pech n
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1516, Z. 23
pix. ahd. pëh, pëch, bëh, mhd. bëch und pëch (beide formen auch im älteren nhd.) mit alts. pik, ags. pic, altn. bik, mnd. pek, pik aus den casus obliq. des lateinischen wortes; md. findet sich auch vereinzelt eine verschobene form pfich offenb. Joh. 1 (Pfeiffer übungsbuch 25). pech ist das aus der fichte und andern nadelhölzern gewonnene, dick eingesottene und geläuterte harz (weiszes oder gelbes pech) sowie der durch einkochen von den flüchtigen bestandtheilen mehr oder weniger befreite, oft mit weiszem pech versetzte holztheer (braunes, schwarzes pech, fasz-, schiffs-, schusterpech), dann auch ausgedehnt auf ähnliche harzartige substanzen (s.erdpech, ↗judenpech, vogelpech) Jacobi waarenlex. 356 f. Schedel 1, 400ᵇ. 2, 181ᵇ; pech scharren, pech kochen, zerlassen pech, hart gesoten pech u. s. w. Stieler 1421. plural peche, pecharten. Eine menge von redewendungen und sprichwörtlichen ausdrücken knüpfen sich seit alter zeit an das siedende, klebende pech oder an die farbe des peches.
1)
siedendes pech, das schon bei den Römern den sklaven zur marter auf den leib geträufelt wurde, galt in christlicher zeit als eine der höllenstrafen und geradezu als hölle, die man sich als einen mit brennendem pech und schwefel erfüllten pfuhl vorstellte, worin die seelen der verdammten ewig brennen sollen. gramm. 3, 394. myth.⁴ 671. Raumer einwirk. 414: ahd.
thâr (in der hölle) thultent bech filu heiʒ.
Otfrid an Hartmut 24;
sie (die verdammten) himilrîches tharbent   joh innan beche werbent.
5, 20, 116,
auch von der vorhölle 3, 24, 99. 5, 9, 2; mhd.
dâ (in der hölle) was ...
von dem beche grôʒer stank.
Veldeke En. 95, 36;
darumbe er die êwigen vrist
in dem beche wuofet.
warnung 547;
der tiuvel in dâ umbe zwirbet
in dem peche alle zît.
L. v. Regensburg Syon 1820;
dâ er in der helle sôde
iemer siudet ungehiure
in bech in swebel und in fiure.
2383;
sîn (Lucifers) muͦt ist, wie er uns vervelle,
wande er hette das bech ze lôn.
Closener 108, 3;
swebel, bech und die gallen
güsset der tüfel in sie alle.
110, 3;
nhd. (die) heisz pech jetzt müssen trinken.
Corner, Kehrein kirchenl. 1, 709, 33;
sauf höllisch pech! Aler 1515ᵃ; wenn der tropfe wein, den ihre sterbende zunge kostet, zum siedenden pech wird, ein vorgeschmack der hölle. Schiller 3, 95 (Fiesko 3, 5).
2)
mit pech bestreichen, verkleben, verpichen, auspichen:
pech wirt schier geslagen an,
eʒ kumt ab niht sô schier hindan.
H. v. Trimberg Renner 21050;
so sprich ich zu recht,
das man eim jeden solchen knecht
sein har mit weichem pech sol netzen.
fastn. sp. 157, 20;
mache dir einen kasten von tannen holz und mache kammern drinnen und verpiche sie mit bech inwendig und auswendig. 1 Mos. 6, 14; da .. machet sie ein kestlin von rhor und verkleibets mit thon und pech und legt das kind drein. 2 Mos. 2, 3; mit pech bestrichenes fasz. Aler 1515ᵃ; etwas mit pech begieszen oder verwahren. Ludwig 1382; das bier schmeckt nach peche (womit das fasz ausgepicht ist). Stieler 1422.
3)
das pech klebt woran oder es bleibt etwas am peche kleben: die maus hat das bech, der vogel den leim versucht. die maus weisz nit was bech, noch der vogel was leim ist, bis sies versuchen, etwa drob gefangen werden und etwa schwerlich davon kommen. Frank sprichw. 1, 46ᵃ;
sie klebt an wie das bech im haar.
H. Sachs 5, 213ᵈ;
an meinen federn haftet das pech (vgl. vogelpech, pechvogel), dasz zuletzt der bote des raths seine mütze über mich wirft. Freytag ahnen 4, 45;
da er wie pech an seiner Amanda hält.
Wieland der neue Amadis 13, 24;
bildlich:
in deiner augen pech blieb oft mein auge kleben.
Hofmannswaldau heldenbr. 10;
so klebet ihm das pech der bösen sitten an.
Morhof ged. 222.
sprichwörtlich: wer pech angreift, der besudelt sich damit, und wer sich gesellet zum hoffertigen, der lernet hoffart. Sir. 13, 1; wer mit bech .. umgeht, der bescheiszt leicht die hend. Frank 1, 85;
wenn einer bech anruͤrt,
so wirdt er von dem bech beschmiert.
Waldis Es. 1, 53, 19;
wer pech knetet, klebt seine eigenen hände zusammen. Göthe an Schiller 562 (5, 23); es klebt ihm an wie pech an händen. Stieler 1422; er hat pech an den fingern, an den händen (so dasz ihm fremdes gut daran hangen bleibt). Rädlein 695ᵇ. Aler 1515ᵃ, daher dienstboten, die da haben ... hände ohne pech. Schuppius 405; es geht ab wie pech vom ermel. Weise erzn. 152 neudr.; es geht ihm ab wie pech von den hosen, haeret illi aqua. Aler 1515ᵇ; es geht fein von statten besser als bech von hosen. Fischart Garg. 138ᵃ; er hat pech an den hosen, bleibt ungebührlich lange sitzen, ist nicht fortzubringen. Stieler 1422. Wander 3, 1201, auch er hat pech under ihm (sich) Aler 1515ᵇ. — pech haben (wie der mit vogelpech gefangene vogel an den federn hat), unglück haben, kein glück bei unternehmungen haben, in einer fatalen lage sein, aus der man sich nicht losreiszen kann, etwas widriges und unangenehmes erfahren, hindernisse und anstosz finden und dergl., zunächst studentisch (student. idiot. 35). Schm.² 1, 379. Schöpf 491; ich .. ward (als student) von manchem fatalen pech heimgesucht. H. Heine 19, 12. — pech geben, kaufen, sich gewaltsam aus einer unangenehmen lage losreiszen, die flucht ergreifen, durchgehen: darmstädtisch er war froh, dasz er des lewe (leben) hatt un hot bech gekaaft. Streff des burschen heimkehr 58; pech geben Schm.² 1, 379. Wander sprichw. 3, 1202; schlesisch da gab er pech und ging ab. Holtei Lammfell² 1, 14; bei Roszbach, wie sie pech gaben. 2, 99.
4)
in bezug auf die farbe des peches:
ir har ist gelb recht als ein pech.
Erlauer spiele 3, 390 Kummer;
besonders auf die schwärze desselben (vgl.pechschwarz, ↗pechfinster, ↗pechdunkel 'wol nur aus der alten bedeutung von pech gleich hölle erklärlich' Schm.² 1, 379): ahd.
thie sizzent innan beche (in tenebris).
Otfrid 1, 10, 25;
mhd. daʒ wâpenkleit swarz als ein bech.
Konrad Engelh. 4692;
den (helm) zwêne flügele zierten,
die gliʒʒen unde smierten
ûʒ einer swarzen varwe ..,
daʒ nie so vinster wart kein pech.
turnei 75, 3;
sie wâren swarzer danne ein pech.
H. v. Neustadt von gottes zukunft 6517;
nhd. von päch schwartz und klipperig. Maaler 315ᵃ;
der mittag kehrt hier oft sein licht in pech und nacht.
Stoppe Parnasz 326;
ganz dunkelt ihn die schwärze des peches (totus pice nigrior atra).
Voss Ovids verw. 52, 196 (12, 402).
Zitationshilfe
„pech“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pech>, abgerufen am 15.12.2019.

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