Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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nicken, verb.

nicken, verb.
ahd. nicchen, nichen, mhd. md. mnd. nd. nicken (nikken), iterativ zu nîgen (neigen) sp. 568, vgl. nücken.
1)
transitiv.
a)
niederdrücken, beugen: ahd. genichet und genideret bin ich harto. Notker 37, 9; mhd.
unser prîs ist genicket.
Ulr. v. Türh. Willeh. 146ᵇ;
wan sie (vrou Minne) vil lîhte nicket
ein wandelherze, daʒ eʒ muoʒ
volgen, swâ sie kêrt ir gruoʒ.
die krone 8441;
Parîsen er beruorte, ..
daʒ er vil nâch genicket
was ûʒ dem satele hinder sich.
Konrad troj. krieg 34540 (von dem satel Schwanr. 976).
nhd. nicketen (drückten, drängten) ietz drei ietz vier dahin in ein eck, erstachens und erwürgtens. Frank chron. (1531) 245ᵃ.
b)
(am genicke) zusammendrücken, knicken: wenn die finken krank .. sein und wollen nicht singen, so gibt man ihnen eine spinne zu essen. man musz sie aber ein wenig nicken, dasz sie ihnen nit entleuft. Colerus hausb. 472 (2, 618ᵇ); weidmännisch das genick abschlagen, abstechen, den nickfang geben: das rech wird genickt oder gewürckt und nicht gestochen. Sebiz feldbau 569.
c)
das haupt, den kopf nicken, den kopf wiederhelt oder schnell und kurz niederwärts und wieder aufwärts bewegen zum zeichen der zustimmung (s. kopfnicken th. 5, 1778 und nickkopf): ein ritter .. hat dem könige einen fuszfall gethan und deme seine sache selbst vorgetragen. der könig nickte das haupt und sagte .. Schuppius 404; aber auch schnell hin und her bewegen, schütteln:
(sie) nickten die köpfe sehr bedenklich
über die tochter Zion kränklich.
Göthe 56, 20.
d)
durch nicken (mit dem haupte, mit den augen, s. 3, d) zu erkennen geben, ausdrücken: die knechte nickten ihre beistimmung. Freytag ahnen 4, 320;
hier die kleinern, bienenfleiszig,
mühten sich mit zwirn und nadel;
Hildegunde, allbeachtend,
nickte lob und winkte tadel.
F. W. Weber Dreizehnlinden 213;
mit dativ der person, zunicken:
(sie) bleibt dann, schon im begriff zu gehen,
halb abgewandt noch drei secunden stehen
und winkt ihm sanfte ruh.
Wieland Klelia u. Sinibald 6, 397;
man wird für diesen wohlgenusz
gar lieblich dank mir nicken.
Bürger 11ᵃ;
der knabe nickt ihm dank.
Alxinger Doolin 1, 10;
da nickt ihm dank die holde.
Uhland (1879) 2, 209;
nicken zu: ohne dasz meinem armen sohne ... ein anderes verdienst dabei übrig bleibt, als gern oder ungern — zu allem ja zu nicken. Wieland 25, 162; herunter nicken th. 4², 1190.
2)
reflexiv, sich neigen, beugen: mhd.
er solt sich vor hân langst gein im genicket (zum zeichen der unterwerfung).
Lohengr. 4510;
nhd. wie sie sich in der kirchen nickten, wenn man das wort gottes predigt. buch der liebe 289ᶜ.
3)
intransitiv, einen nick thun, eine nickende augen- oder kopfbewegung machen.
a)
mit dem haupte, mit den augen nicken: mhd.
die örs gar keklîchen
mit den houbten nikten.
Germania v. d. Hag. 2, 96, 112;
nhd. mit den augen nicken, nutare Denzler 212ᵇ; nl. nicken met de ooghen Kilian 337ᵇ; da er bemerkte, dasz der vornehme .. beifällig mit dem haupte nickte. Immermann Münchh. 3, 34; er nahm sein saitenspiel zur hand ... und sang die weise des reigen. da zuckte es den männern in den gliedern, sie schwenkten die arme im takte auf die tafel und pochten mit den füszen den tritt; auch der könig schlug mit der hand auf den deckel des weinkrugs und nickte weinselig mit dem haupte. Freytag ahnen 1, 81. mit angabe der richtung:
sieh, du traute, ... wie heute ..
deine schulgespielen nach dir blicken,
freundlich mit den köpfen nach dir nicken (dir zunicken).
Gökingk 3, 35.
b)
einfaches nicken,
α)
als zeichen des beifalls, der bejahung und zustimmung oder des gruszes: nicken, winken mit dem haupt und damit seinen willen ofnen oder anzeigen, nuere Maaler 305ᵈ; er nicket, nutu aliquid significat Stieler 1346; der vater schüttelte hierüber den kopf, der oberamtmann nickte. Göthe 21, 130;
Macbeth (zum geist).   du kannst nicht sagen, ich thats. (der geist nickt) ...
nur zu! was solls? kannst nicken du, so sprich auch.
Tieck Macbeth 3, 4 (Schiller 13, 87);
schmerzlich berührt von deinem schweigen, frug ich,
ob vernommen das wort du meiner seele,
und du nicktest hold.
Lenau (1880) 1, 69;
der richter nickte beistimmend. Freytag ahnen 3, 108; der sänger nickte und wandte sich zum abgang. 1, 94. mit dativ der person, zunicken:
sie nickte mir mit holdem grusz.
Voss ged. 4, 163;
und sie lächelten sanft ... nickten dem alten
freundlich.
Göthe 40, 344;
doch hinterrücks war er so traulich und frei,
Luisen verstohlen zu nicken.
Langbein (1854) 1, 211;
komm, blick einmal ins auge mir,
drin deinem bildchen nick einmal.
Rückert 4, 188;
nicken gegen: ich war schon selig, wenn sie mich bemerkt und gegen einen grusz genickt zu haben schien. Göthe 24, 267.
β)
einnicken, sitzend schlummern, dormitare Dief. 190ᶜ: er nicket, dormitat Stieler 1346;
sie nicken noch alle;
alle beherrscht noch der zepter
des sanftzwingenden schlafs.
Götz 2, 169;
ihr nickt schon, wie .. ich seh — ihr wollt ...
der dichter soll, statt zu moralisieren,
euch .. frisch in die sache führen.
Wieland 18, 71;
wenn sie auch bei der erzählung ein wenig nicken sollten. 38, 286; er nickte hierauf (nach dem mittagsmahle) in seinem groszstuhl. Göthe 24, 56;
das hündchen schlummert sicher unterm tische,
mein weibchen nickt im schlafgemach.
Schiller 1, 353;
in schlaf nicken, einschlummern:
(da) rüstet auch er sich nickend
in kurzen schlaf zur nächtlichen wacht.
Kinkel ged. (1857) 95.
4)
intransitives nicken mit sachlichem (manchmal personificiertem) subjecte, das
a)
eine nickende bewegung macht:
zwei ringe haben sie (die schlangen) um seinen hals gestrickt,
zweimal den schuppenleib geschnürt um brust und hüften,
und ihres halses schwanke säule nickt
hoch über seiner scheitel in den lüften.
Schiller 6, 357 (Äneide 2, 219);
er wacht ob auch sein auge nickt.
Rückert mak. (1864) 129
(er wacht, ob auch sein auge zwinkt.
128;)
träumend nicken buch' und birke.
F. W. Weber Dreizehnlinden 252;
die vollen garben nicken, ihr habet jetzt genug.
Rückert 214;
immer noch wandelte sie auf eigenem boden, und freute
sich der eigenen saat und des herrlich nickenden kornes,
das mit goldener kraft sich im ganzen felde bewegte.
Göthe 40, 266;
und um uns und an uns so drängend und voll
die erde von nickenden blumen erquoll.
377;
deren bild mir nur auf einem hintergrunde von schwankenden baumzweigen, beweglichen bächen, nickenden blumenwiesen ... bisher erschien. 26, 35; als er zu sehen vermochte ... die nickenden lilien. J. Paul uns. loge 1, 42;
von den fenstern
sieht er blumen freundlich nicken.
Uhland (1879) 2, 91;
grüne sträusze
nickten an den lederkappen.
F. W. Weber Dreizehnlinden 333;
und rothe
nickende beeren,
duftender feldrosen
jüngere schwestern,
glänzten vom reife durch den grünen busch.
Stolberg 1, 229;
von dem sonnenhute niken
stolze federn, mein geschenk.
Schiller 1, 307.
b)
sich neigt, in geneigter stellung ist (vergl. neigen I, 3):
dort, an der buche fusz, die schon vor alter nickt.
Gotter 1, 142;
zum grausen wipfel jenes felsen,
der in den see nickt über seinen fusz.
Schlegel Hamlet 1, 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 735, Z. 58.

nicken, n.

nicken, n.,
der substantivisch gebrauchte infinitiv des vorigen: das nicken des haupts, nutus. Maaler 305ᵈ; flüchtig nicken des hauptes war der gegenseitige grusz. Scheffel Ekk. 17; das hauptschütteln bei der verneinung und .. das nicken bei der bejahung. Engel 7, 170;
bejahndes nicken.
Göthe 41, 30;
mir danket dann ihr morgengrus,
ihr liebevolles nicken.
Bürger (1778) 66;
was will ich mehr noch, als ein eilig nicken?
es würden deine worte mich befangen.
Platen 2, 97;
ich wünschte, dasz du ganz vergessen
mich hättest, mir geschenkt kein einzig nicken.
Rückert 2, 72;
o wie selig
wär' ich nun, antwortete meinem schmerz dein leisestes nicken!
Lenau (1880) 1, 69;
ich sah entzückt hingleiten deinen gang,
der arme spiel, ich sah dein leichtes nicken.
2, 305.
das einnicken, schlummern (s. nicken 3, b, β): da ich diese nacht höchstens ein paar stunden geschlafen .. so falle ich fast auf das blatt im nicken. Niebuhr leb. 3, 71. auch vom einnicken zum todesschlummer:
doch drunten schlosz mit letztem nicken
ein müder mann die augen zu.
K. Stieler wanderzeit 42.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 737, Z. 58.

nicken, m.

nicken, m.
der nacken (vergl. genicke): mein halsz ist nun überall auszgeschlagen, ahm nicken auch. Elis. Charl. (1867) 305.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 737, Z. 83.

nück, nücke, m.f.

nück, nücke, m.,f.
gewöhnlich im plur. nücke, nücken (auch nicke, nicken geschrieben), verborgen gehaltene aufsässigkeit, heimliche bosheit, versteckte eigensinnige und tückische laune sowie ein anfall davon, unerwarteter eigensinn, schrulle, im weiteren sinne eine verdrieszliche eigenheit und schwierigkeit; gewöhnlich in verbindung mit tücke: solche bücher, darin uns des teufels art, nicke, list, handelung und tausent practiken beschrieben werden. H. Hamelmanns vorr. zu Jod. Hockers der teufel selbs (1568) a 6; der giftige und tausentkünstige teufel versuchet seine tücke und nücke. J. Choreander geburt des sones gottes (1571) a 2ᵇ; heimlich tücke und nücke. Decimator gewissensteufel (1604) 32;
der pfaffen nück
und grosze tück
ist fast nicht zu beschreiben.
Reineke fuchs (Rostock 1650) 95;
der nükk, heimlicher groll. Schottel 1370; er stecket voller nücke und tücke, totus fallaciis consutus, ex fraude et mendacio factus est. Stieler 1346; offenbahre einem könige nicht alsbald eines andern tücke und nücke, du seist denn versichert, dasz es der könig im besten aufnimpt. pers. rosenth. 8, 36; das sind nücke und tücke, die er an sich hat. Ludwig 1340; eine zeitlang führte ich mich ganz stille und erbar auf, allein nach verflieszung derselben kamen meine alten nicken wieder an. Plesse 1, 55;
dann kommen geister, und ..
abstractionen:
die politike,
mit mancher nicke.
Klopstock 12, 189;
du hast auch deine nükken, deine hinterhaltungen. Hermes Soph. 6, 314; erstaunt über die seltsame nücke (schrulle) des harlequins, dasz er nicht, ohne sich zu leuchten, schlafen kann. Lessing 4, 424; so vergiebst du mir meine alten nücken noch am ersten. 12, 480; sie hatte ihre nücken, aber 's reute sie doch gleich. Claudius 1, 14; der .. will nun wieder ganz anders tractirt sein, und hat seine ganz besondre nücken. 4, 103; wegen seiner (des hundes) gierigkeit, seines neides und seiner nicken. Hippel 1, 354; die nachwirkung der kleinlichen nücken. H. Heine 10, 156; ein wesen voll tücken und nücken. Auerbach ges. schriften 5, 73;
kein offner hieb in offner schlacht —
es fällen die nücken und tücken,
es fällt mich die schleichende niedertracht.
Freiligrath (1870) 1, 125;
aber jetzt erwachen wieder
ihre vielgeliebten nücken.
G. Keller ges. ged. 489;
oberhess. er hat nicke und schnicke an sich. Vilmar 286; hier hat es noch nücken (verdrieszlichkeiten, schwierigkeiten), das ding hat nücken u. dgl., wofür man oberd. lieber mucken sagt. Das wort stammt aus dem nd.: mnd. nuck, plur. nucke Schiller - Lübben 3, 207ᵃ, mnl. nucke Kilian 341ᵃ, nl. nuk Kramer 1, 221ᵇ, nd. plattd. nucke, nücke, plur. nücke und nücken (s. Richey 175. Dähnert 331ᵇ. brem. wb. 3, 251. Hennig 172. Schambach 146ᵇ. Danneil 148ᵃ. Stürenburg 161ᵃ); vom nd. aus kam es auch ins schwed. (nyck) und dän. (nykke). das franz. niche (schalkheit) wird von Frisch franz.-teutsch. wb. 696ᵇ ebenfalls vom holländ. nukke, von andern aber mit nique vom deutschen nicken hergeleitet (s. Diez⁴ 647). die schreibung nicke ist wol im hinblick auf franz. nique entstanden, das vielleicht manchmal mit nicke auch gemeint sein kann, z. b. oben bei Klopstock 12, 189 (= politique : nique). vgl. mucke.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 973, Z. 53.

nucke, f.

nucke, f.
schles. das schwein, vom lockrufe nuck, nuck Weinhold 65ᵇ. vgl. natsche, nutsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 974, Z. 31.

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Zitationshilfe
„nücke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%BCcke>, abgerufen am 20.09.2021.

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