Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gartennutz, nutzen, m.

gartennutz, nutzen, m.
gartengenusz:
garten-nutz von frauen-äpfeln wird in anschlag nicht gestellt,
weil es ist ein solcher nutzen, welcher steigt und welcher fällt.
Logau 2, 3, 40.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1876), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1411, Z. 19.

nutzen, nutz, m.

nutzen, nutz, m.
utilitas. ahd. mhd. nuz (gen. nuzzes, nutzes, plur. mhd. nütze), md. noz; alts. not m., nota f., mnd. nut m., nutte, nut f., nd. nude, nutt m. (brem. wb. 3, 249); mnl. nnl. nut, ags. altn. nyt, altfries. nat. Im älteren nhd. nutz, nutzes, plur. nütze, nutz (voc. 1482 x 6ᵃ. Alberus KK 3ᵃ. Dasyp. L 1ᵃ f. Maaler 309ᵇ. Schm.² 1, 1776); Stieler, Erberg, Rädlein, Denzler setzen noch nutz an mit dem accusativ nutzen, Ludwig, Aler, Hederich und Frisch haben im nominativ nutz und nutzen. die form nutzen ist (wie galgen, garten u. s. w.) hervorgegangen aus einem schwachformigen nutze, dessen genetiv (dativ, accusativ) nutzen in den nominativ vordrang und einen neuen genetiv nutzens erzeugte: der nutze schon einmal in der krone Heinr. v. d. Türlein 19764:
sî der nutze (var. nutz) gar erslagen;
ferner in Dief. gloss. 463ᵃ (vom j. 1512) und in Cisners ausg. der Aventinschen chron. (1580) 120ᵃ, einmal bei Drollinger 31, und noch baslerisch Seiler 225ᵇ; davon der richtige genetiv des nutzen in Schards ausg. der Aventinschen chronik (1566) 221ᵃ. den nominativ nutzen (neben nutz) hat z. b. Kirchhof wendunm. 1, 17 (1, 9). Lehmann 558 f. u. a., den genetiv nutzens (neben nutzes) Sleidanus historien (1557) 37ᵇ. Amadis 3, 12 K. Cisner Avent. chron. 118ᵃ. 208ᵇ. Zinkgref apophth. 1, 27. Simpl. 1, 252, 29. Butschky Patm. 101 f., den dativ nutzen (neben nutze) ebenda 351, Zinkgref 1, 28. Fleming 248; den accusativ nutzen (neben nutz) Sleidanus histor. 47ᵇ. Amadis 7 K. Philander 1, 259. Logau 1, 9, 71. Lehmann 558 f. Schuppius 721. 728. Butschky Patm. 924; plur. die nutzen Schuppius 742. — die alte starke form nutz, nutzes ist nhd. noch erhalten in eigennutz und im dativ zu nutz, zu nutze (machen), s. 2, b, γ; auszerdem wird auch der nominativ und accusativ nutz vereinzelt noch gebraucht von Brockes, Haller, Lessing, Göthe, Voss (der auch den genetiv eigenes nuzes hat statt eigennuzes Arist. die frösche 361), Rückert u. a. auch in oberd. mundarten ist der nutz noch gebräuchlich, s. Lexer kärnt. wb. 200. Schöpf 477.
Bedeutung und gebrauch. nutzen, nutz ist mit dem adj. nütze abgeleitet von nieszen (sp. 838), wie schutz von schieszen, und bedeutet etwas, das man nieszt, das man wovon zum genusz hat.
1)
der einem zu gute kommende ertrag von etwas: mhd.
ich gap im weiʒʒes unde wînes nuz.
Milstäter genesis 52, 9;
der nam (des lehens) ist grôʒ,   der nuz ist aber in solher mâʒe,
daʒ ich in niht begrîfen mac.
Walther 27, 10;
nhd. das weder dem keiser noch dem bobeste kein zins noch nutz möhte werden von Rome und von Italia. Königshofen 37, 1; und gap ime ouch sin selbes gesesse ... mit allen zehenden, nützen und zuͦgehörden. 632, 14; das er den tempel zu seinem jerlichen nutz brauchen wolt, wie ander heidenkirchen, und das priesterthum jerlich verleihen. 2 Macc. 11, 3; nuz der frucht. österr. weisth. 6, 52, 39 (16. jh.); wer ain neuen pflanzgarten auffengt und macht, der soll drei nucz (jahresertrag, s. jahrnutzen) und nit ferer frei sein. 1, 35, 45. 39, 23; so er zwen nuz ob der prachen genomben hat. 6, 81, 12 (vom jahre 1482); von früchten und nutzen auf dem feld. Carolina art. 167 überschrift; hastu viehe, so warte sein, und traget dirs nutz (jungvieh), so behalt sie. Sir. 7, 24; wer seines nachbarn irgehend vich einthut bei der nacht, sol keinen nutz davon nehmen (es nicht melken). landrecht von 1616 bei Schm.; wenn die kue verhext ist, so hat die hex den nutzen (die milch). Schm., aus dem bair. walde; zu hause machen sie hexensalbe und nehmen sie ihren nachbarn den nutzen (ertrag der kühe an milch und jungvieh). Birlinger volksth. 1, 307, vgl. 323; so kan der kuh auch der nuzen nicht genommen werden. anzeiger des germ. mus. 28, 332 (18. jh.); wann man den ganzen nutzen (milchertrag) haben will, so musz man dennen kühen die augenbraune, dasz sind die haare oben augen, dan an dennen ohren an spitzen (abschneiden). 334.
2)
überhaupt das einem (äuszerlich oder innerlich) zu gute kommende, der vortheil, gewinn, den man aus etwas zieht, den etwas gewährt; oft verbunden mit den synonymen geniesz, niesz, frommen, frucht, vortheil, gewinn oder mit dem gegensatze schaden: dasz allein der nutz und geniesz der h. rö. kirchen die einige ... richtschnur seie. Fischart bienenk. 50ᵇ; ohne eigen niesz und nutzen. Philander (1650) 1, 259; umb nutz und genieszes willen. Schuppius 405; nutz bringen oder frumen, prodesse voc. 1482 x 6ᵃ; umb ires nutzes und fromens willen. Wickram rollw. 155, 20 Kurz; zu nutz (zu nutzen) und frommen, s. theil 4¹, 245 f.; der gerechtigkeit frucht wird friede sein, und der gerechtigkeit nutz wird ewige stille und sicherheit sein. Jes. 32, 17; die (gelegenheit des orts) sonderlichen inn schlachten groszen vortheil und nutz bringet. Amadis 374 K.; wer nutz und vorteil will haben, der musz mit am nachteil tragen. Lehmann 558, 11;
die freundschaft lobt der gmeine man,
wo er des nutz und gwin thut han.
Eyering 2, 102;
betrüglicher nutz und gewinn. Butschky Patm. 351 (266). — darumb schuͦffen si der stat weder nutz noch êr sunder nur groszen schaden. städtechron. 4, 38, 21 (15. jahrh.); warheiten sagen, dy nit vil nutz bringen sunder schaden. Pauli 17 Öst.; das allermeist die menschen einander schaden und nutz zuͦfuͤgen mügen. Schwarzenberg Cicero de off. 41ᵇ; wer den nutzen hat, trägt billich auch den schaden. Lehmann 564, 99; wil ich euch von der erneuerung und regul desz wuchers sagen, nemlich mit was weisz derselben schäden aufs beste gemeidet und dessen nutzen behalten werden. Schuppius 721;
weil keinen schaden ich durch deinen nutz gewann.
Rückert Bostan 131, 8.
sonst ist im einzelnen hervorzuheben:
a)
eigener nutz (vgl. eigennutz) im gegensatze zu gemeiner nutz: herren .., die sich der regierung .. zu irm aigen nutz geprauchen. B. Zink, städtechron. 5, 298, 16; suͦchest dein eigenen nutz darinnen. Keisersberg sünd. d. munds 31ᵇ. 34ᵃ; ir aigner nutz kum an den tag. Aventin. 4, 9, 16;
der eigen nutz vertribt al recht.
S. Brant 10, 19;
oft aigner nutz, fürwitz, langkweil
machen den lauff über vil meil.
Schwarzenberg 132, 2;
(austreiben) den verfluchten eigenen nutz.
H. Sachs 3, 304, 20;
alles thun und alles tichten
blosz auf eignen nutzen richten.
Logau 1, 9, 71;
eigener nutz, heimlicher neid, junger rath
all stätt und land verstöret hat.
Lehmann 562, 71;
gemeiner nutz der stat. Meisterlin 33, 17; wider den gemainen nutz (handeln). B. Zink 298, 19; gemeiner nutz der stette und landes. Königshofen 321, 16; er hette sine fründe lieber denn den gemeinen nutz. 586, 2; in einem iglichen erzeigen sich die gaben des geists zum gemeinen nutz. 1 Cor. 12, 7; liesz im ainer nit ain heller entreiszen von gemaines nutz wegen. Aventin. 4, 11, 14;
gemeines nutzes, frid und recht
bistu vor got verpflichter knecht.
Schwarzenberg 135ᵃ;
die regierer des gemeinen nutz. Cicero de offic. 60ᵃ; sie wurden .. unter die regierer des gemeinen nutzes aufgenommen. buch d. liebe 311ᵈ;
wer liebet den gemeinen nutz,
der helt den adel vors lands schutz.
Lehmann 136, 14;
ein jeder soll sein leib und lebn
dem gmeinen nutz zum besten geben.
Ayrer 144, 12;
leute, die dem gemeinen nutze mit unsterblichem lobe vorgegangen seind. Opitz poeterei 11 neudr.; wenn obrigkeit den gemeinen nutzen handhabet, so folgt der privat nutzen der unterthanen vor sich selbst. Lehmann 559, 17; sie künnen .. den gemeinen nutzen nicht befürdern. Schuppius 742.
b)
nutzen in andern redewendungen, oft mit einem näher bestimmenden adjectiv oder genetiv (vgl. auch bei 1 und 2).
α)
als subject: das ist auch ein stark reitzung zur liebe und ein groszer nutz, das wir durch dieselbige eine freidigkeit sollen haben am tage des gerichts. Luther 6, 52ᵃ; das ist der beste nutz, wenn einer ihme selbst nutz ist. Lehmann 560, 44; dadurch dem reich doppelter nutzen entstehen wird. Leibnitz 1, 187; nutz der gelehrsamkeit. schles. Helikon 1, 827; nutz des goldes, des bleies u. s. w. Brockes 9, 11. 17;
kein nutz sei grosz genug, der Nüchtlands wohlfahrt mindert.
Haller die verdorb. sitten 228;
wie aus dem ersten zweck noch andre nutzen flieszen.
über den ursprung des übels 3, 210;
nutz geht vergnügung vor.
Lessing 1, 174;
so wird doch der nutzen, den ich dem menschlichen geschlecht dadurch verschaffe, sich über viele jahrhunderte erstrecken. Wieland 13, 187; moralischer nutzen. 1, 21; personificiert:
der nutz sitzt auf dem thron, im kerker steckt das recht.
Logau 3, 1, 1;
der nutzen ist das grosze idol der zeit, dem alle kräfte frohnen und alle talente huldigen sollen. Schiller 10, 277.
β)
als object. es heiszt nutzen (nutz) gewinnen, finden, haben (von), fühlen, sehen, merken, spüren, bringen, ziehen, stiften, schaffen, tragen, eintragen, befördern, verringern, schwächen u. s. w.:
der pulschaft gewan ich kein nutz.
fastn. sp. 119, 1;
wenn ir solchs thut .. habt ir solchen trost und nutz davon, das ir in gott und gott in euch bleibet. Luther 6, 48ᵇ; man sihet und fühlet den nutz nicht. 3, 377ᵃ; wer reichthum liebt, wird keinen nutz davon haben. pred. 5, 9; was nur gelt und nutz trueg. Aventin. 4, 495, 1;
ich suͦcht stets der stat nutz und eer.
N. Manuel todtentanz 63;
(er) thut seinem nechsten alles guts
aus milter lieb, sucht keinen nutz.
H. Sachs 1, 398, 27;
im krieg bring ich (der zorn) treflichen nutz.
3, 143, 32;
den nutz magst daraus rechen.
7, 243, 5;
so wolt ich in wol schaffen nutz.
Ayrer 315, 3;
es wird mehr nutz (= nutzes) eintragen ein abt zu sein dann ein schlechter mönch. Fischart groszm. 63;
welch waffen hat mehr nutz, der degen oder schild?
Logau 2, 5, 12;
bei dieser tummen zeit hat seinen besten nutz
der bauern starrig grob, der krieger toller trutz.
1, 5, 38;
was dann wird es nutzen tragen?
1, 8, 84;
kann nicht durch müh und fleisz ein liebesdienst geschehn,
daran wir manchen nutz und manche freude sehn?
Weise zeitvertr. 2, 83;
der unterthanen nutz befördern. Zinkgref apophth. 1, 27; wie man auch oft erfahren, dasz so ein kurtzweiliger rath mit einem worte mehr nutz geschafft als andere. Weise erzn. 174 neudruck;
(der wein) dem magen nutz und wärme schafft.
schles. Helikon 2, 145;
da wir seinen (des grases) nutz betrachten.
Brockes 7, 379;
das verlangen des verfassers, nutzen zu stiften. 6, vorr. 3ᵇ; und spüret man erst den nutzen davon. Leibnitz 1, 245; dasz kein mensch einen nutzen aus unsern schriften erlangen könnte. Rabener (1755) 2, 103; ich habe den nutzen davon deutlich erkannt. 106; den nutzen davon haben .. ihre kinder zu genieszen. 158;
den zufall bändige zum glück,
ergetz am augentrug den blick;
hast nutz und spasz von beiden.
Göthe 3, 117;
andere grosze nutzen, die eine solche reform nach sich ziehen würde, fallen in die augen. Kant 3, 315; wenn sie ihren nutzen dabei fänden. Schiller 4, 149; desto weniger konnte er des mannes entrathen, der .. seinen nutzen besorgte. 6, 110; Karl und Ludwig trugen den sieg davon, konnten aber keinen nutzen daraus ziehen. Schlosser weltgesch. 5, 427.
γ)
einige präpositionale fügungen. von nutzen sein, werden: die plaudereien der mönche können von nuzen für sie werden. Schiller 3, 544;
eine nadel ..
schwarz gerostet und von keinem nutze (: stutze).
Rückert mak. (1864) 46;
mit, ohne nutzen: die sy (dialektik) mit nutz mochten hoͤren. Th. Platter 101 B.; wie ihr euch im studio eloquentiae ... hinfüro mit nutz üben könnet. Schuppius 4; zum fünften reisen auch die mit nutz, welche. pers. rosenth. 3, 27; ohne sonderbaren nutzen. Leibnitz 1, 203; so könnte man sich .. dieser vermittelung mit nutzen bedienen. 480;
ihre (der quitten) kerne .. kühlen,
wie wir es mit nutzen fühlen,
wenn ...
Brockes 3, 168;
wer mit .. nutzen lesen will. Wieland 19, 6; diese wichtige vermahnung war nicht ohne nutzen. Rabener 1, 116;
ohne rache sterben
und ohne nutz dem vaterland —
freund, das heiszt pöbelhaft verderben.
Lessing 1, 66;
ihm war nun heer und hof .. ohne nutz.
Rückert brahm. 2, 8;
zu (zum) nutze (nutz, nutzen) sein, werden, kommen (theil 5, 1644), machen, bringen u. s. w.: mhd.
dar umbe daʒ er stüende
ze nutze werden liuten.
Konrad Silvester 95;
daʒ mir solde frumen
und mir ze nutze möhte kumen.
2640;
aber diu schalkhait kümt im klain ze nutz. Megenberg 215, 12; nhd.
wir wollen ihn zu nutz bringen.
fastn. sp. 101, 9;
schweigt und vernembt mein wort!
sie sind euch zu nutz gehort.
438, 22;
wo sie ihm dient zu nutz.
H. Sachs 1, 340, 22;
aber das fett vom asz ... macht euch zu allerlei nutz, aber essen solt irs nicht. 3 Mos. 3, 24; alles was sie haben, soll einig und allein ihnen zu nutz kommen. Sandrub s. 98 neudr.; haben sich dessen die zuhörer zu nutz gemacht. Schuppius 530; von dem der gantzen christenheit zu nutz kommendem geschäft. 730; dasz ich ihn (kalender) mir und dir zu nutz geschrieben. Simplic. calend. 3;
da ers (das eisen) aus so tiefem schacht
ihm zum nutz hervorgebracht.
Brockes 9, 22;
uns zum nutzen und zu nutz 9, 52. 53 f.;
der ähren göldnes meer ..
ist dir zur mühe nur, dem prinz zum nutz.
Haller 227 Hirzel;
einem zu nutzen gereichen. Rabener 4, 184; er machte sich den beifall der zuschauer zu nutze. 250; Danae machte sich diese gelegenheit zu nutze. Wieland 1, 193, vgl. 2, 309. 320. 3, 21; ein umstand, wodurch wenigstens der vierte theil des ... bodens wieder gewonnen werden und den einwohnern zu nutzen gehen würde. 20, 257;
mir zum nutz und dir zum preise.
Lessing 1, 55;
der wolf machte sich den umstand zu nutze. 1, 161; ich hätte mir wollen mein biszchen junges leben zu nutze machen. Göthe 14, 95; Melina hatte sich ihn (koffer) zu nutze gemacht. 19, 9; lasse man diese (mythologie und legenden) den poeten, die berufen sind, sie zu nutz und freude der welt zu behandeln. 22, 247; wenn wir uns dessen zu nutz und schutz unsrer clienten bedienen wollen. 25, 231; da ich mir alle mystische bücher zu nutze machte. Schiller 4, 239; etwas in seinen nutzen verwenden. Wieland 7, 91.
3)
die benützung, der gebrauch, genusz: ahd.
joh gab uns ouh zi nuzzî   thesan selbon puzzi (brunnen).
Otfrid 2, 14, 34;
mhd. wer sein mæʒigen nutz hât (es mäszig gebraucht). Megenberg 396, 31; es samnet seinen mist an ain stat, da in die läut gesehen mügen und in nemen zuo irm nutz. 140, 31; si (die hirschen) werfent iriu hörner in den waʒʒern, dar umb, daʒ si den läuten iht ze nutz werden. 130, 20; der (papst Stephan) sate ûf, daʒ man gewîhtes gewant zuͦ tegelîchem nutze nüt brûchen sol. Closener 18, 2; nhd. daʒ holtz ward gefuͤrt an der stat nutz. städtechron. 4, 69, 19 (15. jahrh.);
alle land geschaffen sind
zuͦ nutz .. desz menschen kind.
Schwarzenberg 118ᵈ;
in der alten rechtssprache, nutz und gewere, possessio fundi fructuaria Haltaus 1434. Schm.² 1, 1776 (vgl.nutzgewere): der zehen iar und ainen tag in nutz und gewer gesessen ist. weisth. 3, 730; nuz und gewer bekomen. 706; also ist das mit nutz und gewer bekommen von alter. österr. weisth. 1, 110, 19; was sie .. mit rechtlichem nutz und gewer .. innhieten. 284, 29.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1025, Z. 55.

nutzen, nützen

nutzen, nützen,
s. nussen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1029, Z. 23.

nutzen, nützen, verb.

nutzen, nützen, verb.
uti und prodesse. die doppelform geht zurück auf ahd. nuzzôn und nuzjan (nuzzan, nuzzen), die wie das ags. nytjan, altn. nytja und nd. nutten nur transitive bedeutung haben; mhd. nutzen und nützen, nhd. in den älteren vocabularien nur nutzen (frui, fungi, uti, prodesse Dief. 249ᵃ. 252ᶜ. 631ᶜ. 462ᵇ), ebenso in den wörterbüchern von Maaler, Denzler, Erberg und Rädlein; auch Stieler setzt nutzen an mit der bemerkung 'dicitur etiam nützen'; Alberus KK 3ᵃ (nur transitiv), Schottel (1371) und Hederich haben nur (wie auch Luther) die umgelautete form, während Ludwig, Steinbach und Frisch beide formen ansetzen, dieser mit der angabe (2, 25ᵃ) 'nutzen ist mehr in Ober - Teutschland (vgl. Schm.² 1, 1777) gebräuchlich bis an Thüringen, nützen aber gegen und in Obersachsen'. aus Heynatz (2, 301), der die form nutzen verwirft, und Adelung (3, 546) ersieht man, dasz zu jener zeit nutzen transitiv üblicher war als nützen, während Campe (3, 528ᵃ) wieder umgekehrt behauptet, dasz transitives nützen schon lange von vielen guten schriftstellern gehörig unterschieden werde von intransitivem nutzen. eine strenge regel hat sich aber, wie man aus den nachfolgenden belegen ersieht, nicht ausgebildet und das wort wird auch jetzt noch wie in der alten sprache in beiden formen promiscue als transitivum und intransitivum gebraucht, nur dasz für den ersten fall nutzen üblicher geblieben ist als nützen (aufgefaszt als nütze sein), das aber im reime der leichteren bindung wegen in beiden bedeutungen das übergewicht hat. die oberd. mundarten halten an nutzen fest, doch wird schwäbisch (nach Schmid 411) nutzen nur intransitiv und nützen transitiv gebraucht, während die mundart der sieben und dreizehn gemeinden für beide bedeutungen nur nützen kennt, s. Schm. cimbr. wb. 150ᵇ.
I.
Transitiv, sinnverwandt mit genieszen, brauchen, gebrauchen (s. nützen und gebrauchen th. 4¹, 1828), anwenden, sich bedienen und oft durch benutzen, benützen ersetzt.
1)
mit sächlichem objecte.
a)
als nahrung (oder arznei) brauchen, genieszen. mhd. und md. (mit accusativ oder theilungsgenetiv): swer daʒ iht nüzet geʒʒen oder getrunken. Br. Berthold, Wackernagel lesebuch 1, 676, 15; die schüllen des pfeffers niht nützen. Megenberg 373, 18;
(sie) nuzte ein lutzel spîse.
heil. Elisabeth 5207;
(er hatte) gesên di brûdre eʒʒin kol,
des di Prûʒin nicht inpflâgin
nutzin dennoch bî den tagin.
Jeroschin 9876;
nhd. nuczen, frui, vesci Dief. 249ᵃ; von früchten mögen genützt werden. Ryff kochbüchlein für die kranken 71ᵃ; den trank nützen. arzneibuch (Erfurt 1546) 79ᵇ. 81ᵇ; negella und enzian zuͦsamen gemischet und das genützt oder genummen. Braunschweig chir. 28; also genützt = also getrunken. Bock kräuterbuch 44ᵇ. 54ᵇ; das gebrant wasser davon (schlüsselblumen) mag wol auch zuͦ andern innerlichen presten genützt werden. 65ᵇ; alle diese zucker haben, innerlich genutzet, eine besänftigende kraft. Hohberg 3, 1, 543ᵇ.
b)
aus etwas äuszerlichen oder innerlichen nutzen ziehen, etwas (um vortheil zu ziehen) anwenden, gebrauchen, benutzen; überhaupt wozu gebrauchen, fungi, uti Dief. 252ᶜ. 631ᶜ: mhd.
und swaʒ der rîche mac gehân
wîstuomes unde witze,
daʒ nütz ich und besitze
vil gar nach mînes herzen ger.
Konrad troj. kr. 2160;
diu (ros) beide wol genützet
dâ wurden und gebrûchet.
34512;
nütz eʒ, eʒ ist sîn swert.
H. v. Neustadt Apoll. 5239;
nhd. alle gastgeben sollen .. masz, die mit der grösz der Salzburger masz geleicht haben, nutzen. österr. weisth. 6, 232, 16 (15. jahrh.); wen ain knecht dem andern .. seinen zeug nützt über seinen willen. 105, 40 (16. jahrh.); der die pruggen mer nutzt den sein hausznotturft erfordert. 293, 32; zinene kendelen nützen. A. Tucher haushaltbuch 82;
liedren aimer und spützen,
inn fewers not zu nützen.
H. Sachs 3, 243, 37;
solch buͤberei wer hoch zu nützen (: trützen).
Fischart nachtrab 1653;
die (kriegsleut) uns in kriegssachen beschützn,
für uns die wehr und waffen nützn.
Ayrer 86, 24;
die federwisch die nützt man auch
und sind bein schreibern stets in brauch.
Alberus 153ᵃ;
das alt haus soll man stützen
und das geld soll man nützen.
Creidius 294;
wenn man dieselben (thiere) braucht und nützt.
Brockes 9, 310;
fragen sie einmal in meiner gegend nach, mit welchem eifer ich meine gerichtsbestallungen nutze. Rabener (1755) 3, 119; sie nutzte die kurze zeit sehr vorsichtig. 4, 84;
keiner wuszt ihn (reichthum) recht zu nützen (: sitzen).
Gellert 1, 79;
was ihr (der erfinder) geist grübelnd entdeckt, nutzen wir.
Klopstock 1, 186;
sobald die menschen die natur nützten (daraus nutzen zogen). Kant 7, 344; der fleiszige Deutsche macht die collectanea, die der witzige Franzose nutzt. Lessing 1, 145; du würdest ... deinen schatz doch nicht genutzt haben. 148; was er (der dichter) vor sich selbst nicht nutzen kann, setzt er als ein ingrediens, um gewisse vermischte empfindungen hervorzubringen. 6, 508; endlich fiel man darauf, selbst das, was mich zu einem so langsamen ... arbeiter macht, an mir nutzen zu wollen, die critik. 7, 449; ich darf mich rühmen, dasz der erbprinz mehr darauf gesehen, dasz ich die bibliothek, als dasz die bibliothek mich nutzen soll (vergl. 2). 12, 252; wenn sie diese (buchausgabe) nutzen zu können glauben. 276; das, was ich nicht selbst zu nutzen verstehe. 292; ich wünschte sehr, dasz sie (Heyne) mich nicht blosz in gedanken durch Italien begleitet hätten; wenn es in person gewesen wäre, würde ich meine reise erst haben nutzen können. 451; ich könnte doch vielleicht einmal etwas davon (Nicolais collectaneen zu einem deutschen wörterbuche) nützen. 13, 175; die menschliche gattung .. kann, um weise zu werden, nicht nur ihre eignen erfahrungen nützen. Wieland 8, 104; ich schenke ihnen ihre rede ..; sie können sie vielleicht bei einer andern gelegenheit besser nützen. 12, 167; ich nutze die unersättliche wiszbegierde der kinder und suche ihnen keine antwort schuldig zu bleiben. Hermes Sophie (1776) 3, 185; (ich) warf eine bemerkung hinein, die er nutzen sollte. Thümmel reise 9 (1803), 105; kann er (der dichter) häszliche formen nutzen, wie weit eher schöne. Herder krit. wälder 1, 238;
nutze deine jungen tage,
lerne zeitlich klüger sein.
Göthe 1, 144;
(sie war) ohnehin gewohnt die gegenwart zu nutzen. 17, 43; um sein leben dort ... höher zu nutzen. 318; dergleichen (unterhaltung) könne von einem jungen frauenzimmer aufgenommen und genutzt werden. an Zelter 747; nutzten sie das nicht (lieszen sie sich das nicht zum nutzen, zur lehre gereichen)? Leisewitz Julius 1, 1; meine jetzige laune könnte darüber verfliegen und ich will sie nützen. 3, 3;
nützen
musz man den augenblick, der einmal nur
sich bietet.
Schiller 5, 2, 300 (don Carlos 3, 9);
das ist der augenblick mein kind zu retten,
ich will ihn nutzen.
13, 298 (jungfr. von Orl. 4, 8);
izt nuz ich den zeitpunkt. 2, 258 (räuber, trauersp. 2, 9); sie nuzten die gelegenheit. 4, 115; sogleich entschlosz ich mich, sie (nachricht) zu nützen. 4, 225; mit schneller besonnenheit wuszte er diesen umstand zu nützen. 8, 231; Mithridates nutzte die erbitterung der einwohner. Schlosser weltgesch. 3, 549;
mann, der seine kräfte nützt (: beschützt).
Rückert brahm. 2, 12.
α)
nutzen (nützen) zu, wozu anwenden, gebrauchen, benutzen: si nützet irn munt niht zuo eʒʒen und zuo trinken. Megenberg 277, 16; man nützet das holz zuo den ältern (altären) in den gotshäusern. 355, 23; er sol solch essen (das abendmahl) nützen zur vergebung der sünd. Luther 8, 378ᵃ;
so stehestu, dornbusch, bei der erdt
und must veracht daniden sitzen,
man thut dich nit zum ehren nützen.
Waldis Es. 2, 3, 18 Kurz;
und wozu wolltest du diese wissenschaft nützen? Wieland 13, 110; du hast die dir verliehene hohe kraft .. zur befriedigung der niedrigsten leidenschaften genutzt. Klinger 5, 31;
vieles traf zusammen,
das ich zu unserm vortheil nutzen konnte.
Göthe 9, 126 (Tasso 1, 4);
sie nutzte kühn
des morgenrittes abgemeszne stunden
mit ungeheurer schnelligkeit zum zweck,
den alten, vielgeliebten mann zu sehn.
9, 314 (nat. tochter 3, 2).
β)
statt des accusativs kann in der älteren sprache auch ein theilungsgenetiv (wie im mhd.) stehn: das der mensch derselben güter also nützen und .. brauchen möge. Melanchthon corp. doctr. 984.
2)
mit persönlichem objecte.
a)
aus jemanden äuszerlichen oder innerlichen nutzen ziehen, ihn wozu gebrauchen: leute nützen zu, wozu verwenden. österr. weisth. 6, 304, 26 (15. jahrh.);
ich bin dem bischof nun wol oft kon (kommen)
und hab in genützt wol zehen jar
mê dann fünfzig rinsch guldin bar.
N. Manuel vom papst u. seiner priesterschaft 297;
wenn ich min pfruͦnd verdienen sol,
so tuͦn ichs gern und bedarf ir wol ...
den bapst möchte ich sunst gar nüt nützen.
833;
o liebs weib thu mich nur nicht schlagn!
ich lasz mich all deins gfallens nützen (zu jedem dienste brauchen).
Ayrer 2883, 33;
ich habe fette hämmel darunter (unter den unterthanen), die mag er (der schösser) nutzen, bis er satt und bezahlt ist. Rabener (1755) 3, 126; ich dächte, dasz sie meinen oheim besser genutzt (ihm mehr geld abgenommen) hätten. Hermes Sophie (1776) 2, 247; er soll den dichter nicht blosz als erzähler, er soll ihn als dichter nutzen. Lessing 6, 446; Plutarch in der abhandlung, wie man seine feinde nützen solle. 7, 176 anm.; ich .. will ihn (Mendelssohn) noch auf dieser erde recht nutzen. K. Lessing bei Lessing 13, 220;
theuer ist mir der freund, doch auch den feind kann ich nützen.
Schiller 11, 189;
nutze den, der dich will nutzen.
Rückert 6, 103.
b)
eine nutzen, stuprare Keller erzählungen aus altd. handschriften 388, 16; da sie sie hetten genutzet die ganzen nacht (qua cum tota nocte abusi essent). bibel von 1483 121ᵇ (die erkenneten sie und zuerbeiten sich die gantze nacht. richt. 19, 25);
so wert ir euch ie darzu geben,
daʒ ich euch auf der truhen nutz.
H. Folz fastn. sp. 1445.
vgl. brauchen theil 2, 316.
II.
Intransitiv, mit persönlichem oder sächlichem subjecte, nutzen bringen, von nutzen, nütze sein, prodesse Dief. 462ᵇ; synonym mit dienen, frommen (th. 4¹, 246 f.), taugen, helfen, gegensatz zu schaden.
1)
ohne weitere beziehung:
nicht aller räthe anschläg nützen (: schützen).
Kirchhof wendunm. 2, 346 (3, 82) Öst.;
was nützt ist nur ein theil des bedeutenden. Göthe 21, 49; wie es denn dem geselligen menschen ganz gleichgültig ist, ob er nutzt oder schadet, wenn er nur unterhalten wird. 26, 15;
ein liedchen, das gefällt und nützt (: schützt).
5, 10;
damit sie (fremde menschen) nutzen sollen.
9, 184 (Tasso 3, 4);
dasz er (Kotzebue) aus bosheit schaden mag,
das ist ihm wohl erlaubt;
doch fluch ich, dasz er tag für tag
auch noch zu nützen glaubt.
52, 84;
anstatt zu nützen, schadeten seine (Drakos) gesetze. Schiller 9, 165.
2)
mit angabe des grades, etwas (fragend was), viel, wenig, nichts u. s. w. nützen: mhd.
daʒ sint alleʒ schützen,
die mohten wol gar nützen.
H. v. Neustadt Apoll. 20737;
nhd. was nützet es, das wir sein gebot halten? Mal. 3, 14; was nützet die beschreibung? Röm. 3, 1; weichet nicht dem eiteln nach, denn es nützet nicht. 1 Sam. 12, 21; unser veter haben falsche .. götter gehabt, die nichts nützen können. Jer. 16, 19; was nitz das? Th. Platter 104 B.; es nützt nit, alweg die warheit sagen. Frank sprichw. 1, 87ᵃ; was nicht nutzt ist nicht recht. Lehmann (1630) 563, 93; von dingen, so nichts nutzen, sagt man .. es nutzt so viel als spinnweben zum kleid u. s. w. 834, 3;
was bäurisch etwa nützt, nützt allemal nicht herrlich.
Logau 1, 8, 100;
was mag das gold doch nützen (: sitzen)?
Opitz (1644) 1, 160;
ob nun gleich in arzeneien
gold und silber wenig nützt (: stützt).
Brockes 9, 9;
was nutzet ihnen grosz die zufuhr des Rheinstroms? Leibnitz 1, 179; ach was nutzen die fragen. Lessing 1, 223;
solch zweideutig achseltragen
nutzen wirds nicht, noch behagen.
Göthe 4, 351;
wie eine flamme, die so herrlich nützt.
9, 178 (Tasso 2, 3);
was unerreichbar ist ..
nicht nützt noch frommt.
40, 384;
etwas nützet ihr doch.
Schiller 11, 105;
ich bin krank. 'nutzt nichts, geh 'nauf und zieh dich an.' Auerbach ges. schriften 1, 19.
3)
mit angabe des ortes, der zeitdauer: das geistlich essen, welchs da (= hie) nützet. Luther 3, 360ᵇ;
(das werk) nutzet, doch nicht .. nur an einer
stäte.
Klopstock 2, 82;
doch wäre dieser tröstliche spruch (wo mirs wohlgeht ist mein vaterland) noch besser ausgedrückt, wenn es hiesze 'wo ich nütze ist mein vaterland!' Göthe 23, 120; im gegentheil nutzt die wahrheit nothwendig auf die länge, wenn sie auch im augenblick schadet. 36, 13.
4)
die person oder sache, der etwas zum nutzen gereicht und förderlich ist, steht (mit oder ohne angabe des grades u. s. w.)
a)
im dativ:
als wir oft lieben unser thier,
das sy uns söllen nutzen schier.
Schwarzenberg 131ᵇ;
nach den göttern mügen die menschen einander allermeist nutzen. Cicero de offic. 41ᵇ; ja, es ist ein zierliche und grosze statt; was nützt sie dir aber? Kirchhof wend. 1, 56 (1, 47) Öst.;
eins musz das ander schützen,
und dieses das musz dem für seinen schaden nützen.
Fleming 223;
was dir meine faust genützt.
Gryphius trauersp. 45 Palm;
dasz man als ein knecht
dem armen nechsten nütze (: schwitze).
Günther 29;
wenn du straffen must und sollt,
so willst du nur dem sünder nützen (: schützen).
126;
die rose nützt uns nicht, sie musz gebrochen sein.
593;
geld macht, dasz sich menschen nützen,
helfen, bessern, dienen, schützen.
Brockes 9, 11;
was nützest du der welt?
was mag sie dir in deinem körper nützen (: sitzen)?
Drollinger 140;
so lang es (das recht) unsrer absicht nützet (: stützet).
Hagedorn 2, 117;
wer dir als freund nicht nützen kann,
kann allemal, als feind, dir schaden.
Gellert 1, 75;
was nutzt mirs, dasz mein freund mit mir gefällig weine?
Lessing 3, 333;
was nutzt alle die gelehrsamkeit .. uns lesern. 6, 495; meine erfahrung kann dir nützen. Wieland 7, 168; recht menschlich musz die tugend sein, wenn sie menschen nutzen soll. Klinger 11, 32; er schadet uns und nützt sich nicht. Göthe 8, 186 (nutzt 7, 27 H.);
es sei von einer wissenschaft die rede ..
(die) dem menschen nutzt, indem sie ihn erhebt.
9, 106 (Tasso 1, 1);
still und mäszig weisz Gregor
den seinigen zu nutzen.
9, 128 (1, 4);
was nützte mir der ganzen erde geld?
56, 55;
dein schade soll es nicht sein, dasz du mir nutzest. 14, 165 (grosz-cophta 2, 6); trachte jeder sich und andern zu nutzen. 23, 121; sie behaupteten, das theater könne lehren und bessern, und also dem staat und der gesellschaft unmittelbar nutzen. 49, 170; die dummen, die dich vergötterten, nüzen dir wenig. Schiller 3, 131 (Fiesko 4, 14);
in jener welt wird mir und dir sein schutz nicht nützen (: schützen).
Rückert brahm. 3, 46 (15);
nütze dem, der dir kann nützen (: stützen).
ged. 6, 103 f.
b)
nach sächlichem subjecte kann die person (als ziel und resultat des nützens) wie bei helfen (th. 4², 956) im accusativ stehn: mhd.
mich nutzte baʒ ein gerstenkorn
denn du (der edelstein).
Boner 1, 12;
waʒ nützest mich?
1, 14;
die nützet nicht der edel stein.
1, 29;
den nützent nicht die vrühte guot.
4, 18;
nhd. der (gewalt) wirt üch ietz nit nutzen vil.
N. Manuel todtentanz 10;
so nutzt es weder ander noch mich.
21;
was nutzt mich ietz mein härin gwand?
31;
was nutzt dich ob du dich recht heltst
und allweg kluͦg und weiszlich stelst?
Scheidt Grobian. 1404;
aber was nutzet mich das klagen?
Fischart flöhhaz 2263 Kurz;
das nutzet in nit ein erweisz. Reuchlin Cic. Tusc. 1, 5 (Hartfelder, deutsche übersetzungen class. schriftsteller aus dem Heidelberger humanistenkreis s. 21); das kraut mit essig vermischt nutzet die schlaffsüchtigen. Thurneisser erdgew. 129; dich nutzt auch nichts, dasz du wunden kanst heilen. Paracelsus 170;
was nützte dann dich dein geweihe?
Pfeffel 1, 148 Hauff;
so noch mundartlich:
was nutzt mi a ̃ ringl ..
und was nutzt mi â ̃ sträuszl.
v. Kobell, Frommann 3, 160ᵃ;
es nutzt di nix man!
Kaltenbrunner, Frommann 3, 192ᵇ;
jetzt nutzt dich all dein ansehen von früher nichts mehr. Auerbach ges. schriften 4, 95; was nützt mich das alles? 7, 177; wann ich später in der gmeind auch einmal etwas drein zu reden hab, soll diese erfahrung die andern ärmern leut schon etwas nützen. Felder Nümmamüllers 230.
5)
nützen zu; nützen mit, durch: aber wozu meinen sie dasz es nützen werde? Wieland 30, 509. mit dativ der person:
kupfer musz zum dach uns nützen,
und vor wind und regen schützen.
Brockes 9, 14;
der welt mit rath und that zu nützen (: stützen).
Günther 138;
nur fleisz und vorschusz sinds, wodurch man freunden nützt (: sitzt).
Hagedorn 1, 44.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1029, Z. 24.

nutzend, nützend, partic.

nutzend, nützend, partic.
nach der transitiven und intransitiven bedeutung des verbs:
möge stets so der gescheute
nutzend blumenzierde pflegen.
Göthe 5, 16;
ihr aber seid die nützenden.
40, 384.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1033, Z. 41.

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Zitationshilfe
„nützend“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/n%C3%BCtzend>, abgerufen am 20.09.2021.

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