pfuschen n
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1815, Z. 54
der substantivisch gebrauchte infinitiv des vorigen (1): vom handwerk kann man sich zur kunst erheben, vom pfuschen nie. Göthe 44, 287; dieser gute freund bleibt sich doch immer gleich. aus dem literarischen pfuschen wird er wohl nie herauskommen. an Knebel 363.
pfuschen verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1814, Z. 65
das als fuska auch ins schwedische gedrungene (Möller 594ᵇ) und noch dunkle wort ist zuerst bei Stieler nachweisbar, musz aber, wie man aus dem davon abgeleiteten pfuscher ersieht, schon im 16. jahrh. geläufig gewesen sein. Adelung hat es mit dem vorigen pfuschen identificiert, woraus sich zur not der begriff des nutzlosen, eilfertigen und schlechten arbeitens erklären liesze (vgl.pfutschen 2); pfuschen hat aber zunächst die bedeutung des unberechtigten, gegen die zunftordnung verstoszenden geschäftlichen arbeitens (vgl. stören, störer), woraus sich die weiteren bedeutungsabstufungen erst entwickelt haben. vergl. fuschen theil 4¹, 960 und J. Franck im anz. für deutsches alterthum 11, 30.
1)
intransitiv, heimlich und unberechtigt eine nicht zunftgemäsz gelernte, nur dem zünftigen handwerker zukommende arbeit verrichten, ein handwerk unbefugt ausüben (Stieler 1452), sodann ohne beruf und hinreichende kenntnis in die einem andern zukommende thätigkeit eingreifen, sich einmischen (Stieler a. a. o.), endlich überhaupt etwas aus eilfertigkeit, ungeschicklichkeit und unkenntnis mangelhaft machen, stümpern (vgl.pfuschern): pfuschen, ein später erfundenes wort, bezieht sich aufs handwerk, es setzt voraus, dasz irgend eine fertigkeit nach regeln gelernt, auf die bestimmteste weise nach der vorschrift und unter dem schutze des gesetzes ausgeübt werde. Göthe 44, 265; wer pfuscht, darf das rechte nicht gelten lassen, sonst wäre er gar nichts. 49, 42; es kam ihm (Anne Mareili) wohl, ... dasz es sich (bei der arbeit) schicken konnte ohne eben zu pfuschen (vgl.hudeln 1, b). das letztere ist eine eigenschaft, welche von jugend auf erlernt werden sollte ..; es fehlt aber gewöhnlich der lehrmeister dazu. Gotthelf geld und geist (1859) 263;
arzt und henker pfuschten zwar.
Pfeffel 1, 68 Hauff.
Mit genauerer angabe.
a)
in ein handwerk u. s. w. pfuschen: ohne durch fleisziges zusehen und hören die grundbegriffe recht gefaszt zu haben, will der küchenjüngling heut zu tage schon ins handwerk pfuschen, dem meister vorgreifen. Rumohr geist der kochkunst 165; pfuscht er jetzt notaren und advocaten ins handwerk. Göthe 8, 200; alsdann müszt ihr mir nicht übel nehmen, wenn ich auch in euer handwerk pfusche. 24, 277; in keine profession wird mehr gepfuscht als in die medicin. rockenphil. 104 (1, 81); Plato ist immer nur halb was er sein möchte. wo er scharf räsonnieren sollte, macht er den dichter; will er dichten, so pfuscht ihm der grübelnde sofist in die arbeit. Wieland 36, 242;
euch ersparts die müh,
dem lieben gott in seine kunst zu pfuschen.
10, 309;
die hand eines bösartigen geistes, der in die herrliche anstalt (des schöpfers) gepfuscht hat. Kant 4, 298; die erfindung eines bösen wesens (teufels), das in das machtwerk des guten (gottes) pfuschte. Klinger 12, 179;
jetzt pfuscht so mancher in theologie,
bibel und scholastik plagen ihn nie.
Kinkel ged. (1857) 424.
b)
pfuschen in mit dativ: man hat mir den vorwurf gemacht, ich pfusche, ich stümpere in den meisten dingen. Göthe 17, 188; worin herum pfuschen. 22, 216. Kant 2, 547; sie werden finden, dasz ich auch in der griechischen literatur gepfuscht habe (hier als ausdruck der bescheidenheit). Lessing 12, 390 (vom jahre 1773).
c)
pfuschen an, pfuschend ändern, bessern:
wir pfuschen nicht gern an den werken der alma mater rerum.
Wieland der neue Amadis 1, 18;
sie müssen aber auch meine dreistigkeit verzeihen, dasz ich an ihren worten gepfuscht habe. Zelter an Göthe 180 (2, 24).
2)
transitiv, pfuschend, stümperhaft machen, eine gepfuschte arbeit u. s. w.: das widerliche dieser von den gemeinsten steinhauern gepfuschten miszbildungen. Göthe 28, 114. s.nach-, ↗verpfuschen.
pfuschen verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1814, Z. 58
1)
mit dem laute pfusch schnell abbrennen, verpuffen (von der pfanne abbrennendes pulver pfuscht, macht einen pfusch, einen pfuscher) Adelung. Schm.² 1, 443. vgl. pflischen, pfluschen, pfuchzen, pfutschen.
2)
sich huschend bewegen (vgl.fuscheln, fuschen):
fledermaus, die eifrig zwischen meinen locken pfuscht.
Platen 4, 92.
Zitationshilfe
„pfuschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pfuschen>, abgerufen am 11.12.2019.

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