Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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rille, f.

rille, f.
eine kleine rinne, rinnsal, abfluszgraben, vertiefter streifen, spalte. Adelung. das wort ist niederdeutsch. brem. wb. 3, 494. Schütze 3, 296. ten Doornkaat-Koolman 3, 40ᵃ. engl. rill. das wort steht im ablaut zum fem. ralle, furche bei Pfister 224. die herkunft ist dunkel. die so auffallenden, tiefen und meist geraden rillen, die ihn (den mond) durchschneiden. Schopenhauer parerga u. paralip. 2, 105;
wenn auch verschiedne tiefe rillen, woraus nicht alles wasser treibet,
wodurch man fahren musz, vorhanden, und diese sehr veränderlich,
und oftermahl viel tiefer werden, und schlammigter.
Brockes 7, 277;
vernimmst du nicht ein feines schrillen,
ein rieseln, wie wenn sandgekörn auf estrich stäubt durch schmale rillen.
A. v. Droste-Hülshoff 281.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1890), Bd. VIII (1893), Sp. 957, Z. 13.

rullen, verb.

rullen, verb.
nebenform zu rollen? in der bedeutung 'sich bewegen in, sich abgeben mit etwas', versari:
Simeon. so du nit folgest, wollen wir
ein ehbruch heut aufflegen dir.
Susanna. ihr habt doch selbs an ehbruch schuldt,
wenn jhr schon nicht in lügen rullt.
Calagii Susanna B 5ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1476, Z. 36.

rullen, verb.

rullen, verb.
prügeln. Campe:
die kefer sprachn, wir wollns mit wagen,
die meusz rullen, jagen, und schlagen.
Rollenhagen froschm. B bb 6ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1476, Z. 43.

rüllen, verb.

rüllen, verb.
brüllen, schreien. es ist eine früh-nhd. umbildung von rücheln, rüheln, vergl. Lexer mhd. hwb. 2, 520 f., und die andern nhd. formen röcheln, rücheln, rüheln; die seltnern formen rülen, rühlen sind von rüllen nicht immer zu trennen. jetzt nur noch in einzelnen dialekten.
1)
zunächst als bezeichnung der laute gewisser thiere:
ich hör in dem wald ein gedösz,
ein rüllen, reissen und gestösz.
Ayrer Wolff Dieter. 233ᶜ;
so wird das thierchen mack, das sonsten rüllt und brüllet.
carm. nupt. 1, 264 bei Frischbier 2, 236ᵇ.
besonders vom brüllen der löwen und ochsen, während vom wiehern der pferde mehr rühlen, rücheln gesagt wird, s. Hintner 189. rüllen wie die ochsen, boare. Schottel 1389;
ich hoff mein ochs soll prüllen
vor gricht jm hohen thon, ja thon
und mit seinem lauten rüllen
gegen meiner part stohn.
Ayrer singsp. 140ᵈ;
hirsch, löwen prülln,
die ochsen rülln.
Eyering 2, 131.
2)
dann auch 'schreien, heulen', vom menschen gesagt; bei H. Sachs ungemein häufig:
und wolt mein fraw verhelen mir
dein han, ich wolt mit feusten jr
warlich den palck mit feusten knüllen,
das sie zwen tag darnach must rüllen.
2, 4, 12ᵃ;
die fraw fieng laut zu rüllen on.
4, 3, 64ᶜ.
schreien und rüllen:
anfing sie zu schreyen und rüllen.
1, 525ᵇ.
besonders häufig weinen und rüllen:
do platzet er jr in das har ...
thet sie darzu mit feusten knüllen,
sie fieng an zu weinen und rüllen.
2, 4, 96ᶜ;
sie thet weinen und rüllen,
und schrir, sam wer sie thöret.
5, 390ᵈ.
in edlerem sinne, ohne den begriff des lauten schreiens zu betonen:
und als er (David) nun auszgieng nach dem
ausz der statte Jerusalem
betrübet hart, weynet und rüllet,
vor leyd sein angsicht hett verhüllet.
4, 1, 48ᵇ;
ein herrlich wolgeschmücktes weib ...
gieng her in lang zerflattertem haar
samm gantz trawrig und ellend gar
und hett jr angesicht verhüllt
und von hertzen waynet und rüllt.
4, 2, 10ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1476, Z. 47.

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Zitationshilfe
„rüllen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCllen>, abgerufen am 15.05.2021.

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