pressen
Fundstelle: Lfg. 11 (1888), Bd. VII (1889), Sp. 2105, Z. 13
plur. was brächsen:
gut sindt preitfisch, heist man die pressen (: kressen).
H. Sachs 7, 462, 17,
die prexen 30.
pressen verb.
Fundstelle: Lfg. 11 (1888), Bd. VII (1889), Sp. 2105, Z. 17
ahd. prëssôn, brëssôn, mhd. prëssen, aus lat. pressare (stark, gewaltsam) drücken, franz. presser, vergl. pressieren.
1)
einen saft woraus pressen; etwas auszdrucken oder pressen. Roth dict. (1571) N 1ᵇ.
a)
zunächst nach mlat. pressare (vindemiam premere Du Cange 3, 1, 455), den saft aus den trauben drücken, keltern (s.presse 2, a), ahd. kipressit werdent wîntrûbôn Graff 3, 368, kebressôteʒ pere Notker ps. 83, 3; spätmhd. den wein pressen fontes rer. austr. 2, 18 nr. 334 (vom j. 1384); nhd. wein pressen, uvam premere Stieler 1478;
trauben müssen pressen leiden.
Opitz (1645) 2, 16;
was .. die kelter gepreszt hatte.
Klopstock 12, 287;
ein andrer preszt die reben (bildlich).
Uhland 1, 50;
pressen aus (vergl.auspressen): wie ausz den trauben der wein .. geprest wirdet. Albertinus hauspolizei 2, 28ᵇ;
ihr strotzenden beeren, aus welchen die kelter
so zungen- als seelen-erquickenden most,
den traurigen tröster der traurigen pressen.
Brockes 1, 279;
die kelter presset reiffen safft
aus den im druck zerquetschten trauben.
Hagedorn (1729) 34 neudruck;
er (wein) ist gepreszt aus trauben.
Rückert 6, 77.
pressen in:
trauben, deren blut der herbst preszt in tonnen.
2, 493.
bildlich: nuͦ bittent die edel wînrebe sancta Maria, daʒ uns der rote wîn, der ûs ires sunes sîten flos und gepresset wart .., alle unser missetât abe weschen muͦsse. Alemannia 2, 213 (14. jahrh.);
das weinbeer (Christum) wolt man pressen (s. ↗preszbaum 1).
Kehrein kirchenl. 1, 643, 16;
(deine jamben) sei'n unter die kelter gelegt:
pressest du aus der gesammten unzähligen summe nur éinen
neuen gedanken heraus, werde die summe verziehn.
Platen 2, 269.
b)
obst, früchte, öl u. s. w. pressen (s.presse 2, b): daʒ man die ölfrüht dreistunt twingt und druckt und preszt. Megenberg 335, 11; öl pressen, olivam premere Stieler 1478;
preszt der citrone saftigen stern.
Schiller 11, 377;
pressen aus: wie .. aus dem honigrosz (waben) der hönig, aus der beer das öhl gepreszt wirdet. Albertinus hauspolizei 2, 28ᵇ; das wasser aus gurken u. dgl. pressen. Amaranthes frauenzimmerlex. 1556.
c)
darnach übertragen: thränen aus den augen, einen seufzer aus der brust u. s. w. pressen: er that es auf eine art, welche selbst aus augen, die noch nie geweint hatten, thränen preszte. Wieland 7, 179;
die freude preszt ein wollustvolles ach
ihm aus der brust.
18, 191;
pressen auch der menschheit triebe,
preszt der zug erhabner liebe
seufzer aus der edlen brust.
Cronegk 2, 273;
sie preszte mir das wasser aus den augen. Kotzebue dram. sp. 1, 298; wenn .. die arbeit ihm den schweisz aus der stirne preszte. Schiller 9, 134; aus einem ein geständnis u. s. w. pressen: man hat mit foltern so vil ausz ihm gepreszt, dasz er bekant, wie .. Fischart Bodin (1591) 160ᵇ.
2)
sonst mit einer presse (2, c, d) arbeiten und hervorbringen.
a)
bücher pressen, drucken Stieler 1478:
dann will ich drucker so die formen schwärzen,
und pressen so bedacht,
dasz zeil auf zeile steht.
Wackernagel ged., auswahl 291;
nun wird an allen enden ..
gepreszt mit rüst'gen händen.
289.
b)
bücher (mit der buchbinderpresse), papier, tuch u. s. w. pressen. Rädlein 710ᵃ. Jacobsson 3, 294ᵇ f. baier. har pressen, flachs brechen. Schm.² 1, 471.
3)
stark, gewaltsam drücken, zusammendrücken, zwängen.
a)
eigentlich:
und zwischin zwein bretin
prestin sî sô lange
den hals im mit getwange,
unʒ er alsô vorstikte.
Jeroschin 11033;
gespannte und gepreszte dinge: als gespannte bogen, .. die gepreszte luft. Leibnitz 1, 267; kopf, .. den die tressenhaube preszte. J. Paul 1, 92;
wenn er (fisch) nun die blase preszt,
und die luft .. von sich läszt.
Rückert 7, 106;
der preszt sein glas in zager hand.
Lenau (1880) 1, 115;
wie quälend mich die kette preszt!
2, 159;
Castelius preszte die lippen
heftig.
P. Heyse ges. werke 2, 261;
nun seh' ich sie ganz, finster, das mündchen gepreszt.
2, 57.
umfassen und heftig an sich drücken (vgl. unten pressen an):
ich küss', ich umschlinge, ich presse dich wild.
H. Heine buch der lieder 70 neudruck;
sie drückt mich und sie preszt mich,
und thut mir fast ein weh.
96;
als sie mich umschlang mit zärtlichem pressen.
205;
mit angabe der wirkung:
weichen schnee zu leichten bällen
pressend mit den fingern.
Rückert 2, 271.
pressen in:
langeʒ hâr und engiu scheitel.
vast gepresset in ein reitel.
Teichner 311 Karajan;
ich soll meine rippen pressen in eine schnürbrust. Schiller 2, 224 (räuber, trauersp. 1, 4); die getrocknete gepflückte beere, die der kaufmann in die kiste preszt und in die welt schickt. Hölderlin Hyper. 1, 101; er preszte ... den schluchzenden athem in die flöte. J. Paul Hesp. 4, 73;
nie wird er meine hand in seine pressen.
Platen 2, 136;
(er) preszt sie heftig in die arme.
Schiller 11, 236;
mit dativ:
ich presse dich in meinen armen
und drücke dich mit gewalt.
H. Heine buch der lieder 97 neudruck;
reflexiv, sich pressen (drücken) in: eine dame, die sich sorgfältig in die eine ecke der thür gepreszt hatte. Lichtenberg 3, 262. pressen an:
ach wie lange
Elektra, hab' ich nicht dich an mein herz gepreszt!
Gotter 2, 5;
an die mütterliche brust
will ich dich pressen.
Schiller 14, 100 (braut von Messina 4, 3);
dein arm ist noth,
etwas ans herz zu pressen.
Rückert 1, 125;
da presztest du mich an die schwellende brust.
H. Heine buch der lieder 68 neudruck;
könnt' ich dich an die glühenden lippen pressen!
55;
an die blaue himmelsdecke ...
möcht ich pressen meine lippen,
pressen wild und stürmisch weinen.
167;
reflexiv: wenn eine unglückliche .. sich an dich preszt. Schiller 3, 404 (kabale 2, 3);
wie innig presset sich sein herz an ihre brust!
Wieland 18, 179.
pressen aus: während ein dudelsackpfeifer ... aus seinem schlauch die grimmigsten töne preszte. Freytag bilder (1867) 2, 2, 322.
b)
nautisch segel pressen was prangen (1) Bobrik 534ᵃ.
c)
uneigentlich:
maigefühl und liebe pressen
sanfter ihre brust.
Bürger 3ᵇ;
alle eingeweide
preszt der bängsten ahndung kampf.
44ᵇ;
warum mich zwischen zwei schröknisse pressen? Schiller 3, 445 (kabale 3, 6); nieder, zu boden pressen:
so läszt vieles leicht sich tragen (ertragen),
was zu boden könnte pressen.
A. Grün ges. werke 2, 323.
pressen durch: weisz der liebe gott, wie sie da der armen ehrlichen wahrheit mitspielen und was von ihr übrig bleiben kann, wenn sie ... durch alle die verfälschenden fortpflanzungsmittel von tradizionen ... durchgebeutelt, geseigt und gepreszt worden ist! Wieland 19, 360.
4)
gewaltsam oder mühsam drängen, zusammen-, hervor-, zurückdrängen: poesie, welche nicht gedrengt und gepreszt (dicht zusammengedrängt, gedrungen) ist. Lessing 11, 153;
vergnügen wechselt mit vergnügen,
genusz wird von genusz gepreszt (auf einander gedrängt).
Wieland 18, 202;
und während Veit ..
.. den athem preszt (zurückdrängt, -hält).
Voss ged. 4, 145;
der gepreszte (mühsam hervorgebrachte, beklommene) wunsch dieser personen. Göthe 30, 4; ein schwermüthiges, gepresztes 'guten tag'. 10, 93; ein gepresztes lebewohl. Klinger 1, 73; pressen auf, in, zu:
erstickter neid
preszt gall und fluch auf die verbiszne zunge.
Lessing 2, 504;
und muszten wir zurücke
ins herz die worte pressen.
Lenau (1880) 1, 141.
5)
gewaltsam behandeln, wozu nöthigen, äuszerlich oder innerlich bedrängen.
a)
gewaltthätig, grausam behandeln, martern (vgl. d):
(sie) slûgen unde vîngen
unde mortlîch prestin ..
wol sechs tûsint cristen.
Jeroschin 25868;
kein würgen, keine schlacht, kein marter und kein pressen,
zwingt uns .. gottes zu vergessen.
Opitz (1645) 3, 270;
er presset jederman gewaltig. Stieler 1478.
b)
steuern, contribution u. s. w. gewaltsam von einem eintreiben oder erpressen, ihn damit oder mit andern harten dienstleistungen (namentlich im kriege) bedrücken: weil der herbst vorhanden, hat er kenden (können) jezo pressen (die rückständige contribution eintreiben). S. Bürster 103;
alle, wie die wilden thiere,
pressen, rauben in dem land.
Ditfurth volksl. 1, 1, 46;
dein pressen, plündern, rauben.
1, 2, 185;
während dasz seine räuberischen hände in ihrem eigenthum wühlten, .. seine armeen ihre saatfelder niedertraten, seine statthalter preszten. Schiller 7, 56; transitiv: die unterthanen pressen. Rädlein 710ᵃ; burgen und länder widerrechtlich pressen. Tieck 8, 291; einen um geld pressen. Stieler 1478.
c)
soldaten, matrosen pressen, mit gewalt zum dienste nehmen (früher üblich, wenn durch freiwillige anwerbung das bedürfnis nicht gedeckt ward): absolut, in see pressen. Eggers kriegslex. 2, 480;
warum wird tag für tag ..
.. gepreszt für werfte?
Schlegel Hamlet 1, 1;
solch eine nächtliche menschenjagd nennt man pressen. Hebel (1843) 3, 191; transitiv: der arme teufel ist auf die gasse hinausgegangen und gepreszt worden. 190; das pressen der matrosen. J. Paul freih.-büchl. 113;
wer kann bäume wie
soldaten pressen?
Schiller 13, 106 (Macbeth 4, 1),
wer kann den forst anwerben?
Tieck Macbeth 4, 1;
es ist eine trostlose sache, sich die gefühle zu vergegenwärtigen, welche in tausenden der gepreszten opfer gearbeitet haben. Freytag bilder (1867) 4, 186; pressen zu: so dulden die Britten auch wieder, dasz man sie in dringenden staatsgefahren zum dienste preszt. Sturz 1, 42; allgemeiner einen pathen pressen, einen zum pathendienst nöthigen. J. Paul Tit. 1, 69; einen zum denken pressen (nöthigen). Wieland 32, 474.
d)
äuszerlich oder innerlich stark beklemmen, bedrängen, quälen, peinigen, sehr plagen, stark zusetzen, anfechten (vergl. a und presse 1): ahd. capressot pim, opprimor (malis) Graff 3, 368; md.
der sô herte gebreste
des volkis pînlîche preste
des marschalkis seinen mût.
Jeroschin 24484;
nhd. absolut:
preszt noth und jammer noch so sehr,
an gott gedacht; es preszt nicht mehr.
Günther 100;
wenn armuth und verfolgung preszt.
189;
da alles schlägt und preszt.
314;
transitiv:
und erquick mein gepresztes hertz,
das deinethalb hat groszen schmertz.
Ayrer 1218, 20;
o mein gepreszt gemahl!
Gryphius trauersp. 173 P.;
wo dein himmlisches gemüte
irgend eine sorge prest.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 659;
da uns so viel plagen pressen.
Morhof ged. 103;
dahero uns der hunger gewaltig preszte. Simplic. 1, 356, 19;
was ist dir, das dich preszt?
Günther 475;
(ich werde) von weltlichen gedanken
so angefochten und gepreszt.
Wieland Klelia u. Sinibald 1, 200;
(da er) sie täglich stärker (mit seiner bewerbung) preszt.
2, 212;
presse doch ihr schwervergesznes herz.
Gökingk lieder zweier liebenden 122;
er erleichterte sein gepresztes herz durch seufzer und thränen. Engel Lor. Stark 112; ihr herz war gepreszt und eine trübe wolke lag über ihrem auge. Göthe 16, 164; ein strom von thränen, der .. ihrem gepreszten herzen luft machte. 16, 175;
du danke gott, wenn er dich preszt,
und dank' ihm, wenn er dich wieder läszt.
5, 9, vergl. Luc. 23, 16;
mich preszt und ängstigt diese waffenstille.
Schiller 13, 269 (jungfr. von Orl. 3, 4);
denn was dich preszte, sieh das wuszt' ich längst.
14, 284 (Tell 1, 2);
die ahnung, die das herz mir preszt.
Lenau (1880) 2, 99.
Zitationshilfe
„pressen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/pressen>, abgerufen am 20.10.2019.

Weitere Informationen …