pappe
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1443, Z. 10
s.papa, ↗papp.
papp, pappe m. n.m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1442, Z. 62
nnl. pap (Kramer 1, 288ᶜ) brei zum essen oder kleben (s.bäpp theil 1, 1120 und pappe): papp oder pepp oder kindspeise voc. 1482 y 3ᵃ; ein papp (klebbrei) Schönsleder r 1ᵇ; das papp, brei, pullicula Schottelius 1373; papp, puls Stieler 100; wie ein muͦtter einem kind den peppen (so) .. einstreichen musz. Frank sprichw. 3, 107ᵇ;
wenn dir der dienerinnen hand
kaum einen dünnen pappe giebet.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 311;
kleister oder buchbinder papp. Schelmufsky vollst. ausg. 96 neudr.; dasz wer für den balg gesorgt (das kind in die welt gesetzt) habe, nun auch für den papp (unterhalt) sorgen solle. Immermann epig. (1865) 2, 5; kinderpapp Münchh. 2, 166; der papp, brei, kleister Schm.² 1, 398. Lexer kärnt. wb. 16. Vilmar kurh. idiot. 294; schles. der pappe, papps Weinhold 67ᵇ, schwäb. der bapp Schmid 34, tirol. der papp Schöpf 487, das papp in der kindersprache jede speise, besonders die süsze. 486.
pappe f.
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1443, Z. 11
mnd. pappe, pap mit papp m. aus mlat. pappa (kinderruf nach speise, kinderbrei) von lat. pappare, essen.
1)
dicker mehlbrei zum essen, kinderbrei, pappa Murmelius 137 (s.bappe th. 1, 1120. Dief. nov. gl. 279ᵃ. Murner narrenbeschw. 27, 12): pappen, koch, preyn, muͦsz, wie mans den jungen kindern gibt. Roth dict. (1571) L 8ᵃ; wan sy mir pappen mit dem finger in streich. F. Platter 123 B.; sy bracht etwasz schlechten huszrath, ein alte pfannen, dorin man ir pappen kocht hat. 320; solche heisze brei oder pappen liesz ich wol passieren. Würtz practica der wundartzney 162;
er fürchtet, dasz er sie (die wackeligen zähne) zusamt der papp einschlückt.
Rachel 6, 548;
eine amme, die ihr kind mit pappe füttert. Chr. Fr. Weisze der kinderfreund 9, 36; oder meinen sie, dasz man das kind eines herrn hauptmanns mit pappe auffüttern soll? Lenz dram. nachl. 102 Weinh.;
doch holt sie d' pappe no vom füür und blost,
und gits im chind.
Hebel (1843) 1, 82.
umgelautet (s.beppe theil 1, 1120): die röm. kirch hat uns also die pepp und den brei in irm saubern mund gekauet. Fischart bienenk. (1580) 40ᵃ; leipz. die päppe, beppe auch für mund (der die pappe verzehrt) Albrecht 179ᵇ.
2)
kleister des buchbinders, schuhmachers (vergl.papp): so heiszen die buͦchbinder ihre clyster, damit sie die buͤcher uberziehen, auch papen. Roth dict. L 8ᵃ. Albrecht Leipz. mundart 179ᵇ; nautisch, die im segeltuche befindliche steife, sowie die an dem boden der schiffsplanken angekleisterten dinge (haar, werg, papier). Bobrik 520ᵇ.
3)
was papierteig, pappbogen, pappendeckel und etwas daraus gefertigtes. Jacobsson 3, 198 ff.;
die falsche brust, die marmor glich,
legt sie in pappe hin vor sich.
Weisze kom. opern 2, 132;
(er wird) aus pappe kästchen schustern.
Matthisson (1816) 483;
die drachen sind von holz und pappe.
Göthe 12, 297;
man schneide aus einer pappe fünf .. gleiche vierecke neben einander aus. 37, 84; als ein galanteriehändler hereingelassen wurde, der seine pappen (karton), kasten, schachteln unbarmherzig .. eröffnete. 18, 266; bei den hutmachern was filzkegel, filzkern Jacobsson 3, 198ᵃ.
Zitationshilfe
„pappe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pappe>, abgerufen am 18.08.2019.

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