgerufen am 20.09.2021.

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