picken
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1840, Z. 13
s. pichen.
picken verb.
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1840, Z. 14
früher wie noch mundartlich auch pecken, was bicken, becken th. 1, 1809. 1216, mhd. bicken und bëcken (Lexer 1, 265 u. nachtr. 83), nnl. pikken, pekken; die jetzt herrschende schreibung ist picken.
1)
mit der schnabelspitze hacken, zufahrend widerstoszen, rostro ferire, tundere, pungere Stieler 117: der hahn pickt die henne. Ludwig 1405;
(der papagei versucht) mit unbescheidnem picken
das niemahls ruhige gewand
von ihrem weiszen hals .. wegzurücken.
Wieland Idris 3, 50;
der pickende specht (der baumhacker). Freytag ahnen 1, 3;
(ich lausche) ihm auch, der seitwärts pickt, dem specht.
Voss ged. 6, 218;
chor der vögel. pickt und kratzt und krammt und hacket ..
den verfluchten vogelstellern
ungesäumt die augen aus.
Göthe 14, 96;
picken an, in:
(der zeisig) pickt nur leis am kleinen .. bauer.
Langbein (1854) 1, 190;
der specht pickt an, in die rinde u. dergl.; übertragen: darnach nennet er (Fischart) sich pickkart .., der graussam hart picken, pecken und stechen werdt. J. Nas examen (1581) 373; picken an, in:
eifersucht an seinem herzen pickt.
Uhland (1879) 2, 283;
sie schosz neugierig wie eine elster zu der gruppe ... sie pickte in das gespräch hinein. Freytag handschrift 1, 379.
2)
mit der schnabelspitze hackend nahrung suchen und aufnehmen, aufpicken: picken oder pecken, fressen wie die kleinen vögelein. Kramer hoch-nidert. wb. 161ᵇ;
es picken und hacken
hundert schnäbel am mosichten zweig, und suchen sich nahrung.
Zachariä (1767) 4, 55;
da gehts (beim füttern des geflügels) an ein picken,
an ein schlürfen, an ein hacken.
Göthe 2, 91;
düngerstätten, auf denen kleines federvieh pickte. Freytag handschrift 1, 59; picken nach: das gezänk der sperlinge, welche nach dem körnlein am boden pickten. ahnen 3, 154; transitiv: wenn sie (schwalbe) schleunig hinschwebt, ihr ... mahl zu picken. J. Tobler Thomsons ged. (1765) 1, 49;
der jäger will uns (vögel) tödten,
dem früchte wir pickten.
F. Schlegel ged. 14;
o dasz ein süszes korn ich wäre
und du der vogel, der es pickte, wärest.
Rückert 4, 152;
o halte (zugvogel poesie) deinen flug
von meer und stürmen fern,
die sehnsucht ist betrug,
hier picke deinen kern.
Lenau (1880) 1, 248;
waldvögel, die da ihr futter pickten. Keller Seldw.⁴ 2, 151; picken aus:
küchlein .. pickten der jungfrau
brot aus der hand.
Voss Luise 1, 11;
(die taube) picket krumen und erbsen,
picket körner ihm aus der hand.
Hölty 114 Halm;
aus meiner hand pickt er (hahn) sein futter. Kotzebue dramat. sp. 1, 289.
3)
mit den fingerspitzen stoszen, tupfen:
auf diesem wagen auch ein hauffen lose huren, ...
die eine peckt ihn hier, die andre zupft ihn dar.
D. v. d. Werder Ariost 17, 117, 4;
nichts ist gefährlicher, als wenn wir nur mit zwei, drei fingern an ein frauenzimmer picken .., mit dem ganzen arm sie anzupacken ist ohne gefahr. J. Paul uns. loge 2, 70; ich höre immer lieber rasch, rein, richtig, deutlich, rund und klar spielen (auf dem fortepiano) als das ewige drücken, picken und nicken als den ausdruck von nichts zu nichts, den sie gefühl nennen. Zelter an Göthe 3, 36.
4)
mit einem spitzigen werkzeuge (picke) hacken, behauen: einen mühlstein picken Ludwig 1405: wenn nun endlich nach unzählbarem wiederholten picken (mit dem pickeisen) die vertiefungen aus dem gröbsten heraus gebracht worden (aus dem porphyr). Winkelmann 3, 134; das picken der steinhauer. Göthe 22, 159.
5)
überhaupt hackend, mit kurzen streichen hauen: einem die haut mit dem stecken pecken. Ayrer 3089, 22; auf dem feuersteine mit dem stahle picken:
die zwietracht alsobald ihr staal herfür auch rückte
mit ihrem fewerstein, und nur ein wenig pickte:
den zunder auch zugleich die hoffart drunter strewt,
das fewer fängt.
D. v. d. Werder Ariost 18, 27, 2;
ablautend picken und packen: gewisz ist ein anzeig eines übelbestellten haushaltens, wann man eines lichts bedarf und fast eine stunde picken und packen musz, ehe der zunder, der so wenig nutz als die mägde, einmal fänget. Hohberg 3, 1, 134ᵇ.
6)
einen dem picken (des spechtes, der spitzhaue) ähnlichen, spitz anschlagenden ton von sich geben, wie der holzwurm, die uhr (vergl. ticken), eigentlich und bildlich:
(er zählte) des holzwurms ebenmäsziges picken.
H. Heine 16, 173;
dann klopfte er leise an die wand wie ein holzwurm pickt. Freytag ahnen 1, 374; dieser wurm (des vorwurfes, gewissens) wollte nicht schweigen, er pickte immer lauter. Gotthelf Anne Bäbi (1859) 1, 147; ich hörte nichts als das picken meiner uhr. Thümmel reise 2 (1791), 79;
und es pickt die pendeluhr,
die eintönig mich (den kranken) bedeutet,
wie das leben weiter schreitet.
Lenau (1880) 1, 120;
seit Marie-Liesens elendigem ende pickte sie (uhr) mir wie eine todtenuhr in der mauer, und ich mochte ihr ticktack nimmermehr hören. Holtei Lammfell² 3, 215;
wer kann dem uhrwerk trauen,
das uns im herzen pickt?
Gökingk 1, 248.
Zitationshilfe
„picken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/picken>, abgerufen am 16.12.2019.

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