Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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pille, f.

pille, f.
was bille 2 (theil 2, 26), kärnt. der pille Lexer 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1855, Z. 50.

pille, f.

pille, f.
arzneikügelchen, zum verschlucken (eigentlich und übertragen), aus mlat. pilla (Dief. 435ᵃ), lat. pila, dim. pilula, mlat. pillula, woher die ältere form pillule, pillele (s. unten), ital. pillola, franz. pilule.
1)
pillule, pillele, pillel: pillule J. Haupt md. arzneibuch 57. Maaler 318ᶜ; in der artznei da muͦsz einer die artznei bei dem gewicht nemen als pillule, eintweders drü oder fünf oder siben oder neun. Keisersberg sünden des mundes 11ᵈ; gab er im in den mundt ein pillele aus dreck gemachet. S. Brant bei Steinhöwel 146ᵇ; dem apoteker .. fur pillole (nach ital. pillola), die ich im vergangen jar zu 5 mal genomen hab 2 [[undefined:poundsign]] 28 dn. A. Tucher haushaltbuch 129; die kügel, so die apotheker machen, nent man pillel. Roth dict. (1571) M 7ᵃ; ich brauch mein leben keine pilluln undt musz sehr krank sein, wen ich einig remedium brauch, wasz nahmen es auch haben mag. Elis. Charl. (1871) 241; übertragen: secten, welche mit gott ire schöbigen pillulen vermänteln müssen. J. Nas examen (1581) 26; huͤt dich vor kleinen pillulen (bleikugeln), dann sie möchten dir zu stark sein. Fischart groszm. 114; dann ir (der römischen kirche) absterbung ist allen Romglaubigen christen ein bitterer trank und so aufstoszende pillulen, das .. bienenk. (1580) 232ᵃ; das rechte recept und die pillelen eines trawrigen gemüthes sein die zeit und das vergessen. Albertinus guld. sendschreiben (1625) 1, 136ᵇ; ich hab mein lebtag mancherlei pillulen eingeschluckt (manches bittere, manche verdrieszlichkeit erlebt). Schuppius 127; Moses konte gewaltige pillulen verschlucken und viel vertragen, wenn er für seine person beleidiget wurde. 296; dasz ich aber zu zeiten etwas possierlich aufziehe, geschiehet der zärthling halber, die keine heilsame pillulen können verschlucken, sie seien dann zuvor überzuckert und vergült. Simplic. 1, 825, 20; sprichwörtlich: pillulen musz man schlucken, nit käwen. Lehmann 83, 73; pillulen seind bösen unrath im leib zu vertreiben viel nutzlicher als zuckerkern. 341, 16.
2)
pille Dief. 435ᵃ (16. jahrh.): dise pillen solt du fruͤ nemen und darauf fasten 6 stunden. arzneibuch (Erfurt 1545) 43ᵇ; die pillen schlingen. 55ᵇ f.; einem pillen eingeben. Stieler 88; pillen drehen, drechseln. Günther 597. 859; so habe ich brauchen müssen 7 medicinen in pillen. Elis. Charl. (1871) 397; ich bitte, schickt mir von den Frankforter pillen ein schachtelgen voll! 235; ein kluger arzt, der sich die gesundheit seiner kranken angelegen sein läszt, vergüldet oder verzuckert die bittern pillen. Breitinger crit. dichtkunst 1. abschnitt;
in süszes eingewickelt reicht er (arzt) die verhaszten pillen.
Platen 4, 71.
sprichwörtlich und bildlich in bezug auf das eingeben, verschlucken und verdauen, auf den bittern geschmack oder auf das verzuckern, vergolden der pillen: er gibt ihm treffliche pillen (manifestis cum contumeliis verberat); er musz greuliche pillen verschlucken u. a. Stieler 88. Rädlein 703ᵇ; einem gute pillen geben, dignis aliquem moribus excipere Hederich 1777;
purgire dich selbst, alsdann gib andern pillen.
Günther 502;
wann wir dem schnöden geitz verdiente pillen geben.
Hagedorn (1729) 85 neudruck;
wenn auch ein predicant
sich selber legt in sünd und schand,
so sind die seinen leicht zu bringen,
dergleichen pillen einzuschlingen.
Ringwald laut. warh. 217;
verdrieszen dich diese verweise nicht? ah — was verdrieszen? die pillen musz man verschlucken und nicht kauen. Lessing 11, 2, 835 Hempel (pillen musz man schlingen, nicht kauen; pillen musz man verschlucken, nicht im maul zerdrucken. Simrock sprichw. 429); sottisen ... von sich weg zu paucken, und eine unangenehme pille nach der andern zu verschlucken. F. Müller Faust 34 neudruck; dergleichen herbe pillen bekam der buchhalter so oft zu verschlucken, als er den mund öffnete, um von seiner herzensangelegenheit zu sprechen. Langbein schriften 12, 202; Lear. eine bittre pille für mich (die worte des narren). Tieck könig Lear 1, 4; der chürfürst thut sich selber unrecht, wen er solche possen anfengt, solche pillen seindt hart zu verthauen. Elis. Charl. (1871) 140; einem die pillen versüszen, verzuckern, vergolden, versilbern. Simrock 429. Wander 3, 1348;
also kan man dann die pillen (bittern wahrheiten), die sonst bitter wollen schmecken,
scheinlich machen und vergolden, und die pflicht ins lob verstecken.
Logau 2, 2, 56;
für leute, wie ich, ist das landleben der honig, worin sie die pille des stadtlebens einnehmen. J. Paul Titan 1, 124; die bühne musz mir zur versilberung der pillen dienen, die man euch, während ihr den mund zum lachen öffnet, geschickt beizubringen weisz. Börne 5, 225. — bleierne pille oder blosz pille, die bleierne büchsenkugel: er habe zweien Hottentotten tödtliche pillen eingeben (sie erschossen). Felsenb. 1, 54; ich wünschte nur, ich hätte die bleierne pille, die der kerl mir zu kosten geben wollte, aus dem eichbaum, in den sie fuhr, mitnehmen können. Gutzkow ritter⁴ 7, 179; eine bleierne pille stopft dem beller das maul; bleierne pillen sind schwer zu verdauen. Wander 3, 1347. — kurh. im nördlichen theil der grafschaft Ziegenhain bedeutet pille einen aus weizenmehl gebackenen runden oder länglichrunden kuchen (mit dem vorhergehenden pille kaum identisch). Vilmar 302.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1855, Z. 51.

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Zitationshilfe
„pille“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pille>, abgerufen am 16.07.2020.

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