Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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qual, m., n.

qual, m. n.,
s.quall; prät. s.quellen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2298, Z. 51.

qual, f.

qual, f.
cruciatus, tormentum. ahd. chwâla quâla und châla kâla, alts. quâla quâle (nd. und nnl. quaal und kwaal), mhd. quâle quâl und kâle kâl, kôle kôl, aber auch gekürzt qual (Lexer 2, 314 u. nachtr. 343); nhd. qual (in oberdeutschen mundarten nicht volksüblich), dessen ursprünglich langer vocal früher durch die schreibung quaal (Fleming 174. 524 f. Gryphius trauersp. 216 P. Hofmannswaldau heldenbr. 63. Günther 247. 267. Gellert 2, 9. 33. der j. Göthe 1, 114 f. Stilling jug. 71. Stolberg 4, 162. Schiller 3, 152. 6, 401. 12, 264) oder quahl (Gryphius a. a. o. 158 f. S. Dach 190 Öst. Fleming 538), die verkürzung desselben durch quall (Kehrein kirchenl. 1, 18, 3. 163, 2 u. oft, vgl.quall n.) veranschaulicht wird; vereinzelt auch der oder das qual:
thuͦ unser not erwegen,
dann wir allhye
in angst und mye,
auch allem qual
im jammertal
sonst keines trostes pflegen.
Wackernagel kirchenl. 3, 593, 1 (Augsburg 529).
qual ist abgeleitet vom plur. prät. des starken verbs ahd. quëlan, mhd. quëln, schmerzen haben, leiden (s. das erste quälen), ags. cvëlan, sterben, dessen wurzel verwandt ist mit lit. gélti, schmerzen, altslav. žalĭ, poln. žal, schmerz, s. Miklosich 191ᵇ. Fick² 518. Schade² 693ᵇ. goth. anaqual (beginn der ruhe, stille), das von J. Grimm kl. schriften 5, 248 und darnach von Weigand² 2, 412 zur aufdeckung des urbegriffes von qual beigezogen worden ist, existiert nicht, denn der cod. hat anasilan (1 Thess. 4, 11). vgl.quäle und das erste qualm. Die qual ist ein äuszerlich oder innerlich bedrängendes, tiefempfindliches weh (innere und äuszere qualen J. Paul Levana 1, 127), eine beschwerliche, anhaltende und zerarbeitende bedrängnis oder beklemmung, oft verbunden mit den sinnverwandten ausdrücken angst, leid, jammer, marter, noth, pein, schmerz, weh u. s. w.
1)
äuszere körperliche qual (vergl.augen-, ohren-, durst-, feuer-, flammen-, folter-, höllen-, hunger-, todesqual), womit oft auch innere verbunden sein kann: mhd.
si liden grôʒe quâle
und storben alzemâle.
H. v. Veldeke En. 192, 31;
sô wænent des die Hiunen,   daʒ wir sîn über al
tôt von dirre quâle (erstickenden hitze).
Nib. 2058, 3;
der ritter grôʒe quâle leit, ...
daʒ nimmer man ân den tôt
möhte erlîden grœʒer nôt.
Erec² 5424;
daʒ diu vrâg von Parzivâle
die Anfortases quâle
solde machen wendec.
Parzival 784, 6;
der leit in liebe des tôdes quâle.
H. v. Freiberg Trist. 6428;
wane ich grôʒer pîne und quâle lîden in der flammen. Schönbach altd. pred. 1, 102, 31;
sînes siechtuomes quâle
zegienc.
L. v. Regensburg Franc. 2576;
sô gêt ouch nâch winters qual (: gal)
gar ein süeʒer sumertac.
Teichner 72 Karajan.
nhd.
a)
singular: keine qual ruͤret sie (die gerechten) an. weish. Sal. 3, 1; mein knecht ligt zu hause, und ist gichtbrüchig, und hat grosze qual. Matth. 8, 6 (und wirt ubel gequellet cod. Tepl., goth. harduba balviþs); als er nu in der helle und in der qual war. Luc. 16, 23 (do er was in den noten cod. Tepl., goth. visands in balveinim); sie war in kindesnöten und hatte grosze qual zur geburt. offenb. 12, 2 (und wart gekreuzigt, daʒ si gepar cod. Tepl.); sie werden gequelet werden mit fewr und schwefel ... und der rauch irer qual wird aufsteigen. 14, 11 (der rauch ir quelung cod. Tepl.); von irer (der hölle) unauszsprechlichen pein und quaal. volksbuch von doctor Faust 113 neudruck;
die heiligen propheten all,
die in der vorhell litten quall.
Kehrein kirchenl. 1, 385, 14;
under die (mönche) kam ein grosze qual (krankheit),
das sie schier starben all zumal.
Waldis Es. 3, 90, 3;
sein (des menschen) anfang der ist qual, und qual ist sein beschlusz.
Opitz (1645) 3, 282;
(die tugend) wird durch keine qual, durch keine leibesschmertzen
ausz ihrer burg verjagt.
289;
der nichts verschuldet hat (Christus), hat mehr noch auszgestanden,
mehr qual und pein gehabt als jemand leiden kan.
272;
viel ist der stern' am himmels-saal ...
mehr aber ist der menschen qual.
S. Dach 204 Ost.;
die aus groszer qual
dieses lebens kommen.
222;
voll tugend (musz der sein,) wer der sünd entgeht durch qual und tod.
Gryphius trauersp. 662 P.;
sein rücken wird von peitsch und kwal gepflüget.
Lohenstein geistl. gedanken v. 1046;
hier .. ist die quaal der hölle.
Günther 272;
sein körper, den die erlidtne qual,
der schmerzen grimmes heer schon halb entseelet hatten.
Drollinger 110;
gepreszt von naher qual, geschreckt von ferner noth.
Haller über den ursprung des übels 1, 117;
(die feinde) ziehn gegen dich und drohn mit qual und ewger nacht.
E. v. Kleist³ 1, 16;
der christ erträgt die leiden
und in des henkers arm die todes quaal mit freuden.
Gellert 2, 33:
kreutzigung und qual des fleisches. Zimmermann über die einsamkeit 2, 94;
indem er (satan) vor qual der unterirdischen felsen
einen zermalmt'.
Klopstock Mess. 10, 96;
der theurung
wüthende qual.
11, 692;
und Ilion fiel —
ein riesenleichnam, starr nach langer qual.
Göthe 41, 162;
mit quaal
gebiert das weib.
Schiller 6, 200;
indesz verzehrt
die qual der krankheit mich.
Stolberg Soph. Philokt. v. 273;
da ward nachgebildt gefunden
jede qual (wundmal) an füsz' und händen.
F. Schlegel ged. 257;
(er) blickt starr und kalt auf ihre (der sterbenden) qual.
Chamisso (1872) 1, 226;
doch solche qual (des durstes) sein herz nicht merkt.
Lenau 1, 65;
der auf der folter ligt und unsagbare qual erduldet. C. F. Meyer der heilige 100; personificiert:
der unfall lauert an der seite
und stürzt ihn in den arm der qual.
Göthe 2, 150.
b)
plural: körperliche qualen. Zimmermann über die einsamkeit 1, 159;
ob schon in pein und qualen
mein leben schwindet hin.
Spee trutzn. 7 (3, 33) B.;
so viele qualen hat gott dir
.. zugemessen!
Klopstock Mess. 9, 721;
vielleicht ist ihr gröberer cörper qualen und schmerzen ausgesetzt. Geszner 1, 104; in deinem tiefsten abgrund hast du (hölle) nicht schrecklichere qualen! 244;
er fühlt der ganzen hölle qualen.
der junge Göthe 1, 80;
du hast den sclaven wohl gekettet, hast
ihn wohl gespart zu ausgedachten qualen.
werke 9, 240 (Tasso 5, 5);
ist das ein glück, dasz du beglückt gewesen,
wenn du dahin stirbst in unsel'gen qualen?
Platen 2, 145;
die zwerge schlagen
mit flammengeiszeln auf der englein rücken;
sie winden sich und krümmen sich vor qualen.
H. Heine buch der lieder 133 neudruck;
das ganze heer
von qualen, die gebar natur.
Lenau (1880) 1, 45.
2)
innere, geistige, seelische qual (vergl. geistes-, herzens-, liebes-, jammer-, seelen-, zweifelsqual u. s. w.), womit oft auch körperliche verbunden sein kann: mhd.
(er richtet) al nâch der minnen quâle
die fiurînen strâle.
Trist. 4943;
(er fand) den werden Curnevâlen
in clegelîchen quâlen
und clagende bî den tôten dort.
H. v. Freiberg Trist. 6700
nhd.
a)
singular:
ich musz hier .. in qual und trauren büszen.
Opitz (1637) 1, 175;
du sitzest in der ruh, und ich in steter qual.
Rist dichtungen 170 Gödeke;
ich leide qual in meinem hertzen.
178;
von innen qual und angst, von auszen furcht und zagen.
Fleming 210;
die kraft, wodurch ich (die liebe) alles binde,
ist innerliche lust und quaal.
Günther 221;
die, die es (dein herz) einig konnt entzünden,
erweckt ihm sterbend weh und qual.
Drollinger 114;
sei nicht so schön für uns zur qual!
Haller Doris 87;
was für unglük, was für qual hab ich über mich und meine kinder gebracht! Geszner 1, 182;
geliebter, du stellst mich zur schrecklichsten wahl:
zur rechten ist jammer, zur linken ist qual.
Bürger 59ᵇ;
beginnet deine quaal, wenn dich dein liebster sieht.
der j. Göthe 1, 115;
so überschleicht bei tag und nacht ...
mich einsamen die qual.
werke 2, 120;
wird uns eine rechte qual zu theil,
dann wünschen wir uns langeweil.
2, 246;
ein selbstisches gemüth
kann nicht der qual des engen neids entfliehen.
9, 198 (Tasso 4, 2);
und wenn der mensch in seiner qual verstummt,
gab mir (dem dichter) ein gott, zu sagen wie ich leide.
244 (5, 5);
dem weisen mann gibt solch betragen qual.
41, 162;
dasz er geschäftlos ist, das ist eigentlich seine qual ... es ist eine peinliche lage, deren qual er doppelt und dreifach empfindet. 17, 6; diese anerbietungen machen ihm neue qual und unruhe. 7; sobald wir ihrer (vergnügen) durch den wechsel verlustig werden, so lassen sie eine quaal zurück. Stilling jug. (1780) 71; ich verberg ihm meine qual so viel ich kann. Siegwart 2, 56;
(wozu) des langen forschens undankbare qual?
Schiller 6, 382,
erspare dir
die quaal der trennung der nothwendigen.
12, 264 (Wallensteins tod 2, 7);
dieser letzten tage qual war grosz.
385 (5, 5);
ihr verlaszt mich abermals,
und ohne mein geängstigt fürchtend herz
der qual der ungewiszheit zu entladen.
408 (M. Stuart 1, 2);
die welt ist vollkommen überall,
wo der mensch nicht hin kommt mit seiner qual.
14, 117 (braut von Mess. 4, 7);
wer einsam duldet, fühlt die tiefste pein ...
doch kann das herz viel leiden überwinden,
wenn sich zur qual und noth genossen finden.
Tieck könig Lear 3, 6;
nur selten soll die tiefe qual im herzen
ergieszen sich in ungeheure klagen.
Platen 1, 234;
o suche nie die qual, und lieber liebe nie!
2, 36;
meine qual und meine klagen
hab' ich in dies buch gegossen.
H. Heine buch der lieder 239 neudruck.
sprichwörtlich die kurze qual ist die beste; lange qual ist bittrer tod. Simrock 435; personificiert:
deine braut heiszt qual, — den segen
spricht das unglück über euch.
Lenau (1880) 1, 13.
in milderer bedeutung, seine qual (mühe, plage, liebe noth) haben u. s. w., ich habe nur meine qual mit dir. Stieler 1487;
sie haben den vortheil, ich habe die qual.
Chamisso (1872) 1, 190.
sprichwörtlich wahl macht qual. wer die wahl hat, hat die qual. Simrock 605; er hat nicht wahl und nicht qual. Freytag ahnen 1, 159.
b)
plural:
(sie) kränken mich mit süszem leid,
mit sanft- und süszen qualen.
Spee trutzn. 150 (34, 76) B.;
vielleicht, dasz dermaleinst die wahrheit, die ihn peinigt,
den umgegosznen geist durch lange qualen reinigt.
Haller über den ursprung des übels 3, 186;
in den süszen qualen der freude.
Klopstock Mess. 12, 637;
wer kann nun nennen den jammer,
wer den zorn der qualen, die eure häupter nun treffen?
18, 142;
es haben die übermächt'gen
der heldenbrust grausame qualen
mit ehernen ketten fest aufgeschmiedet.
Göthe 9, 58 (Iphigenia 2, 2);
ach mit offnen armen stand ich gegen den abgrund ... und verlor mich in der wonne, meine qualen, meine leiden da hinab zu stürzen ... und alle qualen zu enden! 16, 152; er litt bei den leiden seines freundes und bei den qualen seiner schwester. Siegwart 2, 36;
bittere qualen sind qualen der liebenden.
Herder Terpsichore 324;
die quaalen,
mit denen still die heldenseele ringt.
Schiller 6, 401;
(ich musz) alle qualen der bedrängten brust
in mir verschlieszen.
12, 292 (Wallenst. tod 3, 11);
und will es (das herz) schreien, so drück ichs, dasz es stumm
in seinen qualen zuckt.
Immermann schriften 4, 53;
aus allen zeiten, zungen flieszt éin laut ...
und bildet ewger liebe süsze qualen.
F. Schlegel ged. 43;
liebe, noch wachst du in mir mit allen deinen qualen, mit allen deinen himmeln. Arnim Hollins liebeleben 96 Minor;
alle qualen, die sein herz empören.
Platen 2, 122;
die mir jene freuden und qualen
gelächelt ins herz hinein.
H. Heine buch der lieder 104 neudruck.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2298, Z. 52.

quäl

quäl,
s.quäle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2301, Z. 57.

quäl, n.

quäl, n.
das gequäl, die darmgicht oder kolik in sehr hohem grade Stalder 1, 505. Tobler appenz. sprachsch. 126.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2301, Z. 58.

quäle, quäl, f.

quäle, quäl, f.
oder queele queel, quele quel quell, eine nun veraltete nebenform von qual, die dem mhd. und md. quælî, quæle, quêle, kêle, gekürzt quel kel quelle entspricht (Lexer 2, 314. 320):
seint dasz du unser sele
an unserm ende speisen pist
dort für der helle quäle
mit deinem waren sacrament.
Uhland volksl. 813;
der wöll us helfen hie und dort,
hie dem leib und dort der seele
für der heiszen hellen quele.
eine erman. an die kais. maiest. u. s. w. (1546) B 4ᵃ;
(du) halfst ihn aus todes quele.
Leisentrit, Kehrein kirchenl. 1, 676, 8;
ein ieder gedenk seiner armen seel,
welche er ausz pen und quel
durch den glauben wol erretten kan.
Liliencron volksl. 420, 48 (vom j. 1530);
dann es verderbet lyb und seel
und bringt manch biderman in quel.
Gengenbach der welsch flusz 101;
(gott) löse dich aus aller quel!
Ackermann dramen 56 Holstein;
ich bin versunken, lig in quel.
Voith dramen 305;
der reich man bleibt dort inn der hell,
dort leidt er allzeit pein und quel.
Wackernagel kirchenl. 3, 206, 12 (vom j. 1549);
leiden so grosze angst und quel.
H. Sachs 1, 137, 13;
da (in der vorhölle) wir denn beide leiden quel.
2, 247, 19;
derhalb musz ich in dieser quel
verzweiffeln beid an leib und seel.
6, 168, 6;
das frembde volk und Israel
bringet viel landt und leut in quel.
10, 117, 18;
wagst du (Tristan) dich her in todes quel
so weit umb deiner liebe willen?
12, 179, 9;
so wirdt im gholfen aus der queel.
Waldis Es. 3, 98, 134;
wann nur die seel
nicht drüber quem in ewig queel.
pest reutter (1591) E 1ᵃ;
gekürzt quälle in liebesquälle (: hölle) Hallmann Mariamne 62;
sich an die angst und quell
durchschneidet mir die sel.
Lexer kärnt. wb. 170 (aus einem ältern kirchenliede);
plur. in grösten quälen des fegfeurs. Abr. a S. Clara Judas 4, 239; sprichwörtlich nach der wähle kommt die quäle, von wählerischen mädchen gesagt, die zuletzt keinen mann bekommen. Weinhold schles. wb. 74ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2301, Z. 81.

qualen, m.

qualen, m.,
s.qualm 1, a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2302, Z. 50.

quälen, verb.

quälen, verb.,
intransitiv.
1)
schmerz, qual erleiden:
ein jeder sünder hat sein loch (in der hölle),
in welchem er musz quählen.
Rist himl. lied. 5, 274.
mnd. quelen, quellen, qualen, das in der intransitiven bedeutung an die stelle des alten starkformigen quëlan (s. qual) getreten ist Schiller-Lübben 3, 401ᵃ.
2)
jammern, schreien: das queln des chindes (worin vielleicht noch das alte starkformige verb erhalten ist) gesta Rom. 61. Schm.² 1, 1394. deferegg. quölen, jämmerlich thun Hintner 138; quallen, schluchzend weinen Pfister nachträge zu Vilmar 216. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 318.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2302, Z. 51.

quälen, verb.

quälen, verb.,
factitivum zum alten starkformigen quëln (s. das vorige und qual). ahd. quellan (aus queljan), quellen, chellen, mhd. quellen kellen keln, mit verschmolzenem u kollen koln köln (Lexer 2, 321 f.), alts. quelljan, mnd. quellen quelen qualen, ags. cvellan (tödten Leo 127, 22); nhd. zunächst quelen (auch noch quellen Wackernagel kirchenl. 3, 526, 24 vom j. 1583), dann, weil es von qual komme, quälen.
1)
transitiv, eine (körperliche oder innere) qual machen oder verursachen, peinigen; im milderen sinne lästige mühe und beschwerde verursachen, womit plagen, belästigen; oft verbunden mit den sinnverwandten ausdrücken ängstigen, peinigen, martern, foltern, plagen u. s. w.
a)
mit acc. der person (oder sonst eines lebenden wesens, hande, pferde u. s. w. quälen):
ich pin der ubel teufel und quel
sie hart.
fastn. sp. 197, 3;
bistu her komen, uns zu quelen? Matth. 8, 29 (uns zu zequelen cod. Tepl., goth. balvjan unsis); ich bitte dich, du wollest mich nicht quelen. Luc. 8, 28 (daʒ du mich nicht quelest, ni balvjais mis);
ob man uns schon am leibe hie
verjagt und quellet spat und früh.
Wackernagel kirchenl. 3, 526, 24;
wann ich wirt hart in meim gewissen
gemartert, quelet und gebissen.
H. Sachs 1, 40, 10;
(der tod) beschlieszet alle noht,
die mich gequelet hat.
Rist Parnasz 559;
es kehrt an das, was kranke quält, sich ewig der gesunde nichts!
Platen 2, 52;
wo die tyrannei ihr opfer
quält in heimlicher bedrängnisz.
Lenau (1880) 1, 278;
die sorg quälet den menschen. Aler 1560ᵇ; ängstliche besorgnisse quälen mich. Geszner 1, 124;
die aber mich auch so geängstiget!
mich so gequält!
Lessing 2, 348 (Nathan 5, 6);
die eifersucht quält manches haus,
und trägt am ende doch nichts aus
als doppelt wehe.
der j. Göthe 1, 93;
dein schicksal ist einzig, .. so ist noch keiner gequält worden. werke 16, 135; quäle mich, wenn der tag erwacht, lasz nicht ab von mir, wenn die nacht kommt — quäle mich in schröcklichen träumen! Schiller 2, 130 (räuber, schausp. 4, 1);
die schwarze galle quält
auch mich.
1, 326;
vom schlummer jagt die furcht mich auf, ich gehe
nachts um wie ein gequälter geist.
12, 405 (M. Stuart 1, 1);
quält mich erinnerung, dasz ich verübet
so manche that, die dir das herz betrübet.
H. Heine buch d. lieder 51 neudruck;
mich quälet kein' erinn'rung süsz.
254.
gequält von: ich bin gequelet von meinen pfeilen. Hiob 34, 6; von krankheit, von schweren gedanken gequälet. Stieler 1485; er war viele jahre hindurch von ärzten gequälet. Zimmermann über die einsamkeit 4, 270. substantivisch der gequälte:
(da) erblickt' ich neue qualen und gequälte
rings um mich her.
Streckfusz Dante, hölle 6, 4 Pfleid.
quälen mit, durch: queleten sie die gerechte seele ... mit iren unrechten werken. 2 Petr. 2, 8 (di da kreuzigten die gerechten seln .. mit ungengen cod. Tepl.); einen mit wachen und hunger quälen. Hederich 1808; quälet mich nicht .. mit untröstlichem jammer. Geszner 1, 111; der höfling ist immer durch nagenden argwohn gequälet. Zimmermann über die einsamkeit 4, 108; sodann warf sie ihm ... sein betragen vor, womit er sie bisher gequält habe. Göthe 18, 304;
mögen unbescheidne andre
quälen euch durch viele bände.
Platen 1, 220;
mit deinen schönen augen
hast du mich gequält so sehr.
H. Heine buch d. lieder 119 neudruck;
zudringlich sein mit:
da fing ich (Carlos) an mit tausend zärtlichkeiten
und treuer bruderliebe dich (marquis) zu quälen,
du stolzes herz gabst sie mir kalt zurück.
Schiller 5, 2, 153 (don Carlos 1, 2).
quälen an: da ein wort sagen, dort einen brief schreiben, hier eine visite machen, quälet mich, wenn ich das musz, an leib und seele. Zimmermann über die einsamkeit 4, 124; mit angabe der wirkung: einen zu tode quälen. Stieler 1486; und warum, ungeheuer! hattest du die grausamkeit, das mädchen zu tode zu quälen! der j. Göthe 3, 392 (Clavigo 2);
die armen menschen lieben
sich zwar mit vollen seelen.
und müssen sich doch betrüben
und gar zu tode quälen.
H. Heine a. a. o. 203;
quälen aus, in, an, quälend woraus oder wohin bringen, nöthigen:
ain tumherr, der sich in ain stock liesz quelen,
eehe er sich zu ainem bischoff lies welen.
Keller alte schwänke 51;
(sie wurden) aus einem brautgemach ins andere gequält.
Göthe 12, 58 (Faust I. 1045) Weim.;
mein wohnhaus ist der schatten süszer nacht;
was quälst du mich ans licht mit zaubermacht?
H. Heine buch d. lieder 243 neudruck.
b)
mit acc. der sache.
α)
die sache gehört zur person: und wird das werk sampt dem meister gequelet werden. weish. Sal. 14, 10;
als wie der pflug zerreiszt das grüne feld,
so haben sie den rücken mir gequälet.
Opitz ps. 245;
die eisensharte noth, die unser leben quält.
Gryphius trauersp. 296 P.;
stachel, der dein gewissen quält.
Hofmannswaldau 4, 63.
mit angabe der wirkung: ach bis diese balken der winterrauch zu ebenholz geräuchert hat, wird manche augenhöhle roth gequälet sein. J. Paul Hesp. 1, 173.
β)
die farben quälen (nach franz. tourmenter), ungebührlich auseinander streichen, dasz sie ihren glanz verlieren Jacobsson 3, 327ᵃ: ein bild quält das andere durch sein farbenspiel (macht es unscheinbar). Rumohr drei reisen nach Italien 287.
2)
reflexiv.
a)
persönlich, eine qual sich anthun, auf sich nehmen und leiden, sich peinigen, abarbeiten, abmühen, (körperlich oder geistig) plagen, grämen: solche unselige mühe hat gott den menschenkindern gegeben, das sie sich drinnen müssen quelen. pred. 1, 13; dich (frau v. Stein) so heilig du bist kann ich nicht zur heiligen machen, und hab nichts als mich zu quälen, dasz ich mich nicht quälen will. Göthe br. 445 (3, 55) Weim.; sich um, mit, für etwas quälen:
ich traure, dasz um mich Cardenio sich quälet.
Gryphius trauersp. 303 P.;
du quälest dich um das deinige, de re tua afflictaris Stieler 1485; sich mit gedanken quälen ebenda; wenn der mann sich mit äuszern verhältnissen quält. Göthe 20, 55;
nicht quäle dich mit dunklen furchten.
Lavater nachgel. schriften 3, 365;
mit quaal
gebiert das weib, und quält sich für's gebohrne.
Schiller 6, 200.
mit infinitiv und zu:
zween abgelebte kater
quälten sich, ihm beizustehn.
Lichtwer 35 (1, 21);
was quäl ich mich (zögere aus gewissensqual) eine that zu wagen, die zu wagen schon von anbeginn der welt bestimmet war? F. Müller Faust 60 neudruck. mit angabe der wirkung:
ich quäle mich zu todt.
der j. Göthe 1, 207;
hab ich doch über dem zeug ...
fast mich von sinnen gequält.
Voss ged. 2, 176;
diesz land der mühe, ...
wo man bedrängt von tausend hindernissen
sich müde quält und dennoch musz verderben.
Platen 2, 141.
sich wozu quälen:
der so gewissenhaft sich früh den schlaf entzog,
als er vor mitternacht zur schläfrigkeit sich quälte.
Gotter 1, 315;
mit gesindel jeder art musz er (Hannibal) sich von sieg zu sieg quälen. Grabbe 2, 116.
b)
sachlich: die farben quälen sich und verlieren ihren glanz (s. 1, b, β). Jacobsson 3, 327ᵃ.
3)
absolut:
o so will ich gern die flammen,
deren reitzung zärtlich quält.
Günther 244;
(sie ist) eine christinn; — musz aus liebe quälen.
Lessing 2, 349 (Nathan 5, 6);
wer leise reizt und leise quält,
erreicht zuletzt des herrschers höchstes ziel.
Göthe 13, 277;
Melpomene hat zwei dolche ... der eine (scharfe) trifft um grosze unläugbare güter, ... der andere (rostige und schartige) quält um nichtigkeiten. Immermann Münchh. 4, 92. — partic. quälend: quälende sorgen Frisch 2, 75ᵇ;
die grimmige, schwache,
quälende hoffnung, auch sie ist .. verschwunden.
Klopstock Mess. 10, 131;
das volk, nur an tugend gewöhnt, wird an dem laster quälenden miszlaut empfinden. Schiller 1, 35; eine quälend räthselhafte erinnerung. H. Heine 1, 31. — substantivisch das quälen:
wer aber ungehorsam ist,
würdt in der hellen hon kein frist,
sondern ewigs quelen.
Vehe 41, 40;
so grausam ist kein drache,
der einem seiner art ein solches quälen mache.
Fleming 12;
o liebe! süszes quälen! hoffen! sehnen!
Lenau (1880) 1, 153.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2302, Z. 62.

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Zitationshilfe
„qualen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/qualen>, abgerufen am 24.01.2021.

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