Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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nachstellen, verb.

nachstellen verb
1)
transitiv, postponere Stieler 2148: daher musz man im gleichnisz das geistige vor- und das körperliche nachstellen. J. Paul vorschule 2, 27; die uhr (d. h. den zeiger der uhr) nachstellen, zurücksetzen; weidmännisch wie nachrichten 2. Jacobsson 3, 117ᵇ. Kehrein 214.
2)
reflexiv, sich nach oder hinter etwas stellen; sich nach einem richten, wie er sich stellen, ihm nachahmen: er hat mir dieses und jenes nach gemachet, er hat sich für meine person ausgegeben, er hat sich so und so mir nach gestellet. Simplic. 1, 387 K.; mhd.
doch hât er sich hie balde
gestellet nâch dem hovesite (höfische lebensweise angenommen).
Konrad troj. krieg 3161.
3)
intransitiv (doch nur scheinbar, weil das object falle, netz und dgl. verschwiegen ist), zunächst vom vogelsteller und jäger, der die fallen, schlingen, netze nach einem vogel oder wilde stellt, sodann übertragen: nachtrachten, zu erreichen suchen in guter oder feindlicher absicht; mhd. stellen nâch nur mit präpositionaler fügung, die auch heute neben der adverbialen fortdauert, aber noch den persönlichen dativ erfordert: er stellt meinem leben nach oder er stellt mir nach dem leben; mhd. der stellet nâch zerganclîchen dingen. Grieshaber pred. 2, 32; nâch êren stellen. mystiker 1, 312, 26; nhd.
und die uns stellen nach unsern weiben.
fastn. sp. 620, 31. 710, 18;
ein armer .. pfaff stalt
nach einer guͦten reichen pfarr.
Wickram rollw. 56, 5;
noch thut man nach dem leben stellen.
B. Waldis Es. 4, 65, 64;
nach eerenämpteren stellen. Maaler 299ᵈ; nach gut, nach eren, nach gunst, nach freiheit stellen. Aler 1437ᵇ; er stellet ihm nach leib und leben. ebenda. vgl.nachstehen.
A.
mit dem nebenbegriff des feindlichen, listigen oder heimlichen: eine falle oder schlinge legen, ein netz stellen um darin zu fangen, dann überhaupt listig zu erreichen, zu fangen, in seinen besitz, in seine gewalt zu bekommen oder zu tödten suchen, feindlich nachtrachten, auflauern, verfolgen.
a)
mit dem dativ eines lebenden wesens.
α)
dem wild nachstellen. Kramer 2, 151ᵇ; kein wild, dem er nachstalt, mocht im entgehen. Carron schlangenb. 37ᵃ;
der has sprach ...
burger bawer und edelleut,
die alle uns nach stellen heut
mit lauschen, pirrschen und waidwerk.
H. Sachs 5, 156, 33 K.
β)
eim trugenlich nachstellen, collocare insidias alicui Maaler 299ᵈ; einem nachstellen umbzebringen oder ze töden, quaerere aliquem ad necem. ebenda; wer einen schlegt das er stirbt, der sol des tods sterben, hat er im aber nicht nachgestellet .. so wil ich dir einen ort bestimmen, da hin er fliehen sol. 2 Mos. 21, 13; denn mein son hat meinen knecht wider mich auferwecket, das er mir nachstellet. 1 Sam. 22, 8; wie lange stellet ir alle einem nach, das ir in erwürget? ps. 62, 4; Herodias aber stellet im nach (gr. ἐνεῖχεν αὐτῷ, goth. naiv imma, war ihm gehässig, grollte ihm) und wolt in tödten. Marc. 6, 19;
wann mir hat nachgestellet langst
mein feind, der mich schier het erschlichen.
H. Sachs 1, 443, 14 K.;
viel unrats dir nachstellen thut,
als dieb, mörder u. s. w.
3, 35, 18;
(man argwöhnte) dasz er ein strosreuber, derhalben man im nachstalt. F. Platter 221 B.; er hett aber zu dem herrn .. ein sollichen haimlichen neid und hasz, das er ime ... wo er kont, nachstallt. Zimmer. chron. 1, 119, 9;
zauberer und gnomen,
die einem treuen paare nachgestellt.
Gotter 1, 42;
ich habe dir nicht nachgestellt,
bist du doch selbst ins garn gegangen.
Göthe 12, 74;
und jeder reiz, der ihm nachstellend sich enthüllt.
Wieland Oberon 11, 54;
sein ihm ewig nachstellender (ihn verfolgender) argwohn. J. Paul Titan 3, 13.
b)
mit sachlichem oder abstractem dativ: der wolf hat dem schaafstall nachgestellt, lupus insidiatus ovili. Aler 1437ᵇ;
Diogenes der sagt noch war,
gold sei bleich, weil es hab viel feind,
die ihm heftig nachstellen seind.
H. Sachs 4, 227, 5 K.;
nicht genug,
dasz man der politik mich hingeopfert,
auch meiner unschuld stellt man nach.
Schiller 5, 236 (Carlos 2, 8);
beim vierten (trunke) entzückten ihn andere reitzungen, die unter dem nebel eines dünnen flors seinen augen nachstellten. Wieland 12, 187; der einbildungskraft nachstellen. 35, 227.
c)
neben stellen nâch hiesz es mhd. auch stellen ûf (si stalten ûf des schâfes lîp Boner 7, 25), woraus in älterer sprache die construction erwachsen ist auf etwas oder einem auf etwas nachstellen:
der teufel schar kömpt selber in das feld,
sie stellet nach auf eurer seelen gut.
Opitz 3, 144;
einem auf leib und leben nachstellen. Steinbach 2, 661.
B.
ohne den nebenbegriff des feindlichen, listigen oder heimlichen.
a)
mit persönlichem dativ, nachgehen, nachfolgen, aufsuchen:
Appollonius durchzoch all ort,
wo er von gelerten sagen hort,
den stelt und zoch er täglich noch,
das er in künsten würd me hoch.
S. Brant narrensch. 66, 145;
sich bewerben um: so ein vatter sein tochter nit hat auszzusteuren und ihr niemandt nachstelt. S. Frank weltb. 194ᵇ.
b)
mit sachlichem oder abstractem dativ.
α)
nachgehn, nachspüren, nachforschen:
ich geh, um jedem schritt aufmerksam nachzustellen.
J. E. Schlegel 1, 259.
β)
wornach verlangen, trachten, streben, jagen, zu erwerben suchen: den eerenämpteren nit mer nachstellen sunder faren lassen; des Cesaris gunst nachstellen, das ist, sein gunst underston zu erlangen, ruͦm nachstellen, lob suchen. Maaler 299ᶜ f.; dem guten, dem frieden, der wahrheit nachstellen. Stieler 2148;
wer hohen dingen stellet noch,
der muͦsz die schantz auch wogen hoch.
S. Brant narrensch. 24, 21;
ich und alle jungen gesellen
söllen nun den eren nachstellen.
Weller dichtungen des 16. jahrh. 29;
da war einer von denselben gesellen,
der thet der kunst fleiszig nachstellen.
B. Waldis Es. 4, 72, 8;
der eltest bruder ...
war heuslich, stellt der narung nach.
3, 94, 12;
der gute schriftsteller sieht sich immer unter der vollkommenheit, der er nachgestellt hat. Wieland Horazens episteln (1801) 1, 324.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 138, Z. 7.

nachstellen, n.

nachstellen n
captatio Maaler 299ᵈ; insidiae Steinbach 2, 665.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 139, Z. 53.

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