Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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rufe, f.

rufe, f.
daneben im älteren nhd. der rufen (s. die belege), schorf, kruste; nur noch mundartlich lebendig, schon von Steinbach 2, 306 als landschaftliches wort charakterisiert. gewöhnlich bezeichnet es den verhärteten überzug einer heilenden wunde, in einzelnen gegenden Oberdeutschlands auszerdem auch den grind, kopfausschlag, schorfige stellen im gesicht (s. Stalder, Hunziker, Seiler, Tobler, Schöpf an den angegebenen orten). im bairischen auch von der rauhen rinde vertrockneten brotes, frischgepflügter und nach gefallenem regen rasch getrockneter felder (s. unten ruferig, ruficht, rufig). rufe, rufen, daneben ruft, f. rauhe rinde Schm. 2, 67. 69. rufe, f. Birlinger wörterbüchlein zum volksthümlichen aus Schwaben 78. rûf, rûf'n, rîf, f. Schöpf 568. rüffa, f. Zingerle 48ᵃ. rûf, f., plur. rüfe Hintner 186. rüfe, riefe, f. Stalder 2, 289. rîf, f. Hunziker 205. rofa, f. Tobler 368ᵃ. als m. ist rüfe bei Seiler 242ᵇ verzeichnet. rufe, f. oder rûfe belegt Lexer mhd. wb. 2, 533 aus dem 15. jahrh. diesem meist schwach flectierenden fem. steht im ahd. ein starkes substantiv, wol ebenfalls fem. gegenüber rûf, hrûf Graff 4, 1155, wo ein accus. plur. hruui belegt ist. rûf glossiert lepra: inti sliumo uuard thô giheilit sîn rûf. Tatian 46, 3. ferner pustula: ruf scinenti pustula lucens. Steinmeyer-Sievers 1, 353, 24. mehrfach in der übersetzung des Tatian erscheint ein adj. riob, leprosus. Graff belegt auszerdem zwei f., hriubi, scabies und hriuua, pestis. dem ahd. riob entspricht in gleicher bedeutung ags. hreóf, altn. hrjúfr; vgl. auch altn. hryfi, n. räude, krätze, hrufa, f. rauhe oberfläche, schorf, ags. hrŷfing, f. schorf, lasche. litauische verwandte dieser sippe verzeichnet Fick⁴ 1, 393. hd. rufe ist in das romanische übergegangen, ital. rufa, schorf, unsauberkeit, franz. rofée; näheres s. bei Diez⁴ 277. im mnd. ist die form rove belegt, sanies glossierend Dief. 511ᵃ; ruffe, roffe (hier als masc.) crusta ulceris Schottel 1388. robe, f. in der gegend von Fallersleben Frommann mundarten 5, 290. robe, rowe im lippeschen. 6, 367. im brem. wb. rave 3, 440; rafe, rave, râf, rofe, rove, rôf ten Doornkaat Koolman 3, 5ᵃ (s. oben rawe sp. 322). in der grafschaft Mark rüef als n. Woeste 219ᵇ. mnld. roof, roofken, rappe van de wonde, crusta, crustula vulneris. Kilian. hess. rop, dimin. röppchen, schorf einer wunde (Vilmar 330), ist wol mit nld. rappe, hd. räpfe zusammenzustellen (s. oben sp. 114. 117. Schm. 2, 130).
1)
lasche, schorf über einer wunde, einem geschwür, einer beule u. ähnl.: bis die wund beschloszen wirt mit einer rufen. Mynsinger bei Lexer mhd. wb. 2, 533; der vierte syn ist, das man die adern verprenn, auff das da ein estra, das ist ain rufen oder zuͦrümpfung der adern geschicht. Braunschweig chir. (1498) 25ᵇ; das verursachet denn, dasz man kein fretz noch hitzig arznei, damit man ein rufen überziehen wolte, brauchen solle. Celsus (1531) 76ᵃ. sprichwörtlich: es würt nit on ruͦffen heylen, es ist kein nutzen, dabei nicht ein schaden. Franck 1, 15ᵃ; wann nun auf den schaden und blatern rufen worden seind, so bestreich sie mit volgender salbe. Wirsung arzneib. (1572) 517; also ist schrepfen nichts anders, als ein rufen abreiszen, die blutet auch auf ein zukünftige rufen. Paracelsus (1589) 5, anh. 95; man soll die fistel mit brennenden cauterien brennen und eine artzenei vom lebendigen kalck darein stecken, bisz der rufen von jm selbs abfällt. Sebiz feldbau 158; und so ein rufen auff dem schaden wird, so schmirt dieselbe mit butter, bisz sie sich selbst erhebt und herab fellt. Seuter rossarzn. 353; schmier den ort acht tage nach einander, bis die krust oder rufe herab fallt. Uffenbach neues rossb. (1603) 2, 258; ein gutes sälblein, das die rüffen von den beulen und allen schäden hinweg nimbt. Tabernaemont. kräuterb. 603 C; ein subtiler fladen von einem ersten bienstock einem in kindsblattern liegenden patienten über das gantze angesicht gelegt, und bisz es selber herab gehet darauf gelassen, verhütet es vor den maasen und gehet bey der heilung mit samt der gantzen rifen ohne verletzung des fells herab. Hohberg 2, 399ᵃ; die äuszere rinde des gewächses ist wie eine rüffe einer wunde. Muralt eidgen. lustg. 7. von kopfausschlag, grind, krätze:
ein pleichen mundt, trieffende ohren
vill rufen hiengen an jren horen.
Thurneisser archidoxa (1575) 4;
ich geb dir nit ein böse krumme gufen,
ja nit ein lus us einer grinden rufen
um din falschen ablasz und ban.
N. Manuel 121;
ihre freiheit ist, das ihnen die haar aus dem kopf fallen ohne kämpeln, und hergegen die ruffen im nacken haufenweise wachsen. Cocay teutscher labyrinth 90. blutrufen, geschwüre der pferde: wann ein rosz von natur einen hitzigen rucken hat, unnd da es warm wird under dem sattel, so wachsen alsdann die bluttrufen: nimb habernesseln und alt schmeer, binds darauff, so zeuchts die rufen heraus. Seuter rossarzn. 253. dimin.: rüffle und bützle oder eyssen, crustulae ulcerum. Maaler 337ᶜ; rîfli Hunziker 205; rüfichen Frisch 2, 132ᵃ;
(sie) faszt den chruog peyn henden,
mund und nass stiesz sey dar in,
also wol smakt ir der wein.
die weil sie drinn ein rufli vand,
daʒ zuchcz her aus mit bloszer hand.
Wittenweiler ring 35ᵇ, 7.
2)
in alten glossen wird lat. rumex mit ruf übersetzt (vergl. Graff 4, 1155. mhd. wb. 2, 1, 788ᵇ. Dief. 503ᵇ. nov. gloss. 322ᵃ). mit rumex ist die grindwurz gemeint, die als heilmittel gegen grind und räude verwandt wurde. Tabernaemont. kräuterb. 825.
3)
nach Adelung ist rufe in den blaufarbwerken die rinde, welche sich im hafen unter dem blauen glase setzt (s.ruff), eine schwarze poröse materie, welche beim farbenglasschmelzen entsteht. Jacobsson 3, 466ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1396, Z. 24.

rüfe, f.

rüfe, f.
1)
schweiz., wildes bergwasser, das im frühjahr plötzlich anschwillt und niederstürzt, massen von geröll und schutt mit sich reiszend; dann auch die zurückbleibende schutt- und geröllmasse Stalder 2, 289. felslawine: es werdend zum ersten nur kleine steinli bewegt; dieselben bewegend darnach ... die gröszeren, bis dasz die rüfe so grosz und mächtig wird, dasz sy alles das jr entgegenstat, ufrumet und hinnimt. Zwingli 2, 237; dergleichen fälle heiszen in schweizerischen und bündtnerischen landen gemeinlich rüfi, rufinen vermuthlich a rupibus, von denen herabfallenden felsen oder a ruina, als wenn es wären ruinen. Scheuchzer 3, 3. mit falschem geschlecht:
es giebt allerwegen
unglücks genug — ein ruffi ist gegangen
im Glarner land, und eine ganze seite
vom Glärnisch eingesunken.
Schiller Tell 4, 3.
nach Weigand aus dem wälschen rovina, rufina bergsturz entstanden (ruina), wie laui aus lavina.
2)
rüfe, f. steiler uferabhang, der abzubrechen droht. Schöpf 568. Stalder a. a. o. es ist wol gleichen ursprungs, s. Lexer 210.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1397, Z. 43.

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Zitationshilfe
„rüfe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCfe>, abgerufen am 16.05.2021.

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