nächte, nächt, nacht adv
Fundstelle: Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 171, Z. 66
wie nächten, erstarrter dativ sing. von nacht (s.nacht I), bair. nächt, nächte Schmeller 1, 1717ᵃ Fromm., tirol. nächt Schöpf 456 (aus einem glossar v. j. 1663), schwäb. nächt nächti Schmid 398. Birlinger 348ᵃ, schweiz. nächt nächte Stalder 2, 228. Seiler 217ᵇ, henneb. nachte Spiess 169, kurhess. nächt Vilmar 279: ich sagt nechte, ich wöll on ewer erlaubnusz nit dannen scheiden. Aimon T iiᵃ; es sind erst necht etliche jung gesellen hin verruckt. Wickram rollw. 25, 26 Kurz;
necht must ich hindern sewen traben,
jetzt bin ich zu aim apt erhaben.
Waldis Es. 3, 92, 159 K.;
nächt ist in unsern trieb
der gleiszend wolf gefallen.
Uhland (1879) 2, 203;
du hast nächt nicht geschlafen. Auerbach dorfg. 4, 116; zu nächte, gestern. Reinwald henneb. idiot. 2, 90; nächte z'nacht, gestern zu nacht. Schmid schwäb. wb. 398. Seiler Basler mundart 217.
nacht f
Fundstelle: Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 145, Z. 28
nox.
I.
Formen und herkunft. goth. nahts, alts. ahd. mhd. naht, ags. nyht (neht neaht naht), engl. night, md. nd. nacht, altn. nâtt nôtt. — mit der ursprünglichen consonantischen flexionsweise des wortes haben sich nach und nach formen aus der a- (schon goth. dativ pl. nahtam) und i - declination vermengt, so dasz jene endlich ganz erloschen und der i - declination gewichen ist. reste der alten consonantischen declination sind: mhd. genetiv und dativ sing. nahte (statt nehte naht), nom. gen. acc. plur. naht (statt nehte), dativ plur. nahten (statt nehten); nhd. dativ sing. bei nachte Simplic. 1, 497, 28 K., Fleming 39, 495 L., Lohenstein Armin. 2, 890ᵇ, Gleim 3, 312, Immermann 3, 167, zu nachte Logau 2, 5, 59 E. (der umgelautete dativ nächte der i - declination nur im älteren nhd., s. Schmeller 1, 1716 Fromm. und das adv. nächte), bei Spee trutzn. 131. 201 B. auch mit schwacher form nachten (an erster stelle reimend auf erachten); nominativ accusativ plur. nacht (Göthe 10, 250), s. A, 4, bei Spee auch schwachformiger accus. plur. nachten (: brachten, wachten) trutzn. 182. 242 B., genetiv plur. elender nacht sind mir viel worden Hiob 7, 3, dativ plur. nachten (Rückert 2, 436) s. weihnachten. Eigene beachtung verdient der genetiv singularis. die goth. genetive nahts baúrgs u. s. w. lauten ahd. mit verlust des s naht burg, alts. aber nahtes burges, denen goth. genetive der i-declination nahtais baúrgais entsprechen würden, deren s sich im alts. durch den ursprünglich auf der endsilbe ruhenden accent erhalten hätte (Paul in den beiträgen 6, 550). scheinbar hat sich nun ein derartiger genetiv auch im ahd. nahtes (Graff 2, 1019), ags. nyhtes (Leo 601, 56), altfries. mnd. nachtes (Richthofen 940ᵃ, Schiller-Lübben 3, 147ᵃ), mhd. nahtes, nhd. nachts erhalten, der aber ursprünglich nur adverbial gebraucht wird und wol nur nach analogie von tages gebildet und wahrscheinlich in der verbindung tages unde nahtes (ahd. tages indi nahtes bei Kero, ags. däges and nyhtes) zuerst aufgetreten ist (Scherer zur gesch.² 573), s.nachts. nachdem einmal dieser genetiv als masculinum aufgefaszt (schon ahd. des nahtes) und aus seiner adverbialen stellung herausgetreten war, wurde das wort auch in andern casus mit dem masc. artikel verbunden: mhd. der naht Lamprecht Alex. 4777. Willeh. v. Oesterreich 40ᵃ;
ich sihe des nahtes krefte balde swachen.
minnesinger 1, 95ᵃ Hagen;
dô sach ich in des nahtes clamen,
dâ siben vogel kleben.
Bartsch Kolm. hs. 106, 17;
nhd. in der schaidung tag und nachts. der ritter vom turn (Basel 1493 fol.);
mich deucht wie es fast finster wer
viel nachts und nebels umb mich her.
J. V. Andreä geistl. kurzweil. Straszb. 1619;
er het im lang guten nacht gesagt. Frank sprichw. 2, 35ᵇ. Nacht gehört mit den urverwandten skr. nakti nakta, gr. νύξ, lat. nox, lit. naktis, altslav. nośti, kelt. nochd zur wurzel nak (skr. naç, lat. necare, gr. νέκυς), also ursprünglich die vernichterin (des lichtes) Curtius grundz. nr. 94. Fick² 107.
II.
Bedeutung und gebrauch.
A)
im eigentlichen sinne die zeit von sonnenuntergang bis sonnenaufgang (vgl. nachtzeit), besonders die völlige dunkelheit dieses zeitraums; gegensatz zu tag und wie dieser in poetischer redeweise oft mit mehr oder minder lebendiger personification aufgefaszt.
1)
zugleich mit tag oder im gegensatze zu diesem: mhd.
dô schiede dâ er sundir daʒ lieht von der vinstir;
daʒ lieht nant er tach die vinstir naht.
Diemer genesis 2, 27;
si (die sonne) pringt naht und tag. Megenberg 58, 22; nhd. und gott .. nennet das liecht tag und die finsternis nacht. 1 Mos. 1, 5; es werden liechter scheiden tag und nacht. 1, 14; so lange die erde stehet, sol nicht aufhören ... tag und nacht. 8, 22; die in tag und nacht getheilte zeit. Lohenstein Armin. 1, 1403ᵇ; die eine hälfte der erdkugel ist gegen die sonne gekehrt und hat tag, und eine hälfte ist von der sonne abgekehrt gegen die sterne hinaus und hat nacht. Hebel (1869) 2, 245;
(gott) gibt sommer, winter, tag und nacht.
P. Gerhard 140 Göd.;
zu dem, der tag und nacht gemacht.
243;
er (gott) ordnet jahre, tag und nacht.
Gellert 2, 181;
auf schein folgt plitz, auf tag folgt nacht.
Fleming 409 L.;
wir kehrten tag in nacht
und wieder nacht in tag.
191;
(ich) liesz oft tag aus nacht, dir zu gefallen, werden.
Gellert 3, 399;
jeder tag erzehlts der nacht
und die nacht dem andern morgen.
Brockes 1, 21;
vor mir den tag und hinter mir die nacht.
Göthe 12, 59;
vom heutgen tag, von heutger nacht
verlange nichts
als was die gestrigen gebracht.
5, 115;
herr, herr! die tage und nächte sind dein. F. Müller 2, 191;
und es gleichte schon die waage
an dem himmel nächt' und tage.
Schiller 11, 340.
a)
zur hervorhebung eines andern gegensatzes: das verhält sich gegenseitig wie tag und nacht; das ist ein unterschied wie tag und nacht u. s. w.;
aber dies und jene schmerzen
sind fürwahr wie tag und nacht.
Günther 167 Tittm.
b)
tag und nacht, nacht und tag (wie das gr. νυχθήμερον, zeit von 24 stunden) zeitlich gebraucht.
α)
im genetiv tags und nachts, nachts und tags (s. nachts).
β)
im accusativ: in einem fort, immer: mhd.
du trûdis mich nacht unde tach
daʒ mir ze leide nicht geschach.
könig Rother 4488;
daʒ der vil starken winde sûs
ir dienen müeste ..
naht unde tac ir gebote.
troj. krieg 24083;
nhd. du russest oder schnarckest nacht unde tag. Murmelius 201; tag und nacht, für und für, alwäg. Frisius 881ᵃ; nacht und tag wirstu dich fürchten. 5 Mos. 28, 66; ich schreie tag und nacht zu dir. ps. 88, 2;
lob got von herzen nacht und tag.
H. Sachs 1, 140, 24 K.;
ich strecke nacht und tag
zu dir die laszen arme.
Fleming 27 L.;
ir dürft euch nicht bemühen
und sorgen tag und nacht.
P. Gerhard 27 Göd.;
der nacht und tag
uns alle gaben gibet.
176;
die (barden) tag und nacht in euren hallen
ich hörte.
Gotter 1, 451;
ich selber san wol nacht und tag
und wieder tag und nacht.
Bürger (1778) 205;
nun schwitzt er tag und nacht, ein zweites (epigramm) auszuhecken.
Lessing 1, 2;
bist du tag und nacht beflissen
viel zu hören, viel zu wissen.
Göthe 5, 73;
der architekt arbeitete tag und nacht .. und zwar tag und nacht im eigentlichen sinne. 17, 271;
(sie darf) ihm tag und nacht nicht von der seite weichen.
Wieland Oberon 6, 53;
zu saufen tag und nacht.
Zachariä renomm. 1, 31;
das bild, das tag und nacht mich macht erschauern.
Chamisso (1872) 1, 54;
die linden lüfte sind erwacht,
sie säuseln und wehen tag und nacht.
Uhland (1879) 1, 42.
plur. (vergl. A, 4):
gramvoll dacht er tag und nächte
nur an seines hauses schmach.
Herder Cid 1;
sechs monate, tag und nächte,
haltet ihr ihn fest im zügel.
19;
freund, ich wollte ganze tage
und ganze nächte bei dir sein:
um mich mit dir die ganzen tage,
die ganzen nächte zu erfreun.
Lessing 1, 15.
negativ: weder tag noch nacht, nimmer. Esth. 4, 16; weisth. 5, 188; Bürger 262ᵇ.
γ)
mit präpositionen. bei tag und (bei) nacht, bei nacht und (bei) tag: bei tag und bei nacht, die noctuque Aler 1439ᵇ;
ich harre dein bei tag und nacht.
P. Gerhard 92 Göd.;
stets schwebt sein bild ..
bei tag und nacht ihr vor.
Wieland Oberon 4, 49;
o du bei tag und bei nacht einst
mein und der ganzen stadt gebet.
Bürger 240ᵃ;
ich höre den pfaffen
klagen, dasz sie (die mäuse) bei nacht und tag ihm lästiger werden.
Göthe 40, 39;
wie schrecklich quält die erinnrung
mich bei tag und bei nacht.
40, 81;
durch tag und (durch) nacht:
so weint ich durch tag und durch nacht.
Sonnenberg nachlese (1808) 127;
über tag und nacht, über nacht und tag: mhd.
uber tach und uber nacht (tags und nachts).
Veldeke En. 174, 1;
nhd. das, womit es dem fürsten ernst ist, wird über nacht und tag (binnen kurzem) ein paradewort an seinem hofe. Klinger 12, 92; zu nacht und zu tage, zu tag und nacht:
dich zu nachten, dich zu tage
lauf ich klagen überall,
dich zu nachten, dich zu tage
klaget schall und wiederschall.
Spee trutzn. 201 B.;
o hütet euch zu tag und nacht,
dasz ihr nicht ubel erger macht.
Ringwald tr. Eck. (1602) N 2ᵇ;
ir kinder, nempt zu tag und nacht
ja eure mutter auch in acht.
O 7ᵇ;
wie fleiszig ich auf ihn zu nacht und tage passte.
Fleming 193 L.;
die zu tag und nacht mit thränen
nur nach dir sich weisz zu sehnen.
S. Dach 597 Öst.
2)
ohne (oder auch in verbindung mit) tag.
a)
mit einem verb oder einem davon abgeleiteten substantiv um das beginnen, dauern oder enden der nacht auszudrücken.
α)
eintritt der nacht: es wird nacht, noctescit Aler 1439ᶜ; da es eben nacht worden. Simplic. 1, 108, 64 K.; es ward nacht, die herzen wurden angezündet. Göthe 17, 135;
rings um mich wirds nacht.
Gotter 1, 235;
es wurde tag, es wurde nacht
und alles ging wie hergebracht.
Chamisso (1872) 1, 196;
als tag war um und die nacht war da.
Herder 5, 143 Hempel;
allein die nacht war vor der thür.
Gellert 1, 166;
in (während) der red ging daher die nacht.
Teuerdank 45, 88;
wenn die nacht hergehet. Luther 4, 310ᵇ;
die .. nacht war eben angegangen.
Novalis 1, 183;
die nacht war gekommen.
Klopstock Mess. 4, 1206;
die nacht, die nacht ist kommen.
Chamisso 1, 19;
da die nacht ankam. Schuppius 215; und schon kam die nacht heran. Bürger 263ᵃ; die ankunft der nacht. Göthe 16, 240; der anflug der nacht. Novalis 2, 7;
an den bergen hing die nacht.
Göthe 1, 75;
wenn die nacht sich niedersenkt.
12, 80;
nacht ist schon herein gesunken.
12, 272;
bis die schwarze nacht vom himmel sinkt.
F. Müller 1, 153;
gegen die hohen wipfel der palmen senkt sich vom himmel
gleich herhangenden bergen die nacht.
Klopstock Mess. 4, 1337;
zu dem todeshügel
strömt am dicksten die nacht vom schweigenden himmel herunter.
9, 495;
schon begann die nacht
den erdkreis zu beschatten.
Wieland Horazens sat. 1, 5, 15;
die nacht stieg rings umher nieder. der j. Göthe 1, 278; die nacht stieg herauf. Freytag ahnen 1, 391; die nacht fallt ein, cadunt umbrae Maaler 123ᶜ; die nacht fellet daher. Matth. 14, 15; die nacht hat uns überfallen. Steinbach 2, 98;
zween wandrer überfiel die nacht.
Gellert 1, 257;
die nacht bricht an.
Göthe 12, 167;
die nacht brach an.
Herder 1, 336 Hempel;
bei angebrochner nacht.
Günther nachlese (1751) 75;
die nacht bricht ein, nox accedit. Steinbach 2, 97; wenn die nacht einbricht. Göthe 27, 70; und die nacht brach ein. Novalis 2, 67; die nacht bricht herein. der j. Göthe 2, 44; der anbruch, der einbruch der nacht. Gotter 3, 538;
bis anbruch
der nacht sei jederman herr seiner zeit.
Schiller Macbeth 3, 2;
wie hier (in Verona) die nacht eintritt, ist der tag entschieden vorbei. Göthe 27, 70; elliptisch: wie nun dieselbe nacht vorhanden (angebrochen war), trank ich mir einen halben rausch an. Simplic. 2, 568, 16;
steh auf, bevor es nacht,
zum ziele sind noch weite strecken.
Lenau 1, 144.
mit lebhafterer personification:
der sinkend abend fleucht,
die dunkle nacht fährt aus.
Fleming 501 L.;
die sonn die ist verblichen ..
die nacht die kummt geschlichen.
Böhme altd. liederbuch 215 (v. j. 1549);
und endlich kommt die nacht herangeschlichen.
Lenz 3, 73;
an dem himmel herauf mit leisen schritten
kommt die .. nacht.
Schiller 11, 47;
und nacht stürzt nieder auf die meere.
6, 358;
steig nieder, blinde nacht,
des tages zärtlich auge schliesze zu!
Macbeth 3, 5;
bisz die (bei tage schlafend gedachte) nacht und der mond erwacht.
S. Dach 684 Öst.;
da zum letzten mahl
die nacht den tag vertrieb.
Wieland Idris 3, 79;
nacht umfängt den wald, von jenen hügeln
stieg der tag ins abendland hinab.
Tiedge 2, 103;
schon wollte die nacht um den erdkreis
schatten ziehn.
Voss Hor. satiren 1, 5, 9.
β)
verlauf, dauer, zustand oder thätigkeit (der personificirten) nacht (s. auch unter A, 2, d): die nacht war vorgerückt, das haus wurde geschlossen. Mörike maler Nolten (1878) 1, 307; sei es immer nacht! 2, 220;
hüter, hüter, ist die nacht bald hin?
2, 279;
noch ruhete nacht im thal. Geszner 1, 140;
geh wieder in dein bett: es ist noch nacht.
J. Cäsar 2, 1;
lange verhüllt schon nacht das thal.
Göthe 1, 314;
ewig scheint die nacht zu dauern.
Chamisso (1872) 1, 241;
(es ist) so schnell vergangen die nacht.
1, 116;
wie die nacht langweilig vergeht.
Voss Hor. epist. 1, 1, 20;
so lange die nacht obwaltete.
Än. 8, 86;
die holde nacht umhüllt die welt.
ged. 4, 270;
still herscht die nacht.
6, 149;
alles wiegt die stille nacht
tief in süszen schlummer ..
Körner 61ᵃ;
dann brütet auf dem ocean die nacht.
Lenau (1880) 1, 44;
ringsum auf allen plätzen
schläft unbewegt die nacht.
Kinkel ged. (1857) 215;
ob mächtigem sohn des tages
waltet noch immer die friedliche nacht.
121;
was die dunkle nacht gesponnen.
Schiller 14, 322 (Tell 2, 2);
die kühle nacht streut schlummerkörner.
Haller 76;
glänzenden reif, sternen gleich
streute die nacht über ihn aus.
Göthe 26, 122.
γ)
ende der nacht: so die nacht hinfart und der tag anbricht. Frisius 880ᵃ; die nacht gehet zum tag. Aler 1438ᵇ; die nacht ist vergangen. Röm. 13, 12;
welche nacht des wartens ist vergangen!
Göthe 2, 102;
der wächter sach am firmament,
dasz sich die nacht wollt enden.
Böhme altd. liederbuch 209 (v. j. 1549);
im osten grauts, es sinkt die nacht,
gottlob! der morgen ist erwacht.
Körner 17ᵇ;
eh grauer tag
ersteht, versinkt die schwarze nacht.
F. Müller 2, 30;
die sinkende nacht.
Lenz 1, 116;
wie von der weichenden nacht umhüllet.
3, 28;
schon weicht die tiefe nacht ..
der tag graut.
Göthe 12, 242. 245;
die nacht weicht langsam aus den thälern.
Schiller 14, 335 (Tell 2, 1);
verschwunden ist die finstre nacht.
Macbeth 2, 5;
früh, als nacht in dämmrung schwand.
Voss ged. 6, 224;
o himmel, welch gefühl ergreift mich nun,
da sich die nacht von berg und thälern hebt.
Göthe 10, 277;
und so ging die nacht vorüber.
2, 101;
es weinet die scheidende nacht.
Chamisso (1872) 1, 63;
weilen, bis fliehen die schatten der nacht.
Kinkel ged. (1857) 122.
b)
mit einem (oder mehreren) attributiven adjectiv, statt dessen auch ein denselben begriff ausdrückendes, mit dem genetiv von nacht verbundenes substantiv (die stille der nacht Lenz 3, 34; die kälte der nacht Chamisso 1, 108) stehen oder eine andere umschreibung gebraucht werden kann.
α)
die nacht ist in ihrem beginne braun, grau (besonders bei aufsteigendem nebel), wird dann dunkel, düster, trübe (wolkig), finster, schwarz (ernst, ungestalt, häszlich, wüst), ist sternenlos oder heiter, sternen-, mondeshell (braun), klar, schimmernd u. dgl.:
abends, wenn die braune nacht
den tag zu ruh getragen.
Spee trutzn. 65 B.;
ihren mohnsaft gosz die braune nacht herab.
Wieland Oberon 2, 17;
wenn hier, so bald die nacht gebohren ..
ein ungewisses grünlichs grau
der feuchten felder fläche schmücket.
Brockes 1, 43;
es zwittert schon im thale
grau zwischen tag und nacht.
Lenau (1880) 1, 213;
die finster und dunkel nacht, nox caeca. Frisius 880ᵃ; tunkele nacht, nox opaca. Stieler 2363; da es nacht ward und dunkel. spr. Sal. 7, 9; dunkler wurden die schatten der nacht. Freytag ahnen 1, 242;
aber in dunkler nacht ersteigest du felsen,
schwebst in .. dunkler nacht auf wassern.
Klopstock 1, 208;
nun erhub sich die dunkelste nacht.
Mess. 6, 37;
bis in der dunkelen nacht farbe an farbe verlosch.
Göthe 1, 312;
wenn er in düstern nächten schleicht.
5, 184;
er wandelte düsterer nacht gleich.
Voss Il. 1, 47;
komm, düstre nacht.
Macbeth 1, 5;
jede noch trübere nacht.
Klopstock 2, 115;
in wolkiger nacht.
Matthisson (1816) 192;
solch ein wagenlenker,
wie Phaeton jagt' euch gen westen wohl,
und brächte schnell die wolk'ge nacht herauf.
Romeo u. Julia 3, 2;
ehe dasz die finstere nacht keme. Bocc. 1, 298ᵃ; bei finster nacht. Fischart bienenk. 55ᵇ; wir gelangten in finsterer nacht nach Selincourt. Göthe 30, 140; in der sehr finstern nacht. 30, 292; (sie) leitete seinen fusz durch die finstere nacht. Thümmel Wilh. 80;
sie seufzt hinaus in die finstere nacht.
Schiller 11, 290;
es ist schon finstre nacht — geh auf dein zimmer.
12, 273 (Wallensteins tod 5, 3);
du schwarze, finstere nacht.
Fleming 67 L.;
stockfinstere nacht, nox atra. Stieler 1322; die stockfinstere nacht bedeckte mich. Simplic. 1, 52, 12 K.;
sie haben mich stockfinstrer nacht
in diese welt herein gebracht.
Lenau (1880) 2, 83;
dumpfschweigend sitzt er da und starret so
das schwarze ungeheuer an, die nacht.
1, 32;
wenn dich die schwarze nacht umgibt.
P. Gerhard 194 Gödeke;
schwarz und stürmisch war die nacht.
Göthe 1, 198;
die sternenlose nacht.
Gotter 1, 173 f.;
reis ich in sternenloser nacht.
Hebel (1869) 1, 143;
welch allgemeine nacht! kein sternchen, das noch glimme!
Wieland Idris 4, 20;
ernste nacht (Lenau 1, 11), ungestalte nacht (Fleming 55 L.), häszliche nacht (Göthe 1, 60);
wenn .. der stern die nacht verkläret.
Günther nachlese (1751) 79;
die nacht gar klar und lieblich ist.
F. Müller 1, 244;
da dunkelts — nur ein wolkenschatten —
und wieder volle klare nacht!
K. Stieler neue hochlandslieder 99;
die gestirnte nacht, nox stellans. Steinbach 2, 97; plötzlich wurde im osten die nacht lichter, weil der zerflossene schimmer des mondes an den alpengebirgen, die ihn bedeckten, heraufschlug. J. Paul Hesp. 1, 274;
o wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
sahe .. schimmern die nacht.
Klopstock 1, 191;
helle nacht, nox sublustris Stieler 1322, besonders die hellen nächte des hohen nordens;
der tag wird lieblich und die nacht wird helle.
Göthe 1, 7;
als wäre dran (an den birkenstämmen) aus heller nacht
das mondlicht hangen blieben.
Lenau (1880) 1, 4;
in heitern, schönen nächten,
wenn der mond, die sterne scheinen.
1, 296;
die sterne, die begehrt man nicht,
man freut sich ihrer pracht,
und mit entzücken blickt man auf
in jeder heitern nacht.
Göthe 1, 97;
wir werden dem ansehen nach eine schöne heitre nacht haben. Wieland 11, 135; eine sternhelle .. nacht begünstigte unsere fahrt. Göthe 30, 187;
so mit morgenrothen flügeln
risz es mich an deinen mund,
und die nacht mit tausend siegeln
kräftigt sternenhell den bund.
5, 189;
in nächten des monds.
Klopstock 1, 191;
sasz ich nicht die mondeshellen
nächte da.
Lenau 1, 18.
die mondhelle nacht hat auch das epitheton braun (th. 2, 325), sie heiszt auch die keusche (th. 5, 652):
o monde, dessen liecht die braune nacht bestrahlt.
Opitz 3, 76;
der Lunen bleiches licht
in der braunen nacht erquicket.
Tscherning 229;
die braunen schatten der nacht. Kant 7, 381;
wo in wunderbarer pracht
himmelwärts die bäume dringen,
brausend um die keusche nacht
ihre riesenarme schlingen.
Lenau 1, 64.
β)
die dicke (vgl. ein nebel verdichtet die nacht. Göthe 12, 206), tiefe, weite, hohe (die finstere und vorgerückte) nacht, namentlich für mitternacht und die zweite hälfte der nacht:
(alles) ist mit dicker nacht begossen.
Fleming 299 L.;
wenn noch die dicke nacht
um mein gemach ist her und eh die sonn erwacht.
12;
schwarz wie die dicke mitternacht.
Gökingk 1, 120;
komm, dicke nacht, in schwarzen höllendampf
gehüllt.
Schiller Macbeth 1, 10;
in der dicksten nacht,
wenn alle dinge sich in schwarze schatten hüllen.
Brockes 1, 5;
die tiefe mitternacht.
Chamisso (1872) 2, 131;
als es noch war tiefe nacht.
Fleming 339. 116 L.;
der stille raum so mancher tiefen nächte
war einzig diesem frohen lied geweiht.
Göthe 9, 211;
verlassen hab ich feld und auen,
die eine tiefe nacht bedeckt.
12, 64;
schon weicht die tiefe nacht.
12, 242;
tief in die nacht (gleich in die tiefe nacht hinein). 26, 313; weit in die nacht. 27, 71; bis in die weite nacht hinein, in noctem profundam. Stieler 1322; es war jetzt hohe nacht, .. rings um sie feierliches schweigen. Freytag ahnen 6, 199; es ist hoch mitternacht. Göthe 17, 127.
γ)
die frühe oder späte nacht, die früh oder spät anbrechende nacht, die erste oder vorgerückte zeit der nacht: die frühe nacht (des novembers) ist das element, worin das schreiben recht gut gedeiht. Göthe 16, 282;
breit sind die schatten, früh die nacht (im october).
K. Stieler neue hochlandslieder 104;
das soll auch in der späten nacht
mein werk sein und geschäft.
P. Gerhard 298 Göd.;
bei später nacht abreisen, multa de nocte proficisci. Steinbach 2, 97; der prinz liesz sich neulich bei später nacht .. nach hause tragen. Schiller 4, 276;
sei mir gegrüszt, der hier in später nacht
gedankenvoll an dieser schwelle wacht!
Göthe 2, 148.
δ)
die finstere nacht heiszt die blinde, weil sie nichts sehen läszt (des tages auge zuschlieszt. Macbeth 3, 2) und, persönlich gedacht, ohne augen (mond, sterne) nichts sehen kann:
scheint unserm laufe vor, ihr zween schöne sterne,
dasz auch die blinde nacht durch euch uns sehen lerne.
Fleming 384, 6 L.;
die blinde nacht verliesz die ungestümen wellen,
der Thetis angesicht fieng an sich aufzuhellen.
Uz 1, 65;
in blinder nacht uns begegnend.
Voss Än. 2, 396;
begünstigt von der blinden nacht,
gelingt uns manche heisze schlacht.
Schiller 6, 366;
steig nieder, blinde nacht.
Macbeth 3, 5 (blendende nacht 3, 2 Mommsen).
ε)
die nacht, wenn alles leben ruht und schläft, kein laut ertönt, ist ruhig, stille, geheim, einsam, leer, öde, unfruchtbar; persönlich gedacht: ruhend, schweigend, verschwiegen, stumm (dumm), tot:
und dieses abends erinnrung
weckt mir im mondenschein wieder die ruhige nacht.
Sonnenberg nachlese (1808) 184;
still und hehr die nacht.
F. Müller 3, 121;
(den hain) durchschmettert schon ..
die stille nacht hindurch das lied der nachtigallen.
Wieland Oberon 8, 52;
die sterne stiller nacht.
Lenau (1880) 1, 90;
die stille der nacht und des wandelnden mondes
sanfte schimmer luden ihn ein.
Klopstock Mess. 13, 308;
wenn bei geheimer nacht
um sein geliebtes haus ein muntrer buler wacht.
Fleming 500 L.;
sihe, die nacht müsse einsam sein und kein jauchzen drinne sein. Hiob 3, 7; bewohner der einsamen dunkeln nacht. F. Müller 1, 81;
in der einsamen nacht der gestirne.
Sonnenberg nachlese (1808) 138;
singet nicht in trauertönen
von der einsamkeit der nacht.
Göthe 19, 196;
leere nacht, wohin ich schaue!
F. W. Weber Dreizehnlinden 30;
bis uns herannaht
öde nacht.
Voss Il. 14, 78;
war ich .. nicht so selig
in der öden nacht?
Göthe 1, 97;
er flieht die einsamkeit und unfruchtbare nacht.
Zachariä renomm. 1, 111;
eitle nacht (leere, blosze nacht, nichts als nacht): bei eitler nacht, multa nocte Stieler 22 (s. th. 3, 385, 4);
ich ging bei eitler nacht,
die nacht war so finster,
dasz ich kein g'stirn mehr sach.
Böhme altd. liederbuch 160;
s'isch noch eitel nacht drause. F. Müller 2, 31;
er kommt nicht in stillem,
nicht in dieser ruhenden nacht.
Klopstock Mess. 5, 558;
in den hüllen schweigender nacht.
5, 486;
(der mond ist der) genosz schweigender nacht.
werke 1, 165;
blumen, die in verschwiegner nacht
zu meines fensters rand mein holder freund gebracht.
Schulze Cäcil. 5, 72;
kein wind, kein hauch
durchschwirrt das schlaffe tauwerk.   stumm die nacht.
Chamisso (1872) 2, 37;
sie schritten beide ..
über eine öde haide
in der stummen .. nacht.
Lenau (1880) 1, 311.
sprichwörtlich: dumm wie die nacht, ganz dumm (Schöpf tirol. idiot. 456), vergl.dumm in der bedeutung stumm, taub, finster th. 2, 1510;
des helden schritte wallen
nachtönend durch die wüsten hallen,
sein athemzug belebt allein die todte nacht.
Schulze Cäcil. 3, 132.
ζ)
nach der jahreszeit und witterung ist die nacht kurz oder lang, mild (lieblich, süsz u. s. w.), lau, warm oder kühl, kalt, neblicht, feucht, regnerisch, rauh, stürmisch u. dgl.: kurze nacht, nox contractior. Stieler 1048; kürzeste nacht, solstitium. 1322; bei kurzen nächten. Frisch 2, 4ᵃ;
itzt wenn die tage kurz, die nächte länger werden.
Fleming 152 L.;
wenn die nächte sich vergröszern
und nun immer länger sein.
Morhof 95;
denn immer länger wird die nacht,
der winter kommt mit schnellem schritt.
Hebel (1869) 1, 139;
freudig sahen sie des tages
immer kürzern, kürzern kreis,
für das längre glück der nächte
dankten sie bethört dem Zeus.
Schiller 11, 340;
die denen Deutschen und Nordeinwohnern wegen ihrer langen nächte beigemäszene schlafsucht. Lohenstein Armin. 2, 898ᵃ; die längste nacht, bruma. Stieler 1322. J. Paul 48, 280 H.;
wenn wir ..
die längste nacht verschlafen.
Hebel 2, 249;
durch laue nacht lustwandeln jungfraun
im mai ...
Voss ged. 3, 32;
die lauen nächte, bis es wieder taget,
durch weingenusz und liebe zu verschönen.
Platen (1847) 2, 96;
im sommer ..
da sind die tage lang genug,
da sind die nächte mild.
Uhland (1879) 1, 37;
wenn sein (des mondes) schein ist voll, die nacht
im winter warm, im sommer kühler macht.
Lohenstein Armin. 1, 1428;
kühle nächte, noctes frigidulae. Stieler 919; kalte nächte, noctes gelidae. 1322;
die kühle nacht streut schlummerkörner
und tränkt die trockne welt mit thau.
Haller 96;
und sommer wirds im jungen leben
und kürzer weilt die kühle nacht.
Körner 36ᵇ;
kann kühle der nacht auch männer erschüttern?
Klopstock Mess. 6, 45;
und um mich lag die kalte finstre nacht.
Chamisso 2, 16;
des winters nacht,
so häszlich sonst und rauh.
Göthe 1, 60;
eine sehr kalte nacht. 30, 187; in einer neblichten nacht. Herder 24, 408 Hempel; in regnerischen nächten. Möser phant. 1, 94; die regenhafte nacht. Lohenstein Armin. 1, 56ᵇ; stürmige, stürmische nächte;
und schon entflieht die feuchte nacht.
Schiller 28ᵇ.
η)
unzählbar sind andere adjectiva, die die verschiedenen eigenschaften der nacht, das durch dieselbe erweckte gefühl u. s. w. ausdrücken: schöne, süsze (s. unten 7), wonnige, herrliche, holde, duftende, ambrosische, würzige, schauerliche, fürchterliche nacht u. ähnliches:
holde nacht!
der lärm entschläft, wenn du zum himmel steigest.
Uz (1768) 1, 174;
milde, liebevolle nacht.
Romeo u. Julia 3, 2;
abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen und geheimniszvollen nacht. Novalis 2, 5;
welch eine feine nacht!
Mörike Nolten (1878) 1, 196.
c)
nacht (die neblichte, finstere, stürmische, grauenerregende oder ruhige, stille) mit einem den begriff verstärkenden substantiv verbunden: nacht und nebel, nacht und sturm, nacht und ungewitter, nacht und graus, nacht und stille u. dgl. die alliterirende verbindung nacht und nebel begegnet schon im mhd. nebel unde naht Diemer ged. 1, 7; nachts und nebels s. oben unter I;
hier trennten nacht und nebel sie.
Herder 1, 505 Hempel;
reiszt sturm und nacht mein schiff vom sichern ufer ab.
Lessing 1, 192;
weit am himmel nacht und grausz!
weder mond noch sterne.
Schiller 1, 349.
Mit präpositionen.
α)
räumlich:
ganz verwirrt und ganz verlegen
kommen wir durch nacht und nebel.
Göthe 10, 251;
muszt reiten mit mir durch nacht und graus.
Lenau (1880) 1, 130;
durch nacht und durch grauen.
A. Knapp in Wackern. leseb. 2, 1768;
durch nacht und ungewitter keucht sehnende liebe. Mörike Nolten (1878) 2, 234;
wo wir hin aufs ungewisse wandeln
und in nacht und nebel gehn.
Claudius 6, 60;
schwand er (der geist) in nacht und nebel hin.
Herder 1, 147 Hempel;
es trennet uns noch Amor in nebel und nacht.
Göthe 1, 371.
β)
zeitlich bei nacht und bei nebel, bei nacht und nebel: der den andern suocht in sîm hûse bî nacht und bî nebel mit gewäffenter hant. weisth. 1, 331 (v. j. 1344);
mi vetter het si bündel g'macht,
und furt bi nebel und bi nacht.
Hebel (1869) 1, 85;
bei nacht und nebel, nocturno tempore publice. Frisch 2, 4ᵇ; der knecht wird in aller stille bei nacht und nebel über die gränze geführt. Klopstock 12, 98; als wir uns noch bei nacht und nebel zu pferde setzten. Göthe 30, 104; weil es mich däucht, dasz wir nicht recht klug sind, bei nacht und nebel so durch dick und dünn herum zu ziehen und die köpfe an den bäumen zu zerstoszen. Wieland 11, 178.
d)
substantivische attribute der (personificirten) nacht.
α)
körpertheile:
der morgen lächelt froh der nacht ins angesicht.
Romeo u. Julia 2, 3;
und uns umschattet schon die nacht mit feuchtem arme.
Schiller 6, 347;
indesz die nacht mit unbemerktem fusz
den jungen tag in Florens arm beschleicht.
Wieland 9, 301;
kaum hob der frühe tag sich aus dem schoos der nacht.
Schulze Cäcil. 8, 1;
einsam klag ich meine leiden
im vertrauten schosz der nacht.
H. Heine (1876) 9, 171;
in dem stillen schoosz der nacht.
Chamisso (1872) 2, 152;
kom, kom! die nacht hat ohren.
Bürger (1778) 312;
die nacht schwang ihre feuchten flügel.
Lichtwer 119;
vergebens hüllt die nacht mit dunstbeladnen flügeln
den luftkreis ein.
Wieland Oberon 5, 85;
schwarzgeflügelt wie die nacht.
Uz (1768) 1, 99;
ich will sie (die nacht) bei ihren
schwarzen fittigen fassen.
Lenz 3, 62;
du wirst ruhn auf fittigen der nacht.
Romeo u. Julia 3, 2.
β)
kleidung: was hältst du (nacht) unter deinem mantel? Novalis 2, 6;
der helle sternrock entfiel der schwarzen nacht.
Zachariä renomm. 5, 378;
nacht, die ihren schwarzen mantel
nur dem verbrechen ... leihet.
Schiller 14, 322 (Tell 2, 2);
wenn die nacht in ihr gewand
die erde hüllt.
Hölty 120 Halm;
die ungestalte nacht
hüllt in ihr schwarzes tuch, was noch auf erden wacht.
Fleming 55 L.;
verbreite deinen vorhang, nacht!
verhülle mit dem schwarzen mir
das wilde blut, das in den wangen flattert.
Romeo u. Julia 3, 2;
hüllend breitet um den todesfrieden
schleier nun auf schleier stille nacht.
Lenau (1880) 1, 93;
lustwandelnd unterm schleier der nacht.
Lenz 3, 202;
wenn erst die schande wird geboren,
wird sie heimlich zur welt gebracht,
und man zieht den schleier der nacht
ihr über kopf und ohren.
Göthe 12, 197.
γ)
die nacht jagte auf ihrem schwarzen rosse und die langen mähnen flatterten im winde. H. Heine (1876) 1, 22.
δ)
dunkel ists!
das heer noch schlafend in banden der nacht.
der j. Göthe 1, 288 (Ossian).
ε)
wenn geschlossen die thore der nacht sind,
überm adlerauge der sonne des himmels.
1, 287.
3)
nacht zeitlich (auch räumlich s. d) gebraucht.
a)
im genetiv (s. nachts):
sie haben mich stockfinstrer nacht
in diese welt hinein gebracht.
Lenau (1880) 2, 83.
b)
im dativ, s.nächte, ↗nächten.
c)
im accusativ: heute, gestern, morgen nacht; alle, jede nacht; die, diese nacht; halbe, ganze nacht u. s. w.; heunt nacht Simplic. 1, 520, 19. 553, 14 K.; heute nacht hat es sehr geregnet. Göthe 29, 300; der gewaltsamste regengusz fiel heute nacht vom himmel. 28, 147; schon gestern nacht wollt ich dir schreiben. d. j. Göthe 3, 27; vier schwein, welche er verwichne nacht disen närrischen bauren gestohlen. Simplic. 2, 85, 9 K.; und legte mich auf meine planen, worauf ich die vorige nacht so trefflich wol geruhet hatte. 424, 24; bin die vorige nacht unterwegen gewesen. Claudius (1774) 1, 6; gestern nacht hat er zwei wagen in diese strasze bestellt. Lenz 1, 69;
ich sah dich gestern nacht.
Schiller Wallensteins tod 5, 3;
aber morgen nacht
bist du wieder da?
Göthe 1, 247;
du sollst auch wieder morgen nacht
und alle nacht herein.
Bürger 103ᵇ;
seine katze kam alle nacht und machte uns grosze ungelegenheit. Simplic. 1, 643, 28 K.;
(der geist) gab ihm alle nächte den besuch.
Gellert 1, 60;
er hat mit mir die nacht (in dieser nacht) gespilet.
A. Gryphius 305, 264 Palm;
er blieb die nacht da. 1 Mos. 32, 13; er blieb dieselbe nacht beim heere. 32, 21; so brech er auf gegen abend und rück die nacht (während der nacht) hinnan an die feind. Fronsperger kriegsb. 1, 133ᵇ; jener ort wird bequem sein, die nacht da zu verweilen. Geszner (1824) 1, 42; ohne die nacht geschlafen zu haben. Göthe 30, 133;
die nächte lag er im abgrund.
Klopstock Mess. 2, 343;
schütz auch, herr, daneben
unser schwaches leben
folgends diese nacht.
S. Dach 176 Öst.;
diese nacht ruhten wir aus. Bürger 272ᵇ; diese nacht komm ich. Lenz 1, 197; ich hoffe, diese nacht meinen zweck zu erreichen. F. Müller 3, 107; dieselbe nacht kälbert dem bauern .. eine kuhe. Simplic. 2, 311, 11; er ist die ganze nacht auf, pernox est. Stieler 1322; die ganze nacht ging das schiff ruhig fort. Göthe 28, 83;
er war die ganze nacht nicht hier im haus.
der j. Göthe 1, 213;
nun härm ich ganze nächte lang
auf schlummerlosem lager
die leichten glieder matt und krank.
Bürger 7ᵃ;
my herr bläret nit vergeben ganz nächt. Gotthelf erz. 4, 155;
so geht ihr gesang
.. halbe nächte lang.
Göthe 12, 174.
d)
mit präpositionen (bei δ, η, ν auch räumlich), mit oder ohne artikel. vgl. A, 1, b. 2, c.
α)
auf die nacht, auf eine nacht: auf die dritte nacht. Schweinichen 1, 260; auf die bestimmte nacht. Simplic. 2, 419, 22; wir kamen auf die nacht in ein stättlin. Kiechel 5; es wird regen geben auf die nacht. Lenz 1, 216; sein plan war, sich auf die nacht anzumelden. Göthe 18, 102;
der könig kommt auf diese nacht hieher.
Schiller Macbeth 1, 10;
ich sasz auf eine nacht bei .. pers. baumg. 9, 2;
könnt ich auf éine nacht diesz lager jedem vergönnen.
Göthe 1, 273.
β)
bei der nacht, bei nacht: bei der nacht, nocte Stieler 1321; und kamen bei der nacht zum weibe. 1 Sam. 28, 8;
die gruben haben wir gemacht,
in zu begraben bei der nacht.
H. Sachs 1, 151, 4 K.;
als wir bei der nacht herumb schlingelten. Simplic. 1, 631, 7 K.; bis ich bei nacht .. eingelassen wurde. 1, 499, 1;
ich und eine fledermausz
fliegen nur bei nachte ausz.
1, 497, 28;
bei nachte auszen bleiben, pernoctare. Steinbach 2, 98;
dasz auch er sein gülden heerd
nur weiden liesz bei nachten.
Spee trutzn. 131 B.;
nun fliegt sie (die fledermaus) nur bei nachte (: lachte).
Gleim 3, 312;
nun komm' ich von ferne
geschlichen bei nachte (: sachte).
Immermann 3, 167;
die jünger haben ihn bei nacht
gestohlen und bei seit gebracht.
P. Gerhard 14, 222 Gödeke;
bei nacht am quell.
Klopstock 2, 90;
aber bei nacht
magst du mir gebieten.
Bürger 34ᵃ;
ob er gleich das schöne kind bei nacht
nicht in der ruhe stören wollte.
Wieland 9, 299;
aus dem brunnen holt bei nacht
sie (kinder) die weise frau allein.
Chamisso (1872) 1, 50;
wir sind bei nacht hier angekommen. Göthe 16, 263; bei später nacht. Schiller 737ᵃ; bei kurzen nächten. Frisch 2, 4ᵃ;
der würmer glut,
die bei den nächten scheint.
Lohenstein Armin. 1, 7ᵇ.
γ)
bis nacht:
erst noch so lange bis nacht!   dann noch vier stunden zu warten!
Göthe 1, 282;
gewöhnlich mit einer andern präposition verbunden: bis an, auf, gegen, in die nacht, bis zur nacht.
δ)
durch die nacht oder adverbial die nacht durch (hindurch); zeitlich:
die durch die nacht kein ruͦw went han (wollen haben).
S. Brant narrensch. 62, 5;
ich wache durch die nacht, und mich belohnt ihr nicht?
J. A. Schlegel fabeln 258;
die ganze nacht durch an eim ort sein oder bleiben, pernoctare. Maaler 94ᵃ; was eine nacht durch wäret, pernox. Steinbach 2, 98; die ganze nacht aber durch widerruft sie dieses. Schuppius 406; die hoffnung liesz die ganze nacht durch keinen schlaf in seine augen kommen. Wieland 7, 56;
wie hast du die nacht durch
unsers lieben Johannes unschuldige seele bewachet?
Klopstock Mess. 2, 74;
ich sasz durch die traurige nacht durch
vor der stadt auf dem anger.
Göthe 40, 251;
die nächte hindurch schlummerte jener.
Voss Od. 5, 154;
räumlich:
wer reitet so spät durch nacht und wind?
Göthe 1, 183;
strebend gegen den himmel ..
durch die finstere nacht.
40, 341;
durch blitz und nacht zum ziel aufklimmen.
Herder 1, 414 Hempel;
dann führe sie durch düstre nacht.
Voss ged. 6, 110;
und durch die nacht zuckt ungewisse helle.
Schiller Wallensteins tod 5, 3;
da schlug der .. knall eines schusses durch die nacht. J. Paul Hesp. 4, 189.
ε)
für die nacht:
voll hoffnung ..
ein gastfrei dach für diese nacht zu finden.
Göthe 13, 178.
nacht für nacht, die zeitliche reihenfolge bezeichnend, in der einen nacht wie in der andern, in jeder nacht:
(ich,) der nacht für nacht im traum
ihm vorgekommen war.
Gökingk 2, 144.
vgl.nacht vor nacht.
ζ)
gegen die nacht, gegen nacht: gögen nacht wandt sich der windt. Kiechel 14. 15.
η)
in der nacht, in nacht, in die nacht, zeitlich: und vert deheiner dem andern in sîn guot in der nacht. weisth. 1, 331 (v. j. 1344); wie ein gesicht in der nacht verschwindet. Hiob 20, 8; und sie stund in der nacht auf. 1 kön. 3, 20; das wetter ward in der nacht so arg. Göthe 30, 52; in dieser nacht. 30, 292; in derselben nacht. 1 Mos. 19, 30; in einer nacht. 40, 5; in der nächsten nacht .. stand das häuslin in flammen. Hebel (1869) 2, 31; er ist mitten in der nacht kommen. Steinbach 2, 97; in finsterer nacht. Göthe 30, 140;
lisch aus o tag! lasz mich in nacht genesen!
Mörike Nolten (1878) 2, 261;
von morgen bis in die nacht. Göthe 27, 277. 28, 33; tief in die nacht. 16, 259. 26, 313; weit in die nacht. 27, 71; tief in die nacht hinein, ad multam noctem. Frisch 2, 4ᵃ; räumlich:
sinkt denn die sonn' in meer und nacht.
Lohenstein Armin. 1, 1429;
sie seufzt hinaus in die finstre nacht.
Schiller 11, 290;
hirsche wandeln dort am hügel,
blicken in die nacht empor.
Lenau (1880) 1, 15.
θ)
mit der nacht: du versprachst mit der nacht (bei anbruch der nacht) hier zu sein. d. j. Göthe 1, 278.
ι)
nach der nacht: nach einer unruhigen nacht. Göthe 18, 185; nach dieser nacht u. dgl.
κ)
über nacht (auch übernacht), die nacht über, während der nacht; ahd. ubar naht, mhd. über naht gramm. 3, 156: er bleib uber nacht in dem gebet zu gott. Luc. 6, 12; du solt das blut meines opfers nicht opfern auf dem geseurten brot, und das opfer des opferfests sol nicht uber nacht bleiben bis an den morgen. 2 Mos. 34, 25; über nacht bleiben (sein, liegen), übernachten, pernoctare. Stieler 1322: und kam an einen ort, da bleib er uber nacht, denn die sonne war untergegangen. 1 Mos. 28, 11;
wir wollen lecht uber nacht do pleiben.
fastn. sp. 790, 18;
und wolt neur ubernacht do sein.
260, 33;
als ich ..
in Griechenland kaum über nacht verblieb.
Lohenstein Armin. 2, 508ᵃ;
(ich habe gelobt,) an keinem hof
in meinem leben über nacht zu bleiben.
Wieland 18, 66;
wir lagen .. by eim müller uber nacht. F. Platter 169 B.; do wir yber nacht gelegen. Kiechel 38; er dachte, er wolte lieber bei den scharfrichtern übernacht sein als bei den geistern. Hebel (1869) 1, 283; so muszte er unter dem immenstand im garten über nacht sein. 2, 4; wo er über nacht ausbleiben muszte. Göthe 16, 165;
der schönheit pracht
schwindet übernacht.
Rompler 221;
noch eine hohe säule zeugt von verschwundner pracht
auch diese, schon geborsten, kann stürzen über nacht.
Uhland (1879) 2, 228;
träumest du wohl über nacht
von den wundern?
Chamisso (1872) 1, 32;
aber es kann ja über nacht ein hagel fallen und alles zu grund schlagen. Schiller 2, 115 (räuber schausp. 3, 2); so kommen über nacht die husaren, heben uns aus. Hebel (1869) 1, 284; adverbial: er ist die nacht über hier geblieben u. s. w., die nacht über ausarbeiten, elucubrare. Hederich 1670.
λ)
von nacht — zu nacht:
es ist die liebestrunkenheit,
die mich erbärmlich plagt,
von tag zu nacht, von nacht zu tag
in meinem herzen zagt.
Göthe 5, 212.
μ)
vor der nacht, vor nacht, vor anbruch der nacht, vgl. vor nachts:
zuletzt ward er vom kreuz gebracht
und .. noch vor der nacht
in Josephs grab geschlossen.
P. Gerhard 39 Göd.;
wol auch spül' er vor nacht sich mit kräftigem weine.
Voss Horazens sat. 2, 1, 9 (vor schlafengehn Wieland);
will drüben landen vor nacht noch an.
G. Schwab in Wackern. leseb. 2, 1490;
es kann vor nacht leicht anders werden. Hebel 3, 483; nd. vor nachte Schambach 141ᵃ; nacht vor nacht, wie nacht für nacht Voss ged. 2, 137. 4, 200.
ν)
zu der (zur) nacht, zu nacht, zur nachtzeit, nachts, vgl.zu nachts: ein narr ist, so bei hellem tage eine lampe brennen wird, es wird ihm hernach zur nacht am öle fehlen. persian. rosenth. 1, 15;
die schönen augen sind dem sonnenbrunnen gleich,
die thränen in dem tag und glutt zur nacht gebehren.
Lohenstein Armin. 1, 1411ᵇ;
niedersteigen wir zur nacht.
Herder Cid 37;
Duncan kommt hier zur nacht.
Macbeth 1, 15;
zu nachte, noctu Dief. gloss. 382ᵃ; geist die zu nacht umblouffen, lemures. Murmelius 11; der monschein ze nacht. Frisius 881ᵃ; gestern zu nacht, hesterna nocte. Stieler 635;
das unser geist auch wach zu nacht.
Fischart 3, 200 Kurz;
wann auch Daphnis dir von fernen
ie zu nachten spielen thät.
Spee trutzn. 179 B.;
sie werden des wachens nicht abe noch gehn,
sehn, wie es zu nachte bei schläfern wird stehn.
Logau 2, 5, 59 Eitner;
sie warten zu nachte.
Immermann 1, 400;
sie (ihre leidenschaften) leuchten wie der stille schein des monds
dem wandrer spärlich auf dem pfad zu nacht.
Göthe 9, 182 (Tasso 3, 3);
wer seid ihr, dasz ihr noch so spät zu nacht
in dieser gegend schleicht, wo alles ruht?
10, 238;
so harrt' ich zu nacht bei der brücke
.. auf dich.
Chamisso (1872) 1, 221;
ein feuer hatt' ich mir zu nacht geschüret.
2, 27;
und d'stern schimmere z'nacht.
Hebel (1869) 1, 27;
von morgens zu nacht, vom morgen bis zur nacht. d. j. Göthe 3, 122; räumlich: der tag neigt sich zu nacht;
von wolken streifenhaft umfangen
versank zu nacht des himmels reinstes blau.
Göthe 5, 184.
4)
fristbestimmungen wurden früher nach nächten, nicht nach tagen gerechnet (nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant. Germ. 11), wobei gewöhnlich der alte unumgelautete plural sich erhalten hat. s. J. Grimm rechtsalterth. 221. 868. Haltaus 1398 f. Schm. 1, 1716 f. Fromm. Vilmar 279 (wonach in Kurhessen noch jetzt das roszen des flachses, das liegen der sämereien in der erde, bevor dieselben keimen, die dauer der menstruation nach nächten, nicht nach tagen gezählt wird):
in des so hatten zwene nacht
mich meine freunde todt geacht
und wollen als ein Christian
an drittem tag begraben lan.
Ringwald tr. Eck. (1602) B 4ᵃ;
an den drei nächten (Martinstag, weihnachtsabend und fastnachtstag). weisth. 3, 630;
ê daʒ wir selbe varn
dar nâch in siben nahten in Etzelen lant.
Nibel. 1420, 3;
über dise siben naht
sô künd i'u diu mære.
1390, 1;
dô sî dâ siben naht gebiten.
Iwein 2763;
dô wart ein hôchzît gemacht
unde ein hof, der siben naht
mit hôhen êren werte.
troj. krieg 23218;
wurd aber sölicher kauf in siben nechten .. nit versprochen. weisth. 1, 219 (v. j. 1469); siben nacht vorhin und siben nacht nachhin. 1, 288 (v. j. 1532);
(sie) lengeten den frede
uber vierzehen nacht.
Veldeke En. 259, 31;
dô twelter vierzehen naht.
Iwein 5621;
vierzehen nacht ist eine häufige fristbestimmung in den rechtsdenkmälern (s. schwabenspiegel Wack. 2, 43. 265, 26 u. oft; daneben allerdings auch vierzehen tag weisth. 5, 158); auch bei längeren fristen: drî vierzehen nacht (sechs wochen). kleines kaiserrecht 30. Schm. 1, 1717 Fromm.; obir einundzwenzig nacht. Haltaus 1399; zuweilen in verbindung mit tag (mhd. wb. 2, 300ᵃ): mhd.
drî naht und drî tage wil ich in lâʒen stân.
Nibel. 997, 1;
in vier tagen und nahten.
1362, 3;
sô wert mîn sehen an den grâl
siben naht und aht tage (eine volle woche).
Parz. 795, 13;
sus bin ich eine sider geswebet
mit marter und mit maneger klage
wol vierzec naht und vierzec tage.
Tristan 7602;
nhd. sie asz und trank nicht drei tage und drei nacht. Tob. 3, 12; und er gieng kraft derselben speise vierzig tage und vierzig nacht. 1 kön. 19, 8; und da er vierzig tag und vierzig nacht gefastet hatte, hungert in. Matth. 4, 2;
(er) reit't sieben tag und sieben nacht (: kracht).
Göthe 10, 250;
kröte, du, die schlafend lag
ein und dreiszig nächt' und tag.
Macbeth 4, 1;
noch drei tage, noch drei nächte
wird die hochzeit fortgeführt.
Lenau (1880) 1, 326.
5)
nacht als zeit der ruhe und des schlafes: mein auge .. belauschet die nächte der fürsten und die schlummerstätten der armen im volk. Mörike Nolten (1878) 1, 66.
a)
ruhige, gute (angenehme, sanfte), durchschlafene nacht: ein ruͦwige nacht haben, noctes carpere securas. Maaler 300ᵃ; es war eine ruhige nacht, ein angenehmer schlummer. Geszner 1, 53;
die arbeit füllt den tag und ruh besetzt die nacht.
Haller 25;
und alles sehnet sich den rest der nacht zu ruhen.
Wieland 9, 68.
gute nacht: mhd.
got gebe iu, frowe, guote naht.
Walther 101, 21;
guote naht geb iu der gotes segen.
Parz. 279, 26;
nhd. got geb uns tausent guter nacht.
fastn. sp. 390, 29;
gott geb euch alln ein gute nacht.
J. Ayrer 1324, 9 K.;
so gebe gott allen .. eine gute nacht. Luther 4, 495ᵃ;
herr, durch deine huld und macht
gib uns eine gute nacht!
Rückert ged. (1847) 485;
so stärk ihn doch, erbarmer!
mit einer guten nacht.
Schubart (1839) 3, 50.
vgl.gute nacht unter 6; ich hab eine gute nacht gehabt. d. j. Göthe 3, 105; (ich machte) einen spaziergang nach Charlottenburg, von da ich vollkommen ermüdet mein bett und eine gute nacht erreichte. Zelter an Göthe 4, 83; also verbliebe uns an der winter-langen nacht viel übrig, dasz wir nicht durchzuschlaffen vermöchten. Simplic. 2, 65, 3 K.;
nun durchschliefen die götter ..
ganz die nacht.
Bürger 194ᵃ;
nicht musz ganz durchschlafen die nacht ein berathender vormann.
Voss Il. 2, 24;
die nächte hindurch schlummerte jener gezwungen
in dem gehöhleten fels.
Od. 5, 154;
die lange nacht,
wenn alles schläft und ruht.
F. Müller 1, 267;
schlaft die lange, liebe nacht,
denn wir halten gute wacht!
Chamisso (1872) 1, 183;
nach einer wohl durchschlafenen nacht. Göthe 30, 221;
dasz ich nach einer sanften nacht
mich dieses tags erfreue.
Gellert 2, 112;
erwache Friederike,
vertreib die nacht,
die einer deiner blicke
zum tage macht.
der j. Göthe 1, 261.
b)
unruhige, böse, durchwachte (mit schmerzen, kummer, arbeiten u. s. w. zugebrachte), schlaflose nacht: der kranke hat eine böse nacht gehabt. Stieler 1322; elender nacht sind mir viel worden. Hiob 7, 3; es ist unmöglich zu glauben, was vor eine elende nacht ich damals überstanden. Simplic. 2, 106, 29 K.; eine betrübte traurige nacht. 479, 30; ich habe eine schreckliche nacht gehabt. Göthe 16, 160;
denn sie (eure mutter) hat manche nacht gewacht,
und euch mit angst zur welt gebracht.
Ringwald tr. Eck. (1602) O 7ᵇ;
ach, wie manche lange nacht
hab ich schlaflos zugebracht.
S. Dach 412 Öst.;
die verlangte ruh der durchgeseufzten nächte.
Haller 49;
willst du die nacht .. hier im gebete durchwachen?
Klopstock Mess. 1, 62;
der jünger ..
war die schlaflose nacht und den morgen umhergezittert.
9, 31;
ich will ihm entgegen mit meinen thränen, meinen schlaflosen nächten. Schiller 2, 192 (räuber schausp. 5, 2);
mein kopf glüht von durchwachter nacht.
5, 279 (don Carlos 3, 2);
die schrecklichste nacht hab ich in qualen verwachet.
Bürger 211ᵃ;
auch dich .. in nächten ohne schlummer
belauscht dein engel oft.
Wieland Oberon 9, 25;
mein geist in schlummerlosen nächten
durch diese welt zu gott sich rang.
Lenau (1880) 2, 98;
schlaflose nacht, du bist allein die zeit
der ungestörten einsamkeit.
1, 209;
verweinen laszt die nächte mich
so lang ich weinen mag.
Göthe 1, 97;
o hätt ich doch schlaflos die nacht durchweint
wie manche der nächte zuvor.
Chamisso (1872) 1, 22.
c)
durchschwärmte nacht: freie nacht machen, die nacht durchschwärmen. Albrecht Leipz. mundart 174ᵃ; nach einer durchschwärmten nacht. Wieland 2, 95; sie durchtobten (brachten lärmend zu) die ganze nacht u. dgl.; wir wöllen trinken die ganze nacht. Fischart Garg. (1617) K 5ᵇ;
so wöln wir trinken die ganze nacht
bis an den hellen morgen.
Uhland volksl. 593;
wenn nach dem heftgen wirbeltanz
die nächte schmausend man vertrinkt.
Göthe 12, 15.
6)
gute nacht! und gute (angenehme, geruhsame, wolschlafende) nacht wünschen, sagen, geben oder nehmen, haben, empfangen.
a)
abendlicher abschiedsgrusz, vgl.nachtgrusz.
α)
elliptisch (zu ergänzen ist: gott gebe dir, euch oder auch habe, habt, s. oben 5, a. 6, δ und geben II, 12, a, γ): gute nacht, felicem noctem tibi opprecor. Stieler 1322; gute nacht! so können wir Nordländer zu jeder stunde sagen, wenn wir im finstern scheiden, der Italiäner sagt 'felicissima notte!' nur einmal, und zwar wenn das licht in das zimmer gebracht wird, indem tag und nacht sich scheiden, und da heiszt es denn etwas ganz anderes. Göthe 27, 125;
hiemit, mein bruder, ein gut nacht.
Fischart flöhh. 2491;
nun lirum larum gute nacht!
Bürger (1778) 197;
gute nacht! ja gute nacht!
schelm sei, wer am längsten wacht!
Voss ged. 5, 25;
ach schätzchen, gute nacht!
F. Müller 1, 333;
gute nacht!
schlummert, bis der tag erwacht.
Körner 46ᵇ;
gut' nacht denn, liebe mutter!
Schiller 12, 361 (Wallenst. tod 4, 14);
geruh'ge nacht, papa, ich will zu bette gehn.
der j. Göthe 1, 169 (die mitschuldigen 1, 7);
gute nacht, meine herren! ... morgen sehen wir uns wieder. F. Müller 2, 150.
β)
gute nacht (guter, viel guter nacht) sagen, wünschen, geben; ohne dativ: vil guter nacht sagen. Fischart bienenk. 34ᵃ; von einem vil guter nacht sagen (von ihm gutenachtwünsche überbringen). Baumann quellen 2, 235; sie gaben nunmehr gute nacht. polit. stockfisch 185;
so vorsorgend wünscht sie gute nacht.
Göthe 1, 243;
umschrieben: indem er sich eiligst mit dem wunsche einer guten nacht von mir entfernte. Thümmel (1839) 5, 17; mit dativ: mhd.
guoter naht wunscht er in
und schiet lachende dan.
Hartmann Greg. 2648;
nhd. so wünsch ich ihr ein gute nacht,
bei der ich war alleine.
Uhland volksl. 137;
und lachend wünscht man einander gute nacht.
Wieland 9, 69;
wir wünschen ihnen gute nacht
und gehen auch zu bette.
Hölty 28 Halm;
aber nun wünsche ich euch eine ruige, kühle undt woll schlaffende nacht. El. Charl. v. Orl. (1874) 372;
her der wirt, ir solt uns gute nacht geben.
fastn. sp. 312, 24;
(die aufrührer waren leute) die all tag früestückten in dem wirtshaus und einander gut nacht gaben. S. Meisterlin 134, 11; also gaben wir im gute nacht. Luther 3, 405ᵇ; (sie) begleitete ihn bis an die kleine treppe, wo sie ihm mit einem händedruck gute nacht gab. Göthe 18, 274;
ein alter bock ..
mag im galopp noch gute nacht ihr meckern.
12, 105;
gönnt mir doch, ihr holden lippen,
eine kurze gute nacht.
Günther 35 Tittm.
γ)
gute nacht nehmen, sich abends (mit kusz) verabschieden, gute nacht sagen: mhd.
guot naht sie nâmen.
Lohengrin 1023;
nhd. um 10 uhr wird ohne groszes geräusch gute nacht genommen. Rabener briefe 14; wenn das kind (von der mutter) gute nacht nimmt. J. Paul unsichtb. loge 2, 169;
drauf giengen sie zu ihm vors bette
und nahmen höflich gute nacht.
Gellert 1, 166.
δ)
gute nacht empfangen:
der bischof guote naht enphie
mit gruoʒe dâ ze stunde
von des keisers munde.
der gute Gerhard 720.
b)
abschieds- und scheidegrusz überhaupt, auch an leblose gegenstände, von denen man sich verabschiedet, lossagt, die man verloren giebt. vgl. fahrewohl, ↗lebewohl.
α)
elliptisch (wie a, α):
gute nacht ihr brüder,
gute nacht, du liebes vieh!
Fleming 356 L.;
nun fasenacht gute nacht!
der j. Göthe 1, 170;
dann gute nacht
ihr armen armen dinger.
Göthe 12, 191;
dann fahre wohl, landfriede!
dann, lehndienst, gute nacht!
Uhland (1879) 2, 195;
Franz. über kurz oder lang wird er (der alte Moor) ihn in allen vier enden der welt aufsuchen lassen, und gute nacht, Hermann! wenn er ihn (Karln) findet. Schiller 2, 242 (räuber trauersp. 2, 2).
β)
gute nacht sagen, geben, sich verabschieden (lossagen, aufgeben):
die kunst der poesie nimmt ihren rang in acht,
wo sie der undank grüszt, da giebt sie gute nacht.
Günther nachlese (1757) 73.
mit persönlichem dativ:
er giebt uns gute nacht,
verläszt den edlen Pegel.
S. Dach 618 Öst.;
wo aber langer dienst euch ganz zu weibern macht,
so laszt mich hier allein, ich geb euch gute nacht.
A. Gryphius 1, 114;
die gute nacht, die (das lebewol, das) ich dir sage,
freund, hörest du.
Rückert ges. ged. 1, 237.
mit sachlichem oder abstractem dativ: ich habe den fröhlichen tägen gute nacht gegeben. persian. baumg. 9, 2;
der giebet seinen wänden,
so brennen, gute nacht.
Opitz 1, 33;
auf, auf, gib deinem schmerze
und sorgen gute nacht!
P. Gerhard 186 Göd.;
und da mich ihre flucht auf erden elend macht,
so sag ich auf einmal der liebe gute nacht.
Günther 92 Tittm.;
.. von morgen an sag ich den bachanalen
des hofes gute nacht.
Gotter 1, 194;
des aberglaubens träumereien
und allen schulpedantereien
auf ewig gute nacht zu sagen.
1, 377;
dies durfte wol der dichter einmal schildern,
wir danken ihm, dasz ers vollbracht;
doch geben wir so trostlos herben bildern
von minder klugem pinsel gute nacht.
Göthe 3, 63 Hempel.
c)
letzter abschied des sterbenden oder vom sterbenden.
α)
elliptisch (wie a, α):
ein gute nacht, mein lieber mann,
ihr habt mir alles guts gethan.
Ringwald tr. Eck. 1602 P 7ᵃ;
mich rufen engel mit gesang,
o mutter, gute nacht!
Uhland (1879) 2, 57;
mein vater, gute nacht! es ist um dich geschehen,
ich werde dich nicht mehr in diesem lichte sehen.
Drollinger 109;
gute nacht, gute nacht!
dein lauf ist vollbracht,
dein grab ist gemacht,
gute nacht, gute nacht!
Rückert ged. (1847) 14.
β)
gute nacht geben, sagen: das sind die letzte wort als des, der da wil hinweg scheiden und gute nacht oder den segen gibt. Luther das 14. und 15. cap. st. Joh. (1538) Tt 3ᵃ;
seit sie gabe gute nacht,
der du itzt bist nachgeflogen
in das lichte sternenreich.
Fleming 268, 70 L.;
und jederman ..
im glauben geb ein gute nacht.
Ringwald tr. Eck. (1602) O 5ᵃ;
mit dativ:
.. verhilf mir durch dein leiden,
vernünftig von der welt zu scheiden,
und all den meinen wol und ebn
in dir ein gute nacht zu gebn.
O 6ᵃ;
als er (der todtkranke Luther) nu zu bett gieng .. legt er sich ein, gab uns allen die hand und gute nacht.
J. Jonas in Luthers schriften 8, 385ᵃ;
es ist aber nunmehr klar, dasz sie (Mathildis) erst a. 999 der zeitlichkeit gute nacht gegeben.
Hahn hist. (1721) 2, 102 anm.
γ)
gute nacht haben, empfangen:
hab eine gute nacht,
du schnöde welt mit deiner pracht.
Ringwald tr. Eck. (1602) M 8ᵃ;
habt gute nacht!
Schlegel Hamlet 1, 1.
δ)
zu guter nacht: in Italien musz der henker seinen henkmäszigen sohn zuvor (vor der hinrichtung) zu guter nacht küssen. Fischart Garg. 48ᵃ; als scheidegrusz des sterbenden:
ade zu tausend jahren,
o welt, zu guter nacht!
Spee trutzn. 7 B.;
der harte abscheidsgrusz:
zu tausend guter nacht mein leben!
Fleming 261, 150 L.
7)
liebesnacht, brautnacht ohne oder mit einem auszeichnenden epitheton.
a)
dieweil sie von der guͦten nacht sagten, die Rinaldo mit schönen frauen begangen hat. Bocc. 65, 24 K.;
do lagen die zwei beisammen
die liebe lange nacht.
Böhme altd. liederbuch 200;
denke, bitt ich, dann und wann an die wohl verbrachten nächte.
Günther 247 Tittm.;
und welche nächte, welche nächte,
verschlug mein herz an deiner brust!
Gökingk 1, 82;
der graue Myron hielt um eine nacht voll küsse
bei der geliebten Lais an.
Hagedorn erz. (1757) 135;
so miszgönnt ihr mir die schöne nacht.
Göthe 1, 248;
mein! er war es, mein vor allen!
ach nur éine süsze nacht!
1, 255;
so erfreuen wir uns der langen nächte, wir lauschen,
busen an busen gedrängt, stürmen und regen und gusz.
1, 286;
wie traurig, Fanias, siehst du die schönste nacht dir ungenützt verstreichen. Wieland 9, 66;
wir wollen mit kosen und lieben
genieszen der köstlichen nacht.
Chamisso (1872) 1, 63;
sie schliefen sanft nach muntrer nacht.
Langbein (1854) 1, 83;
hurrah! so hab ich keine noch durchwacht,
o lebensheisze, volle, starke nacht!
Lenau (1880) 2, 86.
b)
sie bestimbte ihm eine nacht, in welcher sie sich mit ihm zu paren versprach; mir aber verschwieg sie es auch nicht, darmit sie auch ehrliche leut bei der hochzeit hätten. Simplic. 2, 568, 12; nach dem wir nach der ersten nacht bei aufgang der sonnen beisammen lagen, zu faullentzen. 2, 202, 21; und so die hochzit vergat, so sol der brütgam den meiger by sim wyb lassen ligen die ersten nacht (jus primae noctis). weisth. 1, 43 (v. j. 1543);
wie der angenäme hohn
.. folgt auf die erste nacht,
unsre braut halb zornig macht.
Fleming 292, 53 L.;
.. wann du ihr ab wirst nehmen
den raub der jungfrauschaft, durch den die süsze nacht
zwar sie zu einem weib und dich zum vater macht.
Opitz (1645) 2, 188;
bei jungfern aber zeigt nach einer nacht der morgen
ein groszen unterschied.
Günther nachlese (1751) 161;
es wird der braut zu lang; drum schliesz ich.   denn die nacht
begehrt von ihr genug.
175;
aus den küssen erster nacht
keimten glänzende geschlechter.
Bürger (1778) 14.
8)
bestimmte nächte des jahres.
a)
weihnacht, heilige nacht:
sei, gewündschte nacht, gegrüszet,
da der keusche jungfernmund
einen jungen sohn geküsset.
Fleming 232 L.;
sie kam, die lang erseufzte nacht,
herab auf unsre erde.
Schubart 3, 105;
o nacht des mitleids und der güte,
die auf Judaea niedersank —
o weihnacht!
Lenau (1880) 2, 109;
in heilger nacht im vollmondschein
da spinnt die maid im saal allein.
Uhland (1879) 2, 185.
b)
heilige nacht ist überhaupt die einem kirchlichen feste (heiligen tage) vorausgehende nacht:
heur hab ich ein altsz weip genumen,
wenn ich ir des nachts ze hof wil kumen,
so sagt sie mir es sei ein heilige nacht.
fastn. sp. 346, 25.
c)
die zwölf nächte, die nächte oder überhaupt die zeit zwischen dem weihnacht- und dem dreikönigtag. Schm. 1, 1177 Fromm.: die einbildung, dasz aus den zwölf nächten die calenderschreiber das gewitter im bevorstehenden jahre in den calender machen, ist bei den bauern allzutief eingewurzelt. sie verstehen aber durch die zwölf nächte zwölf tage und nächte, vom Christtag an zu rechnen, und gründen ihre meinung darauf, dasz der Christtag den jenner, st. Stephanus den hornung ... und so weiter fort bedeute. Hübner naturlex. 1252; in der ersten nacht der sogenannten zwölf heiligen nächte .. nämlich in der Christnacht. J. Paul 48, 146 Hempel; aber zum neujahr in den zwölf nächten sollte ihn der fürst seines eides entledigen. Freytag ahnen 1, 101.
d)
nach zweien tagen kommt die nacht,
da man das osterlämmlein schlachtt.
P. Gerhard 30 Göd.
e)
sie liesz mich zwar in sanct Andreas nacht
den künftgen liebsten leiblich sehen.
Göthe 12, 51.
f)
so spukt mir schon durch alle glieder
die herrliche Walpurgisnacht.
12, 192.
g)
sie feiern trotzig die Johannisnacht
und wider ordnung brennen ihre feuer.
Chamisso (1872) 2, 80.
9)
nacht in sprichwörtern und sprichwörtlichen redensarten Simrock 392. Wander 3, 843—850; die nacht ist niemands freund. fastn. sp. 388, 18. Fischart Garg. 125ᵇ; die nacht ist ohnehin niemands freund. Wieland 11, 134; bei nacht sind alle küh schwarz, alle katzen grau. Aler 1439ᵃ; nacht, lieb und wein sind keine guten rathgeber. Luther tischr. 439; dann als der H. den Ph. gefragt, was sich weiter zugetragen, gab selbiger ihm dem gemeinen sprichwort nach zur antwort: hernach ist es nacht worden, und sind wir schlafen gangen. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 307;
frisch gewagt ist schon gewonnen,
nur dem feigen ist es nacht.
Göthe 1, 61.
B)
in übertragener und figürlicher bedeutung.
1)
metonymisch.
a)
die beginnende nacht, der abend desselben, des vorhergehenden oder folgenden tages, wie schon im mhd.: an hailichen nachten nit spillen zu lassen. die wirt .. sollen an heiligen abenten noch sunst an andern werktagen nöchten kain gesellschaft über 8 uhre bei dem wein zu sitzen gestatten. österr. weisth. 6, 237, 13 ff. (15. jh.); morn ze naht, morgen abends. Schreiber urk. 2, 290 (v. j. 1418); an sant Martins naht, am vorabende des Martinstages. Mone zeitschr. 18, 459;
daʒ er in vierzehen tagen
und rehte an sant Jôhannes naht ..
zuo dem brunnen wolde komen.
Iwein 901;
was spähst du nach dem engel
vom morgen bis zur nacht?
Uhland (1879) 2, 221;
zu nacht, abends: zu nacht eines heiligen festes. Jes. 30, 29; solten wir mit vollem segel fahren, so weren wir zu nacht der ersten finsteren am vorberg des ports. buch d. liebe 200, 4; dann ich wuszt woll, das man mich z'nacht wurd strichen. Th. Platter 7 B.; de musz die lumpe suppe z'nacht abgeschaffet .. sy. Gotthelf erz. 4, 159; zu nacht essen, coenare. Murmelius 195. Maaler 300ᵇ, vgl. nachtessen, nachtmahl; als wir z'nacht gessen hatten. Th. Platter 82 B.; hat nie pflegen zu nacht zu essen. Zinkgref apophth. (1639) 274; demnach man nun zugerüst und gekocht hatt, aszen wir zu nacht, waren frölich. buch der liebe 203, 1; allwo ich von meinem wildpret stattlich zu nacht asze. Simplic. 2, 419, 26; da er mit dem Dionysius zu nacht speiste. Wieland 3, 25; ich lasz ihn bitten, heute mit mir zu nacht zu essen. Schiller 14, 147;
ihr seid wohl spät von Rippach aufgebrochen?
habt ihr mit herren Hans noch erst zu nacht gespeist?
Göthe 12, 109;
ich habe mit ihnen zu nacht gessen. d. j. Göthe 3, 26; zur nacht kochen. Voss 6, 156; einem ze nacht geben, dare coenam alicui. Maaler 300ᵇ;
so gabens dem vater zu nacht
wein, der den alten trunken macht.
H. Sachs 1, 184, 6 K.
b)
der schlaf: er verscheuchte (durch das waldhorn) die nacht aus drei menschen. J. Paul unsichtb. loge 2, 186;
doch auf seinen (Barbarossas) augenwimpern
liegt des schlafes tiefe nacht.
Geibel ged. (1874) 156.
c)
die nachtluft: wie frisch quoll die eingeathmete nacht über die heiszen lippen. J. Paul Titan 2, 137.
d)
dichterische oder bildliche darstellung der nacht:
(sie lasen) Rosts schöne nacht.
Hölty 27 Halm;
von den andern bildern (des englischen landschaftmalers Moor), einem herrlichen schönen morgen, einer trefflichen nacht, sag ich gar nichts. Göthe 29, 32.
e)
tag und nacht, die pflanze melampyrum nemorosum. Nemnich 2, 536. Vilmar kurhess. idiot. 409; tag und nacht gleich, parietaria officinalis. Nemnich 2, 861.
2)
dunkelheit, finsternis.
a)
in eigentlicher bedeutung.
α)
die der schöpfung vorhergehende allgemeine finsternis, die urnacht des chaos:
aus dem abgrund und der nacht
(hat gott) dieses all hervor gebracht.
Brockes 1, 293;
wie er (gott) dich einst aus der tieffen nacht
des dunkeln nichts ans licht gebracht.
1, 467;
wie gott, als lange schaudernde kalte nacht
auf erd und meeren fluthete, gott sein licht
urplötzlich aufrief.
Herder 1, 277 Hempel;
werdet zu chaos, zu nacht, zu der höll', ihr welten.
Klopstock Mess. 10, 132;
alles regt sich, als wollte die welt, die gestaltete, rückwärts
lösen in chaos und nacht sich auf, und neu sich gestalten.
Göthe 40, 335.
β)
sonnenfinsternis:
der, da am kreuze er starb, in nacht die erde verhüllte.
Klopstock Mess. 12, 771;
aber am hohen kreuze hing Jesus herunter
in die nacht.
8, 610.
γ)
finsternis bei nebel, gewitter, sturm (staub):
du trüber nebel ..
nimm fort in deine graue nacht
die erde weit und breit!
Lenau (1880) 1, 26;
allda lieget das land des kimmerischen männergebietes,
ganz von nebel umwölkt und finsternisz ..
rings grauliche nacht umruht die elenden menschen.
Voss Od. 11, 19;
wohn einsam, rings von nacht Cimmeriens umdränget.
ged. 6, 189;
dort hinten still im gebirgthal hat ein kühn geschlecht
sich angesiedelt, dringend aus cimmerischer nacht.
Göthe 41, 202;
nun schweben sie, rauschen sie, wirbeln die winde! ..
zürnest du, herr,
weil nacht dein gewand ist?
Klopstock 1, 140;
gieb mir aus diesen gewittern
tausend donner und nacht um mich her.
Mess. 5, 32;
auf einmahl wirft der sturmwind eine hülle
von siebenfacher nacht um den erstickten tag.
Wieland Idris 5, 3;
die ganze burg erschallt davon und kracht
und stracks verschlingt den tag die fürchterlichste nacht.
Oberon 5, 67;
mit regen, sturm und blitz verfolgt ein ungewitter
die fliehenden, die fürchterlichste nacht
verschlingt den mond.
2, 30;
da risz der sturm von dir mich wieder
hinaus in seine wüste nacht.
Lenau (1880) 1, 128;
da ziehen finstre wolken auf,
die blitze zucken aus der nacht.
Uhland (1879) 2, 220;
verschwunden vom himmel
sind wolken voll nacht.
Matthisson (1816) 41;
hoch steigt des staubes wolke
zum himmel auf und hüllt die sonn' in nacht.
Schulze Cäcil. 8, 54;
dampf und staub
bedeckt mit dichter nacht den himmel.
Lenz 3, 273.
δ)
nacht werden, finster werden: als meine beschwörungsformel geendigt war, liesz ich das gefäsz, worinn der spiritus flammte, zusammenfallen, es wurde nacht im saal. Schiller 4, 229.
ε)
finsterer raum, in welchen kein licht dringt: die tiefe (der erde, des meeres), der abgrund, die unterwelt (todtenreich, hölle), das grab, der kerker; nacht steht entweder allein oder mit dem entsprechenden genetive:
wenn der stamm zum himmel eilet,
sucht die wurzel scheu die nacht.
Schiller 11, 202;
gleich dem fels das haupt erhöht zur sonnen,
den fusz versenkt in nacht.
H. v. Kleist 5, 23 Hempel;
bezeichnet nun den weitgevierten schacht,
und wagt euch kühn zum abgrund tiefster nacht.
Göthe 3, 358 Hempel;
da umschwebt uns (bergknappen) heilges schweigen
und aus blauen flammen steigen
geister in die grause nacht.
Körner 30ᵃ;
glück auf! glück auf! in der ewigen nacht,
glück auf in dem furchtbaren schlunde.
39ᵇ;
es (das silber) wird aus vieler berge nacht
ans licht gebracht.
Hebel (1869) 1, 179;
tief in des meeres nacht.
Körner 37ᵃ;
es reiszt mich hinab in des oceans nacht,
es reiszt mich hinab ins verderben.
38ᵃ;
ich aber seh aus seiner (des abgrunds) nacht
dein bild so hold mir blinken.
Lenau (1880) 1, 7;
o weh, ihr werdet schlim bestehn
und mit den teuffeln müssen gehn
zur hochbetrübten finster nacht.
Ringwald tr. Eck. (1602) O 1ᵃ;
von tausendfacher qual beschwert
liegst du (satan) in ewig finstrer nacht.
der j. Göthe 1, 82;
selbst ja Diana erlöst den keuschen Hippolitus niemals
aus acherontischer nacht (inferis tenebris).
Voss Hor. oden 4, 7, 26;
bis sie zuletzt des Orcus hohle nacht umfängt.
Göthe 41, 190;
stürzt mich in die nacht der nächte
aus des himmels goldnem saal.
Schiller 11, 200;
diese wohnung der nacht und der dunkeln verdamnisz.
Klopstock Mess. 2, 692;
bei der untersten hölle
und bei ihrer nächtlichsten nacht.
2, 556;
sie sahn in des grabes
nacht die morgenröthe der auferstehung schon dämmern.
12, 200;
ihr chöre singt ihr schon den tröstlichen gesang,
der einst, um grabes nacht, von engelslippen klang?
Göthe 12, 44;
finster wie des grabes nacht.
9, 316;
so singt dir noch mein geist
dicht an des grabes nacht.
Schubart schriften (1839) 3, 26;
ich liesz den sarg des grabes nacht entheben.
Uhland (1879) 1, 172;
in die öde nacht der grüfte
sinkt, ihr jünglinge, hinab!
1, 10;
welcher zauber .. bannt ihn hinab in des stummen
kerkers nacht?
Klopstock 2, 114;
drum bin ich in des kerkers nacht
auch noch lebendig geblieben.
Göthe 1, 192;
zeig ihm mein strohern bette,
des kerkers feuchte nacht.
Schubart schriften (1839) 4, 89.
ζ)
von dunkeln, tiefen augen (vgl. abgrund):
weil' auf mir, du dunkles auge ..
ernste, milde, träumerische,
unergründlich süsze nacht!
Lenau (1880) 1, 11;
in diese nacht des blickes mich zu tauchen,
unwissend kind, du selber lädst mich ein.
Mörike Nolten (1878) 2, 212.
η)
gedämpftes licht, schatten und schattigkeit, opacitas:
aus der kirchen ehrwürdiger nacht
sind sie alle ans licht gebracht.
Göthe 12, 53;
im sichern hain, in stiller grotten nacht
hab ich Vestalen schon zu was ihr wollt gemacht.
Wieland Idris 1, 93;
da .. gingen alle an der nacht seines schattens neben her. F. Müller 1, 24. Besonders die nacht der wälder, haine, lauben, gebüsche, bäume:
in unbesuchter wälder nacht.
Gotter 1, 457;
nennet mir jenen zuerst, der dort mit feurigem auge
um sich blickt und mit ungeduld in den nächten des waldes
suchet, Jesus vielleicht!
Klopstock Mess. 3, 151;
(sie hat) aus des waldes nacht
einen bären ..
unter die zahme compagnie gebracht.
Göthe 2, 91;
so stürmen sie fort in des waldes nacht.
Körner 50ᵃ;
das ganze Griechenheer, im strahl der sonne,
tritt plötzlich aus des waldes nacht hervor!
H. v. Kleist 1, 114 Hempel;
es ragt ein altes gemäuer
hervor aus waldes nacht.
Chamisso (1872) 1, 244;
die schauervolle nacht
verschränkter düstrer fichtenwälder.
Hölty 48 Halm;
in eines urwalds nie durchdrungner nacht.
Lenau (1880) 2, 9;
in der nacht eines myrthenwaldes lag das landhaus. Lenz 3, 281;
wer sind die seelen, die in der haine nacht
herschweben?
Klopstock 1, 174;
kommt Hermann dort in den nächten des hains?
1, 244;
dichtgrünender haine nacht (spissae nemorum comae).
Voss Hor. oden 4, 3, 11;
der lauben grüne nacht
entwickelt zärtliche .. gefühle.
Wieland Idris 5, 78;
o, dasz ich ..
in einer laube holden nacht ..
dich mit der freude wieder söhne!
Gotter 1, 228;
scheu floh der pfad die ungeweihten tritte,
entschlüpfend in des dickichts wirre nacht.
Lenau (1880) 1, 47;
bald schlendern wir in morgentracht
in eines erlenbusches nacht.
Gökingk 1, 75;
so wie ein reh ..
sich zuletzt in einen hain verlieret,
wo krauser büsche nacht ihm seinen feind versteckt.
Wieland 9, 304;
wo durch der büsche nacht ein heller mondschein bricht.
Oberon 5, 4;
der büsche grüne nacht, wo ich verborgen lauschte.
Idris 3, 76, 82;
die grüne nacht belaubter bäume.
Haller 96;
in die nacht der tannen oder eichen,
in der stummen heimlichkeit gebiet.
Bürger 68ᵇ;
Luna bricht die nacht der eichen.
der j. Göthe 1, 97;
den dichter sieht man aus der nacht
der eichen selig schwanken.
Lenau (1880) 1, 134;
in einer hohen linde nacht
am tische der natur zu speisen.
Gotter 1, 8;
ihr zweige, baut ein schattendes gemach,
mit holder nacht sie heimlich zu umfangen.
Schiller 11, 208.
b)
übertragen auf die tiefschwarze farbe, besonders der haare:
der augen schwarzer blitz, die nacht der locken
erheitert von juwelnem band.
Göthe 41, 43;
die rabenschwarzen locken, deren nacht
des nackens alabasterglanz erhebt.
Wieland Selim u. Selima v. 299;
wie der demantstern dir blitzt
aus der nacht der lockenwelle.
Lenau (1880) 1, 63;
und es flattert um der brüste
melodiegeschwellte wogen
ihres haars gelockte nacht.
1, 325;
ein flor, aus nacht gewebt.
Voss ged. 6, 208.
(als er) sie in der schönen nacht des trauerkleides erblickte. J. Paul Fibels leben 75.
3)
vorübergehende oder dauernde verfinsterung des augenlichtes, blindheit: haltet mich! es wird mir so nacht vor den augen. Schiller 2, 196 (räuber schauspiel 5, 2);
du bist heilig wie die engel,
doch unser auge war mit nacht bedeckt.
13, 335 (jungfrau v. Orl. 5, 14);
nacht wirds um das auge des trägers, er taumelt hin.
Klopstock 8, 138;
ist ihr herz fels und ihr auge
nacht, zu sehn, wer du bist?
2, 141;
nacht lag auf meinen augen.
H. Heine (1876) 9, 76;
ich will dir küssen, Heinrich,
vom auge fort die nacht.
9, 77;
darumb sol eur gesicht zur nacht .. werden. Micha 3, 6;
will aber der gewohnheit macht
dir diesz vergnügen (des schauens) nicht erlauben,
und durch der blindheit schwarze nacht
die wirkung deiner sinne rauben.
Brockes 1, 105;
ihr (meine augen) habet oft mit traurigen geweinet
und mit den fröhlichen so gern gelacht!
und nun ist euch der blick nach beiden dick verzäunet,
und nun kömmt solche nacht.
Gökingk 3, 42;
Faust (erblindet). die nacht scheint tiefer, tief hereinzudringen,
allein im innern leuchtet helles licht.
Göthe 41, 318;
o, eine edle himmelsgabe ist
das licht des auges ..
und er (der geblendete Melchthal) musz sizen,   fühlend, in der nacht,
im ewig finstern.
Schiller 14, 300 (Tell 1, 4);
und hell in deiner nacht soll es dir tagen!
306;
dunkelt auch um Ziska's körper
tiefe schimmerlose nacht,
gängelt er doch mit dem geiste
leicht sein wildes kind, die schlacht ..
ha! wie lauscht dem kampf der blinde!
Lenau (1880) 1, 340;
nacht, die seine (des blinden) augen deckt.
Wieland Oberon 6, 87;
von blindheit und taubstummheit (vergl. die stumme nacht A, 2, b, ε):
so schön ist gottes welt, dasz auch ein leises flüstern
von ihr der blindheit und taubheit nacht entdüstern (es ist von blind- und taubstummgebornen die rede).
Rückert brahm. 9, 130.
4)
dunkelheit, finsternis in abstracten und bildlichen anwendungen.
a)
tiefe, unergründlichkeit, verborgenheit, geheimnis, ungewissheit:
was vor ein strahl aus der nacht des göttlichen rathes hervorbrach!
Klopstock Mess. 13, 159;
allein gesetzt, adepten hätten
bis in die nacht, wo sich sein quell verliert,
der wahrheit lichte nachgespürt.
Gotter 1, 397;
was Zeus aus huld in räthselhafter nacht vor uns verbarg.
Wieland 9, 99;
nächte, voll von labyrinthen, tagen.
Hölty 63 Halm;
... bis er betäubt
mit uns an nacht und mystik gläubt.
Voss ged. 6, 234;
der (für unser denken) mit dicker nacht erfüllte raum des übersinnlichen. Kant 1, 125; furcht und hoffnung gehen hier unter in gemeinschaftlicher nacht (sie heben sich gegenseitig auf durch die ungewissheit, womit sie beide für unsere augen bedeckt sind). J. Paul Titan 3, 6 anm. In bezug auf zukunft und vergangenheit, trennung und vergessenheit:
um mich des augenblicks zu freun,
ward mir der zukunft nacht verborgen.
Gotter 1, 428;
da führtet ihr aus kühner eigenmacht
den bogen weiter durch der zukunft nacht.
Schiller 6, 272;
denn die nacht der zukunft brütet
manchen sturm im dunkeln nest.
Lenau (1880) 1, 129;
Jung warf in die apokalyptische nacht
ein paar schöne romantische lichter.
Hebel (1869) 1, 145;
(er) rufte sie aus der vergangenheit nacht.
Klopstock 2, 148;
hinter uns, im graun der nächte,
ruht die schande, ruht die schmach.
Körner 23ᵃ;
gewisse gegenstände .., die besser in der nacht des alterthums begraben lägen. Schiller 4, 125; der ursprung wichtiger begebenheiten .. tritt sehr oft in eine undurchdringliche mythologische nacht zurück. Göthe 54, 8;
ach, was ist die nacht der ferne
für ein abgrund, für ein schmerz!
5, 187;
und .. ehr und macht
sinkt mit der zeit in öde nacht.
Voss ged. 4, 96;
sie umhüllt die vergessenheit mit nacht.
Klopstock 1, 231;
lange jahrhunderte schon
hat ihn in ihre nacht hinab
gestürzt die vergessenheit!
1, 238;
und nacht bedecke das geschehne!
Immermann 3, 389;
dein name sei vergessen, in ewge nacht getaucht.
Uhland (1879) 2, 228.
b)
in bezug auf die getrübte innere welt:
α)
von unverstand, unwissenheit, verblendung: die nacht (der heidnischen zeit) ist vergangen, der tag aber herbeigekommen. Röm. 13, 12;
denn diese (die gesetze) sind das licht, das unsers lebens nacht
in einen tag verkehrt, und vieh zum menschen macht.
Lohenstein Armin. 2, 1350ᵇ;
das gewimmel
der dummheit floh, die nacht verschwand.
Gotter 1, 427;
dein glücklicher verstand durchdringt ..
des schulgelehrten pöbels nacht.
Hagedorn 2, 15;
da quoll der murmelbach der rede
hervor aus deines kopfes finstrer nacht.
Lenau (1880) 1, 140;
.. in des wahnes nacht.
Voss ged. 4, 58;
der geisteswildheit nacht voll grauen.
4, 220;
seit .. des aberglaubens nacht entflohn.
6, 247;
heil! die alte nacht veraltet
.. in deutscher wildnis!
6, 81;
o aberglaube, dickste nacht!
Platen (1847) 1, 263.
β)
von elend, trübsal, schmerz, schwermut, trauer, zweifel und verzweiflung, wahnsinn: gott, der jubel verleiht in der nacht des unglücks. Hiob 35, 10 (übersetzung von de Wette Heidelberg 1839; der das gesenge macht in der nacht. Luther);
des unglücks lange nacht,
die Deutschland hat bedeckt.
Lohenstein Armin. 2, 365ᵃ;
durch des miszgeschicks entsternte nacht
(hat immer) leitend mir diesz holde bild gelacht.
Matthisson (1816) 101;
du bist bei mir als licht geblieben im graun der nacht.
Rückert ged. (1847) 402;
der liebsten herz ist aufgewacht,
ich hab es aufgewecket,
und wache, dasz es keine nacht
des grames wieder decket.
425;
lasz mich nicht so der nacht, dem schmerze,
du allerliebstes, du mein mondgesicht.
Göthe 5, 184;
kömmt die nacht denn zurück, die dein sonst heiteres leben
unterweilen mit trauren umzog?
Klopstock Mess. 12, 422;
aber du stirbst! es dringt wie ein wetter
gegen mich an der gedanke voll nacht!
8, 586;
dein betrübter abschied (tod) macht
alles wüst und kalte nacht.
S. Dach 685 Öst.;
stelle dir nun vor, welche nacht mich nächtlich presse.
Günther 863;
weh mir! da war es lauter nacht
in meiner trägen seele.
Gotter 1, 58;
die nacht meiner seele. Schiller 3, 81 (Fiesko 3, 1);
nur eins kann ihn verderben und beglücken,
und eins nur lichtet seiner seele nacht.
Körner 38ᵇ;
tiefe nächte decken
die seele centnerschwer.
Novalis 2, 42;
jetzt fuhr schauer durch alle meine gebeine, risz schwere nacht von meiner seele. F. Müller 1, 17;
ruhn mir in der tiefsten seele
dunkle nacht und herber winter.
Chamisso (1872) 1, 72;
auf meiner stirn ist nacht.
Herder 1, 52 Hempel;
mein leben hat die nacht umhüllt,
und meine seel' ein schmerz erfüllt,
der ewig in mir glüht!
1, 58;
lasz bange nacht
nicht mehr mein herze trüben;
wie kann dich eine seele lieben,
von elend trüb gemacht?
Schubart schriften (1839) 3, 151;
o welch ein licht
scheint mir durch diese nacht (trauer)!
Göthe 10, 269;
kann ich nicht auch sie (die sonne) lassen auferstehen
für euch aus eurer nacht verzagtem trauern?
Rückert ged. (1847) 138;
der starke Görg hat meiner nacht
auch keinen funken trost gebracht.
Lenau (1880) 2, 88;
süszes mondlicht meiner nächte,
mädchen, bist du mir!
1, 9;
es fällt kein strahl in deines herzens nacht.
H. Heine (1876) 9, 60;
in deinem haupte wirds nacht,
und es zucken hindurch die blitze des wahnsinns.
buch d. lieder (1874) 244;
aus deinen nächten (zweifeln) ist
kein andrer weg, als: den, der ewig ist, zu fragen.
Klopstock 9, 137;
tod, dicke nacht und verzweiflung in meinem geängsteten herzen. Klinger Otto 81, 30 neudruck;
da wird es nacht vor meinen sinnen,
nichts — nichts — kein ausweg — keine hülfe — keine
im ganzen umkreis der natur! verzweiflung macht
mich zur furie, zum thier.
Schiller 300ᵃ (don Carlos 5, 2);
sie schaut nach trost sich um und findet keinen; leer
und hoffnungslos, und nacht, wie ihre seele,
ist alles, alles um sie her.
Wieland Oberon 10, 8.
γ)
in verbindung mit andern abstracten:
du liebesstern in meines grimmes nacht,
du bist erloschen.
Chamisso (1872) 2, 31;
schaut nicht hinab in seines busens nacht,
fragt nicht nach seinem unmuth, seinem groll.
2, 88;
des kalten undanks schwarze nacht.
Brockes 1, 176;
die nacht der schmeichelei, die fürsten stets umgiebt.
Hagedorn 1, 36.
δ)
als symbol des bösen, der sünde, der bosheit: wir sind nicht von der nacht noch von der finsternis. 1 Thess. 5, 5;
dein licht verschlinge meine nacht.
Lavater in Wackernagels leseb. 2, 486;
du sahst die welt ..
in nächten vor dir liegen.
Schubart (1839) 3, 110;
Octavio. ich stehe in der allmacht hand: sie wird
.. das werk der nacht zertrümmern,
Schiller 358ᵃ (Piccol. 5, 1);
lasz die nacht auch meiner sünden
jetzt mit dieser nacht vergehn.
H. Albert morgenlied (Gödeke elf bücher 1, 330ᵇ);
vertrieben ist der sünden nacht.
J. Heermann (ebend. 1, 390ᵃ);
der ihm durch die nacht der sünde
folgt wie durch gewittergrauen.
Lenau (1880) 1, 287.
5)
nacht in bezug auf irdisches leben, alter und tod.
a)
die nacht des lebens, die irdische nacht (s.erdennacht) im gegensatze zum himmlischen tage, lichte:
ebne sanft dem müden pilgergeiste
seinen übergang aus nacht in licht.
Bürger 100ᵇ;
du rufst mich aus meiner nacht.
Klopstock 1, 166;
(ich werde) mich aus dieser nacht des lebens
in die bessere nacht (tod) hinneigen.
Mess. 11, 1462;
auf, zum himmel dich zu schwingen aus der nacht!
herz, empor zum licht zu ringen aus der nacht!
Rückert ged. (1847) 398;
gleichgültig meinem fluchen und verzagen
stöszt sie (die zeit) mich weiter durch des lebens nächte.
Lenau (1880) 2, 7;
bald ists vollbracht!
der erde nacht
wird dann zum ew'gen tage!
Schubart schriften (1839) 3, 134;
(er) hob den geist empor aus irdscher nacht.
Schulze Cäcil. 7, 69.
b)
nacht des alters:
väter, die durch ihre frommen
herzlieben söhnchen in der nacht
des alters und der noth zuletzt um alles kommen.
Lenz 3, 298.
c)
tod, nacht des todes, die auf den tag oder abend des lebens folgt; der todesschlaf (im grabe), aus dem man zum ewigen leben erwacht.
α)
ich mus wirken die werk des, der mich gesand hat, so lang es tag ist, es kompt die nacht, da niemands wirken kann. Joh. 9, 4, darnach:
noch ist es tag, da rühre sich der mann,
die nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.
Göthe 5, 117;
Selimens vater umbschwebte des lebens
abend, und schnell war jetzt die nacht ihm genaht.
Sonnenberg nachlese (1808) 110;
abend ist es um mich und die nacht
ist nahe mir, o wäre sie schon da!
Uhland (1879) 1, 139;
wol uns hinfort, wanns taget
nach unsrer letzten nacht!
Voss ged. 4, 269;
nacht verschlieszt die groszen blauen augen,
deren blick den himmel öffnete.
Hölty 53 Halm;
in jener nacht
der entschlafenen.
Klopstock 1, 166;
in die nacht sink ich und sterbe bei dir.
2, 116;
einmal in die nacht gerissen,
bleibt sie ewig mir geraubt.
Schiller 11, 201.
β)
mit attributiven adjectiven:
die ewige schwarze nacht
verhüllt mein sonnenlicht.   was mir das leben bracht,
geht zu den todten hin.
Günther nachlese (1751) 112;
o schwarze nacht! wer hat ihn, deinen schleier,
je aufgedeckt?
Herder 1, 269 Hempel;
schwarz wie die ewige nacht.
Klopstock Mess. 4, 459;
gelobt sei uns die ewige nacht.
Novalis 2, 22;
(willst du) das licht
der sonne mir noch theuer machen
auf meinem wege zu der ewgen nacht?
Schiller 14, 125;
wird dann in jener langen nacht
dein traurigsein dir frommen?
S. Dach 409 Öst.;
nun, er schläft die lange nacht,
und sein geist ist loszgemacht
von den banden dieser erden.
829;
auf jene lange nacht
im unvermeidlichen und schwarzen grabe.
Brockes 1, 442;
die lange nacht
rückt schon herbei;
im sterbekleid
ruhn meine glieder.
F. Müller 1, 335;
von deinem treuen lieben
ist keine spur geblieben,
es schwand in tiefe nacht.
Lenau (1880) 2, 62;
so lasz mich bald aus diesem leben scheiden,
ich sehne mich nach einer stillen nacht.
1, 195;
da du uns
aus jener stummen nacht zurück kehrst.
Göthe 9, 259;
abgrund gähnt zu meinen füszen,
nimm mich auf, uralte nacht!
H. Heine (1876) 9, 76;
sie wollen nun nicht mehr weichen
zurück in die alte nacht.
9, 22.
γ)
todes nacht, tod, besonders als zeit des todesschlafes:
und lasz des todes finstre nacht
mich nicht so bald befallen.
P. Gerhard 253 Göd.;
noch strebt er beständig,
ob er einen der Troer mit nacht umhüllte des todes.
Voss Il. 13, 425;
aber seine (des todes) gefürchtete nacht
zeigt auch heller das himmlische licht.
Klopstock 1, 151;
so hob ich mich vor kurzem aus der nacht
des todes an des tages licht herauf ..
ein jäher sturz (hatte) mich lähmend hingestreckt.
da rafft ich mich empor, erkannte wieder die
schöne welt.
Göthe 9, 335 (die natürl. tochter 4, 2);
der nacht des todes
glaubt ich verlorne in den schoosz zu sinken.
H. v. Kleist 1, 127 Hempel;
der itzt in der nacht
des todes schläft.
Gökingk 1, 214;
Achill und Hannibal musz die nacht des todes durchschlafen.
E. v. Kleist 42.
C)
nacht im adjectivischen sinne von nächtlich, finster, dunkel: es ist nacht, es wird nacht; henneberg. verstärkt es ist stichnacht, platznacht, ganz finster. Spiess 169. selbst mit adjectivischer flexion: bei nachter zeit, bei nächtlicher zeit, nachts. Ringwald evang. F viiiᵇ.
nacht, nächt adv.
Fundstelle: Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 167, Z. 59
s.nächte.
nächte, nächt, nacht adv
Fundstelle: Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 171, Z. 66
wie nächten, erstarrter dativ sing. von nacht (s.nacht I), bair. nächt, nächte Schmeller 1, 1717ᵃ Fromm., tirol. nächt Schöpf 456 (aus einem glossar v. j. 1663), schwäb. nächt nächti Schmid 398. Birlinger 348ᵃ, schweiz. nächt nächte Stalder 2, 228. Seiler 217ᵇ, henneb. nachte Spiess 169, kurhess. nächt Vilmar 279: ich sagt nechte, ich wöll on ewer erlaubnusz nit dannen scheiden. Aimon T iiᵃ; es sind erst necht etliche jung gesellen hin verruckt. Wickram rollw. 25, 26 Kurz;
necht must ich hindern sewen traben,
jetzt bin ich zu aim apt erhaben.
Waldis Es. 3, 92, 159 K.;
nächt ist in unsern trieb
der gleiszend wolf gefallen.
Uhland (1879) 2, 203;
du hast nächt nicht geschlafen. Auerbach dorfg. 4, 116; zu nächte, gestern. Reinwald henneb. idiot. 2, 90; nächte z'nacht, gestern zu nacht. Schmid schwäb. wb. 398. Seiler Basler mundart 217.
nacht, nächt adv.
Fundstelle: Lfg. 1 (1881), Bd. VII (1889), Sp. 167, Z. 59
s.nächte.
Zitationshilfe
„nacht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/nacht>, abgerufen am 10.12.2019.

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