Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerühmt, part. adj.

gerühmt, part. adj.
gleich berühmt: ein volck, das mit vil sigen wider die Dennemarckter geruͤmbt ist. S. Frank weltb. 33ᵃ; rühmlich:
auff dasz der zeiten weh .. ich etwas mag besüszen
durch das, was jeder zeit für ein gerühmtes wissen
geschätzet ward.
Logau 1, 5, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3769, Z. 1.

rühmen, verb.

rühmen, verb.
gloriari, glorificare.
I.
Form. ahd. ruomen, älter hruomen, hrômen (Graff 4, 1141), mhd. ruomen, rüemen, riemen, rimen, md. rumen (Lexer 2, 529), alts. hrômian, mnd. romen, nnd. römen, mndl. und nndl. roemen. über weitere verwandtschaft vgl.ruhm. die schreibung rühmen dringt im nhd. erst allmählich durch: riemen und rüemen Dasyp.; er rümpt sich desz adels. Maaler 336ᵈ; rhümet den herrn. psalm 22, 24; viel menschen werden from gerhümbt. sprüche Sal. 20, 6;
ein schulknecht, welcher ein groszer statbuler war,
der sich teglich tet groszer bulschaft rümen.
H. Sachs meisterl. 273, 3 Gödeke;
was darfstu dich den rüemen ser?
fastn. sp. 6, 51, 293 neudruck;
unser freundtschafft hat ein loch,
weliche du offt rhümest hoch.
3, 64, 236;
auch doctor Cnaust rümmt die omeisen.
Fischart flöhhatz 67 neudruck;
Henisch und Schottel 1389 schreiben rühmen, Stieler 1636 wieder rümen. daneben findet sich auch die nicht umgelautete form: wir wöllen von deynem heyl rhumen. psalm 20, 6 im bettbüchlin von 1522; dieser dieb ist auch der gesellen einer, die sich noch jhrer dieberey unnd bubenstuͦcke ruͦhmen. Sandrub 24 neudruck;
fur dyr niemant sich ruhmen kan.
Wackernagel kirchenl. 3, 7ᵇ;
manchen man fint man, der sich vil tut rumen:
mocht ich das mein heimlich verplumen?
fastn. sp. 274. 4;
allhie sich keiner hat zu ruhmen,
sein glück das sei gleich einer blumen.
Opel - Cohn 350, 25.
II.
Bedeutung.
1)
intransitiv, schreien, laut rufen, jauchzen (vgl.ruhm 1). auf diese ursprüngliche bedeutung des verbums weist das italienische lehnwort romire, lärmen, brausen hin (Diez wörterb. 2⁴, 394), im neuhochdeutschen finden sich belege fast nur in der bibel (die vulgata hat in den fällen durchweg exultare): las sich frewen alle, die auff dich trawen, ewiglich las sie rhümen, denn du beschirmest sie, frölich las sein in dir, die deinen namen lieben. psalm 5, 12; wir rhümen, das du uns hilffest. 20, 6 (variante: wir wöllen jauchzen auf dein heil); du bist mein schirm, du woltest mich fur angst behüten, das ich errettet gantz frölich rhümen künde. 32, 7; frewet euch des herrn und seid frölich jr gerechten, und rhümet alle jr fromen. 32, 11; jauchtze und rhüme du einwonerin zu Zion, denn der heilige Israels ist gros bey dir. Jes. 12, 6; du darffest dich nicht frewen Israel, noch rhümen, wie die völcker. Hosea 9, 1;
hast auch kein fried, bisz das doch du
den bauch vol buben uberkümbst,
denn du allzeit darnach rümbst,
ich kan dir die buben nicht erwern.
H. Sachs fastn. sp. 1, 41, 138 neudruck.
über mhd. sich rüemen im sinne von sich freuen vgl. Benecke zu Iwein 7750, Haupt zu Erec 2892.
2)
die gewöhnliche bedeutung des wortes ist: mit anerkennung, lob, prahlerei, anmaszung nennen, erzählen, vorbringen; hier und da mehr mit betonung des berichtens, erzählens:
wer blinden wincket, der ist ein gouch,
der stumen rumet, der ist es auch.
spruch bei Scherz gloss. 2, 1332;
denn sie verfolgen den du geschlagen hast, und rhümen das du die deinen ubel schlahest. psalm 69, 27; denn es kompt ein geschrey von Dan her, und ein böse botschafft vom gebirge Ephraim her, wie die heiden rhümen. Jer. 4, 16; darumb, das der feind uber euch rhümet, heah, die ewigen höhen sind nu unser erbe worden, darumb weissage. Hes. 36, 2; suchet das gute und nicht das böse, auff das jr leben mügt, so wird der herr der gott Zebaoth, bey euch sein, wie jr rhümet. Amos 5, 14;
ich hab' es öfters rühmen hören,
ein komödiant könnt einen pfarrer lehren.
Göthe 12, 36.
den übergang zu der gewöhnlichen bedeutung des wortes bilden diejenigen fälle, in denen rühmen, sich rühmen ohne die vermittelung von als und für mit einem prädicativen accusativ oder adjectiv, oder aber mit einem abhängigen satze verbunden wird. das compos. berühmen hat sich in der bedeutung von 'erwähnen' noch in der älteren bairischen kanzleisprache erhalten: oft berühmte, mehr berühmte (erwähnte) sache. Schm. 2, 99.
3)
in gewöhnlicher anwendung: guten ruf verbreiten, mit ruhm von sich, einer andern person oder sache sprechen, loben, preisen (vgl.ruhm 3).
a)
mit abhängigem casus.
α)
mit dem accusativ: ahd. hruamames thih, glorificamus te Graff 4, 1140; nhd. wenn wir gleich alles hoch rhümen, was ist das? er ist doch noch viel höher weder alle seine werck. Sirach 43, 30; da magstu denn auch frölich die liebe rhümen. Luther 6, 56ᵃ;
wir kommen nicht hieher uns selbsten vil zurühmen.
Weckherlin bei Zinkgref auserl. ged. 20, 1 neudr.;
die (heilgen) sollen deines reichs gewalt
und schöne regimentsgestalt
mit vollem munde rühmen!
P. Gerhardt 300 Gödeke;
ein groszer in Athen, der kein verdienst besasz ..
und sein geschlecht zu rühmen nie vergasz,
verlangte doch den ruhm zu haben,
als hätt er wirklich grosze gaben.
Gellert 1, 179;
siehe, der jungfraun schönste ...
rühmte hold den gesang.
Voss 3, 137;
das beszre, nicht das gute nur
zu rühmen, sei dir pflicht!
Uhland ged. 89.
mit unpersönlichem subject: rühme dich reuplein. Mathesius Syr. 1, 128ᵇ;
der ist ein rechter mensch, den eigne tugend rühmet.
Zinkgref auserlex. ged. 55, 7;
bis dich die wahrheit rühmt.
Günther bei Steinbach 2, 315;
auch rühmten die trommeten
des Heinrichs stolze zier.
Fr. Müller 2, 334.
in den folgenden beispielen kommt rühmen den unter 2 gegebenen belegen nahe: hilff uns herr unser got und bringe uns zusamen aus den heiden, das wir dancken deinem heiligen namen, und rhümen dein lob. psalm 106, 47;
ach, ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen ruhm!
der herr allein ist könig,
ich eine welke blum.
P. Gerhardt 117 Gödeke.
β)
mit accusativ und einem prädicativen zusatz, sich oder eine andere person oder sache (als, für) etwas rühmen: weh den stoltzen zu Zion ... die sich rhümen die fürnemesten uber die heiden. Amos 6, 1; er gibt für, das er gott kenne, und rhümet sich gottes kind. weish. Sal. 2, 13; item, das sie es nicht ein opffer noch gut werck, wie es der grewel helt, und andern verkeufft, sondern eine speise für jre seelen rhümen (das abendmahl). Luther 6, 102ᵃ; derhalben so ist nicht allen denen zu trauen, die sich christen rühmen. tischr. 1, 45;
kein himmel that hier noth, weil dieses ortes zier
mehr als ein himmel war, für dessen stern-geblümen
der himmel schwerlich sich darff einen himmel rühmen.
Lohenstein in den ausgew. ged. 1, 245;
hier ward er (der neugeborene) von den hirten
des Polybus gefunden, heimgetragen,
und vor die königin gebracht, die ..
beim gatten sich des kindes mutter rühmte.
Schiller 6, 122 (Phöniz. 1, 1);
Pandorens tochter, meine tochter rühm' ich sie.
Göthe 40, 401.
ähnlich mit prädicativem adjectiv: viel menschen werden from gerhümbt, aber wer wil finden einen der rechtschaffen from sey. spr. Sal. 20, 6; ich red wie ich wisz, wann euer der meist teil, die sich evangelisch rümen, ligen im geiz bisz über die oren. H. Sachs dialoge 56, 4;
du rhümbst den wein von got erschaffn.
dessen fastnachtsp. 1, 57, 100 neudruck;
da richten sie euch nach dem gsetz
welchs laut, wer sich rümpt listig fast
und wirt vom listigern uberrast,
des spott man sein rhuͦmnichtig freüd.
Fischart flöhh. 40, 1401 neudruck.
das prädicative adjectiv in der fügung mit für: ein verstendiger wird gerhümet fur einen weisen man. spr. Sal. 16, 21; hat derhalben solcher ehrlichen wolgeburt eyn aufrichtiges freies gemüt ... für eyn hohen schatz zu rümen. Fischart ehzuchtb. im kloster 10², 570; alopex: ein fuchs, ein listiger falscher groszer rühmer, der sich selbst vor künstlich, hoch, und das er viel wisse rühmbt und lobt. Thurneisser magna alch. 2, 96; wenn der anfänger nur einen entwurf zum zwerge gemacht hat, hingegen der nachfolger hernach einen riesen bildet ... ist dieser mehr, als jener, für den uhrheber eines reichs zu rühmen. Lohenstein Arm. 1, 134ᵃ. beide constructionen bezeichnet indes schon Adelung als ungewöhnlich gegenüber den neueren verbindungen: man rühmet ihn als fromm, als einen weisen mann.
γ)
mit accusativ und genitiv, 'sich einer sache, einer person rühmen':
thaʒ sih gesto guati   sulihhero ruamti.
Otfrid 2, 8, 6;
dô sî sich des ruomten, sî getæten mir ein leit.
Neidhart 64, 37;
der herr weis der weisen gedancken, das sie eitel sind. darumb rhüme sich niemand eines menschen. 1 Cor. 3, 21; also rühmen sich die leute guts, gewalts, reichthums, weisheit, kunst u. s. w. Luther tischr. 1, 59; seines fleiszes darf sich jedermann rühmen. Lessing 7, 452; ich rühme mich zwar nicht so hoher augenbrauen. Wieland 10, 168; Augustus rühmte sich dieser gesandtschaft unter den groszthaten seines lebens. Freytag bilder 1⁸, 46;
dargegen findt man manchen man,
der rhümpt sich seines guͦts und hab.
Grobianus 1428 neudruck;
wo bleibt dein freud, der du dich rhümest?
H. Sachs fastn. sp. 1, 62, 275 neudruck;
wer hohes muths sich rühmen kann,
den lohnt nicht gold, den lohnt gesang.
Bürger 36ᵃ;
des schwertes ehre werde Schwytz zu theil,
denn seines stammes rühmen wir uns alle.
Schiller Tell 2, 2;
als ich einst mich bessrer tage rühmte,
war die jagd mein auserwählt vergnügen.
Platen 330ᵇ.
δ)
mit dativ und accusativ, 'jemandem eine person oder sache empfehlend rühmen': daʒ uuil ih iu allen ruomen. Notker ps. 65, 17;
rühmt mir des schulzens tochter nicht.
Hagedorn 3, 74;
man rühmt ihm diesz, man preist ihm das.
Göthe 4, 391.
ε)
ausnahmsweise mit einfachem genitiv 'eines dinges rühmen': ja dazu habe ich auch den rhum .. das ich nicht allein kan rhümen meines lebens, und alles was andrere rhümen mögen, sondern auch meines leidens und trübsal, das ich so viel unschüldiglich gelidden, und so ubel gehandelt bin. Luther 6, 54ᵇ.
b)
mit ausgelassenem object:
nicht rühmen kann ich, nicht verdammen.
Uhland ged. 93.
c)
mit abhängigem satze verbunden:
α)
nicht reflexiv: erhöre mich herr .. das nicht mein feind rhüme, er sey mein mechtig worden. psalm 13, 5; was ich aber thue und thun wil, das thue ich darumb, das ich die ursache abhawe, denen, die ursache suchen, das sie rhümen möchten, sie seien wie wir. 2 Cor. 11, 12; und ob wir wol für der welt können rhümen, ich habe niemand gestolen, noch unrecht gethan, doch für gott müssen sagen, dir habe ich allzu viel gestolen. Luther 6, 55ᵃ. mit infiniv durch zu vermittelt:
wer viel freunde rühmt zu haben, hat gewisz gar wenig sinnen.
Logau 2, 22, 80.
β)
reflexiv: lieber, es sein vil alter menner, die rüemen sich auch, sie wissen das evangeli. H. Sachs dialoge 72, 7; man setzte ihm (Wilhelm) entgegen ... dasz überhaupt das betragen gegen so verdienstvolle leute, wie sie sich zu seyn rühmten, nicht das beste gewesen sey. Göthe 19, 16;
nun hab ich doch einmal erlebt die stund,
in derer ich mich rümen mag gut rund,
dasz ich sei ganz von liebessucht gesund.
Gödeke - Tittmann liederb. 40;
und ihre feinde sollen sich nicht rühmen,
dasz furcht des todes ihre wangen bleichte.
Schiller M. Stuart 5, 3
rühme dich, dasz du mir obgesiegt durch gewaltige kräfte.
Voss Ilias 21, 500.
der abhängige infinitiv (zu sein) ist weggelassen:
bist du der mann, der du dich rühmst, so steh mir.
Göthe 9, 158.
d)
in verbindung mit präpositionen. mit: beweise uns deine hülffe, das wir sehen mügen die wolfart deiner auszerweleten, und uns frewen, das deinem volck wolgehet, und uns rhümen mit deinem erbteil. psalm 106, 5. —nach: die, so sich nach dem ansehen rhümen, und nicht nach dem hertzen. 2 Cor. 5, 12. —bei: die sollen dem herrn dancken umb seine güte, und umb seine wunder, die er an den menschenkindern thut und jn bey der gemeine preisen, und bey den alten rhümen. psalm 107, 32; besser ists keine kinder haben, so man from ist, denn dasselbige bringet ewiges lob, denn es wird beide bey gott und den menschen gerhümet. weish. Sal. 4, 1; einen sehr rühmen bey einem, oder gegen einem, mirifice laudare aliquem apud aliquem. Frisch 2, 135ᵃ;
mein aug ist nu von thränen frei,
mein fusz von seinem gleiten;
das will ich sagen ohne scheu
und rühmen bei den leuten.
P. Gerhardt 198.
von.
α)
ohne object (vgl.rühmen 2 und 3, b): wir wöllen teglich rhümen von gott, und deinem namen dancken ewiglich. psalm 44, 9; denn ich weis ewren guten willen, davon ich rhüme bey den aus Macedonia. 2 Cor. 9, 2.
β)
etwas von, an einer person oder sache rühmen: denn was ich fur jm von euch gerhümet habe, bin ich nicht zuschanden geworden. 2 Cor. 7, 14; und wissen, wenn alle ding feilen, und von uns nichts selbs rhümen können, das wir droben einen hohenpriester haben. Luther 6, 55ᵃ; er (ein mitschüler) befleiszt sich auch der reinlichkeit, besitzt noch überdas eine grosze dienstfertigkeit und lebhaftigkeit; wann ich nur eben dieses auch von seiner zufriedenheit rühmen könnte. Schiller 1, 18;
du rühmest viel von gott und streichst gewaltig aus
den segen, den er schickt in seiner kinder haus.
P. Gerhardt 4 Gödeke;
o mann des glücks! wer einmal das von sich
zu rühmen hätte!
Schiller 6, 29.
γ)
sich von, wegen einer person oder sache rühmen (veraltet): von den mannen wie si sich von den weybern riemen. fastnachtsp. 1345, 16; und so ich auch etwas weiter mich rhümete von unser gewalt ... wolte ich nicht zu schanden werden. 2 Cor. 10, 8; davon wil ich mich rhümen, von mir selbs aber wil ich mich nichts rhümen. 12, 5; denn wir sind die beschneitung, die wir gotte im geist dienen, und rhümen uns von Christo Jhesu, und verlassen uns nicht auff fleisch. Philipp. 3, 3; so einer von solchen dingen (brückenbau u. s. w.) sich rümpt, und sich darzu gebrauchen lassen wil. Fronsperger kriegsbuch 82ᵇ; Salomo rühmt sich in seinem prediger von zweyerley stücken, die er auff seinen meyerhöfen gehabt. Schuppius 101. für, vor.
α)
reflexiv: man mus sich für jm, nicht mehr, denn seiner lautern güte und gnaden, uns unwirdigen erzeigt, rhümen. Luther 1, 483ᵃ;
fur dyr niemant sich ruhmen kan.
Wackernagel kirchenl. 3, 7ᵇ.
β)
nicht reflexiv: wie S. Paulus acto. 24 für dem landpfleger rhümt wider seinen verklager. Luther 6, 54ᵇ; und ob wir wol für der welt können rhümen, ich habe niemand gestolen noch unrecht gethan, doch für gott müssen sagen, dir habe ich allzu viel gestolen. 55ᵃ. —durch: darumb kan ich mich rhümen durch Jhesu Christ. Römer 15, 17 variante (Bindseils bibel 7, 34);
wodurch sich mancher mann doch rühmet,
und oft wohl gar sein glücke macht.
Günther bei Steinbach 2, 315
(s. auch die folgende stelle aus Luther). —gegen, jemandem gegenüber etwas rühmlich erwähnen: der ander aber ist, dadurch die liebe rhümet, und trotzet, nicht gegen gott, sondern gegen und wider die gantze welt. Luther 6, 55ᵃ; das der glaube rhümet gegen gott. ebenda; denn wer gegen gott rhümen kan, der kan auch leichtlich darnach gegen der welt trotzen. 55ᵇ; doch mit dem richtigen unterschied, das .. die liebe .. gegen alle welt trotzen, und rhümen müsse. 56ᵃ. einen sehr rühmen bey einem, oder gegen einem, mirifice laudare aliquem apud aliquem. Frisch 2, 135ᵃ; er rühmte gegen die mutter die entfernte residenz. Freytag soll u. hab. 1, 350. — wider, vorwiegend mit der bedeutung des feindlichen trotzens und prahlens (vergl.rühmen 4): des volcks ist zu viel ... Israel möchte sich rhümen wider mich, und sagen, meine hand hat mich erlöset. richter 7, 2; mag sich auch eine axt rhümen wider den, so damit hewet? oder eine seghe trotzen wider den, so sie zeucht? Jes. 10, 15; und der herr wird die hütten Juda erretten, wie vorzeiten, auff das sich nicht hoch rhüme das haus David noch die bürger zu Jerusalem wider Juda. Sacharja 12, 7; und die barmhertzigkeit rhümet sich wider das gericht. Jac. 2, 13; das niemand könne aufftretten, und wider uns klagen ... das sie (die welt) nicht wider uns rhümen könne, sondern wir wider sie, als die von jr müssen leiden. Luther 6, 55ᵃ. an.
α)
in älterer sprache sich rühmen an, sich in beziehung auf, auf grund von etwas rühmen: der sih ruome an gote. Notker ps. 78, 9; auff das jr euch seer rhümen müget, in Christo Jhesu an mir. Philipper 1, 26.
β)
mit localer anwendung von an: an einem etwas rühmen. Frisch 2, 135ᵃ; besonders rühmte man an ihm sein gutes herz. Wieland 15, 157. —in: darumb kan ich mich rhümen, in Jhesu Christ, das ich gott diene. Römer 15, 17; einen in schriften rümen. Stieler 1636. über.
α)
zur bezeichnung der veranlassung, des gegenstandes des rühmens: die selbigen heben jre stimme auff, und rhümen, und jauchtzen vom meer her, uber der herrligkeit des herrn. Jes. 24, 14; und werdet der heiden güter essen, und uber jhrer herrligkeit euch rhümen. 61, 6.
β)
jemanden über andre rühmen: und der herr hat dir heute geredt, das ... er dich das höhest mache, und du gerhümet, gepreiset und geehret werdest uber alle völcker, die er gemacht hat. 5 Mos. 26, 19; über das masz, ziel hinaus: wir aber rhümen uns nicht uber das ziel .. denn wir sind je bis auch zu euch komen mit dem evangelio Christi, und rhümen uns nicht ubers ziel in frembder erbeit. 2 Cor. 10, 13. — unter: ich wil dem herrn seer dancken mit meinem munde, und jn rhümen unter vielen. psalm 109, 30. —um (willen): ih ruomda mih umbe lob. Graff 4, 1141; du solt niemand rhümen umb seines groszen ansehens willen. Sirach 11, 2; ebenso in der verbindung mit wegen, halber.
e)
participien in verbaler und adjectivischer anwendung:
dasz nicht ihr stets altvordere rühmend erhöhn mögt
als gläubig und fromm, und die jüngere zeit darstellt als weltlich und gottlos.
Platen 316ᵇ;
in einem lande endlich, wo arbeitsamkeit die gerühmteste tugend, bettelei das verächtlichste laster war, muszte ein orden des müsziggangs, der mönchsstand, lange anstöszig gewesen seyn. Schiller 7, 51. sich rühmend:
die schön Antigone, sich rühmend zu verwegen
dasz sie der göttin selbs an schönheit überlegen,
war auch auf disem rock .. abgemalet.
Weckherlin 723;
rühmend im sinne von sich rühmend:
rühmend darfs der Deutsche sagen,
höher darf das herz ihm schlagen,
selbst erschuf er sich den werth.
Schiller 11, 329;
seh' ich mich
dir gegenüber, ja, so möcht' ich rühmend sagen,
dasz über meinem braunen scheitelhaar
die schnellen jahre machtlos hingegangen.
Wallenst. tod 5, 4;
wer sind wir, dasz wir uns
zu ihrem glanze rühmend eitel drängen?
jungfr. von Orleans 4, 7.
4)
intransitiv, veraltet, rühmen, prahlen, gloriari, arrogare, ostentare, iactare, iactitare glossierend (vgl.ruhm 4, s. auch rühmen gegen unter 3 und das subst. rühmen 2). Graff 4, 1140. Dief. gloss. 282ᵇ. nov. gloss. 195ᵃ: ich sprach zu den rhumrettigen, rhümet nicht so, und zu den gottlosen, pochet nicht auff gewalt. psalm 75, 5; und Nicanor rhümet und trotzet, und war gewis, das er wolt grosze ehre einlegen wider den Judam. 2 Macc. 15, 6. im Aargauer dialekt heiszt er rüemt noch heute er redet zu lob, berühmt sich. Hunziker 212.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1446, Z. 1.

rühmen

rühmen,
starkes neutr., substantivierter infinitiv.
1)
nach transitivem rühmen (3), in der bedeutung 'lob': und das jr bereitet seid, gleich wie ich von euch gesagt habe. auff das nicht, so die aus Macedonia mit mir kemen, und euch unbereit fünden, wir (wil nicht sagen jr) zu schanden würden, mit solchem rhümen. 2 Cor. 9, 4;
nur der ist rühmens werth,
der dich (den reichthum) zu brauchen weisz.
Lichtwer 207;
selbst ein gedicht
voll rühmens wäre
so lieb mir nicht
als jene zähre.
Göckingk 1, 308.
gern in der formel rühmens machen, aufhebens: in Mannheim angelangt, eilte ich mit gröszter begierde, den antikensaal zu sehen, von dem man viel rühmens machte. Göthe 26, 84; mache nicht zu viel rühmens, mein sohn, von einem ganz gemeinen verdienst. Schiller parasit 3, 9;
o ho, das ist ein kalte lieb,
darfon mein fraw vil rüemens trieb.
H. Sachs fastn. sp. 5, 117, 146 neudruck.
2)
dem reflexivum entsprechend, 'das prahlen':
er sol daʒ rüemen lâʒen sîn.
g. Gerhard 33;
ach ir narren, wie habt ir ein riemen.
fastn. sp. 334, 3;
ich bin ein narr worden uber dem rhümen, dazu habt jr mich gezwungen, denn ich solte von euch gelobet werden. 2 Cor. 12, 11; laszt ewer gros rhümen und trotzen. 1 Sam. 2, 3; dasz wir wider d. Ecken zu schreiben gesinnet sind, ist wahr und noth umb der wahrheit willen, dasz d. Eck mit seinem prangen sich rühmet dasz gewunnen, das er doch selb hält und mit Carlstadt eins ist, und durch solch falsch rühmen ein wahn macht, er halts anders, denn doctor Carlstadt. Luther briefe 1, 319;
drum sei das rühmen fern von mir,
was dir gebührt, das geb ich dir,
du bist allein zu ehren.
P. Gerhardt 325 Gödeke.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1450, Z. 50.

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Zitationshilfe
„rühmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BChmen>, abgerufen am 07.05.2021.

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