Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

orgelpfeife, f.

orgelpfeife, f.
die pfeife oder röhre einer orgel, aula, canna Dief. 61ᵇ. 95ᵇ, orgelpfeifen, fistulae organi musici Stieler 597; eigentlich oder vergleichungsweise.
1)
in bezug auf den ton:
und wüszt eben vom christen glauben
so viel die blinden und die tauben
von farben und von orgelpfeiffen.
Waldis Es. 4, 84, 11;
die orgelpfeifen lassen sich
durch meinen eifer nicht bewegen.
sie .. schweigen sämtlich still.
Stoppe Parnasz 69;
die juden haben alle wirkliche instrumentalmusik aus ihrer kirche verbannt, wähnend, dasz der lobgesang gottes erbaulicher aufsteige aus der warmen menschenbrust, als aus kalten orgelpfeifen. H. Heine 4, 55. — unser haus fing an zuletzt eine kirche zu werden und sie (mit den immerwährenden klagen) die orgelpfeife drin. Lenz 2, 126; der aktenstaub lag dick auf den orgelpfeifen seines gemüths. J. Paul Hesp. 2, 74;
die winde sangen mir es, und der donner,
die tiefe grause orgelpfeife (organ-pipe), sprach
den namen.
Schlegel der sturm 3, 3;
(aufzuspielen) mit der feldschlacht, seiner orgel,
die er weisz so stark zu greifen;
pfaffenvolk und fürstenknechte
sind die gellen orgelpfeifen.
Lenau (1880) 1, 236.
2)
in bezug auf die form und die stufenweise reihenfolge: da stellen sie ire zucht (die weiber ihre kinder) umb den tisch staffels weis wie die orgelpfeiffen. Fischart Garg. 68ᵃ; dasz sie (die menschen) als orgelpfeiffen unter einander fein artig abstechen. Weise kl. leute 62;
die falten (des kleides) müssen sein verfasset und verfitzt:
nicht anders, als man sieht die gleichen orgel-pfeiffen
in ihrer reihe stehn.
Rachel 9, 133;
eine art scheidemuschel, solen vagina Nemnich 2, 1323; die röhren eines orgelgeschützes; nautisch (holländisch orgelpijpen) in älteren zeiten auf den spanischen schiffen ein vertheidigungswerkzeug gegen das entern, bestehend aus einem block, auf welchem mehrere flinten- oder musketenläufe waren, die orgelpfeifen hieszen Bobrik 517ᵃ; eine im hafen eingerammte und die seiten des eingangs sichernde reihe von pfählen, die oben und unten mit querhölzern verbunden sind. 516ᵇ f.; der rost des webstuhles Jacobsson 3, 454ᵃ (vgl.orgel 2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1885), Bd. VII (1889), Sp. 1343, Z. 29.

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Zitationshilfe
„orgelpfeife“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/orgelpfeife>, abgerufen am 08.08.2020.

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