Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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organ, m.

organ, m.
was orant und wie dieses entstanden aus origanum. Nemnich 2, 788. Pritzel-Jessen 257ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1339, Z. 13.

organ, n.

organ, n.
(jetzt im plur. nur organe, früher auch schwachformig organen) ein im 18. jahrh. aus griech.-lat. ὄργανον, organum (werkzeug, vgl.orgel) entlehntes wort, das (wie franz. organe) eine erweiterte bedeutung angenommen hat, so dasz, wie schon Campe bemerkt, der allgemeine ausdruck 'werkzeug' in den meisten fällen zu seiner verdeutschung nicht zureicht.
1)
im allgemeinen das werkzeug, das wirk- oder hilfsmittel:
der leib, ihr (der seele) zum organ vom schöpfer zugegeben.
Wieland natur der dinge 5, 417;
auch sogar die bewegung der organen kann die bewegung der dinge ausdrücken. Lessing 11, 129; das erschaffen neuer organe (werkzeuge der beobachtung) vermehrt die geistige, oft auch die physische macht des menschen. Humboldt kosmos 2, 400.
2)
naturwissenschaftlich jeder theil eines lebendigen ganzen, der an sich individuell ist und eine bestimmte verrichtung hat Oken 4, 88; animale organe. 163; die körperlichen organen. Zimmermann über die einsamkeit 3, 450; gelenksame organe und glieder des menschen. Herder propyl. 57; die organe der bewegung, die muskeln. Schlegel vorles. 1, 131, 10 neudruck; das gehirn als organon aller organe. J. Paul museum 180; organ des denkens. Schiller 1, 92; phrenologisch organ der liebe, der treue u. s. w. Langbein schriften 12, 215 ff.; besonders die fünf sinneswerkzeuge: die augen das organ des sehens, die ohren des hörens, die nase des geruchs, die zunge des geschmacks, die haut des gefühls. Oken 4, 89 ff.; vermittelst dieser fünf organe hat die ganze materielle natur freien offenen zugang zu der geistigen kraft. Schiller 1, 83; der mensch musz andere organen zum hören wie zum schmecken haben. Kant 6, 61; das gefühl empfindet alles nur in sich und in seinem organe. Herder propyl. 84; es ist das organ des gefühls das einfachste von allen .. die fingerspitzen sind sein organ. Schiller 1, 82 f.; unter den organen, welche das objekt verändern, ist das auge das weiteste, schönste, edelste. 81; das organ meines ohrs und das ihm so genau verwandte sprachorgan. Göthe 24, 142.
3)
übertragen auf die werkzeuge, die fähigkeit des inneren lebens, des denkens und empfindens:
zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust, ...
die eine hält, in derber sinnenlust,
sich an die welt, mit klammernden organen.
Göthe 12, 61;
das denken ist gleichsam das höchste organ der welt. Trendelenburg log. untersuch.³ 1, 17; (er hat) gar nicht die organe, um den edlen zug in einem gedicht .. zu empfinden. Kant 7, 400; es ist freilich schon hart genug, wenn man die freude entbehren soll, edle empfindungen .. mit der gefährtinn unsers lebens theilen zu können, weil die stumpfen organen derselben dafür nicht empfänglich sind. Knigge umgang ³ 2, 47.
4)
stimm- und sprachwerkzeug (s. stimm-, sprachorgan): die organe der sprache, zur sprache. Herder propyl. 36; dasz jene (sprache) nicht aus buchstaben der grammatik gottes, sondern aus wilden tönen freier organe entstanden sei. 19; diese urlaute (a, i, u) sind uns angeboren, da sie durch organe unseres leibes bedingt entweder aus voller brust und kehle gestoszen und gehaucht, oder mit hilfe des gaumens, der zunge, zähne und lippen hervorgebracht werden. J. Grimm kl. schriften 1, 266.
5)
die stimme selbst in bezug auf ihren klang und ton: er hat ein angenehmes organ, die reinheit seines organs u. s. w.; ihr (der sängerin) wohlklingendes organ. Göthe 31, 129;
doch seine hölle geh erst an,
wenn eine frau und ihr organ
sich seiner stillen wirthschaft naht.
Thümmel reise 5 (1794), 108.
6)
die sprache selbst als werkzeug der verständigung und mittheilung: es wird sonach die sprache eine äuszerung, ein ausdruck und organ des verstandes. Herder propyl. 63; die redenden künste haben zum organ die sprache. Schlegel vorles. 1, 7, 10 neudruck.
7)
sodann auch eine person oder schrift, deren man sich zur äuszerung oder durchsetzung seiner meinung, seines willens bedient: ein priester, sagt man, faszt leicht die meinung von sich selbst, dasz er das organ ('sprachrohr') der gottheit sei. Campe fremdwb. 480ᵃ;
Burleigh. die richter! .. sind es etwa ..
schamlose zungendrescher, denen recht
und wahrheit feil ist, die sich zum organ
der unterdrückung willig dingen lassen?
Schiller 12, 431 (M. Stuart 1, 7);
edles organ (reichsanzeiger), durch welches das deutsche reich mit sich selbst spricht.
11, 130.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1338, Z. 12.

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Zitationshilfe
„organ“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/organ>, abgerufen am 07.08.2020.

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