Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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puls, m.

puls, m.,
plur. pulse (früher auch pülse), mit franz. pouls, ital. polso, nl. pols, engl. pulse aus mlat. pulsus.
1)
zunächst als universales wort der mittelalterlichen medicin (Kluge 259ᵇ), der durch die bewegung des blutes durch das herz und durch die arterien hervorgebrachte herzschlag (1) und aderschlag, besonders das klopfen der schlagader an der handwurzel und die betreffende stelle; mlat. pulsus, der ader bewegnus, aderschlag Dief. 472ᶜ, nov. gl. 309ᵃ.
a)
eigentlich, spätmhd. der und die puls (nämlich ader?), mit antretendem t der und die pulst (Weinhold bair. gr. § 143). Lexer 2, 305, nhd. der puls, mundartlich der pulst (arzneibuch 1489 13ᵃ), die pulst (Raber Sterzinger sp. 24, 91. 711), die puls fastn. sp. 1089. Pauli 220. Aventin. 4, 868, 12. Schuppius 696. Gottsched ged. 1, 566. Schm.² 1, 388. Lexer kärnt. wb. 46: ein pulsz oder klopfen (im blutgeschwüre). Ryff chir. 72ᵃ; das schlahen der pulsz. Maaler 320ᶜ; das ist ein gute arzenei wider das klopfen des herzens, uber die beide pülsz der hände geleget. Tabernaemontanus kräuterbuch 593ᵃ; lege es (pflaster) uber die vier pülsz an händen und füszen. 139ᵇ; des herzen pulse. Voss georg. 2, 484. Göthe 20, 156. 40, 289; blut, das .. von puls zu puls hüpft. Börne 4, 337. Es heiszt
α)
der starke, volle, harte, schnelle, schwache, leere, kleine, weiche puls; der regelmäszige, ungleiche puls; der puls geht, schlägt, klopft, pocht, jagt, stockt u. s. w., mit näheren bestimmungen: die verschiedenen arten von pulsen ihrer geschwindigkeit sowohl als ihrer härte nach (zu messen). Lichtenberg 2, 185; ungleicher schneller puls (als anzeichen von fieber). Erfurter arzneibuch (1546) 148ᵇ; starker, schwacher puls Stieler 1465; der puls geht langsam, schlägt behender. ebenda; (der arzt) sol merken, wie die ader oder puls bald (schnell) oder langsam, klein oder kurz schlahe. Dryander arznei (1542) 51ᵃ; so ihnen (den betrunkenen) der puls vor vile des weins getrieben und dann wider verzuckt wirt. Ambach vom zusauffen u. s. w. (1544) C 4ᵃ;
und bleibet herrn in ewrem gut,
dieweil der puls sich regen thut.
Ringwald laut. warh. 295;
der pulsz hub an zu gehn
geschwinder als zuvor.
Opitz (1645) 2, 35;
ich spüre kein leben, kein puls ist zu finden,
ich bin todten gleich.
B. Neukirch, Gödeke elf bücher 1, 491ᵇ;
(die vernunft) gebeut dem kalten puls, der stockte, fortzuschlagen.
J. J. Dusch ebenda 1, 556ᵇ;
wann der puls .. nicht richtig gehet. Butschky Patm. 397 (298); der puls zappelt wie ein mäuseschwanz. Musäus (1815) 5, 84;
wenn du die kunst
ohnmächtig dich zu stellen noch verstehst,
mit stockendem pulse
für todt zu liegen.
Göthe 11, 132;
ich seh dich weinen, meine pulse stocken.
Freiligrath (1870) 2, 16;
seine pulse jagen schneller.
Lenau (1880) 1, 106;
(die wahrheit,) nach der dir heisz die pulse pochen.
2, 14;
wie sich die pulse jagen,
wie's durch die adern sprüht!
A. Grün ges. werke 2, 23;
o heimath! du heiliger, trauter ort! da klopfen die pulse, da zittert das herz. Auerbach ges. schriften 1, 312; seine gedanken jagten sich, alle pulse schlugen. Scheffel Ekkeh. 203.
β)
(als arzt dem kranken) den puls greifen, fühlen, zählen oder an den (dem) puls greifen oder blosz puls greifen; an den, auf den, nach dem puls fühlen oder blosz puls fühlen; den puls (zum fühlen) reichen u. dergl.:
er (der arzt) greift an der puls niemant nit.
fastn. sp. 1089;
den pulst solt du an dem linken arm greifen, wann es leit das herz gegen der linken seiten. arzneibuch (1489) 13ᵃ;
er thuet aim dj pulst greiffen und truckn.
Raber Sterzinger spiele 24, 91;
von erst den harm zu besichtigen und zgreiffn dj bulst.
24, 711;
der artzet greiffet dir puls mit dreien fingern. Keisersberg narrenschiff (1520) 47ᵃ; der artzet greiff im die puls, und fand das im nichtz brast. Pauli 220 Öst.; die ärzt kamen all tag zu dem pet, griffen ihm die puls. Aventin. 4, 868, 12;
(der arzt) zu dem kranken lieff
und ihm sein puls begriff.
H. Sachs 5, 127, 19;
es lauft der artzt nicht hinzu, welcher die puls greiffe. Schuppius 696;
(der) nur vielleicht darum den pulsz so oft begreift,
damit der diamant ...
des groszen doctors-ring ins auge fallen solt.
Günther 391;
einem nach dem puls fühlen. Stieler 1465; puls fühlen, toccare il polso Rädlein 713ᵇ; wenn er jemanden an den puls fühlte, so war dieses ein sichres zeichen eines herannahenden todes. Rabener (1755) 1, 183;
du weist, wie jener einst zur patientin schlich
und nach der schnellen puls, die wie ein uhrwerk spielte,
nicht an der schönen hand, wo denn? am herzen fühlte.
Gottsched ged. 1, 566;
wollt ihr den puls nicht fühlen, weiser mann?
Göthe 11, 143;
reiche den puls! lasz mich (den arzt) ermessen,
welch ein übel in dir steckt.
128.
einem den puls (oder an den, auf den) puls fühlen, greifen, auch bildlich im sinne von aliquem tentare, explorare, s. fühlen I, 1, b: die dieb können den beuteln und hosensäcken den puls greiffen. Lehmann 119, 1; einem den puls fühlen, experiri, explorare alicujus mentem, sensum Aler 1557ᵇ, ebenso einem auf den, an den puls fühlen Steinbach 1, 520. 2, 204; Domizian versuchte ... dem zauberer an den puls zu fühlen. Wieland 32, 308; sie mögen sich zum theil darauf verstehen, einer übersetzung aus alten sprachen an den puls zu fühlen. Lessing 8, 206.
b)
uneigentlich.
α)
vom leben und herzschlage der natur, der welt und anderer personificationen:
und der puls der natur fängt an (am morgen) von neuem zu schlagen.
Zachariä (1767) 4, 14;
Aphroditens hauch durchdringet
jeden puls der weltnatur.
Bürger 3ᵃ;
wo vernunft mir ihre (der schöpfung) pulse zählt.
Seume schriften 4, 354 Zimmermann;
mir war, als müszten alle pulse der schöpfung zu schlagen aufhören. Matthisson schriften (1825) 2, 48; wohl giebt es gewisse gemeinschaftliche pakta, die man geschlossen hat, die pulse des weltzirkels zu treiben. Schiller 2, 25 (räuber, schausp. 1, 1);
auferstehung! dein entzücken
schlägt im pulse der natur.
Tiedge 3, 185;
Faust. könnt' ich euch fühlen, tiefste pulse der
natur!
Grabbe 1, 178;
wo früher kaum der puls des lebens sich gehoben,
war blitz und donner jetzt, verheerung, sturm und toben.
Schulze Cäcilia 14, 63;
kein lüftchen regt sich ...
der natur pulse stocken.
Rückert poet. tagebuch 486;
da zitterte sein herz mit den pulsen, die drauszen die erde belebten. Auerbach ges. schriften 1, 307;
(deine blicke) könnten ..
felsenadern pulse leihn.
Schiller 1, 224;
handlung
ist der welt allmächtiger puls.
Platen 2, 193;
der nächste puls der zeit
trifft uns .. zur weitern fahrt bereit.
3, 242;
Germaniens weite forste, ...
über deren schwarzen schauern still der puls der zeiten steht.
Kinkel ged. (1857) 59;
die tiefen seufzer wechseln unversehen mit den raschen pulsen der begeisterung. Bettine briefw. 2, 139;
bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süsze,
als wär' es von pulsen der liebe gerührt.
Göthe 41, 178;
es ist die freiheit jener puls,
der stets lebendig schlägt.
Platen 1, 257.
auch vom innern wesen und leben des menschen: es währte jedoch nicht lange, als der abstoszende puls seines wesens eintrat. Göthe 25, 298, vgl. 300.
β)
vom pulsähnlichen ticken einer uhr:
(sie regelt) die pulse deiner taschenuhr.
Göthe 47, 126.
c)
der einzelne pulsschlag und die dauer desselben:
o eines pulses dauer nur
allwissenheit!
Schiller 5, 2, 277 (don Carlos 3, 2);
konnt' er nicht wenge pulse länger leben,
um mein geändert herz zu sehn?
14, 385 (Tell 4, 2).
d)
das pulsgreifen, -fühlen (vgl. a, β):
mit wassersehen gelt gewinnen, ..
mit dem puls den seckel spisen.
Murner narrenbeschw. 30, 45.
2)
nach mittellat. pulsus, pulsatio campanae, campanarum Du Cange 3, 1, 540. Schm.² 1, 388, das anschlagen der glocken, geläute: man hat .. darnach ein ganze stundt ein pulsz mit dem gleut der stat geleut. städtechron. 15, 33, 12 (zum j. 1519); allgemeines festgeläute mit langen pulsen. Leipz. tageblatt 1883 nr. 308; schlesisch drei pulste läuten, per tria intervalla pulsare campanas Steinbach 2, 204; mlat. auch pultio, darnach bultz oder leutung. voc. 1482 e 4ᵃ. mnd. puls Schiller - Lübben 3, 385ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2212, Z. 3.

pulsen, verb.

pulsen, verb.
als oder wie als puls schlagend sich bewegen, vgl. pulsieren:
ach, jede meiner fibern pulst und stirbt für dich.
Lenz nachl. 103 Ludwig;
kurz ist und eilig eines menschen tag,
er drängt, er pulst, er flutet schlag um schlag
wie eines herzens ungestümes klopfen.
C. F. Meyer ged. 162;
freude nur ..
pulst mir heisz durch meine adern.
Kinkel ged. (1857) 389.
transitiv, durchpulsen:
das fahrzeug, das der dampf durchpulst wie eine seele,
anathmen soll es dich mit seinem feuerhauch.
Freiligrath (1870) 2, 203.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2214, Z. 35.

pülsen, verb.

pülsen, verb.
husten Maaler 320ᶜ, pülschen 233ᵇ. vergl. pülstern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2214, Z. 50.

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Zitationshilfe
„pülsen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/p%C3%BClsen>, abgerufen am 04.08.2021.

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