plunder m., früher auch n.
Fundstelle: Lfg. 11 (1888), Bd. VII (1889), Sp. 1945, Z. 37
was blunder theil 2, 167 f., wo auch schon für den anlaut pl- einige belege beigebracht sind. mhd. seit dem 14. jh. plunder, blunder, wol entlehnt aus mnl. plunder, plonder Kilian 408ᵇ, mnd. plunde, plunne Schiller-Lübben 3, 355ᵃ, nd. plunne, plunn brem. wb. 3, 345. Schambach 157ᵇ, plunn Danneil 158ᵇ, dessen herkunft nicht aufgeklärt ist. die schreibung plunder ist, der mutmaszlichen nd. herkunft gemäsz, schon vom 14. jahrh. an die vorherrschende, nur das alemannische liebt den weicheren anlaut bl- (Weinhold alem. gramm. § § 148. 153). das bei Lessing einmal vorkommende blunder (nur herr Klotz hat ... einen solchen blunder für möglich halten können. 8, 111) hätte in der ausgabe von Gosche 5, 462 nicht in plunder geändert werden sollen, denn es ist das engl. blunder (grober misgriff, grobes versehen), wofür einige zeilen vorher das deutsche irrthum gebraucht wird. nur auf dieses blunder paszt die theil 2, 167 versuchte etymologie. plunder bedeutet
1)
zunächst kleidung, bettzeug und sonstiges hausgerät, dann überhaupt allerlei gerät und zeug, besonders unwerte sachen, woraus sich dann der begriff des geringschätzigen, verächtlichen entwickelt hat, ähnlich wie bei pack, packasche (sp. 1399), kram, trödel, zeug. als ergänzung zu blunder verzeichnen wir
a)
ältere belege vom 14. bis in den anfang des 18. jahrh.
α)
im singular: sie (juden) mügent ouch von allen unsern ingesessen burgern alle wochen zuͦ wuͦcher nemmen von plunder, röcken, menteln .. von ieglichem pfunde einen pfenning und nit me. städtechron. 9, 981, 27 (vom jahre 1383);
man chennt nicht leute pei dem plunder (ital. per le vestimenta),
aber pei den werken wol.
Vintler 5171;
wann der plunder macht nieman
edel ..., chain plunder pas chlaid
als eine ware diemut.
9538 ff.;
der (dieb) trueg seinen plunder allen aus.
7495;
wir schüllen unser wägen laden
mit plunder und mit härnesch gar.
Wittenweiler ring 56ᶜ, 28;
beschlaffens weib, versuochtes tuoch,
dar zuo hefen, alter plunder
so wolfeil sind, es ist ein wunder.
31ᶜ, 37;
der krebs hat vil plunders an im und du kanst nit wissen warzu er ein jeglichs braucht. Keisersberg emeis 47ᵇ; die reuter haben inen (den bauern) den plunder genommen. Baumann quellen 1, 727; mit allem tross und plunder. Aventin. 4, 137, 26; er lies alda sein plunder und tross. 502, 7; viech (saumthiere), so mit plunder geladen wart. 509, 3; do datt ich das plunder (hembdlin, löffel, buͦch etc.) in das wechterhüslin. Th. Platter 73 (das blunder 67) Boos;
und wie er gantz erschrocken floch,
zoch er das dischtuͦch hinden noch,
man kundt das auch erhalten nit,
den plunder er zumal verschütt.
Scheidt Grobian. 3481;
drum nemmet mit euch was ir habt,
ewer plunder, macht euch hinweg.
Haberer Abrah. F 5ᵃ;
er uberzog (um sich unkenntlich zu machen) den köcher mit altem leder als ein bürdlin, darinn hembder oder plunder wern auf den rücken gebunden. buch d. liebe 206ᵃ; als sie den plunder schon zuͦ schiff gelegt. Wurstisen 219; tross .. heist das seltzame wüst und gottlosz gesindlein, welches .. den kriegsleuten ihren plunder nachträgt. Kirchhof mil. disc. 124; das pferd mit uberlästigem plunder beladen. 119; da wurfen die Römer den plunder (sarcinam) nider und griffen zur wer. Rihel Livius 322;
drauff nam er fedren, dint und bücher allzusammen
und warf den plunder ausz dem hausz in Bachus nahmen.
Rist lustgarte F 4;
und klagt der verleger, dasz er kaum dreisig exemplaria mit schlechtem profit losz worden und fast gesonnen sei, den ganzen plunder zu maculatur zu gebrauchen. Weise die drei klügsten leute 110; plunder, nichtswürdige sachen, bagatelle Rädlein 705ᵇ;
bücher, tiegel, glasz und ring sind zusammen nichts als plunder,
wenn man die gesundheits-regeln nicht vorher in kopff gebracht.
Günther 859.
übertragen:
wer wott (wollte) den plunder (erlittene strafen, krankheiten u. s. w.) allen erzellen,
von wort zuͦ wort in ein ordnung stellen?
N. Manuel ablaszkrämer 437;
wenn ich all mein kummer und leid erzehle, so wil mans nit merken, ich musz doch den plunder gantz und glatt herausz sagen. buch der liebe 227ᵇ; hinweg mit dem plunder, apagesis cum istis tuis ineptiis, quisquiliis, frivolis. Stieler 1141; plunder, der frauen monatzeit. Rädlein 705ᵇ.
β)
im plur. stark- und schwachformig: wenn ainer plundern durch die maut trait der gibt ze maut vom puesem 1 den. mauttarif der herrschaft Murau in Steiermark (im fürstl. schwarzenbergschen archive in Murau, 15. jahrh.); vil wagen mit guten plundern. städtechron. 2, 169, 1 (15. jahrh.); und brochten gar ein groszen raub von plündern und allerlei hausrot. 151, 11. 153, 3; die wägen, so si mit inen füerten und ire plunder und notturft darauf legten. Aventin. 4, 151, 31; wie denn die betlers plundern des morgens auf dem hofe mit blut besudelt gefunden. Pape bettel- oder garteteufel M 8ᵃ; warum wiltu dein angesicht mit plundern so verstecken? Ringwald ev. L 6ᵇ.
b)
neuere belege, eigentlich und übertragen.
α)
im singular: geschenk, welches in allerhand arten geschliffener vergröszerungsgläser, besondern sonnenuhren und dergleichen plunder bestund. Felsenburg 2, 99; sehen sie (er zeigte auf einen beträchtlichen stosz dickbestäubter manuscripte), da liegt mein plunder ganz ruhig im repositorio. Siegfr. v. Lindenberg 2, 18; dasz, wenn ich schon im besitze der bewährtesten heilungsmittel wäre, die krankheiten des kopfes und des herzens aus dem grunde zu heben, ich doch bedenken tragen würde, diesen altväterischen plunder dem öffentlichen gewerbe in den weg zu legen. Kant 10, 8; also ist es weiter nichts, als dasz sich einer in des andern seine liebste verliebt hat? also wäre der ganze plunder mit einem tausche gut zu machen? Lessing 1, 460; mit eins alle den plunder aufzugeben, der noch vor 50 bis 60 jahren in unsern lehrbüchern religion hiesz. 10, 171; vor allen dingen vielen dank von meiner tochter für die schönen sachen! ... du wirst mir zu seiner zeit melden, was der allerliebste plunder kostet. 12, 525;
war das thor der stadt nun auch eröffnet,
und es regte sich der ganze plunder
des bewegten marktes durcheinander.
Göthe 2, 103;
da stürzte denn alles drüber und drunter,
dem teufel gehörte der ganze plunder.
47, 225;
du hast so viel schon aufgepackt,
und doch nichts rechtes eingesackt,
den plunder lasz an seinem ort.
41, 285;
nachdem ich mich lange mit .. dieser theoretischen salbaderei des vorigen jahrhunderts gequält hatte, schüttete ich das kind mit dem bade aus, und warf den ganzen plunder .. von mir. 24, 170; was soll auch der plunder (goldene borten am altartuch) in einer kirche? Schiller 2, 94 (räuber, schausp. 2, 3); ärmlich ist dagegen aller plunder auf erden. Arnim 2, 299;
und doch erregte mir so manchesmal
der grüne plunder (der natur) herzensqual.
Lenau (1880) 2, 61;
sie schob den kleinen plunder (das feuerzeug)
ins ecklein wieder.
Rückert 1, 157;
kärnt. plunder auch als schimpfwort für eine träge weibsperson. Lexer 33.
β)
nur vereinzelt im plur.: gewirkte tapeten, welche alte turniere darstellten, die ritter und die eisernen harnische hingen in plundern (fetzen, vgl. plunderig) herunter. Arnim 1, 64.
2)
was man geplündert hat, beute, raub, mnd. plonder Schiller-Lübben 3, 355ᵇ: wie sie den plunder unter einandern teilen. Etterlin 104;
sind wir doch all gegeben dar
zum raub und plunder manniglich.
Mauricius Haman E 8.
Zitationshilfe
„plunder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/plunder>, abgerufen am 20.06.2019.

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