niesen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 835, Z. 67
sternutare. ahd. niusan, niesan, mhd. und md. niesen starkformig (nôs, nurn, genorn), altn. hnjósa (hnaus, hnusum, hnosinn), schwed. nysa, dän. nyse, nl. niesen und niezen (Kilian 337ᵃ. Kramer 1, 219ᵃ), mengl. nêsin und fnêsin (nl. fniezen), engl. nees, so dasz die german. wurzeln hnus und fnus (s. pfniesen) ursprünglich vielleicht eins gewesen sind. vgl. oben th. 3, 1863 und gramm. 2, 22. im nhd. ist das wort wie im nd. schwachformig (ich nieste, ich habe genieset Frisch 2, 18ᶜ), mundartlich ist es (da auch die schreibung nieszen vorkommt) mit nieszen vermischt und darnach ein partic. genossen (neben geniest) gebildet worden. Schm.² 1, 1761. Schöpf 468. Seiler Basl. mundart 221ᵇ.
1)
eigentlich, sternutare, nauseare Dief. 552ᵃ. 376ᶜ; niessen voc. 1482 x 5ᵇ; niessen oder nüssen Maaler 307ᵃ; Rädlein, Denzler und Aler schreiben niessen, nieszen; bair. niesen und niesten Schm.² 1, 1761; mhd.
er heschte unde nôs (vrôs).
Parz. 581, 4;
der nasen nutz ist ouch, daʒ der mensch .. dâmit niest. daʒ niesen geschiht von dem, daʒ sich der luft wegt in dem hirn und die fäuhten auʒtreibt. Megenberg 11, 28 ff.;
wir sprechen, wer nieset, got helfe dir.
Renner 15190;
nhd. habt ihr wol genieset, so helf euch gott. Fischart bienenk. 129ᵇ; sein niesen glentzet wie ein liecht. Hiob 41, 9 (vgl. niesung); nieszwurtz .. machet niesen. Bock kräuterb. 134ᵃ; artznei, die das niesen bringt, sternutamentum. Maaler 307ᵃ; weil alles niesen muste. Simpl. 1, 625, 5; dasz einer das niesen davon bekommen möchte. exemplar. prediger (1690) 54; wie man zu reden pflegt, sein biesen soll einen andern machen niesen. 171; als er drei und zwantzig mal genieset. Hohberg 3, 1, 111ᵇ; (es bedeutet regen) wann ein mensch viel nieset. Simpl. calend. 48ᶜ; wenn einer nüchtern und frühe morgens, indem er ausgehet, nieset, soll es etwas sonderlichs bedeuten. Widmann Fausts leben 287 K.; abergläubische meinung etlicher weiber, so sich einbilden, dasz, wenn sie früh morgens nüchtern nieseten, sie ohnfehlbar solchen tag über etwas geschenkt bekämen. Amaranthes frauenz.-lex. 1333; wenn einer nieset bei anziehung der schuhe, so bedeutets unglück. rockenphil. 298, und anderer aberglaube 122. 487. 904. vgl. myth.⁴ 935 und nachtr. 322; salve brauchten die Römer ... auch, wenn einer nieste. Lessing 19, 442 H.; Zevs niest .. und ich wünsch ihm sich auszuniesen. Herder zur röm. lit. 117; er nieste so laut und muthwillig: hupschi! dasz alle fenster zitterten. G. Keller Seldw. (1883) 1, 13.
2)
übertragen: die lieblichkeit der nachtgespräche sprieszte — bis dasz der morgen nieste. Rückert mak. (1864) 95 und anm.; von hinten niesen, pedere:
er (der wolf) nieste gewaltig von vornen und hinten
(do prûstede he bede achter und vôr).
Göthe 40, 226.
3)
auf etwas niesen, nichts darum geben. Wander sprichw. 3, 1029 (vergl.husten 4); transitiv, durch niesen kundgeben, zuniesen:
niese nur fort, ich versteh dich: du niesest mir fröhlichen beifall.
Klopstock 2, 174;
einem etwas niesen, wie einem etwas husten (th. 4², 1978) Wander a. a. o.
Zitationshilfe
„niesen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/niesen>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …