Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Q

Q
mit nachfolgendem u (qu) der siebzehnte buchstabe unseres alphabets (vor der scheidung des I und J der sechszehnte Hederich 1808).
1)
die schon im (fränkisch-)ahd. auftretende schreibung qu ist dem lateinischen alphabet entnommen (q ist kein teutscher buchstabe. Weise erzn. 66 neudr.) und entspricht dem goth. doppelconsonanten kv d. i. kw (wofür Vulfila ein einfaches, in der transscription gewöhnlich mit q wiedergegebenes schriftzeichen hat, ähnlich wie für das dem lat. qu etymologisch entsprechende hv), das sich im ahd. regelrecht zu chw (chuu, chu, qhu, quh, qu, s. gramm. 1², 196. Braune ahd. gr. § 144) verschiebt, im mhd. und nhd. aber vollständig auf die stufe der ersten lautverschiebung zurückkehrt, denn qu lautet wie (goth.) kw, welche schreibung sich neben qu bis ins 17. jahrh. erhalten hat, z. b. kwatter N. Manuel ablaszkrämer 242, kwackelei Wiedemann märz 37, kwacken juli 24, kwal Lohenstein geistl. gedanken v. 1020. 1046, kwehr Butschky Patmos 22, kwälle 23. 50.
2)
wechsel zwischen dw tw und qu findet statt z. b. in md. quehele, querch, querh, quingen u. s. w. (Weinhold mhd. gr.² § 153. 229), zwischen zw und qu z. b. in zwecksilber zeitschr. für deutsches alterthum 14, 175, quitschern und zwitschern, zwacken und quacken (Elis. Charl. 1879 s. 82) und vielen andern, s. gesch. d. d. spr. 269. J. Grimm kl. schriften 4, 188. Weinhold al. gr. § 219, bair. gr. § 189.
3)
vor folgendem ë oder a haftet qu zäher im md. (quemen, quam u. s. w. Weinhold mhd. gr.² § 229) als im oberd., wo das w (von kw) mit ë, â in o zusammenschmilzt (koden, kolen, kone u. s. w.) oder ganz schwindet (kam, kacken, kacketzen, keck, kecken, kerren), wie auch vor u: kumft, kunft (aus ahd. chwumft denkm.² s. 519), s. Weinhold a. a. o. § 227. alem. gr. § 218, bair. gr. § 189. Paul-Braune beiträge 7, 162.
4)
wechsel mit k in quandel, quehle 1, zusammenziehung aus gew (z. b. quantsnîder Altprager stadtrecht 73, 118).
5)
abfall des k (von kw) findet statt in weinen aus goth. quinôn (kwainôn, vgl. kärnt. quienzen Lexer 170) gesch. der d. sprache 73, in wabbeln aus quabbeln, in wachtel aus ahd. quahtila (vgl. quackel).
6)
in fremdwörtern entspricht qu einem lat.-romanischen qu (quader, quart, quinte, quitt u. s. w.), einem romanischen gu (s.quarde, quartian); andere qu sind zweifelhaften ursprungs, s.quappe, ↗quendel, ↗quitte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2289, Z. 1.

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Zitationshilfe
„q“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/q>, abgerufen am 26.02.2021.

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