ohrfeige f
Fundstelle: Lfg. 7 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1261, Z. 51
1)
alapa, colaphus. ein nd. wort: mnd. ôrvyge (im älteren nd. nur ôrslach), mnl. oorvyghe, nnl. oorvijg und oorveeg, welch letztere form die ältere und orvyge daraus (vielleicht mit anlehnung an fycken schlagen Kilian 116ᵃ, s. die ficke th. 3, 1616) euphemistisch umgedeutet zu sein scheint. veeg aber ist verwandt mit fegen und bedeutet streich, hieb, so dasz ohrfeige gleichbedeutend ist mit dem älteren ôrslac, das die nhd. sprache aufgegeben hat (vergl. theil 3, 1412 f.); dagegen Weigand 2, 270. am frühesten kommt das wort vor in dem hessischen weihnachtsspiele aus dem ende des 15. jh. (herausg. von Piderit):
und gebin ome ein ôrfîge.
v. 634. 694;
dafür ihn orfeigen gebürten.
Rollenhagen froschm. III. 1, 5 (Oo 6ᵇ);
einem ohrfeigen geben, colaphos alicui impingere Stieler 456; hiemit gabe er dem Bacchus eine ohrfeige. Jucundiss. 168; höltzene ohrfeige (mit einem prügel versetzt). Abr. a S. Clara Jud. 4, 325; er .. gab der armen alten eine dermassen tüchtige ohrfeige, dasz sie zur thür hinaus flog. Felsenb. 1, 46; schwaps hatte sie eine ohrfeige. Weisze 75 Minor; auf eine bake geben sie mir eine ohrfeige. Hermes Soph.² 2, 77; was andre nach einer einzigen ohrfeige unterlassen, unterliesz er erst nach der zweiten. Lichtenberg 1, 164; auch war der wirth eine feige memme, der oft ohrfeigen von seiner frau verschlucken muszte. Stilling jug. (1780) 22; er soll von dieser meiner rechten hand eine solche ohrfeige kriegen, die ihm kopfweh, zahnweh und alles weh der erden aus dem grund curiren soll. Göthe 8, 122; so gab man ehemals, indem ein gränzstein gesetzt wurde, den umstehenden kindern tüchtige ohrfeigen, und die ältesten leute erinnern sich noch genau des ortes und der stelle. 19, 115; sie ... gab mir eine ohrfeige, dasz mir der kopf summte. 24, 95; Paris und London! — wo man ohrfeigen einhandelt, wenn man einen mit dem namen eines ehrlichen mannes grüszt. Schiller 2, 35 (räuber, schauspiele 1, 2); ohrfeig um ohrfeig — das ist so tax bei uns. 3, 415 (kabale 2, 6); der alte reichte dem liebenden eine der schwersten, klatschendsten und schmerzhaftesten ohrfeigen, welche wohl jemals in Deutschland geschlagen worden sind. Immermann Münchh.² 3, 167; uneigentlich: wann ich nun einen alten studenten sahe auf der catheder stehen, der dem Prisciano ein paar ohrfeigen gab. Schuppius 239; ein vorzüglicher kopf musz es immer sein, von dem die wahrheit ohne ohrfeige wegkommt. Schiller 3, 157 (Fiesko 5, 16); er hat bei diesem geschäfte eine tüchtige ohrfeige bekommen (groszen schaden dabei gelitten) u. dergl.
2)
hamb. ohrfyge, aufschlag oder krempe am hut. Richey 177.
Zitationshilfe
„ohrfeige“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ohrfeige>, abgerufen am 22.11.2019.

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