Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

paaren, verb.

paaren verb
erst im nhd. von paar abgeleitet, paarweise zusammenstellen oder zusammenfügen, gesellen, zu einem paare machen, womit innig verbinden (äuszerlich oder innerlich).
1)
absolut im transitiven oder reflexiven sinne, wobei das object zu ergänzen ist: man sicht sy lauffen und (sich) paren auf dem anger (vergl.barlaufen th. 1, 1134). H. Raminger bei Schm.² 1, 401 (vom j. 1464);
lasz doch fahren,
dasz was du jetzund denkst, lasz mich nun mit dir (mich) paren
(vereinigen zur ehe).
Opitz (1637) 1, 139;
wie man da pflegt (sich) zu paaren,
hab ich gar wohl erfahren.
J. Chr. Göring liebes-mayen-blühmlein (Hamburg 1654) 106;
was liebenswürdig ist, zu lieben,
hat uns die paarende natur
mit unserm blut ins herz geschrieben.
Hagedorn 2, 74;
wir verstehn,
in dem reigen uns zu drehn,
wie er mischt, wie er trennt, wie er paaret!
Voss ged. 5, 75;
doch zum tanz ich bitte
gieb mir die hand; so paaren (sich) turteltauben,
die nimmer scheiden wollen.
Tieck winterm. 4, 3.
paaren zu: er ist der ärmste, gröszte narr, da alle ihre leidenschaften und narrheiten zu den seinigen (sich) paaren, die er als seine eigne schleppen musz. Klinger theater 3, 128.
2)
transitiv, handschuhe paaren (je zwei zusammengehörige zusammenlegen). Ludwig 1370; sie sucht nichts als eine äuserliche tendelei mit Sohlanden zu haben, die hände zu paaren, in arm zu nehmen, zu küssen und dergleichen. polit. stockf. 107;
der (gott) die hertzen pflegt zu paaren.
S. Dach 778 Öst.;
der masken scherz, wo mummerei und list
verliebte paart, gepaarten günstig ist.
Hagedorn 1, 57;
sie wechseln oder paaren
oft dinge, die, seitdem den elementenstreit
ein gott entschied, noch nie gepaart gewesen waren.
Wieland 9, 167;
der witz paart (assimilirt) heterogene vorstellungen. Kant 10, 237;
er, der alles wol gepaart.
J. G. Jacobi 3, 85;
lieb und gegenliebe paaret
dieses gottes freundlichkeit.
Bürger (1778) 2;
die liebe
baut dem vogel die nester,
paart blumen und blüthen.
Hölty 191 Halm;
wie that er schön, wie kukt' er grell,
als man bei tisch uns paarte (zusammensetzte).
Voss ged. 4, 173.
paaren mit:
ein andrer paart die Hanna
mit ihr (Susanna) in frömmigkeit.
Scultetus bei Lessing 8, 306;
da wallt, da springt es (herz) in der brust,
da will es sich genau verbinden,
ach paare doch mit ihm die lust,
und lasz es seine ruh-statt finden.
Günther 291;
sie war ganz heimlich von der art,
die keusche reden gern mit liebeswerken paart.
Hagedorn 2, 105;
des königs seneschall,
der höflingsart mit rittersitten paarte.
Wieland 18, 20;
wo sympathie nicht gleich
die herzen paart mit herzen.
Gökingk 1, 253;
ausgeartetes kind (Karthago) ...,
das mit des Römers trotz paaret des Tyriers list.
Schiller 11, 95.
bergmännisch, zwei züge paaren, zu dem in der grube gemessenen zuge den entsprechenden zu tage abstecken. Jacobsson 3, 181ᵃ.
3)
reflexiv, gleich und gleich paaret sich am besten. Stieler 1411;
da ein unzehlichs volk der engel sich gepahrt (paarweise aufgestellt).
Opitz (1646) 3, 237;
hier paaren sich natur und liebe,
die jugend und die fröhlichkeit,
die lust und die gelegenheit.
Hagedorn 3, 34.
mit dativ:
ich pflege mich dir (fichte) bei in freies blau zu paaren.
Logau 1, 8, 99 v. 77;
ach! stütze leib und geist und lasz bei grauen haaren
nicht grüne sündenlast sich meinem hertzen paaren.
Hofmannswaldau verm. ged. 3.
sich paaren mit:
er (löwe) ist nimmermehr bedacht
mit wölffen falscher art und füchsen sich zu paren.
Opitz (1644) 1, 29;
weil sie (weine) nun täglich mit ihnen sich paren (zusammengegossen,
gemischt werden).
Logau 2, 2, 7;
wer verlachet dich papier?
part sich kluge hand mit dir,
wird der marmor nicht bestehn,
werden cedern eh vergehn.
3, 9, 29;
ob der donner sich mit lichten blitzen part.
Gryphius lyr. ged. 530 Palm;
es paart immer sich folge mit that.
Herder 1, 190 H.;
bedien einmal die welt nach ihrer art,
und zeige, dasz vernunft sich auch mit thorheit paart.
Wieland Idris 1, 3;
denn wo das strenge mit dem zarten,
wo starkes sich und mildes paarten,
da giebt es einen guten klang.
Schiller 11, 308;
auch lern' er im geiste verstehn,
wie fülle sich paart mit der höchsten art.
Platen 2, 258.
sich paaren zu, sich zusammen paaren:
es läszt sich übel paaren
die erde zu der luft; dann die wil oben fahren
und jene sinkt in sich.
Logau 2, 1, 38 v. 37;
die köpf sich nicht zusammen paaren.
der ein will disz, der ander das.
Moscherosch, zeitschr. f. d. alterth. 23, 81.
4)
reflexiv, im engeren sinne, sich zur fortpflanzung verbinden, sich begatten.
a)
von thieren, besonders von vögeln: in dem monat (april) scheidet sich winter und sommer, dann nun beginnen sich alle creaturen zu paaren und zu gatten. Colerus 1, 49ᵃ;
sepus, die fisch, sich paren tund,
das sielein (weibchen) empfecht durch den mund.
H. Sachs 7, 460, 13;
o der schönsten frühlingszeit ...,
da die vögel paaren sich.
Rist Parnasz 292;
und jeder vogel scherzt und paart
sich fröhlich dann in seiner laube.
Herder 1, 132 H.;
o gott! was zieht sie (tauben) so an einander, hast du sie so gelehrt oder paaren sie sich aus eignem triebe? F. Müller 1, 85; ja selbst der löwe und der tiger paaren sich. Brehm thierl. 1, 210.
b)
von menschen, sich zu einem ehelichen paare verbinden, vermählen; sich begatten:
bisz ihr denn nach langen jahren
schauet durch des priesters hand
euer kindes-kind sich paaren
in den süszen liebe-stand.
Logau 1, 1, 47;
was sich paaren soll kommt wunderlich zusammen.
Günther 536;
er überdenket einen plan,
sich vortheilhaft zu paaren (zu verheiraten).
Langbein (1854) 1, 131.
sich paaren mit:
und wenn sich lieb mit liebe part,
so gschieht es nicht auf solche art,
wie der han auf die henne springt
und gar geschwind das werk vollbringt.
Fischart flöhhatz (1610) 6ᵇ;
mit der ich mich halse, mit der ich mich paare.
Logau 2, 6, 34 v. 13;
als ich mich mit ihm paaret (ihn heiratete), war er einfältiger als ein schaaf. Simpl. 2, 251, 10; sie bestimbte ihm eine nacht, in welcher sie sich mit ihm zu paren versprach. 568, 13.
5)
das partic. gepaart kann vom transitiven oder reflexiven paaren gebildet sein:
so dasz die gepaarte (eheliche) treu
immer bleibe frisch und neu.
Logau 2, 2, 3 v. 49;
nun dann! so seit hiemit geparet (vermählt)!
S. v. Birken Margenis 222;
wie scherzt und hüpfet durch die felder
die oft gepaarte wachtelbrut!
Hagedorn 3, 35;
sie pflegte nichts so sehr wie langsamkeit zu hassen,
und rath und that war stets bei ihr gepaart.
Wieland Klelia u. Sinib. 3, 159;
ist nur Rosinchen erst gepaart (vermählt),
ist sie die glücklichste vom weiblichen geschlechte.
3, 330;
o ihr weisze, zarte schwene,
die ihr durch die wellen streichet,
von der liebe sanft gepaart.
F. Müller 384 Seuffert;
ein theil meiner freunde ist gepaart (hat eine begleiterin, ein liebchen), und mag sich dabei ganz wohl befinden, ein anderer ungepaart, der befindet sich höchst schlecht. Göthe 25, 28, vergl. 26, 346 f.; der vater, der uns manchmal durch wiesen und felder begleitete, war öfters nicht günstig gepaart (begleitet), ich gesellte mich deshalb zu ihm. 26, 16; daher auch er ist heute nicht gut gepaart, nicht bei guter laune. Hennig 178. gepaart mit:
vielleicht macht treue blosz, mit etwas stolz gepaart,
den jungen mann so unbeweglich.
Wieland Idris 1, 30;
wie ich
aus jenen alten büchern mir gelesen,
war liebe stets mit hoher ritterthat
gepaart.
Schiller 13, 193 (jungfr. von Orl. 1, 2);
sie (die einwohner von Palermo) haben ihre conversationen .. wie die übrigen Italiäner, aber viel angenehmer, indem die weiber nicht alle mit einem cavaliere servente gepaart sind. Göthe 37, 167; seine lebenskräfte seien durch schreckliche zauberformeln mit der verwesung gepaart, er müsse sich verzehren und sterben. 42, 218.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1392, Z. 33.

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