Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

nutz

nutz,
s. nütze, nutzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1020, Z. 71.

nütz

nütz,
s. nichts.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1020, Z. 72.

nütze, nütz, nutze, nutz, adj.

nütze, nütz; nutze, nutz, adj.
nutzen bringend, nützlich, wozu dienlich, brauchbar, tüchtig (vgl. den gegensatz keinnütze theil 5, 497). goth. nuts in unnuts, ahd. nuzzi, nuzze, mhd. nütze, nütz, nutze, md. nutze, nutz, mnd. nutte, mnl. nut, nd. nutte, nütt (brem. wb. 3, 250. Dähnert 332ᵃ. Danneil 148ᵇ), ags. nyt, altn. nytr, altfries. nette. — nhd. (schon bei Rädlein, Denzler und Ludwig fehlend und von Frisch und Heynatz als veraltet bezeichnet) nutz voc. 1482 x 6ᵃ, nütz Alberus KK 1ᵃ. Maaler 308ᵈ, nutz und nütz Dasyp. (1556) L 1ᵇ, nütze Stieler 1355. Hederich 1713. Steinbach 2, 145, henneb. nötz Spiesz 175. die oberdeutschen mundarten haben die unumgelautete form nutz Schm.² 1, 1776. Lexer 200. Schöpf 476. Stalder 2, 247.
1)
am frühesten nachweisbar ist der prädicative gebrauch (vgl. theil 5, 497).
a)
nütze sein.
α)
ohne dativ: ahd.
theist (das ist) suaʒi joh ouh nuzzi.
Otfrid 1, 1, 55;
mhd. den al diu werlt wol solte klagen,
ob klägelîche swære
nâch tôde nütze wære.
Tristan 1678;
nütze unde fröudenbære
kan eʒ mit ein ander wesen.
Konrad Silvester 12;
md. er ist nicht nutze hie.
kreuzfahrt 4005;
nhd. si hetten den ziug, der da nütz was, dahaim gelaʒʒen. städtechron. 4, 29, 5 (anfang des 15. jahrh.); dasz man die leut in kirchhöff begrab sei nichts nutz. Meisterlin 174, 26; nutz sein oder frumen oder nutz bringen. voc. 1482 x 6ᵃ; ists dort nütze, so musz es auch hie nütze sein. Luther 3, 366ᵇ; nu frage ich, ob gott selbs auch etwas nütz sein müge? zwar da er auff erden gieng, war er so nütze, das wen er anruͤret durch sein fleisch, dem halff er. 377ᵃ; die leibliche übung ist wenig nütz. 1 Tim. 4, 8; ist auch nützer denn .. tischr. 226ᵇ; künige, so nit nutz warn. Aventin. 5, 99, 14; welches kleid ist nun nützer? 154, 18 (vgl. Zinkgref apophth. 1, 12);
geistlicher stand ist nutz und not,
söll mancher seelen werden rath.
Schwarzenberg 134ᵇ;
was seind die nütz?    das sag du mir.
H. Sachs 1, 145, 1;
vermaint ir nützer sein
als dasz tod bloch allein.
Ayrer 2610, 32;
es ist nichts nütz, es sei dann ehrlich. Frank sprichw. 1, 185ᵃ; was nutz ist das ist lieb. Lehmann 465, 4; gut und sehr nutz were es .. Kirchhof disc. milit. 20; (es ist) immer eines nothwendiger und täglich nützer dann das ander. 165; was ist ärger, als nichts wollen nuz sein, wann man es vermag? Butschky kanzl. 441; er hätte, wenn es nütze gewesen wäre, sein leben daran gewendet. Göthe 30, 50; es ist nicht nütze, dasz alles gedruckt werde. 33, 205; ich sehe, ihr seid nichts nutz hier. Lenz 1, 221; jetzt bist du gräulich und gar nichts nütz. Freytag ahnen 4, 18 (vgl. nichtsnütze sp. 729).
β)
mit dativ: ahd.
thaʒ eina (wunder) wâri uns nuzzi.
Otfrid 2, 3, 46;
mhd. der cristenheite was er nuzze.
kaiserchron. 257, 12 Diemer;
sô nemt durch got in iuwern muot
waʒ iu nütze sî unde guot.
Iwein 1988;
md. er was im dô nutzer dâ,
ê daʒ her im quême nâ.
kreuzfahrt 4196;
nhd. der meinem herrn .. umb seinen dinst und vodrung guet und nutz (zu leisten im stande) sei. östr. weisth. 6, 2, 38 (15. jh.); im wær nützer, er wær am ersten gericht worden. B. Zink städtechron. 5, 207, 8; unter allen dingen aber ist nichts nötigers und nützers der christenheit denn das tegliche brot. Luther 1, 82ᵃ; sein thun ist dir seer nütze. 2 Sam. 19, 4; volk, das ihnen nicht nütze sein kan. Jes. 30, 5; so lange du ihm nütz bist, brauchet er dein. Sir. 13, 5; was ist dem götzen opfer nütze? 30, 19; wenn ichs opfere, so ists dir viel nützer. Matth. 15, 5; es were im nützer, das man einen mülstein an seinen hals henget. Luc. 17, 2; der sich also verläg in seinem lust, niemand nutz wär. Aventin. 5, 99, 16;
derhalb wirt mir sein nutz und noht.
H. Sachs 13, 268, 28;
nützer wer mir der grimme thot,
denn das ich hie sol ellendt sein.
14, 24, 9;
vil nützer wer im, er wer todt.
Ayrer 2794, 7;
(sie leben) in einem solchen joch,
dasz in sterben vil nützer wer.
770, 10;
tugend ist nicht allen nütze.
Logau 3, 5, 23;
das ist der beste nutz, wenn einer ihme selbst nutz ist. Lehmann 560, 44; der ist niemand nutz, der ihme selbst nicht nutz ist. 561, 49; sonderlich ist das creutz einem theologo nutz. Schuppius 133;
prägst du diesz ihnen (den kindern) gleich bei zeiten ein:
so werden sie dir auch im alter nutze sein.
v. Kottwitz 25;
ach was ist mir .. alles nütze?
Gökingk 1, 38;
was ist dem staat der dichter nüz?
1, 185;
Kroat, wo hast du das halsband gestohlen?
handle dirs ab! dir ists doch nichts nütz (: schütz).
Schiller 12, 17 (Wallenst. lager 3);
und etwas denken ist dem menschen immer nütze.
Göthe 14, 116;
ein leben los zu werden, das mir ohne sie nichts weiter nütze ist. 17, 344; dieses (das genie) wird eben von dem guten geiste beseelt, bald zu erkennen was ihm nutz ist. 22, 161.
γ)
am nützesten sein, mit dativ: was dem hauffen am nützten. Fronsperger kriegsb. 1, 110ᵃ; am nützten wär mir wohl .. Wiedemann april 2, 9;
Bonna hat zu allen schlössern schlüssel an dem gürtel hangen;
nur zu dem, dasz ihr am nützten, musz der nachbar einen langen.
Logau 2, zugabe 54.
δ)
mit präpositionaler fügung, wobei auch der dativ der person stehen kann: ahd. nuzze ze .. (zu wissen, zu erfahren) Graff 2, 1122; mhd.
hie sint hunde unde wilt
und swaʒ ze jagen ist nütze.
Erec² 7184;
daʒ für gesunde wære
nütz und helfebære.
Konrad troj. krieg 14238;
Aristoteles spricht, daʒ daʒ weinperl zuo der stimm nütz sei. Megenberg 17, 4; (nasturtium) ist nütz für des âtem gepresten. 410, 16; nhd. ein weiser man, der sich nicht brauchen lesst, und ein vergrabener schatz, wo zu sind sie beide nütze? Sir. 20, 32; die gottseligkeit ist zu allen dingen nütz (goth. du allama ist bruks). 1 Tim. 4, 8; alle schrift, von gott eingegeben, ist nütz zur lere u. s. w. (þaurftôs du laiseinai). 2, 3, 16; es (salz) ist weder auf das land noch in den mist nütze (nih du airþai ni du maihstau fagr ist). Luc. 14, 35; was ist nütze an meinem blut, wenn ich tod bin? ps. 30, 10; dieser ist am frantzösischen hofe so nutze gewesen als ein königlicher rath. Schuppius 43; brod aus kleien .. ist zu wolfeiler zeit nutzer vor das vieh. Hohberg 138ᵃ;
(es ist) dir dort und hier zum leben nütze (: blitze).
Günther 142;
zu verminderung der hitze
ist der saft der äpfel nütze.
Brockes 9, 158;
der citronen scharfe säfte
sind zu vielen dingen nütz.
192;
in einer solchen bezauberten welt ist die vernunft zu gar nichts nutze. Kant 6, 256; zu was sind sie auch nütze? Lessing 1, 305; diese (werke) sind doch wohl zu mehr nütze, als nur zur gemüthsergetzung. Wieland 30, 505; wenn ich diesen sommer zu was nutz sein soll. an Merck 2, 133; für mich und euch wärs nicht nütze. Göthe 8, 140; (er) war in der haushaltung niemals nütze. 19, 105;
zu was ist er nütze?
14, 115;
seine (des thurms) kahlen höhn
wozu sind sie dir nütz, als in das thal zu sehn?
Schiller 11, 31;
wozu bist du hier nutz?
Rückert brahm. 4, 24.
b)
nütze werden, mit oder ohne dativ: mhd.
daʒ edile geschutze   daʒ warde in sît nuzze.
Milstäter exodus 158, 34;
wilt dû die piscînen guot
suochen, diu dir nütze wirt?
Konrad Silvester 1514;
nhd. was ist ein göldner kopf ohn einen bleynen sitzer?
verstand, der für sich gut, wird durch den fleisz viel nützer.
Logau 2, 8, 28.
c)
nütze machen, mit oder ohne dativ: wenn sie (die böse natur) ein mal ein werk aufbringet, das sie wolgethan heiszet, kan sie irs so nutz machen ... Luther 4, 457ᵃ; sonderlich machet er im den spruch ... nütze. 8, 82ᵃ; er kans im selbs nutz machen (das weib). Agricola sprichw. 136ᵃ; weil das L und R flieszende buchstaben sein, kan ich mir sie in beschreibung der bäche und wässer wol nütze machen. Opitz poeterei 31 neudr. (= zue nutze machen 32); der ist geschickt, der schaden weis nutz zu machen. Butschky Patm. 403 (300); wir wollen sehen, wie wir uns diesen bericht nutz und gut machen sollen. Creidius 256;
weiszt du noch was von fried und ruh,
so mach es dir bei zeiten nütze.
Günther 114;
nütze machen zu:
holen wir die besten sachen,
dasz wir sie zu unserm brauche wieder künnen nütze machen.
Logau 2, 5, 73;
hennebergisch sich nötz machen, sich höflich, dienstfertig, gefällig zeigen, schmeicheln, mit dem nebenbegriffe des eigennutzes Spiesz 175.
2)
attributiv: mhd.
er gap dem antlutze   siben locher nutze.
Milstäter genesis 5, 12;
eʒ wâren wol nütziu wîp,
die disiu zwei gebâren.
Parzival 187, 24;
nhd. es sollen auch unsere urbarsleut irr robait treulichen auszrichten und nutz (brauchbare, leistungsfähige) leut darzue schicken. östr. weisth. 6, 271, 25 (vom jahre 1391); nutzer paum, stam 56, 40. 68, 9. 78, 20; und hat die cristenheit wol geziert mit manigen edlen nützen sprüchen. heiligen leben (1472) 1ᵃ; die nützesten künst. Aventin. 4, 440, 16; so kan ich doch rhumen und sagen, das ich nicht allein ein apostel bin, sondern auch ein nützer apostel. Luther 6, 222ᵃ; sie sind uns doch seer nütze leute gewesen. 1 Sam. 25, 15; seind auch all nutze leut wol bei in gehalten. Frank weltb. 193ᵇ; Pharia hat den nutzesten stein sardium. 20ᵇ; alsdann bin ich ein nützer fisch. E. Alberus 84; ja er wird euch noch ein nutzer mensch werden. widder J. Witzeln mammeluken M 4ᵃ; ein selige nütze lere. Mathesius Sar. 51ᵃ; gerecht bist du .. und hast mir einen nützen rat geben. alte weisen (1565) 80ᵃ; sich der sehr nützen mühe nicht verdrieszen lassen. M. Neander bedenken 21;
wer nütze ding wil achten ring.
Uhland volksl. 616;
Prometheus hatte ..
dem menschen, welchen er vor ohne geist gemacht,
desz fewers edlen schein vom himmel eingebracht
durch nütze dieberei in seines leibes höle.
Opitz (1644) 1, 88;
der bösen seuchen gift von mir hat hingerissen
gar manchen nützen mann.
Fleming 116;
den nützen freund nur immer plagen,
hat niemals langen nutz getragen.
Logau 1, 6, 63;
weiland war die lieb ein feuer, wärmen war ihr nützer brauch.
2, 4, 48;
ein auszgelehrter geist der stellet seine zier
mit nutzer liebligkeit den edlen seelen für.
Rist Parnasz 268;
die (ziegen) sollen iren nutzen hüeter haben. österr. weisth. 1, 247, 36 (18. jahrh.); aus welchem (der Macedonier) lande man ehemals nicht einmal einen nützen leibeigenen haben konnte. Winkelmann 6, 96; kärnt. nutze (brave) kinder, nutzes holz u. dergl. Lexer 200.
3)
substantivisch, das nütze, nutze:
also aus böser menschen muͦt
macht got der herr das nütz und guͦt.
Schwarzenberg 155ᶜ;
das nutz umb ein schaden geben. kriegb. d. fr. 33; adverbial: das alles nach dem nuzesten zu bedenken. österr. weisth. 1, 298, 14 (15. jahrh.); und sich der zu gebrauchen zu allem irem nutzsten und bösten. Zimm. chron. 1, 242, 15.
4)
als adv.: und seind dise actualia cauteria vil sicherer, nutzer und unschedlicher zu brauchen wan die potentionalia. Ryff chir. 25ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1022, Z. 65.

nütze, nutz, f.

nütze, nutz, f.
was nutzen, ahd. nuzzî, mhd. nütze:
getriuwem vriunde ist nütze bî.
gute frau 65;
nhd. das meinem vettern die nutz (einkommen) des pistumbs auch mit der nutz des satz pisher volge. Chmel urk. Max. nr. 29; und welcher gerechtigkait sy in stiller nutz und gewer gesessen wern .., so solt er sy nit aus irer nutz und gewer setzen. monum. boica 9, 46 f.; das paternoster übertrifft alle gebet .. an fruchtbarkeit oder nütze. Keisersberg post. 207.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1025, Z. 43.

nutzen, nutz, m.

nutzen, nutz, m.
utilitas. ahd. mhd. nuz (gen. nuzzes, nutzes, plur. mhd. nütze), md. noz; alts. not m., nota f., mnd. nut m., nutte, nut f., nd. nude, nutt m. (brem. wb. 3, 249); mnl. nnl. nut, ags. altn. nyt, altfries. nat. Im älteren nhd. nutz, nutzes, plur. nütze, nutz (voc. 1482 x 6ᵃ. Alberus KK 3ᵃ. Dasyp. L 1ᵃ f. Maaler 309ᵇ. Schm.² 1, 1776); Stieler, Erberg, Rädlein, Denzler setzen noch nutz an mit dem accusativ nutzen, Ludwig, Aler, Hederich und Frisch haben im nominativ nutz und nutzen. die form nutzen ist (wie galgen, garten u. s. w.) hervorgegangen aus einem schwachformigen nutze, dessen genetiv (dativ, accusativ) nutzen in den nominativ vordrang und einen neuen genetiv nutzens erzeugte: der nutze schon einmal in der krone Heinr. v. d. Türlein 19764:
sî der nutze (var. nutz) gar erslagen;
ferner in Dief. gloss. 463ᵃ (vom j. 1512) und in Cisners ausg. der Aventinschen chron. (1580) 120ᵃ, einmal bei Drollinger 31, und noch baslerisch Seiler 225ᵇ; davon der richtige genetiv des nutzen in Schards ausg. der Aventinschen chronik (1566) 221ᵃ. den nominativ nutzen (neben nutz) hat z. b. Kirchhof wendunm. 1, 17 (1, 9). Lehmann 558 f. u. a., den genetiv nutzens (neben nutzes) Sleidanus historien (1557) 37ᵇ. Amadis 3, 12 K. Cisner Avent. chron. 118ᵃ. 208ᵇ. Zinkgref apophth. 1, 27. Simpl. 1, 252, 29. Butschky Patm. 101 f., den dativ nutzen (neben nutze) ebenda 351, Zinkgref 1, 28. Fleming 248; den accusativ nutzen (neben nutz) Sleidanus histor. 47ᵇ. Amadis 7 K. Philander 1, 259. Logau 1, 9, 71. Lehmann 558 f. Schuppius 721. 728. Butschky Patm. 924; plur. die nutzen Schuppius 742. — die alte starke form nutz, nutzes ist nhd. noch erhalten in eigennutz und im dativ zu nutz, zu nutze (machen), s. 2, b, γ; auszerdem wird auch der nominativ und accusativ nutz vereinzelt noch gebraucht von Brockes, Haller, Lessing, Göthe, Voss (der auch den genetiv eigenes nuzes hat statt eigennuzes Arist. die frösche 361), Rückert u. a. auch in oberd. mundarten ist der nutz noch gebräuchlich, s. Lexer kärnt. wb. 200. Schöpf 477.
Bedeutung und gebrauch. nutzen, nutz ist mit dem adj. nütze abgeleitet von nieszen (sp. 838), wie schutz von schieszen, und bedeutet etwas, das man nieszt, das man wovon zum genusz hat.
1)
der einem zu gute kommende ertrag von etwas: mhd.
ich gap im weiʒʒes unde wînes nuz.
Milstäter genesis 52, 9;
der nam (des lehens) ist grôʒ,   der nuz ist aber in solher mâʒe,
daʒ ich in niht begrîfen mac.
Walther 27, 10;
nhd. das weder dem keiser noch dem bobeste kein zins noch nutz möhte werden von Rome und von Italia. Königshofen 37, 1; und gap ime ouch sin selbes gesesse ... mit allen zehenden, nützen und zuͦgehörden. 632, 14; das er den tempel zu seinem jerlichen nutz brauchen wolt, wie ander heidenkirchen, und das priesterthum jerlich verleihen. 2 Macc. 11, 3; nuz der frucht. österr. weisth. 6, 52, 39 (16. jh.); wer ain neuen pflanzgarten auffengt und macht, der soll drei nucz (jahresertrag, s. jahrnutzen) und nit ferer frei sein. 1, 35, 45. 39, 23; so er zwen nuz ob der prachen genomben hat. 6, 81, 12 (vom jahre 1482); von früchten und nutzen auf dem feld. Carolina art. 167 überschrift; hastu viehe, so warte sein, und traget dirs nutz (jungvieh), so behalt sie. Sir. 7, 24; wer seines nachbarn irgehend vich einthut bei der nacht, sol keinen nutz davon nehmen (es nicht melken). landrecht von 1616 bei Schm.; wenn die kue verhext ist, so hat die hex den nutzen (die milch). Schm., aus dem bair. walde; zu hause machen sie hexensalbe und nehmen sie ihren nachbarn den nutzen (ertrag der kühe an milch und jungvieh). Birlinger volksth. 1, 307, vgl. 323; so kan der kuh auch der nuzen nicht genommen werden. anzeiger des germ. mus. 28, 332 (18. jh.); wann man den ganzen nutzen (milchertrag) haben will, so musz man dennen kühen die augenbraune, dasz sind die haare oben augen, dan an dennen ohren an spitzen (abschneiden). 334.
2)
überhaupt das einem (äuszerlich oder innerlich) zu gute kommende, der vortheil, gewinn, den man aus etwas zieht, den etwas gewährt; oft verbunden mit den synonymen geniesz, niesz, frommen, frucht, vortheil, gewinn oder mit dem gegensatze schaden: dasz allein der nutz und geniesz der h. rö. kirchen die einige ... richtschnur seie. Fischart bienenk. 50ᵇ; ohne eigen niesz und nutzen. Philander (1650) 1, 259; umb nutz und genieszes willen. Schuppius 405; nutz bringen oder frumen, prodesse voc. 1482 x 6ᵃ; umb ires nutzes und fromens willen. Wickram rollw. 155, 20 Kurz; zu nutz (zu nutzen) und frommen, s. theil 4¹, 245 f.; der gerechtigkeit frucht wird friede sein, und der gerechtigkeit nutz wird ewige stille und sicherheit sein. Jes. 32, 17; die (gelegenheit des orts) sonderlichen inn schlachten groszen vortheil und nutz bringet. Amadis 374 K.; wer nutz und vorteil will haben, der musz mit am nachteil tragen. Lehmann 558, 11;
die freundschaft lobt der gmeine man,
wo er des nutz und gwin thut han.
Eyering 2, 102;
betrüglicher nutz und gewinn. Butschky Patm. 351 (266). — darumb schuͦffen si der stat weder nutz noch êr sunder nur groszen schaden. städtechron. 4, 38, 21 (15. jahrh.); warheiten sagen, dy nit vil nutz bringen sunder schaden. Pauli 17 Öst.; das allermeist die menschen einander schaden und nutz zuͦfuͤgen mügen. Schwarzenberg Cicero de off. 41ᵇ; wer den nutzen hat, trägt billich auch den schaden. Lehmann 564, 99; wil ich euch von der erneuerung und regul desz wuchers sagen, nemlich mit was weisz derselben schäden aufs beste gemeidet und dessen nutzen behalten werden. Schuppius 721;
weil keinen schaden ich durch deinen nutz gewann.
Rückert Bostan 131, 8.
sonst ist im einzelnen hervorzuheben:
a)
eigener nutz (vgl. eigennutz) im gegensatze zu gemeiner nutz: herren .., die sich der regierung .. zu irm aigen nutz geprauchen. B. Zink, städtechron. 5, 298, 16; suͦchest dein eigenen nutz darinnen. Keisersberg sünd. d. munds 31ᵇ. 34ᵃ; ir aigner nutz kum an den tag. Aventin. 4, 9, 16;
der eigen nutz vertribt al recht.
S. Brant 10, 19;
oft aigner nutz, fürwitz, langkweil
machen den lauff über vil meil.
Schwarzenberg 132, 2;
(austreiben) den verfluchten eigenen nutz.
H. Sachs 3, 304, 20;
alles thun und alles tichten
blosz auf eignen nutzen richten.
Logau 1, 9, 71;
eigener nutz, heimlicher neid, junger rath
all stätt und land verstöret hat.
Lehmann 562, 71;
gemeiner nutz der stat. Meisterlin 33, 17; wider den gemainen nutz (handeln). B. Zink 298, 19; gemeiner nutz der stette und landes. Königshofen 321, 16; er hette sine fründe lieber denn den gemeinen nutz. 586, 2; in einem iglichen erzeigen sich die gaben des geists zum gemeinen nutz. 1 Cor. 12, 7; liesz im ainer nit ain heller entreiszen von gemaines nutz wegen. Aventin. 4, 11, 14;
gemeines nutzes, frid und recht
bistu vor got verpflichter knecht.
Schwarzenberg 135ᵃ;
die regierer des gemeinen nutz. Cicero de offic. 60ᵃ; sie wurden .. unter die regierer des gemeinen nutzes aufgenommen. buch d. liebe 311ᵈ;
wer liebet den gemeinen nutz,
der helt den adel vors lands schutz.
Lehmann 136, 14;
ein jeder soll sein leib und lebn
dem gmeinen nutz zum besten geben.
Ayrer 144, 12;
leute, die dem gemeinen nutze mit unsterblichem lobe vorgegangen seind. Opitz poeterei 11 neudr.; wenn obrigkeit den gemeinen nutzen handhabet, so folgt der privat nutzen der unterthanen vor sich selbst. Lehmann 559, 17; sie künnen .. den gemeinen nutzen nicht befürdern. Schuppius 742.
b)
nutzen in andern redewendungen, oft mit einem näher bestimmenden adjectiv oder genetiv (vgl. auch bei 1 und 2).
α)
als subject: das ist auch ein stark reitzung zur liebe und ein groszer nutz, das wir durch dieselbige eine freidigkeit sollen haben am tage des gerichts. Luther 6, 52ᵃ; das ist der beste nutz, wenn einer ihme selbst nutz ist. Lehmann 560, 44; dadurch dem reich doppelter nutzen entstehen wird. Leibnitz 1, 187; nutz der gelehrsamkeit. schles. Helikon 1, 827; nutz des goldes, des bleies u. s. w. Brockes 9, 11. 17;
kein nutz sei grosz genug, der Nüchtlands wohlfahrt mindert.
Haller die verdorb. sitten 228;
wie aus dem ersten zweck noch andre nutzen flieszen.
über den ursprung des übels 3, 210;
nutz geht vergnügung vor.
Lessing 1, 174;
so wird doch der nutzen, den ich dem menschlichen geschlecht dadurch verschaffe, sich über viele jahrhunderte erstrecken. Wieland 13, 187; moralischer nutzen. 1, 21; personificiert:
der nutz sitzt auf dem thron, im kerker steckt das recht.
Logau 3, 1, 1;
der nutzen ist das grosze idol der zeit, dem alle kräfte frohnen und alle talente huldigen sollen. Schiller 10, 277.
β)
als object. es heiszt nutzen (nutz) gewinnen, finden, haben (von), fühlen, sehen, merken, spüren, bringen, ziehen, stiften, schaffen, tragen, eintragen, befördern, verringern, schwächen u. s. w.:
der pulschaft gewan ich kein nutz.
fastn. sp. 119, 1;
wenn ir solchs thut .. habt ir solchen trost und nutz davon, das ir in gott und gott in euch bleibet. Luther 6, 48ᵇ; man sihet und fühlet den nutz nicht. 3, 377ᵃ; wer reichthum liebt, wird keinen nutz davon haben. pred. 5, 9; was nur gelt und nutz trueg. Aventin. 4, 495, 1;
ich suͦcht stets der stat nutz und eer.
N. Manuel todtentanz 63;
(er) thut seinem nechsten alles guts
aus milter lieb, sucht keinen nutz.
H. Sachs 1, 398, 27;
im krieg bring ich (der zorn) treflichen nutz.
3, 143, 32;
den nutz magst daraus rechen.
7, 243, 5;
so wolt ich in wol schaffen nutz.
Ayrer 315, 3;
es wird mehr nutz (= nutzes) eintragen ein abt zu sein dann ein schlechter mönch. Fischart groszm. 63;
welch waffen hat mehr nutz, der degen oder schild?
Logau 2, 5, 12;
bei dieser tummen zeit hat seinen besten nutz
der bauern starrig grob, der krieger toller trutz.
1, 5, 38;
was dann wird es nutzen tragen?
1, 8, 84;
kann nicht durch müh und fleisz ein liebesdienst geschehn,
daran wir manchen nutz und manche freude sehn?
Weise zeitvertr. 2, 83;
der unterthanen nutz befördern. Zinkgref apophth. 1, 27; wie man auch oft erfahren, dasz so ein kurtzweiliger rath mit einem worte mehr nutz geschafft als andere. Weise erzn. 174 neudruck;
(der wein) dem magen nutz und wärme schafft.
schles. Helikon 2, 145;
da wir seinen (des grases) nutz betrachten.
Brockes 7, 379;
das verlangen des verfassers, nutzen zu stiften. 6, vorr. 3ᵇ; und spüret man erst den nutzen davon. Leibnitz 1, 245; dasz kein mensch einen nutzen aus unsern schriften erlangen könnte. Rabener (1755) 2, 103; ich habe den nutzen davon deutlich erkannt. 106; den nutzen davon haben .. ihre kinder zu genieszen. 158;
den zufall bändige zum glück,
ergetz am augentrug den blick;
hast nutz und spasz von beiden.
Göthe 3, 117;
andere grosze nutzen, die eine solche reform nach sich ziehen würde, fallen in die augen. Kant 3, 315; wenn sie ihren nutzen dabei fänden. Schiller 4, 149; desto weniger konnte er des mannes entrathen, der .. seinen nutzen besorgte. 6, 110; Karl und Ludwig trugen den sieg davon, konnten aber keinen nutzen daraus ziehen. Schlosser weltgesch. 5, 427.
γ)
einige präpositionale fügungen. von nutzen sein, werden: die plaudereien der mönche können von nuzen für sie werden. Schiller 3, 544;
eine nadel ..
schwarz gerostet und von keinem nutze (: stutze).
Rückert mak. (1864) 46;
mit, ohne nutzen: die sy (dialektik) mit nutz mochten hoͤren. Th. Platter 101 B.; wie ihr euch im studio eloquentiae ... hinfüro mit nutz üben könnet. Schuppius 4; zum fünften reisen auch die mit nutz, welche. pers. rosenth. 3, 27; ohne sonderbaren nutzen. Leibnitz 1, 203; so könnte man sich .. dieser vermittelung mit nutzen bedienen. 480;
ihre (der quitten) kerne .. kühlen,
wie wir es mit nutzen fühlen,
wenn ...
Brockes 3, 168;
wer mit .. nutzen lesen will. Wieland 19, 6; diese wichtige vermahnung war nicht ohne nutzen. Rabener 1, 116;
ohne rache sterben
und ohne nutz dem vaterland —
freund, das heiszt pöbelhaft verderben.
Lessing 1, 66;
ihm war nun heer und hof .. ohne nutz.
Rückert brahm. 2, 8;
zu (zum) nutze (nutz, nutzen) sein, werden, kommen (theil 5, 1644), machen, bringen u. s. w.: mhd.
dar umbe daʒ er stüende
ze nutze werden liuten.
Konrad Silvester 95;
daʒ mir solde frumen
und mir ze nutze möhte kumen.
2640;
aber diu schalkhait kümt im klain ze nutz. Megenberg 215, 12; nhd.
wir wollen ihn zu nutz bringen.
fastn. sp. 101, 9;
schweigt und vernembt mein wort!
sie sind euch zu nutz gehort.
438, 22;
wo sie ihm dient zu nutz.
H. Sachs 1, 340, 22;
aber das fett vom asz ... macht euch zu allerlei nutz, aber essen solt irs nicht. 3 Mos. 3, 24; alles was sie haben, soll einig und allein ihnen zu nutz kommen. Sandrub s. 98 neudr.; haben sich dessen die zuhörer zu nutz gemacht. Schuppius 530; von dem der gantzen christenheit zu nutz kommendem geschäft. 730; dasz ich ihn (kalender) mir und dir zu nutz geschrieben. Simplic. calend. 3;
da ers (das eisen) aus so tiefem schacht
ihm zum nutz hervorgebracht.
Brockes 9, 22;
uns zum nutzen und zu nutz 9, 52. 53 f.;
der ähren göldnes meer ..
ist dir zur mühe nur, dem prinz zum nutz.
Haller 227 Hirzel;
einem zu nutzen gereichen. Rabener 4, 184; er machte sich den beifall der zuschauer zu nutze. 250; Danae machte sich diese gelegenheit zu nutze. Wieland 1, 193, vgl. 2, 309. 320. 3, 21; ein umstand, wodurch wenigstens der vierte theil des ... bodens wieder gewonnen werden und den einwohnern zu nutzen gehen würde. 20, 257;
mir zum nutz und dir zum preise.
Lessing 1, 55;
der wolf machte sich den umstand zu nutze. 1, 161; ich hätte mir wollen mein biszchen junges leben zu nutze machen. Göthe 14, 95; Melina hatte sich ihn (koffer) zu nutze gemacht. 19, 9; lasse man diese (mythologie und legenden) den poeten, die berufen sind, sie zu nutz und freude der welt zu behandeln. 22, 247; wenn wir uns dessen zu nutz und schutz unsrer clienten bedienen wollen. 25, 231; da ich mir alle mystische bücher zu nutze machte. Schiller 4, 239; etwas in seinen nutzen verwenden. Wieland 7, 91.
3)
die benützung, der gebrauch, genusz: ahd.
joh gab uns ouh zi nuzzî   thesan selbon puzzi (brunnen).
Otfrid 2, 14, 34;
mhd. wer sein mæʒigen nutz hât (es mäszig gebraucht). Megenberg 396, 31; es samnet seinen mist an ain stat, da in die läut gesehen mügen und in nemen zuo irm nutz. 140, 31; si (die hirschen) werfent iriu hörner in den waʒʒern, dar umb, daʒ si den läuten iht ze nutz werden. 130, 20; der (papst Stephan) sate ûf, daʒ man gewîhtes gewant zuͦ tegelîchem nutze nüt brûchen sol. Closener 18, 2; nhd. daʒ holtz ward gefuͤrt an der stat nutz. städtechron. 4, 69, 19 (15. jahrh.);
alle land geschaffen sind
zuͦ nutz .. desz menschen kind.
Schwarzenberg 118ᵈ;
in der alten rechtssprache, nutz und gewere, possessio fundi fructuaria Haltaus 1434. Schm.² 1, 1776 (vgl.nutzgewere): der zehen iar und ainen tag in nutz und gewer gesessen ist. weisth. 3, 730; nuz und gewer bekomen. 706; also ist das mit nutz und gewer bekommen von alter. österr. weisth. 1, 110, 19; was sie .. mit rechtlichem nutz und gewer .. innhieten. 284, 29.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1025, Z. 55.

nütze, nütz, nutze, nutz, adj.

nütze, nütz; nutze, nutz, adj.
nutzen bringend, nützlich, wozu dienlich, brauchbar, tüchtig (vgl. den gegensatz keinnütze theil 5, 497). goth. nuts in unnuts, ahd. nuzzi, nuzze, mhd. nütze, nütz, nutze, md. nutze, nutz, mnd. nutte, mnl. nut, nd. nutte, nütt (brem. wb. 3, 250. Dähnert 332ᵃ. Danneil 148ᵇ), ags. nyt, altn. nytr, altfries. nette. — nhd. (schon bei Rädlein, Denzler und Ludwig fehlend und von Frisch und Heynatz als veraltet bezeichnet) nutz voc. 1482 x 6ᵃ, nütz Alberus KK 1ᵃ. Maaler 308ᵈ, nutz und nütz Dasyp. (1556) L 1ᵇ, nütze Stieler 1355. Hederich 1713. Steinbach 2, 145, henneb. nötz Spiesz 175. die oberdeutschen mundarten haben die unumgelautete form nutz Schm.² 1, 1776. Lexer 200. Schöpf 476. Stalder 2, 247.
1)
am frühesten nachweisbar ist der prädicative gebrauch (vgl. theil 5, 497).
a)
nütze sein.
α)
ohne dativ: ahd.
theist (das ist) suaʒi joh ouh nuzzi.
Otfrid 1, 1, 55;
mhd. den al diu werlt wol solte klagen,
ob klägelîche swære
nâch tôde nütze wære.
Tristan 1678;
nütze unde fröudenbære
kan eʒ mit ein ander wesen.
Konrad Silvester 12;
md. er ist nicht nutze hie.
kreuzfahrt 4005;
nhd. si hetten den ziug, der da nütz was, dahaim gelaʒʒen. städtechron. 4, 29, 5 (anfang des 15. jahrh.); dasz man die leut in kirchhöff begrab sei nichts nutz. Meisterlin 174, 26; nutz sein oder frumen oder nutz bringen. voc. 1482 x 6ᵃ; ists dort nütze, so musz es auch hie nütze sein. Luther 3, 366ᵇ; nu frage ich, ob gott selbs auch etwas nütz sein müge? zwar da er auff erden gieng, war er so nütze, das wen er anruͤret durch sein fleisch, dem halff er. 377ᵃ; die leibliche übung ist wenig nütz. 1 Tim. 4, 8; ist auch nützer denn .. tischr. 226ᵇ; künige, so nit nutz warn. Aventin. 5, 99, 14; welches kleid ist nun nützer? 154, 18 (vgl. Zinkgref apophth. 1, 12);
geistlicher stand ist nutz und not,
söll mancher seelen werden rath.
Schwarzenberg 134ᵇ;
was seind die nütz?    das sag du mir.
H. Sachs 1, 145, 1;
vermaint ir nützer sein
als dasz tod bloch allein.
Ayrer 2610, 32;
es ist nichts nütz, es sei dann ehrlich. Frank sprichw. 1, 185ᵃ; was nutz ist das ist lieb. Lehmann 465, 4; gut und sehr nutz were es .. Kirchhof disc. milit. 20; (es ist) immer eines nothwendiger und täglich nützer dann das ander. 165; was ist ärger, als nichts wollen nuz sein, wann man es vermag? Butschky kanzl. 441; er hätte, wenn es nütze gewesen wäre, sein leben daran gewendet. Göthe 30, 50; es ist nicht nütze, dasz alles gedruckt werde. 33, 205; ich sehe, ihr seid nichts nutz hier. Lenz 1, 221; jetzt bist du gräulich und gar nichts nütz. Freytag ahnen 4, 18 (vgl. nichtsnütze sp. 729).
β)
mit dativ: ahd.
thaʒ eina (wunder) wâri uns nuzzi.
Otfrid 2, 3, 46;
mhd. der cristenheite was er nuzze.
kaiserchron. 257, 12 Diemer;
sô nemt durch got in iuwern muot
waʒ iu nütze sî unde guot.
Iwein 1988;
md. er was im dô nutzer dâ,
ê daʒ her im quême nâ.
kreuzfahrt 4196;
nhd. der meinem herrn .. umb seinen dinst und vodrung guet und nutz (zu leisten im stande) sei. östr. weisth. 6, 2, 38 (15. jh.); im wær nützer, er wær am ersten gericht worden. B. Zink städtechron. 5, 207, 8; unter allen dingen aber ist nichts nötigers und nützers der christenheit denn das tegliche brot. Luther 1, 82ᵃ; sein thun ist dir seer nütze. 2 Sam. 19, 4; volk, das ihnen nicht nütze sein kan. Jes. 30, 5; so lange du ihm nütz bist, brauchet er dein. Sir. 13, 5; was ist dem götzen opfer nütze? 30, 19; wenn ichs opfere, so ists dir viel nützer. Matth. 15, 5; es were im nützer, das man einen mülstein an seinen hals henget. Luc. 17, 2; der sich also verläg in seinem lust, niemand nutz wär. Aventin. 5, 99, 16;
derhalb wirt mir sein nutz und noht.
H. Sachs 13, 268, 28;
nützer wer mir der grimme thot,
denn das ich hie sol ellendt sein.
14, 24, 9;
vil nützer wer im, er wer todt.
Ayrer 2794, 7;
(sie leben) in einem solchen joch,
dasz in sterben vil nützer wer.
770, 10;
tugend ist nicht allen nütze.
Logau 3, 5, 23;
das ist der beste nutz, wenn einer ihme selbst nutz ist. Lehmann 560, 44; der ist niemand nutz, der ihme selbst nicht nutz ist. 561, 49; sonderlich ist das creutz einem theologo nutz. Schuppius 133;
prägst du diesz ihnen (den kindern) gleich bei zeiten ein:
so werden sie dir auch im alter nutze sein.
v. Kottwitz 25;
ach was ist mir .. alles nütze?
Gökingk 1, 38;
was ist dem staat der dichter nüz?
1, 185;
Kroat, wo hast du das halsband gestohlen?
handle dirs ab! dir ists doch nichts nütz (: schütz).
Schiller 12, 17 (Wallenst. lager 3);
und etwas denken ist dem menschen immer nütze.
Göthe 14, 116;
ein leben los zu werden, das mir ohne sie nichts weiter nütze ist. 17, 344; dieses (das genie) wird eben von dem guten geiste beseelt, bald zu erkennen was ihm nutz ist. 22, 161.
γ)
am nützesten sein, mit dativ: was dem hauffen am nützten. Fronsperger kriegsb. 1, 110ᵃ; am nützten wär mir wohl .. Wiedemann april 2, 9;
Bonna hat zu allen schlössern schlüssel an dem gürtel hangen;
nur zu dem, dasz ihr am nützten, musz der nachbar einen langen.
Logau 2, zugabe 54.
δ)
mit präpositionaler fügung, wobei auch der dativ der person stehen kann: ahd. nuzze ze .. (zu wissen, zu erfahren) Graff 2, 1122; mhd.
hie sint hunde unde wilt
und swaʒ ze jagen ist nütze.
Erec² 7184;
daʒ für gesunde wære
nütz und helfebære.
Konrad troj. krieg 14238;
Aristoteles spricht, daʒ daʒ weinperl zuo der stimm nütz sei. Megenberg 17, 4; (nasturtium) ist nütz für des âtem gepresten. 410, 16; nhd. ein weiser man, der sich nicht brauchen lesst, und ein vergrabener schatz, wo zu sind sie beide nütze? Sir. 20, 32; die gottseligkeit ist zu allen dingen nütz (goth. du allama ist bruks). 1 Tim. 4, 8; alle schrift, von gott eingegeben, ist nütz zur lere u. s. w. (þaurftôs du laiseinai). 2, 3, 16; es (salz) ist weder auf das land noch in den mist nütze (nih du airþai ni du maihstau fagr ist). Luc. 14, 35; was ist nütze an meinem blut, wenn ich tod bin? ps. 30, 10; dieser ist am frantzösischen hofe so nutze gewesen als ein königlicher rath. Schuppius 43; brod aus kleien .. ist zu wolfeiler zeit nutzer vor das vieh. Hohberg 138ᵃ;
(es ist) dir dort und hier zum leben nütze (: blitze).
Günther 142;
zu verminderung der hitze
ist der saft der äpfel nütze.
Brockes 9, 158;
der citronen scharfe säfte
sind zu vielen dingen nütz.
192;
in einer solchen bezauberten welt ist die vernunft zu gar nichts nutze. Kant 6, 256; zu was sind sie auch nütze? Lessing 1, 305; diese (werke) sind doch wohl zu mehr nütze, als nur zur gemüthsergetzung. Wieland 30, 505; wenn ich diesen sommer zu was nutz sein soll. an Merck 2, 133; für mich und euch wärs nicht nütze. Göthe 8, 140; (er) war in der haushaltung niemals nütze. 19, 105;
zu was ist er nütze?
14, 115;
seine (des thurms) kahlen höhn
wozu sind sie dir nütz, als in das thal zu sehn?
Schiller 11, 31;
wozu bist du hier nutz?
Rückert brahm. 4, 24.
b)
nütze werden, mit oder ohne dativ: mhd.
daʒ edile geschutze   daʒ warde in sît nuzze.
Milstäter exodus 158, 34;
wilt dû die piscînen guot
suochen, diu dir nütze wirt?
Konrad Silvester 1514;
nhd. was ist ein göldner kopf ohn einen bleynen sitzer?
verstand, der für sich gut, wird durch den fleisz viel nützer.
Logau 2, 8, 28.
c)
nütze machen, mit oder ohne dativ: wenn sie (die böse natur) ein mal ein werk aufbringet, das sie wolgethan heiszet, kan sie irs so nutz machen ... Luther 4, 457ᵃ; sonderlich machet er im den spruch ... nütze. 8, 82ᵃ; er kans im selbs nutz machen (das weib). Agricola sprichw. 136ᵃ; weil das L und R flieszende buchstaben sein, kan ich mir sie in beschreibung der bäche und wässer wol nütze machen. Opitz poeterei 31 neudr. (= zue nutze machen 32); der ist geschickt, der schaden weis nutz zu machen. Butschky Patm. 403 (300); wir wollen sehen, wie wir uns diesen bericht nutz und gut machen sollen. Creidius 256;
weiszt du noch was von fried und ruh,
so mach es dir bei zeiten nütze.
Günther 114;
nütze machen zu:
holen wir die besten sachen,
dasz wir sie zu unserm brauche wieder künnen nütze machen.
Logau 2, 5, 73;
hennebergisch sich nötz machen, sich höflich, dienstfertig, gefällig zeigen, schmeicheln, mit dem nebenbegriffe des eigennutzes Spiesz 175.
2)
attributiv: mhd.
er gap dem antlutze   siben locher nutze.
Milstäter genesis 5, 12;
eʒ wâren wol nütziu wîp,
die disiu zwei gebâren.
Parzival 187, 24;
nhd. es sollen auch unsere urbarsleut irr robait treulichen auszrichten und nutz (brauchbare, leistungsfähige) leut darzue schicken. östr. weisth. 6, 271, 25 (vom jahre 1391); nutzer paum, stam 56, 40. 68, 9. 78, 20; und hat die cristenheit wol geziert mit manigen edlen nützen sprüchen. heiligen leben (1472) 1ᵃ; die nützesten künst. Aventin. 4, 440, 16; so kan ich doch rhumen und sagen, das ich nicht allein ein apostel bin, sondern auch ein nützer apostel. Luther 6, 222ᵃ; sie sind uns doch seer nütze leute gewesen. 1 Sam. 25, 15; seind auch all nutze leut wol bei in gehalten. Frank weltb. 193ᵇ; Pharia hat den nutzesten stein sardium. 20ᵇ; alsdann bin ich ein nützer fisch. E. Alberus 84; ja er wird euch noch ein nutzer mensch werden. widder J. Witzeln mammeluken M 4ᵃ; ein selige nütze lere. Mathesius Sar. 51ᵃ; gerecht bist du .. und hast mir einen nützen rat geben. alte weisen (1565) 80ᵃ; sich der sehr nützen mühe nicht verdrieszen lassen. M. Neander bedenken 21;
wer nütze ding wil achten ring.
Uhland volksl. 616;
Prometheus hatte ..
dem menschen, welchen er vor ohne geist gemacht,
desz fewers edlen schein vom himmel eingebracht
durch nütze dieberei in seines leibes höle.
Opitz (1644) 1, 88;
der bösen seuchen gift von mir hat hingerissen
gar manchen nützen mann.
Fleming 116;
den nützen freund nur immer plagen,
hat niemals langen nutz getragen.
Logau 1, 6, 63;
weiland war die lieb ein feuer, wärmen war ihr nützer brauch.
2, 4, 48;
ein auszgelehrter geist der stellet seine zier
mit nutzer liebligkeit den edlen seelen für.
Rist Parnasz 268;
die (ziegen) sollen iren nutzen hüeter haben. österr. weisth. 1, 247, 36 (18. jahrh.); aus welchem (der Macedonier) lande man ehemals nicht einmal einen nützen leibeigenen haben konnte. Winkelmann 6, 96; kärnt. nutze (brave) kinder, nutzes holz u. dergl. Lexer 200.
3)
substantivisch, das nütze, nutze:
also aus böser menschen muͦt
macht got der herr das nütz und guͦt.
Schwarzenberg 155ᶜ;
das nutz umb ein schaden geben. kriegb. d. fr. 33; adverbial: das alles nach dem nuzesten zu bedenken. österr. weisth. 1, 298, 14 (15. jahrh.); und sich der zu gebrauchen zu allem irem nutzsten und bösten. Zimm. chron. 1, 242, 15.
4)
als adv.: und seind dise actualia cauteria vil sicherer, nutzer und unschedlicher zu brauchen wan die potentionalia. Ryff chir. 25ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1022, Z. 65.

nütze, nutz, f.

nütze, nutz, f.
was nutzen, ahd. nuzzî, mhd. nütze:
getriuwem vriunde ist nütze bî.
gute frau 65;
nhd. das meinem vettern die nutz (einkommen) des pistumbs auch mit der nutz des satz pisher volge. Chmel urk. Max. nr. 29; und welcher gerechtigkait sy in stiller nutz und gewer gesessen wern .., so solt er sy nit aus irer nutz und gewer setzen. monum. boica 9, 46 f.; das paternoster übertrifft alle gebet .. an fruchtbarkeit oder nütze. Keisersberg post. 207.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1025, Z. 43.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
nähzeug
Zitationshilfe
„nütze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%BCtze>, abgerufen am 20.09.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)