placken verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1874, Z. 4
1)
maculare Stieler 499. Kilian 404ᵇ. s.plack (2) 1.
2)
einen placken (lappen, stück) einsetzend flicken, überhaupt ausbessern, md. Lexer 2, 276. Dief.-Wülcker 803 mit belegen aus dem 14. und 15. jahrh.: ich plack, assuo Alberus dict. s 3ᵇ; ein geflickter und geplackter bettlermantel. Kirchhof wendunm. 363ᵃ;
es ist von newen zubereit
wie eins bettlers geplacktes kleid,
bisweilen ist ein new lap gepletzt.
G. Nigrinus affenspiel P 3ᵇ;
der kirchthurm hat hier (in Landshut) etwas wunderliches, so oft ein Domherr stirbt wird ein stein am thurm geweiszt, da ist er nun von oben bis unten weisz geplackt (gefleckt). Bettine briefw. 2, 121; Landshut mit .. dem geplackten kirchthurm. 189. — zusammen placken, zusammenflicken, -stoppeln: doch spürt man, dasz sie (die epistel) ausz Augustini schriften ist zusammen geplackt. G. Nigrinus papist. inquis. 142; seine (des procurators) kunst, die er ausz allen winkeln zusammen plackt. Kirchhof wendunm. 134ᵇ, s. plackerei (2) 1; ihre armseligen aus koth und stroh zusammen geplackten hütten. Wieland 7, 48.
3)
obscön: eine placken, futuere Schmidt westerw. idiot. 140, vergl. kärnt. eine flicken, sich flicken lassen Lexer 98, holst. sik neien (nähen) laten Schütze 3, 144.
4)
heften, kleben brem. wb. 3, 326 (vergl.plakat), etwas hinwerfen, dasz es kleben bleibt. Schm.² 1, 455; die (zu einem damme bestimmte) erde placken, stampfend befestigen, s.plackerde, ↗plackwerk 2; nautisch einplacken, kuhhaar und papier an den untern theil des schiffbodens kleben, um darauf die spikerhaut (dünne föhrene planken) zu legen. Bobrik 252ᵇ.
plack, placke, placken m
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1872, Z. 75
aufgenommen aus nd. plack (plakk), placke, placken (Schiller-Lübben 3, 334ᵃ. Kilian 404ᵇ. brem. wb. 3, 325. Dähnert 351ᵇ. Schambach 155ᵈ. Danneil 156ᵃ), s.blacke th. 1, 59 und Schmidt westerw. idiot. 139 f. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 307. 3, 519.
1)
fleck, mal, andersfarbige stelle:
da (im nacken) hastu einen kalen placken.
Waldis Es. 1, 56, 38;
eine wunde kompt entweder vom hauen oder vom stechen, der streich vom schlagen oder stoszen, dessen zeichen ist ein schwarzblauer plack. Comenius sprachenthür § 317; was ich vorhin die schwarzen placken im lebendigen tableau ihrer existenz nannte. Wieland an Merck 1, 142; ein ganz schwarzer fleck (franz. plaque paté) in einem radierten kupfer anstatt der schraffierung, die man darin sehen sollte. Jacobsson 3, 257ᵃ.
2)
lappen, flicklappen, md. placke, phlacke (Lexer 2, 275 f.): verbrachten auch ihren anschlag so glücklich, dasz sie mir den placken mit dem geld aus dem hemd schnitten. Philander (Leiden 1647) 6, 54; den placken musz man auf das loch und nicht darneben setzen. Lehmann 2, 43; unterfränkisch der placken Schm.² 1, 455.
3)
acker-, wiesenfleck: ausgescheiden ein placken gegen der mühlen. weisth. 1, 603 (vom j. 1694, Arzbach an der Lahn); aller acker, wiesen, feldungen, stück und placken. Lennep lands. 2, 14 (vom j. 1571); item soll ein jede wiese, placken, kreben oder wayde geschätzet werden, demnach sie ist. 2, 20; ein bei der theilung .. der stelle zugefallener placken von 5 jück, 70 quadratruthen. Oldenburger bekanntmachung vom j. 1853.
placken verb
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1873, Z. 23
das nd. placken, plakken (brem. wb. 3, 327. Danneil 156ᵃ. Stürenburg 177ᵇ), eine intensivbildung zu plagen, hart, lästig und kleinlich plagen. Stieler 1459. die oberd. mundarten kennen das wort nicht, wol aber plackerei.
1)
transitiv: die bauren placken Stieler; haben sie sich den kaiserlichen obristen, die sie allenthalben placketen, heftig zuwider gesetzet. Micrälius altes Preuszen 1, 67; die ... handelsleute wurden von wegelagerern .. geplagt und geplackt. Göthe 24, 31;
dort hinten still im gebirgthal hat ein kühn geschlecht
sich angesiedelt ...
und unersteiglich feste burg sich aufgethürmt,
von da sie land und leute placken wie's behagt.
41, 202.
placken mit, um: dasz ich dich ... mit meinen leidigen angelegenheiten placke. Wieland an Merck 1, 177; einen um ein amt placken, die kinder placken die eltern ums gelt. Stieler a. a. o.
2)
reflexiv: sich vergebens und umsonst placken. Stieler a. a. o.; man musz sich so zumartern und zuplacken. Schoch studentenl. D; nun placke ich mich herum und musz von bloszen gnadengeldern kümmerlich leben. Weise erzn. 42 neudruck; und der studierende darf sich auch nicht so placken. Wiedemann mai 57; und dasz man auf dem marsch sich plackt. Göthe 1, 148; theile deinem freunde, der sich zu hause hat placken müssen, auch etwas davon mit. an Merck 1, 430; ists nicht unendlich besser, auf dem land in der dunkelheit frei zu leben, als hier in der stadt sich zu placken und zu quälen? Schiller 14, 229 (paras. 3, 4); ihr seid ein alter grober bauer, ihr taugt zu nichts besserm als euch beständig zu placken. Arnim schaub. 1, 5;
willst du dich denn wieder placken
wie ein lastthier?
Langbein (1854) 1, 88;
soll ich ewig plagen mich und placken?
Platen 1, 85;
was hilft es nun, dasz ich mich plagt' und plackte?
Rückert 1, 169.
sich placken an, mit, um oder mit inf. und zu: woran man sich so lange geplackt hat, wird einem nun so vollständig vorgeführt. Göthe 29, 117; wer sich in der schule mit kindern blacken musz. Weise erzn. 168 neudruck; ihr männer hier zu lande seid glückliche leute, dasz ihr nichts von der sorge wiszt, womit sich andrer orten die armen käuze placken müssen, die eine hübsche frau für sich allein behalten wollen. Wieland 8, 258;
was plack ich mich mit wirthschaft tag und nacht?
Gökingk 2, 154;
nun lassen wir das zeug, ich musz mich doch
genug mit placken.
Werner M. Luther 2, 1;
sich worum placken. Stieler a. a. o.;
worum man sich doch ängstlich müht und plackt,
das ist gewöhnlich abgeschmackt.
Göthe 57, 281;
da musz ich mich dich (holzbündel) heim zu tragen placken.
Wieland 18, 130.
3)
substantivisch das placken:
was war das nicht für ein placken und schinden
bei Gustav dem Schweden.
Schiller 12, 25 (Wallenst. lager 6).
4)
absolut, auf straszenraub ausgehen, ihn ausüben, s.placker (1) 3 und plackerei (1) 3: md. were aber, das ymande in unsern landen ader uf der straszen rouben ader plagken werde. Longolius beschäftigung mit bew. nachrichten 1, 23 (vom j. 1422, s. Germania 28, 395).
Zitationshilfe
„placken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/placken>, abgerufen am 19.12.2018.

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