Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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ost, m.

ost, m.
= augst, aust, august, erntezeit theil 1, 815. 995: osthopfen, der frühe in ost reif wird. Colerus 2, 239ᵃ; kurz vor dem ohst 651ᵇ; vom ohst oder einernten 161ᵃ f., ohstleut 161ᵃ, ohstzeit ebenda. mnd. owest, aust, ôst Schiller-Lübben 3, 280ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1369, Z. 30.

ost, m.

ost, m.
oriens. ags. eâst (woraus franz. est) und ŷst; altfries. œst, æst n.; ahd. und mhd. fehlt die einfache form ost, die im nhd. vielleicht erst aus osten (nach analogie von nord, süd) neugebildet ist. der zu grunde liegende stamm austa von einer wurzel aus, sanskr. vas (aufleuchten, tagen) hängt zusammen mit sanskr. usha morgenröte, griech. ἑώς, ἠώς, lat. aurora (für ausosa), lit. auszra, altslav. utro (für ustro) Curtius² 372. Fick³ 3, 7. Kluge 246ᵃ. Miklosich 1077ᵃ. vergl.oster, plur. ostern.
1)
die dem abend oder westen entgegengesetzte, auch morgen (th. 6, 2562) genannte himmelsgegend des sonnenaufgangs, nautisch der durchschnittspunkt des himmelsäquators mit dem horizonte an derjenigen seite, wo die gestirne aufgehn, einer der vier kardinalpunkte des kompasses Bobrik 517ᵇ: ost, oriens Dief. 400ᵇ; öst, aust, oust ist aufgang der sonn. Aventin. 4, 30, 12;
ihm malet die sonne
den ost mit purpur.
E. v. Kleist (1771) 2, 20;
sie (Aurora) bemalet den ost.
Hölty 65 Halm;
so wie die sonn' erröthend ..
aus feurigem portal des ostes tritt.
Schlegel Richard II. 3, 3;
siehst du den ost erröthen?
Grabbe 2, 383;
auf am himmel wacht Aurora
und in rosen blüht der ost.
Rückert 1, 14;
nun will der ost sich lichten,
die hähne krähn von fern.
Geibel neue ged. (1883) 101.
besonders mit einer präposition des ortes: sie zogen gegen ost werts (vgl.ostwärts). Aventin. 4, 466, 24; wind der von ost wehet. Bechius Agricola 41;
die sonne steigt im ost (steigt empor Hirzel).
Haller (1753) 209;
sie schickt zum ost den frühen blick.
Gleim 1, 151;
eher soll man die sonne im ost untergehen und im west aufgehen sehen. Lessing 4, 231;
die sonne blüht im ost wie eine rose.
Platen 1, 68;
er hat von ost zu west für sonn und mond bereitet
die straszen.
Rückert Bostan 1, 30;
die flotte geht nun wieder nach ost. Grabbe 2, 143; bildlich für beginn:
in deines alters ost.
Weckherlin 504.
2)
östliche länder und staaten, besonders das morgenland und die bewohner desselben:
es stellen ost und west sich zinszbar bei dir ein.
Hofmannswaldau heldenbr. 84;
zwo perlen, den der ost nichts gleiches hat gebohren.
hochzeitged. 17;
wo er (dein name) ost und west durchfährt.
Günther 140;
der ost wird in west .. bewundert. Schiller 1, 156;
um alles land,
das der tyrann in seinen klauen hält
und um den reichen ost dazu, möcht ich
der schändliche nicht sein, für welchen du
mich ansiehst.
13, 114 (Macbeth 4, 6);
freudenlos durchschweif ich west und ost.
Platen 1, 115;
als der west war durchgekostet,
hat er (Göthe) nun den ost entmostet.
Rückert 4, 71.
mit präpositionen:
es soll dein lob von west zu ost (vom morgen- zum abendlande) erschallen.
Weckherlin 157 Göd.:
zween fromme wunderthäter,
vom ost bis west bekannt.
Hölty 8 Halm;
es machte sich mein witz bei west und ost bekand.
Hofmannswaldau poet. grabschriften nr. 17;
wir kamen, du von nord, ich von ost zurücke.
begräbnisged. 24;
durch den erstaunten ost geht Xaviers wunderlauf.
Haller über d. falschheit menschl. tugend 117;
wann im ost der reinliche brachmann
mit koth die speisen würzt.
165;
der west wird in ost bewundert. Schiller 1, 156;
und was ich thue, verdank ich dem meister im ost (Hafis) allein.
Platen 2, 42;
aus ost und west erheb ich geisteszehnten.
Rückert 1, 27;
ihr söhne Preuszens aus dem west und oste.
2, 19.
3)
der aus osten wehende wind oder sturm; manchmal personificiert:
wenn süd und ost ergrimmen.
S. Dach 699;
blümchen, die ein strenger ost
zu hart .. bestrichen.
893;
spannt eure segel dem ost auf.
E. v. Kleist (1771) 2, 12;
sie (sorge) ist geschwinder als ein reh
und als der ost auf weiter see.
Drollinger 173;
wie der ost dort wirbelte.
Voss ged. 2, 275;
wann hoch sie (ikarische flut) der ost und der südwind
aufstürmt.
Il. 2, 145;
da konnte man die bewegliche wetterfahne vom scharfen ost stoszweise auf norden deutend beobachten. Göthe 51, 212;
bringt der ost mir frohe kunde?
seiner schwingen frische regung
kühlt des herzens tiefe wunde.
5, 180;
wenn im sturme sich die winde heulend schlagen,
der wilde süd .., der muthge ost.
Schiller 6, 367;
seit den moschus jener locken
ausgestreut des ostes schwinge.
Platen 2, 355;
und der ost, der kecke freier,
löst den knospen ihre mieder.
2, 53.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1369, Z. 35.

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Zitationshilfe
„ost“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ost>, abgerufen am 12.08.2020.

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