Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

osterei, n.

osterei, n.
zu ostern als zins oder als freiwillige gabe dargebrachte eier; vielleicht zurückzuführen auf ein altheidnisches frühlingsopfer, vergl. myth.⁴ 651: wer ostereier .. gilt, der solle sie als zytlichen geben, daʒ die herren iren notz damied schaffen. weisth. 2, 185 (vom j. 1407), vergl. 3, 509. 4, 432; in den ostereiern, zur zeit der ablieferung der ostereier, zu ostern. Schm.² 1, 171 (vom j. 1456); nim die eier und bring sie meinem beichtvater für seine ostereier. Pauli 298 Öst.; als sy im (dem bettelmönche) ein käsz und die ostereier geben hett. Wickram rollw. 36, 16 Kurz, vergl. Hennig 176; denn ich höret rühmen .., sie wolten wol dreimal ostereier essen uber dieser oder dieser sachen. Luther br. 5, 716. gemeint sind die roth oder bunt gefärbten (am osterabend in den kathol. kirchen nebst andern eszwaaren geweihten) eier, womit besonders die kinder von den eltern oder pathen beschenkt werden gewöhnlich in der art, dasz sie im garten oder wol auch im zimmer die nach ihrem glauben vom osterhasen oder kukuk gelegten eier suchen müssen. die reifere jugend treibt mit diesen eiern mancherlei spiele. s. Staub-Tobler 1, 15 f. Birlinger volksth. 2, 86 ff.;
dasz er mit dem gmeinen hauffen
seh umb die ostereier lauffen.
Spangenberg anbindbriefe M 5ᵃ;
zu den ostereiern lassen die pathen den täufling gehen. Schwabe tintenf. A 4ᵃ; ich schicke ... ein par ostereier von schildtcrotten. Elis. Charl. (1874) 68; ostereier voll angemalter vergiszmeinnicht. J. Paul Katzenb. 1, 63; nach dem essen liegen schon die farbigen ostereier drauszen im garten unter bäumen. Birlinger volksth. 2, 81, 103; man hat viel über der ostereier ursprung und bedeutung gedacht, wenigstens geschrieben, und ist die sache doch so einfach. das ei ist eine geheimniszvolle kapsel, welche ein werdendes birgt, ein rauhes grab, aus welchem, wenn die schale bricht, ein neues feineres leben zu tage tritt. darum freut sich absonderlich der ostereier, dessen leben noch verhüllt und verborgen ligt, darum ist ostern der kinder freundentag, darum lieben sie so sehr die ostereier u. s. w. Gotthelf erz. 1, 127.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1373, Z. 63.

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Zitationshilfe
„osterei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/osterei>, abgerufen am 12.08.2020.

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