pfriemen verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1794, Z. 58
mit einem pfriem stechen, bohren, heften Stieler 1450: wie er einen doctor gefangen, in eine badstube geschmidet, .. darnach hett er in endlich an die wand gefrimet. Luther tischr. 336ᵃ; und da er (Caligula) ein rathsverwandten gern zuͦ kleinen stücken zermetzgt hett, bestallt er ettlich, welche ihn im rathshoff gleich anklagten und anfielen alsz ein offentlichen feindt, ihn pfrimeten und fortan den andern follent zuͦ erzerren uberliefferten. Polychorius Suet. 42ᵇ.
pfriem, pfriemen, pfrieme m.f
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1793, Z. 74
an einem hefte befestigte eisenspitze zum bohren, mhd. pfriem, pfrieme m., md. prieme, nnl. priem, nd. prêm, dazu ags. prêone, monile (Leo 519, 23), altn. prjónn nagel, pflock, irisch prîn, stecknadel (also pfriem nach Leo wahrscheinlich aus dem keltischen).
1)
im eigentlichen sinne.
a)
im singular.
α)
der pfriem, pfriemen (vergl. pfriemer, pfriend): der pfriemen, ein spitzig instrument von stahl gemacht, mit einem hölzernen handgriff. Hübner naturlex. 1404;
er (zauberer) könn auf einen pfrümen (so) stehn.
Ayrer 2396, 30;
das auch dem herrn frei stunde, seinen entlaufnen knecht an allen orten zu verfolgen und wo er ihn antreffe, das er demselben mit einem pfriemen durch die ohren stechen und mit sich anheim führen möchte. Schütz a. Preuszen 54; nehmt einen pfriemen .. und stechet euch selbst zur straffe in den arm oder sonst wohin. Weise erzn. 129 neudruck;
der schiffman stets das ruder fuͤrt, ...
der schneider nadel, scher und pfriemen.
Eyering 2, 126;
der pfählt ihn (schmetterling) mit einem glühenden pfriemen. Thümmel werke (1839) 7, 137;
auch mit länglichem pfriem (mucrone) wird gekämpft.
Voss Än. 7, 665;
spiesze das herz an den pfriem, und dreh in dem brodel es linksum.
ged. 2, 186.
β)
die pfrieme: und bohre im mit einer pfrimen durch sein ohr. 2 Mos. 21, 6; sie ... ritzeten sich mit messern und pfrümen (so). 1 Röm. 18, 28; wie ein fauler esel, den man .. mit der pfrieme stets antreiben musz ('die eseltreiber haben in Persien lange pfriehmen oder nadeln an ihren peitschen, mit welchen sie die esel, wenn sie nicht fortwollen, anstoszen'). pers. rosenth. 8, 128; spitzige, stumpfe pfriem Stieler 1450;
(das vöglein) brächte mir (dem gefangenen) von ihr (geliebten) gefüllte
speisen, nicht mit salm gefüllt,
eine pfeil und eine pfrieme
wäre drinnen wohl verhüllt:
eine feile für die fessel,
eine pfrieme für das schlosz.
D. in Schillers musenalm. 1796 s. 61.
b)
im plural:
(der schuster) het mich gstochn mit grobn aln und pfrymen.
H. Sachs 5, 152, 35;
die spitzigen pfriemen. causenmacher 122; wann du schon das höchste gut des altars aus zorn mit pfriemen und ahlen verwundet hast, wie die juden gethan haben zu Deckendorf in Bayern. Abr. a S. Clara Judas 3, 349; lasz dir mit glüenden pfriemen ausstechen die augen. 4, 224; könnt ichs gut machen, alle guten männer sollten mich mit pfriemen hauen, bis ich meinen geist aufgäbe. Klinger das leidende weib 1, 5;
zerhackt ihn glied für glied! zapft sein verruchtes blut
mit pfriemen ab!
Wieland Oberon 5, 58.
2)
etwas pfriemenartiges: die diamanten sind spitzige pfriemen, welche gekrönten häuptern ihre ruhe verstören. Zigler Banise 392, 3 Bobertag;
man sah aus hier und dort geborstnen flächen ...
ein dichtes pflanzen-heer, wie grüne pfriemen, brechen.
Brockes 1, 5;
die pfriemen, die messingenen schrauben der markscheider Jacobsson 6, 739ᵇ; zoologisch die pfrieme, die grosze seenadel, buccinum maculatum Nemnich 1, 701; weidmännisch der pfriem, das männliche glied des hundes Behlen 5, 176.
Zitationshilfe
„pfriemen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pfriemen>, abgerufen am 18.07.2019.

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