Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

pumpernickel, m.

pumpernickel m.
s. bompernickel theil 2, 236 f., wozu hier einige bemerkungen und nachträge folgen. das wort scheint ursprünglich einen lebhaften (lustigen oder polternden, pumpernden) kobold bezeichnet zu haben (vgl. nickel 1, c. 2, e und kobold I, 3), woraus sich die übrigen bedeutungen leicht entwickeln konnten.
1)
ein kleines lebhaftes kind Lexer kärnt. wb. 46 (im wiszbadischen wisenbrünnlein 2, 131 wird der floh ein luftspringender bombernickel genannt); ein kleines dickes, gedrungenes kind oder persönchen, dann überhaupt eine plumpe dicke person. Germania 5, 350. Schm.² 1, 392. Schöpf 520.
2)
ein polterer, ein ungeschlachter, grober, klotziger mensch (vgl. Wackernagel kl. schriften 3, 171):
ach hett ich doch zu dieser zeit,
als mich mein pumpernikel freit,
genommen einen bettelmann,
ich hets besser getroffen an.
A. Tharaeus weiberspiegel (Erfurt o. j.) A 3ᵃ, Alemannia 4, 158;
mein pumpernikel, der lose mann,
wendet an mich kein pfennig nicht.
A 4ᵃ.
3)
ein wildlustiges, wahrscheinlich obscenes lied Schm.² 1, 392. Wackernagel a. a. o. Wander 3, 1423. Alemannia 2, 262, wo für pumpernickel auch die bedeutung 'eine tracht prügel auf den rücken' als süddeutsch angegeben und vermutet wird, dasz den pumpernickel singen auch 'durchprügeln' bedeuten kann; ähnlich heiszt es im Jucundiss. 208 von einer prügelei, dasz der pumpernickel (prügel) die metten singe (vgl. pumpermette).
4)
pumpernickel, schwartz brot in Westphalen Ludwig 1434. die benennung scheint hervorgegangen zu sein aus der gestalt des dicken, langen, vierkantigen, oft bis zu 60 pfund schweren laibes sowie aus der harten rinde desselben (vgl. pumperhart):
jetzt sieht es alle welt mit rechte
vor harten pompernickel an.
Günther 945;
gewisz der wechsel ists, der blei in silber kehret,
dasz man vor marzipan oft pumpernickel ehrt.
schles. Helikon 1, 786;
so wünsche ich euch nichts, denn fein (sehr) grob hart brodt ... zu essen, worzu der pompernickel am bequemsten sein mag. rockenphil. 426 (3, 53);
(das thor) bestand aus zwo entsetzlichen schinkenschnitten,
die sich an pfosten von pumpernickel drehn.
Siegfried von Lindenberg² 2, 131;
Münstermann, der ..
voll furcht und hunger ritterlich
in pumpernickel bisz.
Gleim kriegsl. 24 (9, 204) neudr.;
gleichwohl aber der landmann bei pumpernickel und bier eben so fleiszig, wo nicht fleisziger war, als bei vielen destillirten giften. Möser 4, 47; was unsere Deutschen von herzen sprechen, gleicht ihrem Rheinwein und pumpernickel. Lichtenberg 4, 236; mit den victualien geht es hier (in Mergentheim) wol an, nur vermisse ich (der Bonner Boosfeld) bei dem besten weizenbrod unser roggenbrod, welches man hier überhaupt unter dem namen 'pumpernickel' verlacht. Alemannia 4, 261 (vom j. 1784); plur.:
(wo) im dunkeln ofen pumpernickel glühen.
H. Heine buch d. l. 235 neudruck.
henneb. pumpernickel 'ironische benennung für ein festes, ungenieszbares brot' Spiesz 187.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2231, Z. 37.

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