Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

orgeln, verb.

orgeln, verb.,
spätmhd. orgelen, orgeln (Lexer 2, 166), die orgel, auf der orgel spielen, organizare Dief. 400ᵇ.
1)
eigentlich,
a)
intransitiv: wer vil uf der orgel schlecht, der lernt orgeln. Keisersberg pred. 77ᵃ; Augustin der hoͤrt orglen und wol singen in dem chor und empfing davon grosze andacht. brösamlein 1, 28ᵃ; sie sungend und orglotend. historienbibel 514 Merzdorf; do man sang und orglet. F. Platter 186 B.; da orgelt man mit schall. Frank weltbuch 132ᵃ;
gen Bern ich in die kirchen vast trang,
da hort ich orgelen und wol singen.
N. Manuel vom papst u. s. w. 1130;
ich hörte eben einen (guckkasten) über die strasze orgeln. Thümmel reise 6 (1799), 386; ich orgelte nun darauf los, um bald organist werden zu können. Gotthelf schulm. (1859) 1, 222; schweiz. örgelen (vom deminutiv örgeli), auf einer kleinen orgel, besonders auf der drehorgel spielen Staub-Tobler 1, 448.
b)
unpersönlich, passivisch (s.es 9): darnach der cardinal den segen gab alspald wart georgelt. städtechron. 10, 461, 15 (vom j. 1471); transitiv, eine melodie u. s. w. orgeln; was je georgelt und gepfiffen worden ist. Göthe 19, 170.
2)
uneigentlich, orgelartige töne oder in orgelartigen tönen etwas hören lassen.
a)
intransitiv:
(der frosch) schrie so stark als ihrer vier,
und orgelte recht mit der kehle.
Lichtwer 118 (3, 15);
weidmännisch vom hirsche was röhren Kehrein 222; schweiz. orgelen, jauchzen, wimmern, namentlich stoszweise Staub-Tobler 1, 448; besonders vom heulen des windes und sturmes: de wind orgelet. ebenda;
orgle prächtig, gewittersturm!
Schiller 1, 273;
der morgenwind in gräbergängen
orgelt mit scharfen schrillen klängen.
Kinkel ged. (1857) 72.
b)
transitiv: wenn das singen aus ist, wird ein gelächter zum final georgelt. rockenphil. 655 (4, 77); herab, vor orgeln: die perioden herab orgeln (wie herab leiern). Göthe 16, 93; das glockenspiel orgelt ihm die lieder vor. J. Paul Quint. Fixlein 162.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1342, Z. 66.

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Zitationshilfe
„orgeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/orgeln>, abgerufen am 04.08.2020.

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